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Das Haus ist besetzt von festlich geschmückten Hochzeitsgästen, in ihrer Mitte das Brautpaar, das jedoch oft seinen Platz verlässt, um für das leibliche Wohl der Gäste zu sorgen. Die Männer trugen ganz kurze Hose und Jacke, mit Perlen benäht, an der linken Seite das Messer, eine Art Kries, die Scheide umwunden mit Blättern vom Zimmt- und Kampherbaum. Alle sind im vollen kriegerischen Schmuck und tragen Schild und Lanze nebst einer Art Helm aus Bejucogeflecht (Calamus Rotang), verziert mit Hahnenfedern, um die Arme tragen sie Metallringe. Zahlreiche Perlenschnüre schmücken 'den Hals, in den Ohren befinden sich bis 8 cm im Durchmesser baltende Scheiben aus Elfenbein, Holz oder Korallen, welche eingeknöpft werden und unter dem Halse mit Perlenschnüren verbunden sind.

Die Mädchen und Frauen tragen eine Saya und kurze Jacke, die einen Theil des Leibes freilässt; beide Kleidungsstücke sind der Festlichkeit wegen mit Wachs glänzend gemacht. An der rechten Seite der Saya hängen zwei kleine Taschenmesserchen und in Form von Breloques eine Anzahl Amulette, Muscheln, Kaimanzähne u. s. w.; über die Brust gehen eine oder zwei Schürzen von Zeug, mit Perlen verziert. Die Saya ist unten herum mit Schellen besetzt, so dass es sich beim Gehen wie Schlittengeläut anhört; auf dem Kopf befindet sich ein Aufsatz von Büscheln aus Ziegenhaar, ganz wie die Aufsätze bei Schlittenpferden; um die Arme, Finger, Knöchel und Zehen zahlreiche Metallringe, je mehr desto besser; in den Obren eingeknöpfte Scheiben von Holz, in das kunstvoll Muster mit Metall eingelegt sind.

Bei unserem Eintritt wird uns, meinem Freunde Koch und mir, sofort der Ehrenplatz bei den Alten angewiesen. Balabak, ein berauschendes Getränk, und Betel, mit dessen Zubereitung sich die Braut beschäftigt, werden gebracht; nachdem in einigen zu dem Zweck aufgestellten Cocosschalen den Göttern etwas geopfert ist, wird beides herumgereicht und namentlich dem ersteren, dem Balabak, stark zugesprochen.

Nach vielem Hin- und Herlaufen wird dann in der Mitte des Hauses ein symbolisches Ehebett errichtet, zu Kopfe grüne Blätter, Fasern und fertiger Stoff von Musa textilis, Blüthenstände und Fruchtstände der Betelpalme, Bambus, chinesische Teller, Reis, Salz, kurzum Alles, was für einen Bagobo-Hausstand nothwendig ist.

Um diese Lagerstatt kauern sich dann die verheiratheten Frauen, in der Hand Palmenwedel, bei denen die grünen Blättchen geknickt sind, und singen Lieder, den Ehestand und seine Fruchtbarkeit betreffend. Um die Frauen herum hocken in zweiter und dritter Reihe die Mädchen, welche mitsingen.

Diese Ceremonie dauert vielleicht eine Stunde, während der tüchtig Balabak und Betel herumgereicht wird, wobei nie das Opfer für die Götter vergessen wird, indem vor jedesmaligem Herumreichen stets die Wirthin fragt, ob auch die Götter ihre Cocosschalen erhalten hätten.

Sodann wird die Lagerstatt abgebrochen, deren Componenten in besonderem Raume für die Götter aufbewahrt werden. Darauf erscheint

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eine ältere Bagoba mit einer Cocosschale voll Wasser und einem Besen, sie sprengt und fegt aus; trotz der 2000 deutschen Meilen Entfernung wurde ich dabei ungemein an unsere ländlichen Tanzböden erinnert.

Nach diesem Reinigungsprozesse treten sämmtliche weibliche Wesen zum Tanz an: in den Händen hält jede ein grosses Cocos-Palmenblatt direkt vor den Leib, oben mit der rechten, unten mit der linken Hand, sie stampfen dabei mit den Fusshacken vier Tritte vorwärts, machen dann eine Wendung nach links, stampfen auf der Stelle vier Tritte, inachen dann die volle Wendung, um nach vier Tritten auf der Stelle wieder in der Front weiter zu stampfen. Nach und nach wird der Tanz immer wilder, bis einzelne Tänzerinnen endlich erschöpft hinsinken und auf diese Weise nach und nach der Tanz aufgelöst wird.

