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mannigfachsten Erzählungen umgingen. Die Art, wie der Dichter die Sache fasst, ist eine ganz andere Frage!

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Nach diesen Vorbemerkungen will ich im Folgenden eine Reihe von Mythen zusammenstellen, welche sich ursprünglich als locale Spielarten des mythischen Elements ergeben, das sich an das Erscheinen des Gewitters knüpfte, insofern man es namentlich mit der Sonne in die persönlichste Beziehung brachte und diese als das Ziel seines Auftretens galt.

In der rohesten Form der Auffassung erschien es, als wenn ein böses Unthier dabei dieselbe bewältige, was je nach verschieden untergeschobener Motivirung bald aus Gefrässigkeit, bald, indem man die Sonne speciell als ein

weibliches Wesen“ fasste, „aus Liebesverlangen“ vor sich zu gehen schien ?). So erklärt sich nicht bloss der an den Sonnen- (und Mond-) Finsternissen noch haften gebliebene Glaube von einem Unthier, namentlich einem Drachen, der das Gestirn verfolge, sondern auch die vielen in Märchen, wie in den Lokal- Helden- und Göttersagen vorkommenden mythischen Elemente gehören hierher, in denen eine schöne Jungfrau einem bösen Drachen (dem Gewitterdrachen mit seinen im Blitz funkelnden Schlangenhäuptern) ausgesetzt erscheint, welche dann schiesslich ein Beld befreit, wenn nicht, wie namentlich im Märchen es noch gelegentlich bindurchklingt, der Drache sich schliesslich selbst als ein Prinz entpuppta).

In weiterer mehr anthropomorphischer Auffassung schien es, als wenn ein in der Hülle der Gewitterwolke vermummt auftretender Spuk oder Nachtgeist, eine Art Mummelack, oder der gleichzeitig am Himmel auftretende Sturm die Sonne in irgend einer Weise belästige oder, wenn man Liebesverlangen als Motiv ansab, um sie in drastischer Weise werbe. Die „Spielarten“ dieses mythischen Elements reflektiren in den Alp- und Mahrtensagen der Indogermanen, treten in dem elementaren deutschen Volksglauben charakteristisch in den Sagen vom wilden Jäger auf, der ein Weib verfolgt, und haben weiter dann noch „in den Helden- und Göttersagen“ aller indogermanischen Völker die mannigfachsten „Niederschläge“ gefunden.

In dem II. Cap. des „Indogermanischen Volksglaubens“ habe ich eine Kette von Mythen bei Griechen, Römern und Deutschen in diesem Sinne verfolgt, nach denen weiter die aufblühende Gewitterwolke als eine Zauberblume, oder der Blitz als ein Zauberstab bei der Bewältigung oder Gewinnung des betreffenden Sonnenwesens eine wunderbare Rolle gespielt zu haben schien). Daran reihte sich wieder eine andere Reihe, in denen die grellen, bei einem Ge

1) Das Erstere reflectirt noch in der gewöhnlichen Sprache wieder, wenn z. B. Goethe in Hermann und Dorothea von einem Gewitter gegenüber dem Monde sagt:

Aber lass uns nunmehr hinab durch Weinberg und Garten
Steigen, denn sieh, es rückt das schwere Gewitter herüber

Wetterleuchtend und bald verschlingend den lieblichen Vollmond. 2) Auch der Drache, welcher im börnernen Siegfried die Jungfrau entführt, ist eigentlich z. B. ein verzauberter schöner Jüngling. 3) Z. B. in der Sage von der Brunbild.

witter am Himmel vorgehenden Metamorphosen eine Menge typischer Bilder mit jener angeblichen Werbung um das himmlische Lichtwesen in Verbindung gebracht haben und nicht bloss Wasser wie Feuer, sondern auch die im schlängelnden Blitz sowie im brüllenden oder galoppartig dahinrasenden Donner sich angeblich bekundenden himmlischen Schlangen, Rinder oder Rosse und was man sonst noch an gewissen Symptomen wahrzunehmen pflegte, seine Rolle spielte. Es ist die Partie, wo ich von den Wandlungen handle, in denen das verfolgte oder das verfolgende Wesen aufzutreten schien.

Wenn ich aber dieses Moment in dem erwähnten Buche besonders von dem Standpunkt aus behandelte, um, namentlich an der Thetissage, eine gewisse Beziehung zwischen den Mahrten- und Göttersagen auszuführen, so will ich hier in aller Kürze die betreffenden mythischen Elemente einmal selbständig für sich zu allerhand Betrachtungen zusammenstellen. Nach der obigen Skizzirung ergeben sich besonders drei Gruppen, die in den verschiedenen Sagen ihren Niederschlag gefunden.

