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VII.

Ueber die „djawet’s“ oder heiligen Töpfe der Oloh

ngadju (Dajaken) von Süd-Ost-Borneo.

Von

F. S. Grabowsky.

Hierzu Tafel VII.

Mit dem Collectivnamen „djawet“ bezeichnen die Oloh ngadju und auch die ihnen verwandten Ot danom grosse, glasierte Töpfe oder Vasen, die je nach der Grösse und den Figuren, welche dieselben en relief verzieren, verschieden benannt werden und verschiedenen Werth haben. Sie bilden den grössten Reichthum einer Familie und jedes Dajaken Trachten steht dahin, Besitzer eines solchen heiligen Topfes zu werden. Früher wurden nicht selten Kriege um den Besitz der „djawets“ geführt, denn der Dajake glaubt, die „gana“ (Seele) dieser Töpfe sei glückbringend; ihr Besitz kehre Krankheiten vom Eigenthümer ab, verschaffe gute Ernten, Glück im Handel und (nach Perelaer) auch Glück in der Liebe. Ueber den Ursprung der Töpfe erzählen die Dajaken des Kapuas, dass sie vom Könige von Madjapahit, der ein Sohn von Mahataras, des höchsten Gottes war, gemacht seien, während seiner Anwesenheit auf Borneo, wohin er durch eine Gesandtschaft berufen war, um zu regieren. Niemand durfte zugegen sein, wenn er solche Töpfe (und auch Dolche) machte; doch seine neugierige Frau überraschte ihn einst bei seiner Arbeit und seit der Zeit verfertigte er keine Töpfe mehr. – Schwaner erzählt die Legende also: „Aus dem Lehm, welcher nach der Schöpfung von Sonne, Mond und Erde übrig geblieben war, machte Mahatara, der höchste Gott, 7 Berge auf Java, in der Nähe von Madjapahit. Ratu Tjampu, von göttlicher Abkunft, verfertigte aus dem Lebm dieser Hügel kunstvolle Töpfe, bewahrte sie mit anderen Arbeiten seiner kunstfleissigen Hand als Gongs, Dolche u. s. w. in der Höhle eines Berges auf und bewachte sie sorgfältig. – Er heirathete „Putri Onak manjang“, die Tochter des Fürsten von Madjapahit, und zeugte mit ihr einen Sohn, Raden Tunjong genannt. Verschiedene unangenehme Erfahrungen, die er auf Erden machte, veranlassten Ratu Tjampa in sein altes Vaterland, den Himmel, zurückzukehren. Bevor er dies jedoch that, zeigte er seinem Sohne die in der Höhle aufbewahrten Töpfe u. s. w. und ermahnte ihn, sie sorgfältig zu bewachen. Doch er vernachlässigte bald den Rath seines Vaters und in Folge dessen entflohen Töpfe und Dolche, welche man nicht

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Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1885.

