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von den Minen zu den Schmelzöfen, später auch von Kupferbarilla und anderen reichen Kupfererzen, selbst bis zu den Hafenplätzen des stillen Oceans; ebenso zum Herbeischaffen des Auchenien mistes zu den Schmelzöfen benutzt, so wie es noch gegenwärtig geschieht.

Die Leistungsfähigkeit des Lamas als Tragthier wird von mehr oder weniger genauen Beobachtern, sowohl hinsichlich des Gewichtes der Last, als auch der in einem Tage zurückzulegenden Distanz sehr verschieden aufgegeben; erstere von 248 Arrobas (25—100 kg), letztere von 2-10 Leguas (11—55 km)! Acosta') hat die exorbitante Angabe gemacht, dass ein Lama mit 2 Ctr. Last (100 kg) an einem Tage 10 Leguas (55 km) zurücklegen könne, wenn die Reise nur einen Tag dauere. Diese Mittheilung entbehrt jeder Glaubwürdigkeit. Denn wenn ein Lama mit einem Metercentner beladen würde, was aber ein Indianer gewiss nie, nicht einmal probeweise versucht, so legt es sich nieder und ist dann durch keine Gewalt zu bewegen wieder aufzustehen, bevor es nicht entlastet wird. Es giebt kein anderes Thier, dass seine Leistungsfähigkeit so genau kennt, wie das Lama. Ebenso unrichtig ist Acosta's Mittheilung von 10 Leguas (55 km) pro Tag. Auch Mossbach's Angabe, dass die beladenen Lamas etwa 4 deutsche Meilen pro Tag zurücklegen, ist übertrieben. Ich habe diesem Gegenstand bei meiner Anwesenheit in Perú grosse Aufmerksamkeit geschenkt und bei mehreren, sowohl peruanischen als aymaráschen Heerden besitzern die verlässlichsten Erkundigungen darüber eingezogen und von ihnen die bestiminte Versicherung erbalten, dass sie ihre Thiere als feststehende Norm nie mit mit mehr als höchstens 4 Arobas (50 kg) beladen und mit ihnen täglich 3, höchstens 4 Leguas (171-22 km) zurücklegen und dass selbst bei dieser Leistung gar manche Thiere eine längere Reise nicht ausbalten.

Die beladenen Thiere gehen selten zu einem grossen Haufen vereint; entweder dem Leittbiere folgend hintereinander oder meistens über eine weite Fläche zerstreut. Es ist ein sehr hübscher Anblick, wenn man in den Cordilleren eine Schaar (Recua) von ein Paar hundert Lamas, denen noch eine grosse Zahl unbelasteter Ersatzthiere, falls die Lastlamas ermüden sollten, beigegeben ist, begegnet, wie sie stolz und sorglos, als ginge sie ihre Bürde gar nichts an, über Ebenen, Felsen, Abhänge und durch Schluchten äsend, langsam weiter ziehen sieht. Hinter und unter ihnen gehen der Heerdenbesitzer und seine Knechte, in der Regel auf je 15 Stücke einer, die Thiere überwachend, aufmunternd, die allzulässigen antreibend, die zu weit sich entfernenden mit dem nur für die Lamas gebrauchten Rufe „hayá, hayá“ zurücklockend. Nie wird ein Thier geschlagen oder misshandelt. Der Iudianer liebt das Lama und behandelt es, seinem Naturell Rechnung tragend, stets sanft, spricht viel mit ihm und liebkost es oft. In der Hand führt der Peon (Knecht) nicht etwa einen Stock oder eine Peitsche zum

1) 1. c. lib. IV cap. 41.
2) Südamerikanische Stufenländer. Ausland 1871 Nr. 13 S. 299.