Nach diesem treten die Männer zu einem ähnlichen, nur durch Gestikulationen und Waffenbewegung noch lebhafteren Tanze an, durch den dann das Fest beendigt ist, was bei dieser Hochzeit um ein Uhr Nachts der Fall war.

Die Ehegatten bewohnen eine Hütte allein. Sind Eheleute mit einander zufrieden, so zahlt nach sechs Monaten der Vater der Frau an den Mann die Hälfte der an ihn gezahlten Kaufsumme zurück; ist das Verhältniss jedoch kein gutes (Zank oder zu vermuthende Unfruchtbarkeit), so kann die Ehe ohne Weiteres gelöst werden, jedoch verfällt alsdann die Kaufsumme und die Frau kehrt in ihr Elternhaus zurück. Erlauben es dem Bagobo seine Verhältnisse, so hat er mehrere Frauen, jedoch bleibt die erste die Hauptfrau, welcher die anderen unterstellt sind.

Die Frauen sind in keiner Weise auf einander eifersüchtig, im Gegentheil freuen sie sich, wenn sie eine neue Gefährtin bekommen, da sich dann die ihnen obliegenden häuslichen Arbeiten mehr vertheilen.

Jede Frau bewohnt mit ihren Kindern ein Haus allein, der Mann wohnt gewöhnlich mit der Hauptfrau zusammen und gastirt nur bei den anderen. Bei Krankheiten wird der betreffende Kranke von den Gesunden getrennt, indem ein besonderer Raum für ihn in der Hütte durch Laub abgetheilt wird, ein Medizin mann behandelt ihn mit Zauberformeln und Thees, und bestreicht die leidenden Theile mit aus Muscheln gebranntem Kalk. Stirbt der Kranke, so hat in erster Linie der Medicinman die Rache der Angehörigen zu fürchten, indem sich die Hinterbliebenen durch Annektiren irgend eines Gegenstandes aus dem Eigenthum desselben, z. B. seines Pferdes, für den Verlust des Todten entschädigen wollen.

Nach Eintritt des Todes wird das Haus von den Einwohnern sofort verlassen. Am folgenden Tage wird unter Beisein der Freunde und der Familie des Todten der Leichnam, mit der besten Kleidung angethan, in eine Matte aus Pandanusblättern gehüllt und in ein, etwa 1 m tiefes Grab unter der Todtenhütte gesenkt. Bei wohlhabenden Bagobos wird ein Sklave getödtet und neben den Gestorbenen gelegt, dann wird das Grab mit Erde gefüllt und eine Bambusumzäunung darum gemacht. Auf die Grabstätte werden die Kochgeschirre, die der Todte bei Lebzeiten gebraucht, mit Reis gefüllt, gesetzt, ebenso seine Betelbüchsen; seine anderen Sachen lässt man unberührt in dem Hause. Niemand darf bei Todesstrafe von nun an weder das Haus noch die Grabstätte betreten, ebensowenig etwas von den um das Haus stehenden Bäumen abschneiden. Das Haus lässt man verfallen, üppige Tropenvegetation bedeckt bald die Trauerstätte und macht sie als solche unkenntlich.

Mit dem Begräbniss endet die Trauer um den Verstorbenen; der überlebende Theil, Mann sowohl als Weib, falls noch rüstig, heirathen bald wieder.

Die Bagobos stehen im Tauschhandel mit den meist am Meere wobnenden Moros; gegen Reis, Hühner, Wachs, Cocosnüsse u. s. w. tauschen sie Eisen für ihre Waffen, Messingdraht, Perlen u. A. ein, welche Sachen die Moros ihrerseits wiederum erst durch die Chinesen beziehen.

In neuerer Zeit wagen sich bestimmte Bagobos wohl auch bisweilen selbst bis nach Davao, um da direkt eiuzuhandeln. Das eingetauschte Eisen wird von den Bagobos, wie bereits erwähnt, in der Schmiede des Dato unter Aufsicht desselben oder von ihm selbst verarbeitet. Sie bedienen sich dazu eines Hammers, eines Ambos und Blasebalgs mit Holzkohlenfeuer.

