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Alles secundäre aus demselben Naturkreis stammende mythische Züge; das Charakteristischste ist, dass die Wandlung in der Scenerie, der Moment nämlich, wo das betreffende Weib wie Melusine und die Mahrt in ähnlicher Lage erkannt wird und scheidet, hier durch das Aufleuchten des Feuers veranlasst und der in diesem Moment geborene Adonis so in die Semele-Dionysos-Scenerie einrückt.

Eröffnet das letztere Bild eine über das Griechenthum hinausgehende neue Perspektive, so stellen sich zu den oben ausgeführten Gewitterscenerien, als Grundlagen von allerhand mythischen Elementen, noch zur Ergänzung allerhand einzelne Sagenelemente.

Schien sich nach der Metis- und Thetissage die bimmlische Sonnenund Wasserfrau bei der Werbung im Gewitter u. A. in eine Schlange zu wandeln, so ist es gleichsam nur ein verflogenes Blatt desselben mythischen Elements, wenn die Sage von der schönen Nymphe Skylla u. A. berichtet, sie sei im Bade

die Motivirung ist zunächst gleichgültig in thierische Bildung mit Schlangenleib verwandelt worden), wodurch sie sich im Ursprung zur Melusine oder ähnlichen Gestalten nordeuropäischen Glaubens stellt, an die sich auch bezeichnend, wie schon erwähnt, das Bad als die Scenerie knüpft, in welcher ibre Verwandlung vor sich geht. Auch das feurige Element tritt an ihr hervor, wenn sie vom Herakles erschlagen wird, weil sie ihm einige der geryonischen Rinder geraubt, und der Vater Phorkys sie nun καύσας και αφεψή σας λαμπάσιν έζωοποίησεν. Im GeuwitterJeuer lebt sie wieder auf.

Zur Skylla stellt sich wieder die Echidna, die Tochter der Kallirrhoe, in ihrer Bildung halb Jungfrau, halb Schlange, zu der Herakles bei demselben Zuge kommt, um die ihm abhanden gekommenen Rosse zu suchen. Sie wird durch ibn Ahnmutter der skythischen Könige, indem sie u. A. von ihm den Skythes gebiert, der allein von seinen Brüdern den von Herakles zurückgelassenen Bogen zu spannen und sich mit seinem Gürtel zu gürten im Stande ist, d. h. als den wahren Herakles-Sohn erweist ?).

Ebenso klingt die Feuergeburt des Dionysos, Asklepios, Adonis wieder an in verschiedenen an Heroen sich knüpfende Sagen, als hätten sie z. B. im Feuer unsterblich gemacht werden sollen und dergleichen mehr. Speciell gilt dies von den Kindern der Thetis und insbesondere vom Achill, dann vom Triptolemos; aber auch in anderer Weise tritt in wunderbarer Form eine feurige Scenerie ein bei der Geburt des Caeculus, des Servius Tullius u. a. (cf. der Ursprung der Stamm- und Gründungssage Roms bes. p. 37). Ja noch ein weiterer Hintergrund blickt gelegentlich hindurch, indem überhaupt der Anschauung nach das ganze himmlische Geschlecht als ein leuchtendes, goldiges galt. Dies vibrirt nicht bloss in der goldigen Aphrodite oder in

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1) Praebist. Studien unter Skylla. Auch Medusa soll schön gewesen sein, namentlich am Haar, das die erzärnte Athene dann in Schlangen verwandelt habe.

2) Ueber den Bogen des Herakles und den Stärkegürtel s. Poet. Naturan. II. unter Regenbogen.

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sich zu,

solchen Beziehungen hervor, wenn Apollo xovooxóuns genannt wird, was noch Uebertragungen sein könnten, wenn sie allein ständen, sondern vor allem in dem, was Hesiod von dem goldigen Geschlecht dämonischer Art unter Kronos sowie Märchen von Goldkindern u. dergl. berichten ').

Auch das Auftreten des Gewitterspuks als buhlender Nachtgeist, eine Art Mahrt (s. oben p. 131) hat sich noch in der deutschen Heldensage erhalten und knüpft sich, an die Geburt von Hagen, Otnit und Dietrich. Besonders eigenthümlich ist die an llagen sich schliessende Sage. Zu seiner Mutter kommt während der Abwesenheit ihres Mannes ein Alf und zeugt mit ihr eben den Hagen, gerade wie Zeus während der Abwesenheit des Amphitryon zur Alkmene kommt und mit ihr den Herakles zeugt. Beide Frauen glauben es sei ihr Mann.