schnell genug festhalten konnte, nach allen Richtungen. Einige stürzten sich in die See und verwandelten sich in „Tampaha“ genannte Fische; andere flüchteten in die Wälder und wurden da zu Hirschen und Schweinen; die Waffen wurden zu Schlangen, die Gongs (kupferne Trommeln) zu Schildkröten u. 8. W. Darum, so meinen die Dajaken, kann es heute noch geschehen, dass ein glücklicher Jäger ein Wild erlegt, das aus einem solchen Topf entstanden ist; während der Todeszuckungen verändert sich dann das Thier in den ursprünglichen Topf“. So weit Schwaner. - Perelaer weiss eine noch genauere Legende anzuführen und, wenn dieselbe auch in den Hauptsachen ein sehr javanisches Gepräge hat und kein Dajake die darin vorkommenden Namen der Berge kennen dürfte, so lasse ich sie doch hier, der Vollständigkeit halber, folgen: „Als das Reich von Madjapahit noch bestand und beinahe alle Inseln des jetzigen ostindischen Archipels seiner Macht unterworfen waren, hatte Radja Pahit (?) der Sohn eines der Beherrscher dieses ausgedehnten Reiches und der rechtmässige Thronerbe derselben, beim Spiel nicht allein unsäglich viel Geld, Schätze und Kleinodien, sondern auch alle seine Erbstaaten verloren. Verzweifelt über so viel Unglück, wagte er es nicht, sich seinem Vater zu zeigen, sondern flob mit seiner Familie in die wilden Gegenden, die den Krater des Berges Merbabu umgeben, welcher beinahe mitten in Java liegt. Dort blieb er viele Jabre, bis Mabatara, von dem die Herrscher von Madjapahit abstammen, mit dem verlorenen Sohne Mitleiden bekam und Kadjanka, dem Herrscher des Mondes den Auftrag gab, ihm zu helfen. Kadjanka, der wenig von dem ihm gewordenen Auftrag eingenommen war, sich aber dem Befehl Mahataras nicht widersetzen konnte, sann auf ein Mittel, sich der lästigen Aufgabe zu entziehen. Als er aber eines Abends, von einem silbernen Strahl des Mondes getragen, den Gipfel des Merbabu besuchte und neugierig durch eine Spalte in die Bambushütte von Radja Pahit blickte, sah er dessen Tochter Rawuma, eine Jungfrau von aussergewöhnlicher Schönheit und verliebte sich in die- selbe. Bald war sein Plan gemacht. Für seine Hülfe, die darin bestehen sollte, dass er Radja Pahit auf eine oder die andere Weise reich und mächtig machte, musste dieser ihm Rawuma zur Frau geben; gegen ein solches Anerbieten konnte Radja Pahit nichts einwenden, da eine Heirath des Mondherrschers mit dem Hause von Madjapahit für dasselbe eine Ehre war.

Nach der Sage der Dajaken nun, hatte Kadjanka, als Mahatara von der bei Erschaffung der Sonne übrig gebliebenen Erde den Mond schuf, bevor letzterer ganz fest geworden war, eine kleine Masse des noch breiartigen Lehms heimlich weggenommen. Um nun sein Gelübde gegenüber Mahatara zu erfüllen, d. h. Radja Pahit reich zu machen, lehrte er diesen Töpfe machen und als er darin ziemlich erfahren war, begannen beide von der gestohlenen Erde die „djawet's“ zu verfertigen, so dass also diese Töpfe von derselben Substanz wie die Sonne sind. - In 7 Tagen verfertigten sie so viele, dass nicht allein der Gipfel des Merbabu, sondern auch die diesen in einem Halbkreis umringenden Berge Andong, Kopeng, Gadjah, Telemojo, Werogomo und Djokopakeh mit den Töpfen bedeckt waren. Etwas Lebm blieb Ihnen nun noch übrig, aber es war kein Platz mehr da, um auch nur einen Topf niederzusetzen. Sie brannten darum den Lehm, stampften ihn dann wieder fein und streuten das Pulver rings um den Merbabu und seine sechs Vorberge, wodurch dieser Landstrich seine ausserordentliche Fruchtbarkeit erlangte. Um nun die Töpfe gegen Diebstahl zu schützen, beschloss Radja Pabit einen Zaun um die Berge zu machen und ging mit seinen Leuten gleich an's Werk; Kadjanka kehrte für kurze Zeit nach dem Monde zurück. Anfangs schritt die Arbeit der Umzäunung gut vorwärts; als aber die Sonne höher stieg und ihre Strahlen senkrecht herpiederfielen, wollte ein Theil der Arbeiter, um ihren grossen Durst zu löschen, einen in der Nähe gelegenen Fruchtgarten plündern, wogegen sich der andere Theil der Arbeiter auf lehnte. Hierdurch entstand ein so grosser Lärm, dass die Töpfe auf den Berggipfeln Furcht bekamen und zu fliehen versuchten. Als die Arbeiter dies bemerkten, vollendeten sie schnell die Umzäunung. Als nun Kadjanka am Abende, bei seiner Rückkehr zur Erde mit Radja Pahit nach den Töpfen sah, bemerkten sie, dass bei dem Streit der Arbeiter den Töpfen von vier Berggipfeln die Flucht gelungen war. Der Verkauf der auf den drei Berggipfeln zurückgebliebenen Töpfe war jedoch hinreichend, um Radja Pahit unermessliche Schätze einzubringen, wodurch er im Stande war, seine Erbländer wieder einzulösen und die Gunst seines Vaters wieder zu erlangen. Kadjanka erhielt als Lohn die schöne Rawuma zur Frau, die ihm während ihrer glücklichen Ehe 7 Söhne und 7 Töchter schenkte. Die geflohenen Töpfe begaben sich in ihrer Todesangst nach Borneo und verbargen sich dort in den dichten Wäldern; und diese sind es, die später aus ibren Verstecken herausgeholt, von den Dajaken so hoch geschätzt werden.“ – So weit Perelaer über die Sage, von der ich zu behaupten wage, dass Perelaer sie nie aus dem Munde eines Dajaken gehört haben kann; die von Java stammende Sage hat Perelaer eben bei seiner ethnographischen Beschreibung der Dajaken diesen in den Mund gelegt.

