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gewachsen. Aus Deutsch-Tirolern sind noch keine Italiener geworden, obwohl sie zit Taujenden der italienischen Sprache mächtig sind, es werden auch wenige Beispiele von Tschechisirung deutscher, d. h. nicht bloß deutich sprechender, sondern stammdeutscher Familien aufzuweisen sein, während der Zufluß slavischer Elemente in das deutsche Volt noch niemals ganz aufgehört hat.

Ruhigere Zeiten werden erst den Berveis für die Nothwendigkeit geschlojjener Sprachgebiete im Sinne der gegenwärtigen Anschauungen erbringen müssen, es ist nicht ausgemacht, daß man zu allen Zeiten die Austellung eines zweisprachigen Beamten in einer einsprachigen Gegend als Bedrohung auffassen und in jedem Tschechen, der in einer deutschen Stadt wohnt, einen Agitator für das böhmische Staatsrecht sehen wird. Jeit allerdings, wo der Verkehr der beiden Volfsstämme über die dringendsten geschäftlichen Verhandlungen nicht hinanreicht und sich namentlich die Tjchechen, wo sie nicht ganz isolirt sind, in den albernsten Herausforderungen und Außerungen einer läppischen nationalen Eitelkeit gefallen, konnte die Regierung nur darauf bedacht sein, die Zujammenstöße zu verringern und dem Muthwillen Schranken zu seßen, und mußte sich für die gejeßliche Feststellung getrennter Sprachgebiete entscheiden. Worauf man gespannt sein muß, das ist der Weg, den die Regierung nach diejem ersten Schritte einschlagen wird, und ob sie ihre Absichten nur ganz akademisch zur Disfusion stellen oder auch wirklich durchführen will!

Herr von Körber hat ja wohl selbst nachdrücklich betont, die Regierung jei darauf vorbereitet gewesen, daß die Tichechen ihre Vorschläge in Bauch und Bogen verwerfen, sie habe den Beifall der Streitenden nicht erwartet und werde durch den Widerspruch der Streitenden nicht erschreckt. Zil diejer Erklärung hat dann freilich die Aufforderung schlecht gepaßt: „Gehen sie auf die Sache ein und das lebrige wird sich finden!“ Die Streitenden werden nämlich auf die Sache nicht eingehen, weil sie dies als Parteien mit festgenagelten Programmen gar nicht thim dürfen, und es wird sich nichts finden als neuer Hader, zeitraubender Spektakel, unfruchtbare Deklamation und Demonstration. Davon haben wir aber doch schon allzu reichlich genossen imd damit „tommt man auch nicht vorwärts“, was der Ministerpräsident, der seit Neuestem außer dem Ministerium des Innern auch das der Justiz verivaltet, jo sehr zu wünschen vorgiebt. Zunächst muß die Siegierung jelbst vorwärts fonimen, sie muß regieren und nicht mur konstitutionell sein wollen. Wir wissen ja bereits, wie der Konstitutionalismus in Desterreich von den Völkern mißbraucht und entwürdigt wird. Die Handhabung der konstitutionellen Formen ist ganz werthlos, wenn damit nichts erreicht wird. Wil nber Herr von Nörber etwas anderes erreichen, als alle jeine Vorgänger, nämlich die Staatsmaschine joweit im Gange erhalten, damit sich ihre mangelhajte konstruktion nicht allzu auf fällig bemerkbar mache? Seine Versicherungen, daß er die Sprachenfrage nicht mehr von der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses abseben wolle, sind vielleicht ebenjo wenig ernst zu nehmen, als die Drohung der Aufhebung der Zollunion mit Ungarn, die Herrn vori Szell kaum große Bejorgnisse eingeflüßt haben dürfte.