Antreiben der Thiere, sondern gewöhnlich nur einen weichen Strick aus Lamawolle, den er höchstens, wenn es ihm nöthig scheint, in der Luft schwingt und sein „hayá“ dazu ertönen lässt. Abends, wenn Halt gemacht werden soll, wird die Heerde, oft mit Mühe, auf einen Haufen zusammengetrieben und es ist manchmal nöthig, einzelne mit der Wurfschlinge zu fangen (purwa). Sobald alle vereint sind, werden sie mit Stricken, die an mehreren Stöcken befestigt sind, umfasst. Diese so geringe Einzäunung ist vollkommen hinreichend, die Lamas Nachts über zusammen zu halten; es wird keines versuchen, diese schwache Abwehr zu durchbrechen, darunter durchzukriechen oder darüber hinwegzusetzen. Wenn die Thiere abgeladen sind (tuy ukus ka), legen sie sich meistens bald nieder und bringen die Nacht wiederkauend und schlafend zu. Nach Sonnenuntergang weiden die Lamas nicht mehr; sie können selbst 2-3 Tage der Nahrung entbehren. Vorzüglich der Umstand, dass sie nur am Tage ihrer Nahrung nachgehen, bedingt die Nothwendigkeit, sie auf Reisen nur kurze Märsche von etwa 20 km machen zu lassen.

Beim Bepacken (tšaxnay) wird die Ladung (winay) entweder auf ein Stück grob wollenen Stoff (tšextšip atša, spanisch „jerga“) oder ohne Unterlage auf das dichte, lange Rückenfliess der Thiere gelegt und durch einen wollenen Strick ganz systematisch-kunstgerecht geschnürt, so dass sich nur sebr ausnahmsweise eine Ladung während der Tagereise verschiebt und eine Nachhülfe erforderlich macht.

Auch beute noch ist es sowohl bei den Aymarás als bei deu Khetšuas gebräuchlich, dass, wie schon Ulloa') berichtet, bevor eine Recua ihre Reise antritt, eine Art Fest mit Tanz und Maisbierlibationen, an denen der Heerden besitzer mit seinen Nachbarn, Verwandten und Peonen Theil nimmt, veranstaltet wird, wobei den besten Lastthieren farbige, wollene Quasten (p uylú) durch die durchlöcherten Ohren gezogen und verknüpft, sie auch durch Halftern (senka sapa Khetš., mukuña Aymar.) und das Leitthier mit Glöckchen (sak apa) geschmückt und vielfach geliebkost werden.

Als Lastthiere dienen nur vollständig ausgewachsene, starke männliche Individuen. Sie heissen wakaywa oder wakahuya.

Durch A. von Humboldt 3) wurde die irrige Ansicht verbreitet, dass das Lama zur Zeit der Inkas auch als Zugthier, nehmlich zum Pfügen, gebraucht worden sei. Der berühmte Forscher stützt sich dabei auf den Chronisten Cieza de Leon“), der an einer missverstandenen Stelle sagt: Verdaderamente en la tierra de Collao es gran placer ver salir los indios con sus

1) Not. americ. S. 104.

2) Die Aymarás nennen besonders starke Lastthiere kusu kusu tacerani, weil sie gewöhnlich sehr lange, etwas gekräuselte Wolle haben.

3) Reise in den Aequinoctial-Gegenden des neuen Continentes, deutsch von Hauff. III. S. 275. Ansichten der Natur I. S. 203.

4) Coronica del Perú, Sevilla 1553 cap. 110 p. 264.

arados en estos carneros, ya la tarde verlos volver a sus casas, cargados de leña;" was wörtlich übersetzt lautet: „Es ist in der Landschaft Collao in der That ein grosses Vergnügen, die Indianer mit ihren Pflügen auf diesen Widdern (den Lamas) ausziehen und sie Abends mit Holz beladen in ihre Häuser zurückkehren zu sehen.“ Es ist also an dieser Stelle nicht die geringste Anspielung enthalten, welche vermuthen liesse, dass die Lamas zum Ackern gebraucht wurden, es heisst ja nur, dass sie den Pflug hinaus und Abends Holz nach Hause tragen. Sie werden also nur in ihrer Eigenschaft als Lastthiere erwähnt). Während die Indianer nach ihrer Art ackerten, weideten die Lamas ohne Zweifel in der Nähe. Kein einziger Chronist spricht von den Lamas als Zugthieren, und wenn auf der Karte zu d'Ovaglie's Reisewerk in Magalhañsland ein Indianer' mit zwei Lamas pflügend abgebildet ist, so muss diese Darstellung zu den Phantasiezeichnungen europäischer Künstler, an denen die artistischen Beilagen zu exotischen Reiseberichten des 16. und 17., zum Theil auch des 18. Jahrhunderts, überreich sind, gezählt werden. Das Lama wurde nirgends und zu keiner Zeit als Zugtbier benützt. Garcilasso de la Vega 3) beschreibt den Pflug und die Art des Pflügens der Inkaperuaner so genau, dass gar kein Zweifel darüber entstehen kann, dass bei diesem Pfluge und den mit ihm gebräuchlichen Manipulationen jede thierische Zugkraft absolut ausgeschlossen war“).