Schwaner 'führt in seinem Werk (pag. 190) 8 Arten von „djawets“ auf, die Namen sind aber zum Theil malaiisch, zum Theil so verstümmelt, dass eine Correctur derselben hier am Platze ist. 1. Blanga lagi. .

muss heissen Hatuan Blanga 2. Blanga perampoewan

Bawih Blanga 3. Laki-laki halmauoeng

Hatuän halimaung 4. Parampoewan halmauoeng

Bawih halimaung 5. Laki Brahan

Hatuan Braban 6. Perampoewan Brahan

Bawih Brahan 7. Laki Rentian

Hatuan Rantian 8. Perampoewan Rentian

Bawih Rantian

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Man sieht, Schwaner führt eigentlich nur 4 Arten auf, unterscheidet aber alle 4 in männliche (Hatuä) und weibliche (bawih) mit Variationen im Wertbe von 300-4000 holl. Gulden. Trotz wiederholten Fragens in allen on mir besuchten Dörfern des ganzen Kapuas-Stromgebietes ist es mir nicht gelungen, einen Blanga, Halimaung, überhaupt einen „djawet“ weiblichen Geschlechts zu Gesicht zu bekommen, obschon Schwaner, Hardeland und Perelaer in Uebereinstimmung solches angeben; fragte ich diesen oder jenen Dajaken, hast du denn schon eine Blanga etc. weiblichen Geschlechtes gesehen, so erhielt ich stets zur Antwort „nein“, aber „man sagt doch es gäbe solche“.

Perelaer zählt 12 Arten von heiligen Töpfen auf, entschieden aus Hardeland's dajakisch-deutschem Wörterbuch entlehnt, aber mit 5 Verstümmelungen. Hardeland (1858)

Perelaer (1870) 1. Blanga

7. Basir
1. Balanga

7. Basir
2. Brahan
8. Langaman 2. Brahan

8. Langaman 3. Halamaung

9. Bohok 3. Halamaoeng 9. Bohok 4. Rantian 10. Lampandak 4. Rantian

10. Lambandak 5. Sahajak

11. Kalata 5. Roenting Danom 11. K lanta 6. Runting Danum 12. Sambas

6. Sa jak

12. Samba . Es würde eine complicierte Abhandlung werden, die doch wenig verständlich bliebe, wollte ich nun die einzelnen Arten genau beschreiben und ihre Unterschiede kennzeichnen. Wohl hoffe ich aber, dass an der Hand der Zeichnungen, die ich von den 18 von mir gesehenen Arten von djawets gemacht, kurze Notizen genügen werden, um sich ein Bild von den so oft erwähnten heiligen Töpfen der Dajaken zu machen. Hier sei noch bebemerkt, dass die Relieffiguren nach der Ansicht der Dajaken, nicht wie Schwaner angiebt „Drachen und Delphinköpfe“ noch wie Perelaer sagt „Schlangen mit Füssen“ sind, sondern jeder Dajake nennt ohne Zögern den Namen „Kawok“ für die meist vorkommende Relieffigur und „Kawok“ bezeichnet so viel als „Leguan“, grosse Eidechse, womit die Figur in der That auch die meiste Aehnlichkeit hat. Im Allgemeinen heissen die Reliefs ,Bangkähen“. Fig. 1. Hatuän Blanga habo hot. – Werth 2000 holl. Gulden; im Besitz

eines alten Häuptlings in Kwala Kapuas SO. Borneo. -- Der Werth

dieses Blanga liegt besonders in einem am Halse des Topfes befinlichen Zu Fig. 1. Taf. VII.