Wie der Abgeordnete Dr. Lecher in dem neuen, groß angelegten Wiener Blatte „Die Zeit“ überzeugend nachgewiejen hat, besteht für die österreichische Regierung durchaus fein Zwang, sich mit den Tarifvereinbarungen, die einen Theil des Zoll- und Handelsbündnisses mit Il ngarn ausmachen, besonders zu beeilen; der sogenannte autonome 300tarif darf gar nicht fertiggestellt werden, so lange das Deutsche Reich mit jeinen Positionen nicht im Reinen ist. Die von den Sichechen in Aussicht gestellte Obstruktion bei Gelegenheit der Ausgleichsverhandlungen ist daher für das Ministerium Körber vorläufig ziemlich ungefährlich. Nur die Hinausschiebung der Budgetdebatte durch Dringlichkeitsanträge könnte eine bedenkliche Erschütterung jeiner Position zur Folge haben. Man glaubt aber nicht, daß die Tschechen sich durch schroffes Auftreten, durch Störung der Erledigung von „Staatsnothwendigkeiten“ an höchster Stelle mißliebig machen wollen. Auf ihr Zeter und Mordio giebt man jo wenig, als auf die sinnlojen Demonstrationen der ungarischen Unabhängigkeitspartei, die im Zeitalter des Sports zu den politischen Abarten unschädlicher Kraftvergeudung gezählt werden dürfen.

So lange Dr. Kezet das Amt eines tschechischen Landsmann-Ministers bekleidet, famt das Ministerium Körber als jeststehend gelten. Im Falle jeines Ausscheidens wird desjen Veranlassung für die Neubildung der Regierung von Einfluß sein. Würde sich nämlich der wegen seines Freimuthes jehr angesehene tschechische Politiker genöthigt sehen, dem Monarchen die Erflärung abzugeben, daß er mit dem Vorgehen jeiner Landsleute nicht mehr einverstanden sei und aus diesem Grunde ihre Ansichten im Ministerrathe nicht mehr vertreten könne, so würde Körber nichts zu bejorgen, die Tichechen aber würden in nächster Zukunft keine Berücksichtigung zu erwarten haben. Sie hüten sich daher, einen zu starken Druck auf ihren Vertreter im Rathe der Krone auszuüben und überlassen ihm lieber die Auswahl der Kompenjationen, die sich gerade einheimisen lassen. Der Rücktritt des Justizministers v. Spens-Booden, der vielleicht sehr in= gerechterweise bei den Tscheschen verichwärzt war, und die Beförderung des Erzherzogs Ferdinand Karl, eines Bruders des Thronfolgers, zum Brigadefommandanten in Prag dürften zu diejen gerechnet werden fönnen. Die Tichechen fühlen sich gefränkt, wenn die weitläufigen Räume des Hradichin imbewohnt bleiben, und sind sehr geneigt, in einem darin wohnenden Erzherzog den Repräjentanten des böhmijchen, d. h. bei ihnen joviel als tschechischen Königs, zu erblicken.

Angesichts diejer Ereignisje ist der Ausbruch einer heftigen Sirije in unjerem Staatsleben augenblicklich faum zu befürchten. Der Verlauf der eben im Zuge begrijfenen Landtagswahlen ist außerdem jo wenig stürmisch, die Leidenschaftlichkeit der nationalen Bewegung bei den Deutschen, die ihnen immer schlecht bekommt, jo sichtlich im Ablaufen begriffen, daß auch verderbenbringende Zwischenfälle von Körber nicht befürchtet werden müsjen. Die unzweideutigen deußerungen der reichsdeutschen „A11deutschen“ auf dem Südntartfeste in Bozen und bei anderen Gelegenheiten der lezten Monate, daß sie mit ihrer Reichsregierung in der Ablehnung jeder Einmischung in die Entwicklung der inneren Verhältnisse Desterreichs übereinstimmen und daß die Deutsch - Desterreicher ihre Kraft und ihren Werth als deutsche Stammesgenossen gerade dadurch bethätigen müssen, daß sie ihr Staatswesen gesund und leistungsfähig erhalten, diese durch das unausstehliche und schamlose Gewinjel und Gebettel der österreichischen Pangermanen herausgeforderten Absagen sind nicht ohne Wirkung geblieben. Man wird in wohl auf jener Seite etwas vorsichtiger sein und Alles vermeiden, was diesjeits die umsinnigsten Vorstellungen von der Erpansionsfähigkeit des Deutschen Reiches erweckt und Stimmungen befördert, die den Deutschen in Oesterreich die Thatfrast rauben und der Festigung des Bündnisses der beiden Kaiserreiche, auf dem die Macht der Nation beruht, nicht förderlich sind.