Den Hammer stellt ein viereckiges Stück Eisen dar, welches mit Bejuco an einen Stiel befestigt ist; der Ambos ist ein Stein. Der Blasebalg besteht aus zwei, etwa 1 m langen und bis 15 cm im Durchmesser haltenden, inwendig geglätteten Bambustücken, welche unten durch ein Internodium geschlossen sind. Von jedem dieser Bambus geht etwas über dem Boden ein dünnes Bamburohr ab, welches mit einem gemeinsamen, in das Holzkohlenfeuer mündenden, gleichfalls dünnen Rohre verbunden ist. In die dicken Bambusrohre werden zwei Stempel, welche unten mit einem, an den Seiten dicht mit Hühnerfedern besetzten, bölzernen Teller verschen sind, eingeführt, so dass sie beim Heraufziehen Luft einlassen und beim Herunterbewegen doch genügend Luft nach unten stossen. Wird nun diese Vorrichtung so in Bewegung gesetzt, dass, wenn der eine Stempel nach oben gezogen, der andere zugleich nach unten bewegt wird, so entsteht ein continuirlicher Luftstrom, der ein tüchtiges Schmiedeleuer zu Stande bringt, vermittelst dessen die Bagobos das zu ihren Waffen und Geräthschaften nöthige Eisen schmieden.

Die Bagobos benutzen folgende Waffen und Vertheidigungsmittel (Taf. III):

Lanze, Messer, Pfeil, Bogen, Blaserohr mit Pfeilen und Schilde; demnächst fertigen sie noch kleine Tascbenmesserchen für Männer und Weiber von verscbiedener Form.

Die Lanze, Panido, besteht aus Schaft, Spitze und Fuss. Der Schaft ist meist aus Corypha minor gefertigt, einem Palmenholz, welches sich durch Elasticität und Widerstandsfähigkeit auszeichnet; er ist 4–7 Fuss lang. Die Spitze ist bisweilen aus Holz, meist aus Eisen und 20 – 25 cm lang, die Breitseite des Blattes hat 5–10 cm Durchmesser, an der breiten Seite laufen in der Mitte zwei Grahte, die sich nach den Schneiden hin abflachen. Die Spitze ist mittelst eines Stachels in den Schaft eingelassen und mit Bejuco befestigt; zum weiteren Zierrat ist der Schaft unter der Spitze etwa 20 cm weit mit 1 cm dickem Messingdraht, der an seiner Aussenseite mit Einkerbungen versehen ist, umwunden. Der Fuss der Lanze bildet einen 15-20 cm langen Stachel aus Eisen, der in eine Art von schmalem Trichter ausläuft, in den das untere Ende der Lanze eingelassen wird. Mit ihm stecken die Bagobos die Lanze in die Erde und benutzen ihn, um dieselbe, ibre Stütze auf beschwerlichen Märschen, fest einsetzen zu können.

In das Blatt der Lanze lassen die Bagobos noch oft kleine Bronzestückchen ein, indem sie dieselben in Reihen ordnen. Die Lanzen sind je nach ihrer Ausführung bis zwei Sklaven pro Stück werth.

Das Bagobomesser differirt in seinen Formen und entsprechend auch in seinen Bezeichnungen, die in dem beifolgenden Wörterverzeichniss aufgeführt sind. Es hat gewöhnlich eine 40–50 cm lange Klinge, deren Rücken gradlinig ist, während das Blatt etwa 15 cm vom oberen Ende seine grösste Breite hat, um einerseits in eine Spitze auszulaufen und sich andererseits nach dem Griff hin bis zu 2 oder 3 cm Breite zu verjüngen; die Schneide ist also gebogen.

In den Griff ist das Messer mit einem Stachel eingelassen und an dem Uebergange durch Messing oder Bronze, die eine Art Teller bildet, befestigt. Der Griff ist von Holz, bandlich gebogen, und läuft in zwei stumpfe Enden aus; er ist mit Verzierungen bedeckt.

Die Scheide ist aus Holz und besteht aus zwei Längstheilen, welche an drei Stellen mit Bejuco aneinander befestigt sind. Ausserdem findet man bei den Bagobos hier und da Kriese, die jedoch nicht selbst gemacht, sondern von den Moros eingetauscht oder erbeutet sind. Diese Kriese haben kein gerades, sondern ein gewelltes Blatt und sind bei den meisten Moros und Malayen im Osten in Brauch. Die Messer werden vermittelst eines Gurtes aus Bindfaden an der linken Seite getragen. Den Schluss des Gurtes bildet auf der einen Seite eine Oehse, auf der andern ein Knopf oder Knoten.