„Nun trug es sich eines Tages zu,“ heisst es zunächst in der deutschen Sage, „da der König Aldrian vom Nibelungenland nicht daheim war in seinem Reiche, dass die Königin weintrunken?) und in einem Blumengarten entschlafen war: da kam zu ihr ein Mann und lag bei ihr. Und als sie erwachte, dachte sie da den König Aldrian zu erkennen, aber ehe sie sich versah, war dieser Mann schon binweg geschwunden. Als nun hierauf einige Zeit verging, ward die Königin schwanger. Und bevor sie das Kind gebar, so trug es

da sie sich einsam befand, dass derselbe Mann zu ihr kam; und er sagte ihr nun, was sich das vorige Mal bei ihrer Zusammenkunft zugetragen hatte, davon sie nun schwanger war, und das Kind habe sie von ihm, und er gestund, dass er ein Elfe wäre“; „und wenn das Kind erwachsen ist“, heisst es weiter: „80 sage ihm seinen Vater, verbirg es aber jedwedem anderen. Es ist ein Knabe, wie mich dänkt, und er wird ein gewaltiger Mann werden und wird sich oftmal in Nöthen befinden; aber jedesmal, da er also umrungen ist, dass er sich selber nicht heraushelfen kann, da soll er seinen Vater anrufen, so wird er dort sein, wo er seiner bedarf.“ Und damit verschwand dieser Elfe, „gleichwie ein Schatte.

Es ist das ein altes mythisches Element, welches in dieser Sage an Hagens Geburt haften geblieben, um so charakteristischer, als in seinem Leben sonst nicht eben auf die Prophezeiung und den Rath Bezug ge. nommen wird, während beim König Otnit es noch eben sich erhalten hat, dem in allen Nöthen stets sein mythischer Vater, der Zwergkönig Alberich, dann auch faktisch beisteht, wie bei Dietrich noch der Feuerathem und sein gespensterhaftes Kämpfen bis zum jüngsten Tage mit Drachen und allerhand Ungethüm, das schwarze dämonische Ross, das ihn bei seinem angeblichen Tode abholt und dergleichen, was sich an die historische Gestalt angeschlossen hat, an den erwähnten Hintergrund erinnert. Aber vor allem ist Hagen „mehr als historisch“, wie schon J. Grimm sagt; er ist in mythischer Hinsicht mit seiner Einäugigkeit, dem finsteren Wesen, sowie als Mörder des lichten

1) Poet. Naturan. I. 179 ff.

2) Auch ein alter mythischer Zug in dieser Situation bei Griechen, Römern und Deutschen Cf. Indogerm. Volksglaube.

Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1885.

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Siegfrieds, wie ich im Indogerm. Volksgl. ausgeführt, das Prototyp des einäugigen sich ebenso bekundenden Odhin.

Um so bedeutsamer wird nun die Parallele der Heraklessage zu der von der Geburt Hagens. Während eines Feldzugs (gegen die Teleboer, kommt Zeus όμοιος γενόμενος 'Αμφιτρύωνι wie der Elf dem Aldrian - zur Alkmene και αυτή συνευνάσθη, και τα γενόμενα παρά Τηλεβοών διηγήσατο. 'Αμφιτρύων δε παραγενόμενος ως ουχ εώρα φιλοφρονουμένην προς αυτόν την γυναίκα, επυνθάνετο την αιτίαν· ειπούσης δε ότι τη προτέρα νυκτί παραγενόμενος αυ τη συγκεκοίμηται, μανθάνει παρά Τειρεσίου την γενομένην Διός συνουσίαν κτλ. Ein besonderes, vielfach hervorgehobenes Moment ist noch, dass Zeus der Nacht dreifache Länge gegeben habe, was man gewöhnlich humoristisch fasst, aber wohl, wie es auch in analoger nordischer Sage typisch ohne solchen Beigeschmack ähnlich wiederkehrt, ursprünglich mythisch zu fassen ist, indem es die Gewitternacht wo die Vermählung ursprünglich vor sich ging als übernatürlich charakterisiren will.

Dass aber der Ursprung solcher Vorstellungen auch gewisse Analogien und so eine Art realer Basis in dem Traumleben und den sexualen Verhältnissen der verschiedenen Geschlechter gehabt und damit sowohl die entsprechenden Mahrt- und Alpsagen sowie der Glaube von der Möglichkeit göttlicher Erzeugung auf heidnischem und auf christlichem Boden noch die sogenannten Teufelsbuhlschaften zusammenhängen, darauf habe ich schon wiederholt hingewiesen, wie auch, dass der Isländische Volksglaube, von dem Maurer berichtet, noch am deutlichsten den betreffenden Volksglauben wiederspiegelt. Ich entnehme Maurer's Buche ein paar charakteristische Beispiele.