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Wer im deutschnationalen Interesse in Oesterreich wirken will, der muß den Glauben an den Bestand des Staates der Habsburger und an seine Bedeutung für die Weltstellung der Deutschen unter den österreichischen Stammesbrüdern stüßen und erheben, der muß dagegen an kämpfen, daß man hierzulande die Hände in den Schooß legt, an dem Ausbau des Staates nicht mit ganzem Herzen und mit dem Bewußtsein mitwirkt, dabei eine nationale Pflicht zu erfüllen, der muß sein Ohr verjchließen, wenn man ihn durch übertriebene Schilderungen eines gottlob noch nicht hereingebrochenen nationalen Elends täuschen will, der muß davor warnen, daß man mit Utopien spielt und das Volk durd che Vertröstungen davon abhält, sich mit ganzer Kraft für das St einzujeßen, mit dem es erwachsen ist und das seine gejammte Art braucht und verwerthet. Man erörtert, wie schon so oft, auch eder die

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alen 3 Desterreich zu einer mächtigen freisinni or Volfe Partei, von deren Organijation fein ehr folgichaften der Herren Lueger, Schön if im despoten auszuschließen wären. Ihr 3

liten wenn zur Grundbedingung nichts And Erflärung, daß der Ausbau und diese ichen Monarchie als eines mit dem bündeten, aber selbständigen Neides de puunft zu bilden habe. Was uns trei (55cfinnung der us Nächtitehenden, liebtce Qerstecensiviclent mit dem nationale Erlojung" übergeleitet w

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Schwarzgelb, es ist die Farbe der alten Kaijer, sie hat seit Jahrhinderten vor den Heerhausen der Deutschen geweht, bei Pavia und vor Leipzig, am Rhein und an der Donau, vor Straßburg und vor Djen, und überall haben die Deutschen sie mit ihrem Blute getränkt und sie als das Simbild ihrer Ehre gehütet. Wer hütet sie sonst? Wer will das Reich mit dem schwarzgelben Bauer aufrechthalten und festkitten an das der Brüder, die es mitbegründet und miterhalten haben? Wer anders als die Deutschen? Hur auf dem Boden eines Staates kann ein Volk heute blühen und Macht gewinnen. Die Nation ohne Staat ist ein Nulturbegriji, aber keine politische Macht; national ist das Schaffen im Staate zum Wohle der Nation, aber nicht das Träumen von einer Zukunft, die man jelbit nicht schaffen will. No eine deutsche Partei in Desterreich und für Desterreich, die nicht nur regierungsfähig wäre, sondern sich auch eifrigst bemühen würde, regierungskundig zi1 werden! Mit ihr wäre die deutsche Dienstiprache und noch manches Andere zu erreichen, was Herr von Nörber als Recht des Staates anerkannt wissen will, mit oder ohne Parlament, mit oder ohne den böhmischen Landtag!

Nußland: Der Tibetvertrag. Die Mandichureifrage.

Afghanistan. Die türkischen Meerengen. Vor einem Monat wurde die Welt mit der Nachricht überrascht, zwischen Nußland und China jei ein Vertrag abgeichlossen worden, nach dem Tibet an die Nusjen ,abgetreten" jei und diese dafir der gegenwärtigen chinesischen Dynastie den unverleßlichen Bestand des eigentlichen China, der ogenamiten achtzehn Provinzen, garantirt hätten.

Ueber diejen – angeblichen oder wirklichen Vertrag hat man vielerorts recht ungereimtes Gerede 311 hören bekommen. Immer tehrte in den Zeitungstommentaren der Gedanke wieder, ,, daß die russiche Machtsphäre umehr das britische Judien auch von Norden her umklammere“, und dergleichen mehr. Faktisch würde die Erwerbung Tibets für die Nuijen, was ihre militärische Stellung Judien gegenüber betrijst, imgefähr ebenjo viel bedeuten, wie die Annerion von Spitzbergen oder die Flaggenhissung am Südpol. Erstens fam eine ruhe Armee überhaupt nicht nach Tibet hineinfommen, und zweitens fönnte sie, auch wenn sie hineintäme, von dort aus nicht nach Indien marschieren.

