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Die Rückseite der Hüf zwischen den Münzen war vom besten Scharlachtuch gefertigt und in Abtheilungen zerlegt, von denen zwei und zwei die rothe Farbe zeigten, in die hinein aber mit schwarzer Seide und feinem weissen Zwirn Rechtecke gestickt waren, während die Abtheilungen eins und eins mit feinem weissen Linnen überzogen waren. Der Hüif war aus steifer Pappe gefertigt und mit Sammet überzogen, auf welchem sich die Verzierungen und Silberaufsätze recht kleidsam ausnahmen. Nachdem die Krone eine wie eben beschriebene Grösse angenommen, musste man dieselbe als werktägliche Kopfbedeckung abschaffen, weil sie lästig wurde; wurde es doch schon namentlich für ältere Frauen lästig genug, dieselben in 2 oder 3 Stunden der Kirchzeit auf dem Kopfe zu tragen, da die kantgestellte Pappe auf demselben ruhte. Wer nur einen kurzen Weg zur Kirche hatte, musste, wenn es nicht eben Regenwetter war, mit dem Hüf auf dem Kopfe dahin gehen; wer weiter weg wohnte, kehrte im befreundeten Hause nabe der Kirche ein, den Hüif zum Kirchgang aufzusetzen. Zu ähnlichem Zwecke erbaute man noch um 1765 bei der westerländer Kirche ein Kalfaster. Bei besonders festlichen Gelegenheiten ging man mit blossem Hüif zur Kirche, bei Leichenbegängnissen deckte man zum Zeichen der Trauer ein weisses Hüiftuch, welches man unterm Kinn zusammenknotete, darüber, und war eine damit angethane trauernde Sylterin für die in der Kirche binter ihr Sitzenden nicht willkommen, weil sie ihnen alle Aussicht nahm.

Seit 1807 wurden keine Hüifen mehr gemacht und immer seltener getragen. In Westerland wurde die erste Braut ohne diese Tracht 1804 getraut. Ein Hüif kostete 24 Reichsthaler. Wer Mutter geworden, ohne verheirathet zu sein, durfte die Ehrenkrone nicht tragen.

Statt dem Hüif der Frauen trugen die Mädchen zwei verschiedenartige Kronen:

a) Das Haud bjend (Kopfband). Dasselbe war ähnlich dem Hüif aus Pappe gearbeitet und mit Sammet überzogen, nur war es oben nicht verschlossen, sonst aber von gleicher Höhe mit dem Hüif, jedoch kam es in seiner Form der Kreisform näher als jener, und wurde dadurch die Plattform der Rückseite desselben erheblich kleiner. Statt der Döpken war das Haudbjend durch aus Messing geprägte Münzen verziert, die auf der nach aussen gekehrten Seite stark vergoldet waren, aber die Grösse eines Achtschillingstücks hatten. Von diesen waren so viele angenäht, als sie platt aufliegend Platz finden konnten, im Nacken nur war eine viermal so grosse Münzform angebracht, und zwar sassen die Münzen nicht an der oberen Kante, sondern in der Mitte zwischen dieser und der unteren befestigt. Confirmations- und Abendmahlstag waren die einzigen, an denen es getragen wurde; in ganz alter Zeit trug man es bei jeder Arbeit, jedoch hatte es auch damals nur eine Höhe von 3 Zoll und war aus schwarzem Stoff verfertigt.

b) Die Rönn. Dieselbe war ganz ähnlich wie das „Haudbjend“ gemacht, hatte aber keine Verzierungen und war kaum so gross als jenes. Man trug sie beim Opfern und sonst im feierlichen Anzuge. – Die Befestigung der beschriebenen drei Kronen machte eine eigene Haartracht nothwendig. Man flocht das Haar gewöhnlich zu zwei Flechten dergestalt zusammen, dass zunächst zwei wallnussgrosse Haarknoten auf dem Hinterkopfe, 2 bis 3 Zoll von einander entfernt entstanden. Jene beiden Flechten wurden dann mit ihren Enden aneinander befestigt; oft auch liess man die Flechten weg und blonde Locken vertraten deren Stelle. Die Haarknoten mussten so weit nach hinten gemacht sein, dass die Krone vor ihnen stehend Platz finden konnte.

2. Der Pelzanzug (Siist oder Schiist). Zu diesem ,,Siist" wurden 7 bis 8 Schaffelle benutzt, die in eigenartiger Weise dazu zubereitet wurden. Die Schaffelle wurden zunächst in Streifen zerschnitten, die 2 Fuss 9 Zoll) lang und an dem einen Ende 4 Zoll, am anderen 3 Zoll breit waren. 40 bis 45 solcher Streifen wurden durch Längsnähte so zusammengenäht, dass sie, die rauhe Wollseite nach innen gekehrt, einen Unterrock ausmachten, der dann noch an den Seiten und hinten in zahlreiche Längsfalten gelegt wurde. Den oberen Theil desselben nannte man „Ewênt“, der, wie die Aermel, nicht gefaltet, aber aus demselben Stoff gefertigt war. Der Ewênt hatte eine eigenthümliche Form. Das Rückenstück war 1 Fuss hoch und breit, bildete also ein Viereck, dass mit rothem Leder (Saffian) überzogen war, in welches Bäume, Rosen und allerlei Dinge gestickt waren. Die Aermel hatten oben einen Umfang von 30 Zoll, an der Hand waren sie aber so enge, dass diese nur eben hindurch konnte. Zur Verzierung derselben war an der Aussenseite derselben ein 3 Zoll breiter Streifen von jenem, hier Ruadleesk genanntem Leder angebracht; die Handöffnung war damit umsäumt und ein etwa 6 Zoll langer, ausgezackter Streifen als Handaufschlag auf der Oberseite des Aermels befestigt. Die beiden Seiten der Brustöffnung waren mit Ruadleesk eingefasst. Das rothe Leder bezog man meistens aus Holland. Einen ferneren Besatz dieses Kleidungsstückes lieferten zwei Felle von jungen weissen Lämmern. Gegerbt wurden diese in 1 Zoll breite Streifen zerschnitten, zusammengenäht und mit altem Wollen- oder Leinenzeug ausgestopft, so dass etwa die Form einer Wurst herauskam, und war dabei die feine und krause Wollseite nach aussen gekehrt. So zubereitet nähte man diese Streifen an der Rückenseite der Halsöffnung, über den Schultern an den Seiten der Brustöffnung um die Handöffnungen als Randverzierung an.