In der ersten wandelt sich das betreffende weibliche Wesen bei der gewaltsamen Werbung um sie in eines der durch die Gewittererscheinung hervorgerufenen Bilder von Thieren, in einer zweiten Klasse tritt das männliche Wesen in entsprechender Gestaltung auf und drittens ist das Hineinspielen von Wasser und Feuer besonders charakteristisch, indem die Sage meist die betreffenden Wesen in ihrer Beziehung zu den himmlischen Wassern ihren Ursprung nach z. Th. auch als Wolken- und Wassergeister fasst und daneben im Feuer d. h. dem Gewitterfeuer die Vermählung resp. die Geburt der neuen Lichtwesen, nachdem die alten in der Gewitternacht verschwunden, vor sich gehen liess.

An der Spitze steht auf griechischem Boden die Sage von der Werbung um Metis und Thetis von Seiten des Zeus resp. seines Substituts Peleus. Wie beide Göttinnen zunächst als himmlische Wolkenwasserfrauen auftreten, was nach den vorhin gemachten Bemerkungen nur gleichsam eine Nüancirung der in der Sonne umgehend geglaubten himmlischen Frau ist ?), so ist auch an beiden derselbe mythische Zug haften geblieben, dass sie ein Kind gebären sollten, welches mächtiger werden würde, als der Vater, eine Vorstellung, die sich an jedes Gewitter vom Standpunkt einer im Kreisen desselben vor sich gehenden Geburt leicht schloss, indem es schien, als wolle der Himmel unter den gewaltigsten Wehen etwas übermächtig Neues gebären.

Vor der Verfolgung des Zeus und Peleus verwandelte sich nun Metis und Thetis in allerhand Gestalten. Ist bei der Metis das charakteristische Moment baften geblieben, dass sie schon von Brontes, dem Kyklopen, also dem Donner schwanger gewesen sein sollte, so werden bei der Thetis des Ausführlicheren noch die betreffenden Gestalten angegeben. Bald erschien

1) Auch in deutscher Sage erscheint so Frau Holle, die Sonnenfrau, zugleich als regenspendende Wasserfrau. Mannbardt, Germanische Mythen. p. 104. cf. Schwartz, Ursprung der Myth. p. 7.

sie als Wind, Wasser, Feuer, bald als Schlange, Löwe oder ein sonstiges Unthier, gerade wie der im Gewitter geborene Dionysos oder der Gewitteralte unter den Wassergöttern des Himmels, welcher im Donner prophezeit, mag er nun Nereus oder Proteus heissen ?), ebenso unter anderer Motivirung der Scenerie schliesslich auftritt, resp. gefesselt wird wie Thetis. Beim Dionysos tritt noch hochbedeutsam unter den Wandelbildern der Stier ein, erscheint der Gott doch auch sonst in dieser Gestaltung, ebenso wie die vom himmlischen Wasser stammenden Ströme die durteTETS rotauoi auch unter diesem Bilde ja ganz gewöhnlich als stierhäuptig bei den Griechen galten ?).

An die Thetissage schliesst sich nun in ähnlichen Bildern, wenn der himmlische Flussgott Acheloos um die Deianeira mit dem Herakles, dem Gewitterhelden xatFoxriv, ringt und dabei sich in Schlange und Stier wandelt, nur dass eben hier die betreffenden Metamorphosen sich an das im Gewitterkampf auftretende männliche Wesen knüpfen. Dem entsprechend ist nun, wenn Zeus zu der im Wolkenberg verborgenen Persephone als Schlange (sich schlängelnder Blitz) schlüpft, wie Janus in solcher Gestalt zur Bona Dea und Odhin zur Gunlödh, oder Zeus sich der Europa als Stier naht3), Poseidon und Demeter so wie Kronos und Philyra bei der analogen Werbung und Vermählung als Rosse auftreten, Hermes dabei unter der Gestalt eines Widders, Kallisto neben Zeus endlich auch noch unter der einer Bärin erscheint.

Dass auch das Indische das betreffende mythische Element gekannt, zeigt schon einfach die Sage von der Vermählung des Sonnengottes Prajapati, auf den es hier übertragen wird, mit seiner Tochter, der Morgenröthe, der Ushas, wobei sie sich in eine Hirschkuh (oder Antilope) wandelt, er in der Gestalt des entsprechenden männlichen Wesens ihr naht, denn derartige Thiere glaubte man auch im Gewitter dort oben in den Wolken auftreten zu sehen, gemahnte doch das Zickzack der Blitze an Geweihe derselben *).