Als Schusswaffen benutzen die Bagobos Bogen und Pfeile, sowie Blaserohre mit Pfeilen.

Die Bogen sind ähnlich denen der Negritos, welche ich in der Zeitschrift für Ethnologie, 1880, S. 138 beschrieben habe; sie sind aus Corypha minor gefertigt. Das Holz des Bogens ist 1.}—2 m lang, in der Mitte 2 cm dick und 3 cm breit und behufs besserer Haltbarkeit mit Bejuco umwunden. Die Sehne des Bogens ist gleichfalls aus Bejuco (Stuhlrohr), der an der einen Seite mit Musa textilis und wiederum Bejuco an das eine Ende des Bogenholzes befestigt ist, während die andere Seite in eine Schleife ausläuft, die durch Biegen des Bogenholzes in einen Einschnitt an dem entsprechenden Ende des Bogens gelegt wird, wodurch der Bogen erst in schussfähigen Zustand versetzt, bezw. spannfähig wird, da sonst in der Ruhe die Sebne parallel dem Bogenholze schlaff anliegt.

Die Pfeile sind aus cm starkem Rohr gefertigt und im Durchschnitt 1} m lang. Die drei Arten unterscheiden sich durch ihre Spitzen: die einen Spitzen sind aus Corypha minor, für sich 25 cm lang, rund, vom Durchmesser des Rohres und vorn zugespitzt, in das Rohr sind sie etwa 5 cm tief eingelassen und durch Umwickelung mit Musa textilis oder Bejuco daran befestigt. Die zweite Sorte Spitzen ist aus Bambus, etwa 30 cm lang, in Form einer Lanzenspitze, an den Schneiden ganz ausserordentlich scharf. Die dritte Sorte, welche namentlich zum Erlegen grosser Pteropus-Arten dient, hat eine Doppelspitze der so eben beschriebenen lanzenförmigen Gestalt, welche an ihrer Basis zusammenstossen und an den Spitzen etwa 2 cm auseinanderstehen.

Die Pfeile haben weder einen Einschnitt zum Einlegen in die Sehne, noch Federn zum Reguliren ihres Fluges. Auf ca. 30 Schritt giebt der Schütze mit ihnen einen sicheren Schuss ab.

Das Blaserohr besteht aus einem Schoss Bambu von 11-2 m Länge (ziemlich selten, da ohne Internodien), 11 cm Seelen- und l} cm Gesammtdurchmesser. Die dazu gehörigen Pfeile sind aus der äusseren Seite eines dicken Bambu gefertigt, sie sind ca. 50 cm lang und haben 1-2 mm Dicke, am oberen Ende verdicken sie sich, um in eine mit kleinen Widerhaken versehene Spitze auszulaufen.

unteren Ende ist der Pleil in der Stärke der Seele des Blaserohres auf eine Strecke von 3 cm mit Baumwolle umwickelt, welche durch Bejucofäden befestigt ist, welche Fäden ober- und unterhalb der Baumwolle noch 5 cm pfropfenzieherartig um den Pfeil herumgeschlungen sind. Auf kleine Fledermäuse und kleine Vögel werden Pfeile benutzt, bei denen das vordere Ende in zwei Spitzen, die etwa 1 cm auseinanderstehen, ausläuft. Die Gewalt der aus dem Blaserohr abgeschossenen Pfeile ist so gross, dass dieselben nach von mir hier gemachten Versuchen auf 10 Schritt Distanz noch 1 cm tief in das Holz einer Thür aus Fichtenholz eindringen.

Zur weiteren Ausrüstung der Bagobos gehört der Schild, Calassac. In Brauch sind runde wie auch lange Holzschilde. Der runde Schild hat etwa i m Diameter und ist in seinem Centrum an der Aussenseite zu einer stumpfen Spitze gewölbt; an dieser Seite befinden sich mannichfaltige Einschnitte, deren Felder mit rothen und schwarzen Farben imprägnirt sind. Im ersten Viertel vom Centrum an sind dieselben kreisförmig, dann sternförmig, in den Feldern zwischen den Sternaxen befinden sich Zeichnungen von bunter Farbe: Menschen, Krokodile, Vögel u. A. darstellend. Auf der Rückseite im Centrum des Schildes ist ein 6 cm hoher Ring von 22 cm Durchmesser und 3 cm Stärke herausgearbeitet, welcher Durchlässe für Arm und Hand hat, um den Schild zu fassen. Einschnitte und Färbung verschiedener

5 cm

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