„Die alte Sigriðr zu Reykir“, sagt Maurer, „eine der wenigen Personen, welche noch heutzutage steif und fest an dergleichen glauben,“ – an den Verkehr der Elben mit den Menschen ,, erzählte öfters, dass sie einmal im Traume gesehen habe, wie ein Elbenweib zu ihr gekommen sei, schön und stattlich, und in blauschwarzem Gewande. Die Elbin habe für ihren Sohn um sie geworben. Anfangs habe sie sich geweigert mitzugehen, hauptsächlich aus religiösen Bedenken, da aber jene ihr zugesprochen und ihr vorgestellt habe, wie schön und gut bei den Elben zu leben sei, sei ihre Scheu allmählich gewichen, und sie habe sich erhoben um dem Elbenweibe zu folgen. Dies habe ihr eigener Vater bemerkt, dessen Auge doch die Elbin selbst nicht zu erblicken vermochte; er habe sie bei ihrem Namen angerufen und darauf sei sie erwacht, bereits völlig angekleidet im Zimmer stehend; aus der Wanderung aber zu den Elben sei nichts mehr geworden.“

Derartiges hält sich natürlich da, wo in engbegrenztem Lebenshorizont die Phantasie von Jugend auf mit Geschichten erfüllt wird, die von solchem geisterhaften Verkehr mit Elben und Trollen wie mit Mahrten erzählen. Als charakteristisch hebe ich aus demselben Buche noch eine aus dem älteren Gedicht Kötlu draumr, d. h. Traum der Katla hervor. Márr reitet einmal fort, Katla aber seine Frau bleibt zu Hause. „Mit einem Male schläft sie ein und volle vier Tage schläft sie ohne Unterbrechung fort; am fünften Tage erwacht sie, traurig und niedergeschlagen, aber Niemand wagt sie zu fragen, was ihr geschehen sei. Endlich kehrt Márr heim und ihm erzählt sie auf Befragen den Grund ihres Kummers. Eine stattliche Frau sei, wäbrend sie im Schlafe gelegen, zu ihr gekommen und habe sie gebeten mit ihr zu gehen. Sie sei ihr gefolgt und habe erfahren, dass jene Alvör heisse; sie seien über ein Wasser gefahren und hätten endlich den Hof der Besucherin erreicht. Hier habe diese ihren Sohn Kári aus einem todesähnlichen Schlaf erweckt, in welchen ihn der Gram und seine hoffnungslose Liebe zur Katla versenkt hatte, und durch Zaubermittel bezwungen habe diese es sich gefallen lassen ein paar Tage lang mit demselben als Mann und Weib zu leben. Als sie endlich schieden, habe man ihr anempfohlen, den Sohn, den sie gebären würde, Kári zu nennen, auch ihr Gürtel, Messer und Ring für den Knaben, so wie reiche Geschenke für sie selbst mitgegeben; dann sei sie auf demselben Wege zurückgeführt worden, ohne dass zu Hause irgend Jemand ihre Abwesenheit bemerkt bätte.“

Die Sage spinnt sich nun weiter fort mit einem Ansatz, wie er bei den alten classischen Heldengeschichten öfter vorkommt. Katla gebiert von dem Elf den Kári, vom Márr ein Jabr später während der Zeit hatte er sich von ihr getrennt, den Ari. Beide Brüder kommen in Streit um ein goldenes Halsband, welches die Mutter ihnen einmal zum Spielen gegeben; da nennt Ari den Kari einen Bastard u. 8. W.