Est ist viel davon gefaselt und auch gläubig hingenommen worden, dass das Lama auch als Reitthier benutzt worden sei. Bei den Indianern war dies nie der Fall. Die Erzählung in dem Berichte Philipp von Hutten's, Zug nach dem oberen Orinocco, von einer Omagua-Cavallerie auf Lamas ist durchaus erfunden. Dem Diego de Ordaz wurde am Rio Meta von den Eingeborenen von einem mächtigen einäugigen Fürsten und von Thieren kleiner als Hirsche"), auf denen man reiten könne, wie die Spanier auf

1) Max Steffen in seiner interessanten und fleissigen Schrift, die Landwirthschaft bei den altamerikanischen Culturvölkern S. 122, sagt ganz richtig: „allein die Stelle aus Cieza's Cronica del Perú, auf die er (Ilumboldt) sich stützt, ist sicher nicht in diesem Sinne auszulegen.“

2) Alonso d'O vaglie Istoria relazione del regno de Chile, Roma 1646, cap. 21, wo auch erwähnt ist, dass der holländische Admiral Spilberg auf der Insel Mochica (an der Südwestkūste Chiles) die Indianer mit „Welkes“ babe pflügen sehen. Molina, vielleicht auf Ovaglie's Angabe gestützt, sagt ebenfalls, die Bewohner Chiles haben vor der Eroberung durch die Spanier mit Welkes (Huelque) gepflügt. Diese Angaben entbehren jedoch einer jeden thatsächlichen Grundlage.

3) I. c. lib. V cap. 2.

4) Der berühmte Zoologe Brandt hat in seiner Abhandlung über das Lama (Mém. de l'acad. de St. Petersbourg IV 5 livrais. 1841 folgern wollen, dass nach Ulloa I. c. in Riobamba die Lamas als Zugthiere benutzt worden seien. Prof. Andr. Wagner (Schreber's Säugethiere S. 1820) bat indessen ans Ulloa's Stelle selbst den Irrthum Brandt's widerlegt.

5) Es ist immerhin fraglich, ob die spanischen Chronisten bei dem oft vorkommenden Vergleiche „wit Hirschen“, „ciervos“, den in Spanien nicht gerade häufig vorkommenden Edelhirsch, oder den Dambirsch, oder, was mir am wahrscheinlichsten ist, die südamerikanischen Hirsche gemeint haben. Da diese Hirscharten an Grösse sehr verschieden sind, so ist es natürlich nicht gleichgültig zu wissen, welche Art als Vergleichsthier angenommen wird.

Pferden, und die auf den Hochebenen von Neu-Granada vorkommen sollen, berichtet, Angaben, die ebenfalls in den Bereich der Fabel gehören.

Augustin de Zaratel) erzählt, dass die Spanier während des Feldzuges des Diego de Almagro nach Chile auf Lamas geritten seien, welche eigentlich dazu bestimmt waren, die Wasservorräthe für die Truppen zu tragen, und dass sie auf diese Weise 4-5 Leguas pro Tag zurückgelegt hätten'). Aehnliches giebt Lopez de Gomara an. Es mag auch der Wirklichkeit entsprechen, dass einzelne, vielleicht auch eine grössere Zahl von Spaniern, nach Verlust ihrer Pferde sich auf besonders starke Lamas setzten und vielleicht auch 25 km weit an einem Tage ritten; dass dies aber mehrere Tage nacheinander und von gewappneten Reitern, deren Durchschnittsgewicht doch mindestens 6 Arrobas (75 kg) betrug, geschah, entbehrt der Glaubwürdigkeit. Es wird eben nur erwähnt, dass spanische Soldaten auf Lamas ritten. Näbere Angaben fehlen. Als Reitthiere sind die Lamas ungeeignet, weil zu schwach. Die brutale spanische Soldatcska bat sich stets durch Rohheit gegen Menschen und Thiere ausgezeichnet und hat viele Tausende von Lamas durch Ueberanstrengung umgebracht.