spitz zulaufenden Wulst (bohot), oben und unten liu

durch schwarze Streifen (liu und uring sukang) bohot

begrenzt (Fig. 1 a). Als Relief 2 Kawok uring sukang

hintereinander. Durch die 6 Oehre (pinding) ist ein Rottan gezogen, an dem Tinggang-Federn, Perlen, Glöckchen, Ringe und Achatperlen (lameangs) hängen. Die Wellenlinien (Fig. 1b) werden „letok sulih“ genannt, die 3 erhabenen schwarzen

a

Punkte (Fig. c) jedeníalls zufällig beim Brennen oder Glasiren des Topfes entstanden, heissen „pasak sanaman“ d. h. eiserne Zapfen. Der Topf ist 73 cm hoch, hat eine Onffnung von 18 cm Durchmesser

und an der weitesten Stelle 1,66 m, am Boden 0,61 m Umfang. Fig. 2. Hatuän Blanga rempah. Werth 1800 f. Kwala Kapuas

Borneo. Relief wie Fig. 1; dagegen der Hals des Topfes verschieden von Fig. 1. Mündung aus Holz geschnitzt, 'schief angekittet; mit Rottanbändern und Griffen versehen. Ein zerbrochener aber wieder gekitteter Topf vermindert nur wenig den Werth desselben; das Kitten wird durch besondere Leute besorgt, die gut bezahlt werden; die Scherben eines ganz zerbrochenen Topfes baben halben Werth, handgrosse Stücke bisweilen mit 15 fl. bezahlt. Höhe

70 cm. Umfang 160 : 70 cm. Fig. 3. Hatuän halimaung. – Werth 1200 fl. Kampong Rahong Bungai

am Oberlauf des Kapuas d. 16. 8. 81. — Relief: 2 dreizehige, sich

ansehende Kawok. Fig. 4. Hatuän halimaung. Werth 1000 fl. Kampong Mangkirik den

19. 8. 81. Relief: 2 vierzehige sich ansehende Kawok je 60 cm lang und sehr erhaben. – An diesem Topf begann die Glasur an einigen Stellen abzufallen; man nannte ihn deshalb „bakihis“, wie eine unter den Dajaken verbreitete Hautkrankheit, hervorgerufen durch eine kleine Milbe (Trombidium borneënse nach J. C. Bernelot

Moens), genannt wird, wobei die Haut auch in Schuppen abfällt. Fig. 5. Halimaung haso. Werth 600 fl. Kampong Rahong Bungai den

16. 8. 81. Relief: 2 dreizebige Kawok hintereinander. Aus Fig. 3, 4, 5 ist die schlankere Form der Halimaungs vor der der Blangas (Fig. 1, 2) ersichtlich; dagegen in der Stellung der Kawoks (ob hinter- oder gegeneinander) oder in der Zahl der Zehen keine Gleichmässigkeit vorhanden. Perelaer giebt als Erkennungsmerkmal eines Halimaung drei Schlangen, alle nach einer Richtung gekehrt, die Füsse mit 5 Zehen.

Halimaungs sind übrigens die am häufigsten vorkommende Art der werthvolleren Töpfe; ich fand 1–2 beinahe in jedem Kampong

(Dorf) des Stromgebiets des Kapuas in SO.-Borneo. Fig. 6. Hatuä Rantian. Werth 500 f. Relief: 2 einander ansehende

Kawok. Perelaer giebt als Erkennungsmerkmal der Rantians an „einen Gürtel von 4 Schlangen“, je 2 mit geöffnetem Maul gegen

einander gekehrt. Fig. 7. Bazir Rantian. Werth 180 fl. Kampong Lawong Baung den

12. 8. 81. Relief: 2 Kawok hintereinander. Fig. 8. Kasisik bintiling. Werth 300 fl. Kampong Lawong Baung den

12. 8. 81. Ohne Relieffigur, nur in der angedeuteten Weise durch

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