Derartiges zieht sich eben durch die verschiedenen Arten der Traditionen, welche ja auf demselben mythischen Boden erwachsen sind. Denn ursprünglich ist kein Unterschied zwischen den Mahrten-Elben-Helden- und Göttersagen, sie gehören nur verschiedenen Orten, Zeiten und Kulturstufen an. Und wie die Thetissaye mit ihrem preme quidquid erit, was dem Peleus gerathen wird, sich ganz als ein Analogon einer Mahrtensage ergiebt 1), so können auch weitere Uebergänge nicht befremden. Neben dem erwähnten Zug in der Katla-Sage von dem Streit, bei dem der eine der Brüder Bastard gescholten wird, was an Analoges beim Kyros, Oedipus, wie Romulus und Remus wiederkehrendes erinnert, tritt z. B. noch das Moment der Ausstattung mit Gürtel, Messer und Ring als Wahrzeichen seiner Abkunft hinzu, was wieder an die entsprechenden Gaben erinnert, welche Aithra vom Aegeus für den Sohn, den sie gebären würde, erhält, als er mit ihr den Theseus auch unter wunderbaren Umständen, zeugt. Diese Zeugung gilt nämlich als eine durch Orakel prädestinirte, und so macht der Aithra eigener Vater Pittheus den Aegeus trunken und legt ihn ihr bei, dass er von ihr einen Sohn gewinne. Wird so die betreffende Sage wie die von der Alkmene den

1) Vergl. Indogerm. Volksgl. 126.

erwähnten elbischen Scenerien ähnlicher Art fast nahe gebracht, so drückt eine andere Version der Alkmene-Sage wieder das oben beim Perseus schon erwähnte Naturbild des Gewitters unter Hereinziehung der Blitze aus, wenn nach Pindar Zeus auch den Herakles wie den Perseus in einem goldenen Regen gezeugt haben sollte 1).

Die mythischen Elemente innerhalb desselben Naturkreises sind ebeu selbst bei analogem Centrum der Vorstellung schon nach Zeit und Ort höchst mannigfache; hier hat die Tradition dies, dort jenes festgehalten, alle Variationen aber bestätigen in ihrem Ursprung und Beziehungen immer wieder an ihrem Theil den natürlichen Hintergrund des Centrums, dem sie ent

sprossen sind.

Noch auf einen eigenthümlichen altmythischen Zug, der in den erwähnten Sagen gerade wieder bedeutsam hindurchbricht, will ich zum Schluss noch aufmerksam machen; es ist der, dass in den meisten der Buhlenschaften immer von einer Ueberraschung, einem gewaltsamen Zwang die Rede ist oder der betreffende Buhle ausdrücklich also nicht als der eigentliche Gatte, sondern als ein in Vermummung irgendwelcher Art auftretendes, anderes Wesen, ein Alp, Nachtgeist resp. Gott erscheint, der höchstens die Gestalt des eigentlichen Gatten wiederspiegelt, und das weibliche Wesen wie im Heldenbuche der Zwergkönig Alberich von Otnits Mutter sagt „mehr als einen Mann hatte“ 2).

Das knüpft nämlich wieder an das mythische Element an, von dem ich schon bei anderer Gelegenheit gehandelt habe, nämlich von den angeblichen Substituten oder Mittler bei der himmlischen Vermählung, einem Elemente, welches in den indogermanischen Mythen neben angeblichen Ehebruchsscenen in der mannigfachsten Weise reflektirend sich noch wiederspiegelt und speciell die Vermählung im Gewitter als eine von besonders stürmischer oder mindestens extraordinärer Art sein lässt.

Wie Zeus bei der Metis als Buhle für einen Anderen (den Brontes) eintritt, so erscheint wieder gewissermassen als sein Substitut bei der Thetis der erdgeborene Peleus 3). Andererseits erkämpfte Theseus die Ariadne für Dionysos, wie er für Pirithoo8 mit um die Despoina wirbt. Herakles erringt die Hesione im Drachenkampf für Telamon, ja in den Drachenkämpfen selbst tritt öfter bedeutsam neben dem wirklichen Sieger zunächst ein zweiter angeblicher auf, vor dem der erstere sich schliesslich erst durch das Vorweisen der abgeschnittenen Zungen des Unthiers als den ächten ausweist

1) Preller, Griech. Myth. 1860. p. 178. Anm.

2) Wenn der Buhle das Wesen des eigentlichen Gatten wiederspiegelt und dabei aber als Nachtgeist erscheint, so scheint diese Version speciell , den Nachtgeist des Gewitters“ dem „gewöbnlichen“ Nachtgeiste gegenüberzustellen, was auf eine geglaubte legitime Verbindung der Sonne mit dem gewöhnlichen Nachtgeiste (dem Monde) hindeuten könnte.

3) Die Bezeichnung als „erdgeboren“ charakterisirt ihn als ein, wie die Griechen sagen, chthonisches Wesen, d. h. als ein auch dem Gewitter entsprossenes (Ursp. d. Myth. p. 13), wie er auch sonst der Gewitterkämpfer ist. cf. Mannhardt, Wald- u. Feldkultur p. 53.

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