Auch in Rom wie bei den deutschen Stämmen finden sich noch allerhand Nachklänge analoger Vorstellungen im Anschluss meist an

die Stammsage des königlichen oder edlen Geschlechts des Gaues, denn überall knüpften sich dieselben an die Schöpfungssagen, welche wieder ihre Bilder von den Frühlingswettern entlehnten, in den Himmel und Erde vor Allem neugeboren schien (vere natus orbis est). In der römischen Sage ist es nur noch ein Nachklang, wenn ein anderes Gewitterthier, das heulende Sturmesthier, eine Wölfin, als Amme der himmlischen Ahnherrn erscheint, ähnlich dem Moment, wenn Leto, die Mutter der göttlichen Zwillinge Apollo und Artemis als Wölfin, die Lande durchirrt haben sollte, ehe sie unter dem heiligen Baum die göttlichen Zwillinge geboren. Voller redet noch die deutsche Sage. Wie sie mit der celtischen Sage den aus den (himmlisehen) Wassern hervorkommenden mythischen Donnerstier kennt, macht sie z. B. ein solches

1) Indogerm. Volksgl. 126. 2) Heutige Volksgl. II, Aufl. 133. Poet. Naturan. II. 192. 3) Oder die Sonnentochter Pasiphaë mit einem Stier buhlt. 4) Praebist. Studien, 285 cf. Poet. Naturan. I. 75, vgl. weiter unten über die indischen Nâga's.

Meerungethüm zum Stammvater der merovingischen Könige. Es sollte aus den Wassern auftauchend mit der am Ufer schlafenden Königin den Meroveus gezeugt haben. Ebenso sollten nach Claus Magnus die Gothen, gleichwie die dänischen Könige von einem Bären abstammen, wozu Mannhardt mit Recht darauf hinweist, dass, da Björn ein Beiname Thors sei, hinter dem Tbiere unzweifelhaft Thôr steckel).

Ebenso lebt der Urtypus ‘speciell der Thetissage in den Sagen von der Melusine und ähnlichen fort, in denen das betreffende zauberhafte Wesen, welches als die Ahnmutter des Geschlechts galt, wenn sie badet, ähnlich wie die griechische Glauke, von der nachher noch des besonderen die Rede sein wird, im Schlangenleib erscheint, aber verschwindet (wie die Mahrt), wenn sie so erkannt wird?). Auch die weisse Frau, welche gleichfalls Ahnmutter der Geschlechter ist, erscheint, wenn sie erlöst sein will, - ein Vorgang, der sich angeblich auch an die Kämpfe und das Treiben des Gewitters nach deutscher Sage schloss, von Schlangen und anderen Unthieren mit feurigen Augen umgeben, indem dies sonach an dieselbe Scenerie gemahnt.

Neben diesen Thiergestaltungen tritt nun noch direkt das feurige Element. So wie Odhin sich der Rindr unter Feuer naht, sollte auch Zeus der Nymphe Aegina sich nicht bloss als Vogel (Wolkenvogel), sondern auch als Feuer genaht (Aesopida lusit igneus. Ovid. Metam. VI, 113) und den zornig ihn verfolgenden Flussgott Aesopus mit dem Blitzstrahl getödtet haben, was wieder an die Acheloos-Scene erinnert, nur dass der himmlische Wassergott bier der angeblichen Tochter beisteht. Ist die Erzeugung des Perseus durch einen goldenen Regen nur eine mythische Variante, indem Gold und Feuer sich mythisch decken, so gehört vor Allem die Mythe von der Semele in der Form hierher, wie sie in der thebanischen Lokalsage auftritt und so berühmt geworden ist. Wie sie selbst mit dem alten Drachengeschlecht zusammenhängt, - weiss doch die Sage noch neben der Abstammung der thebanischen Sparten von den alten Drachen von der Wandlung auch des Kadmos und der Harmonia in Schlangen, naht ihr selbst der Buhle unter Donner und Blitz in derselben Weise, wie er als Götterkönig typisch der Tages- und Morgengöttin der χρυσόθρονος "Ηρη sich gesellt, der ερίγδουπος nóois "Hons. Die Mutter, die gravida nubes, wird mit dem Kinde im Gewitter zunächst verzehrt, wie Göthe in analoger Anschauung singt:

Ihr Götter, die mit flammender Gewalt,
Ibr schwere Wolken aufzuzehren wandelt.
Und gnädig ernst den lang ersehnten Regen
Mit Donnerstimmen und mit Windesbrausen

In wilden Strömen auf die Erde schüttet u. s. w.; aber es strahlt doch wieder ein neuer Lichtgott am Himmel, und so reiht

1) Ueber den Bär in seinen Beziehungen zum brummenden Donner s. Poet. Naturan. II.