Ein ergötzliches Geschichtchen erzählt Cieza de Leon 3). Als nehmlich die Indianer von Otowallo in der Nähe von Quito ihren Feinden, den Karanki-Indianern, einen grossen Schatz, den sie besassen, rauben wollten und wussten, dass diese vor den berittenen Spaniern eine grosse Furcht zeigten, bildeten sie aus starken Lamas und einer Anzahl Indianern eine Cavallerie ad hoc. Durch diese List soll es ihnen gelungen sein, sich des Schatzes der Karankis zu bemächtigen. Die Verantwortlichkeit für diese Erzählung bleibt dem genannten Gewährsmanne. Immerhin geht daraus hervor, dass die Indianer, erst nachdem sie berittene Spanier gesehen hatten, auf den Gedanken kamen, sich des Lamas als Reitthier zu bedienen, wobl ein Beweis, dass es früher nie geschah.

Diese Art der Benutzung des Lamas hat auch später nicht mehr stattgefunden und verursacht höchstens noch hin und wieder einmal einem Indianerbuben ein Vergnügen. Ich füge nur noch bei, dass sich die Lamas gegen derartige Versuche in der Regel sehr renitent zeigen.

4175 m;

1) l. c. lib. III cap. 2.

2) Die Legua ist zu. verschiedenen Zeiten von sehr verschiedener Länge gewesen. Anfänglich betrug sie 4000 varas castellanas (span. Ellen) = 3345 in, dann 5000 varas = von 1801 an 66664/2 varas = 5572 m. Die officiellen Distanzvermessungen vom Jahre 1845 unter dem Präsidenten Don Ramon Castilla, vorzüglich zur Berechnung des Postendienstes, wurden auf der Basis von 20 000 Fuss 5572 m die Legua vorgenommen.

3) Histor. de las Indias cap. 142. 4) Cronica Parte I cap. 39.

Zeitsehrift für Ethnologie. Jahrg. 1885.

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VI.

Aggri-Perlen.

Von

Dr. Richard Andree in Leipzig.

Die Mittheilung, dass auch auf der ostasiatischen Insel Savu die Perlen vorkommen (Verhandl. 1884. S. 593), welche man generell als Aggri-Perlen bezeichnen kann, erweitert den Verbreitungsbezirk dieser merkwürdigen Schmuckgegenstände abermals. Es lassen sich diese Perlen nun in allen fünf Erdtheilen nachweisen, und wenn es auch noch nicht sicher ist, dass dieselben sämmtlich aus einer und derselben Bezugsquelle stammen, so deutet doch die grosse Uebereinstimmung vieler derselben in Gestalt, Farbe und Ausführung auf ein gemeinsames Herkommen bin. Es ist vielleicht angebracht, einmal darüber zusammenzustellen, was bekannt ist, und zu weiteren Vergleichen und Nachforschungen anzuregen. Im Nachstehenden erlaube ich mir einen kleinen Beitrag hierzu zu liefern.

Um im fernen Osten zu bleiben, so hat A. Langen (Verhandl. 1884, S. 427) sie auch von Timor und Flores nachgewiesen, wo sie hoch geschätzt werden. Er zeigte ganz richtig, dass sie mit den braunen und gelben Perlen, die auf den Palau-Inseln das Geld bilden, übereinstimmen.

Auf Palau treten die „Perlen“ in dreierlei Arten, als gebrannte Erden, Emaillen und Glas auf. Wir besitzen darüber eine vortreffliche Monographie von Kubary im Journal des Museum Godeffroy, Heft IV, S. 49. Auch ist damit zu vergleichen, was Semper in seinem Buche über die Palau-Inseln, Leipzig 1873, S. 61 ff. sagt. Wenn man die sehr gut ausgeführten Abbildungen im Journal des Museum Godeffroy (Fig. 1) vergleicht

Fig. 1. Palau-Geld.

mit alten Perlen aus Gräbern der Merowinger Zeit oder solchen aus altindianischen Gräbern Nordamerikas, so ist ein Unterschied kaum wahrnehmbar: Grösse, Farbe, Muster, Stoff --- alles stimmt in überraschender Weise. Leider sind die Originale im Museum Godeffroy nicht vorhanden;

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