Vor allem bedarf der Ausdruck „Tibet" erst einer genaueren Bestimmung. Nach der Karte handelt es sich um ein Gebiet von beinahe 134 Will. qkm, d. h. etwa dem vierfachen Areal Deutschlands, das zwischen zwei der mächtigsten Gebirgsjusteme der Erde, dem Nivenlun und dem Himalaya, in einer Ausdehnung von 1600-1700 km von Ost nach West und von etiva 1000 km von Nord nach Siid jich erstreckt. Von diejem

Preußische Jahrbüd;er. Bd. CX. Heft 2.

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kolosjalen Areal fommt faktisch nur ein sehr geringer Theil in Betracht, mänilich nichts außer den Längsthälern des oberen Judussystenis muid des Brahmaputra (Sanpo), die sich am Nordabhang des Himalaya in einer durchschnittlichen Erhebung von 3000-4500 m hinziehen, und außer: dem noch den Thalgebieten im Oberlaufe der Flüsse Mekong und Janga tjefiang. Dieje verhältnismägig schmale Zone im Süden und Südosten ist derjenige Theil Tibets, der allein als bevölkert betrachtet werden kan. Wieviel Menschen dort aber wirklich wohnen, entzieht sich jeder Kenntnis: die Schägungen schwanken zivijchen 11/2 md 6 Millionen. Wahrscheinlich liegt die erste Zahl näher am Richtigen als die zweite. Der ganze Rest von Tibet, mehr als 3/4 des Landes, ist unbewohnt oder so gut wie una bewohnt, und zwar in erster Linie wegen der abnormien Erhebung des Erdbodens über das Meeresniveau. Tibet ist der mächtigste Hochlandsblock der Erde; auf einen Naum von der doppelten Größe Deutichlands liegen mir wenige Gebiete etwas niedriger als der Gipsel des Montblanc, und die durchschnittliche Erhebung schwankt um 5000 m. Auf dieses an sich schon jo folossal emporgehobene Plateau finden sich dann noch zahl= reiche, überwiegend von Ost nach West streichende Längsketten mit Baba übergängen, die an 6000 m Höhe heranreichen, aufgeseßt.

Die einzigen Zugänge zu dem bewohnten Theil Tibets führen denn auch nicht von Norden her über das Hochland, sondern von Süden aus der Tiefebene von Hindustani, über verschiedene Himalayapäsje, sowie von Osten und Nordosten her, aus dem inneren China, hinein. Von Wejten kommt man noch durch das obere Industhal von Saschmir hinein; dieses aber ist selbst nichts anderes als die westliche Fortseßung des tibetanijchent Hochlandes nördlich der Hauptfette des Himalaya und bildet einen britischen Schußstaat. Wie in aller Welt sollte also eine russijche Armee es anfangen, selbst nur nach Tibet hineinzukommen und die Hauptstadt Lhaja, von wo aus verichiedene Wege über die Himalayakette nach Indien führen, zu bejezen? Der Reijende Sven Hedin, der im Jahre 1896, während des. Hochjommers, also in der günstigsten Jahreszeit, es unternommen hat, von Saschgar und Chotan im chinesischen Ostturfestan aus, bis wohin die Nusjen ja leicht von ihrer mittelasiatischen Operationsbasis aus gelangen fönnten, den Nuenlun zu überschreiten und die Hochebenen des inneren Tibet zu betreten, erzählt in höchst anschaulicher Weise, welch immenjen Schwierigkeiten schon jeine verhältnismäßig kleine und gut ausgerüstete Karawane begegnete. Die Wirkungen des Höhentlimas äußerten sich bei den meisten seiner Leute in langwierigen und schweren gesundheitlichen Störungen; sein chinesischer Dolmetscher und Neijebegleiter wurde überhaupt marschunfähig und mußte zurückgeschickt werden. Die Ernährung der Keit- und Tragethiere der Narawane stellte wegen des fast abjoluten Futtermangels in den vegetationsarmen Hochthälern eine mlösbare Aufgabe; die meisten Pierde und Ejel gingen im Laufe des zweimonatlichen Mariches zu Grunde. Es fam daher als eine absolute Unmöglichkeit bezeichnet werden, daß selbst

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