2) Die Beziehung der Melusinensage und ähnlicher zu der von der Thetis bat richtig fixirt Mannhardt, Wald- und Feldculte, p. 66 ff.

sich daran ein zweites mythisches Element, die Sage von des Dionysos wunderbarer Wiedergeburt als Seitengeburt, die ihn in anderer Weise als den im Blitz wiedergeborenen Lichtgott charakterisirt ').

Ein Analogon zu dieser Scenerie, nur in anderen Mythenkreisen erwachsen und ausgebildet, ist die Geburt des Asklepios resp. der Tod seiner Mutter. Bald wird er vom Blitzfeuer umflossen gefunden, bald reisst ihn der Vater aus dem Leib der brennenden Mutter, als sie wegen Untreue getödtet derartige Bublschaft wird wie dem Zeus vor Allen, so auch öfter den weiblichen himmlischen Wesen, z. B. der Aphrodite wie Freia Schuld gegeben, auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte; es ist dieselbe feurige Scenerie wie bei der Semele und der Rettung ihres Kindes, nur der ganze Mythos eben anders gedreht.

Bricht hier überall das Gewitterfeuer in der Scenerie, sowohl in der Vermählung der Himmlischen wie in der Geburt des neuen Licht-Gottes nachdem Alles in Finsterniss des Unwetters versunken war, hindurch, so spielt es auch in der Adonis - Sage eine analoge Rolle, dass man sieht, sie sei auf analogem Boden gewachsen.

Verschiedentlich fasste man nämlich die himmlischen Wesen, um die es sich handelt, als Mann und Frau, Bruder und Schwester, aber auch wie die Mythe von Prâjapati und der Ushas sowie die von Zeus und Despoina zeigt, erschien es als ein Werben des Vaters um die eigene Tochter 2).

Nun erzählt die phrygische Sage, indem sie in primitiv roher Weise den Anstoss von der Tochter, nicht wie die indische vom Vater ausgehen lässt; die Nymphe Smyrna oder mit dialektischer Wandlung Myrrba sei von Liebe zum eigenen Vater ergriffen worden. Die Amme wird die Mittelsperson und führt sie heimlich immer des Nachts dem Vater zu. So geht es eine Zeit. Ως εκύησε μεν η Σμύρνα, Θειάντα πόθος έλαβεν εκμαθείν ήτις ήν η κύουσα, ο μεν έκρυψε πύρ εις τον οίκον, Σμύρνα δ' ως εξίκετο προς αυτόν, επάϊστος εγένετο προενεχθέντος εξαπίνης του πυρός, και το βρέφος μεν εξάβελεν εκ της γαστρος, αύτη δε ανασχούσα τας χείρας ηύξατο μήτε παρά ζώσι μήτε εν νεκρούς φανήναι, και αυτήν και Ζεις μεταβαλων εποίησε δένδρον κτλ. Nach anderer Version verfolgt sie der Vater mit dem Schwert; sie wird in einen Baum verwandelt, den Myrrhenbaum der Sage nach, — der Vater spaltet denselben mit dem Schwerte, und Adonis tritt ans Tageslicht, wie auch bei der Geburt des Dionysos eine Säule eine ähnliche Rolle gespielt zu haben scheint (Präh. Studien 280). Dies sind

1) Indogerm. Volksgl. 220.

2) In den Sagen, die hier behandelt, erscheint ein Gewitter ineist zunächst, wie schon oben erwähnt, als ein Werben des Sturm- resp. Gewitterwesens um die Sonne resp. die Wolkenwasser frau, was dann eben in den Erscheinungen von Sturm und Windsbraut und den anderen

Wandelbildern reflektirt, im Hintergrund stehen aber unter Umständen noch andere dualistische Himmelserscheinungen ; z. B. ein lichtes und ein dunkles Wesen oder Tag und Nacht, Sonne und Mond (der letztere auch als Nachtgeist), Morgenröthe und Sonne u. s. w.

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