Doch war damit das Kleidungsstück noch nicht fertig; der Hauptbesatz, die Fössinge, fehlte noch. Dieselben wurden aus schönen, weissen, weich

1) 1 Fuss = 12 Zoll, 1 Zoll = 0,0238 cm, 1 Fuss demnach = ca. 0,29 m, 1 Elle = 0,57 m.

und weiss gegerbten Kalbfellen gemacht, indem man diese in Streifen von 1 Fuss Breite zertheilte, dieselben zusammensetzte, dass wenigstens eine Länge von 14 Fuss, oft gar eine solche von 20 Ellen herauskam. Die Haarseite nach aussen gekehrt, befestigte man die Streifen auf der Aussenseite des Rockes, am unteren Rande desselben. Der ganze Pelzanzug wog ca. 11 Pfund und hatte unten einen Umfang von 7 Ellen.

Die „Fössinge“ bezog man von Föhr und bezahlte dieselben oft mit 6 Reichsthalern und mehr. Der Siist war neuangefertigt weiss wie Schnee; um ihm später auch diese Weisse zu erhalten, bestrich man schadhafte und beschmutzte Stellen mit Kreide, altgewordene Pelze oft ganz damit. Eine solche weissbekreidete Nachbarin hatten die Sylter Männer in der Kirche nicht gern, da sich die Kreide bei der leisesten Berührung gerne ihrem dunklen Wollenanzuge mittheilte; musste es sich so treffen, dann legte der Mann zum Schutze seiner Kleidung ungenirt sein Taschentuch auf den Arm seiner Nachbarin.

Mit diesem Pelzgewand zugleich trug man noch zwei aus dickstem holländischen Fries gefertigte Unterröcke, der untere war weiss, der äussere roth. Jeder Rock bestand aus 6 je 11 Ellen breiten Fries - Abtheilungen, hatte also einen Umfang von 74 Ellen, war aber an beiden Seiten in viele Falten zusammengezogen.

Mit einem aus Leinewand gemachten „Ewênt“ hingen sie über die Schultern, hatten aber keine Aermel. Die ganze Bekleidung reichte nur bis zu den Knieen. Selbst Wöchnerinnen mussten mit jenen beiden Friesröcken und oft noch mit dem Pelz angethan auf dem Bette sitzen.

Weitere Theile der weiblichen Bekleidung waren

3. Der „Uellensmok“ (Wollenkleid) und der „Lennensmok“ (Leinenkleid).

Das wollene Kleid war von weissem, eigengemachten Web verfertigt und hatte dieselbe Form wie der Pelzanzug, nur war der Rock nicht aus Streifen zusammengenäht. Ganz ebenso gefertigt war das Leinenkleid, aber aus feiner Leinewand gemacht. Beide wurden im Sommer anstatt des Pelzes getragen.

4. Schürze und Bosseruntje. Dieselben waren aus gröberer Leinewand zum täglichen Gebrauch üblich; von feinerer Leinewand gefertigt eine Visitentracht und nach 1805 wurden sie mit dem weissen Kopftuch zusammen als Nationaltracht auf dem Kirchgange getragen.

5. Die „Bochsen“. Dieselben wurden als Feierkleid mit den nachbenannten unter Nr. 6, 7, 8, 9 beschriebenen Kleidungsstücken auch zum Kirchgange getragen und waren aus sehr feiner Leinewand, „Kammerdock“ genannt, verfertigt, später auch aus Battist und Muselin. Sie waren rundum in feine Falten gelegt und wurden hinten mit einer grossen silbernen Schnalle gehalten.

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6. Das goldene Kleid (Gulet Kaartel). Das goldene. Kleid war aus schwarzem und rothem Tuch gemacht, reichte nur bis etwas über die Hüften hinunter und war ringsum in perpendikulär gehende Falten gelegt. Die Aermel waren ganz weit und reichten nur bis zum Ellenbogen. Den Vordertheil zierten zahllose geprägte und durchschlagene vergoldete Münzen, so dass vom Tuch nichts zu sehen war. Nicht jeder besass ein solches Kleid, viele liehen sich dasselbe. Es war als Brautkleid am Hochzeitstage gebräuchlich, auch trugen es die Allerwüffen') und ferner die junge Frau am ersten Sonntage nach der Hochzeit.

7. Das bunte Kleid (Brocket Kaartel). Dasselbe war aus rothem und weissem Tuch und schwarzem Sammet gemacht. Das Material wurde in Streifen geschnitten und diese in Farbe abwechselnd aneinander genäht und in senkrechte Falten gelegt. An einem Kleidungsstück, das ich beobachtete, zählte ich an der Vorderseite 74 Falten, während die Rückenseite aus ganz schwarzem Stoff zusammengefaltet war. Uebrigens ist zu beachten, dass der „Kaartel“ einen so grossen Halsausschnitt hatte, dass die Brust davon nicht bedeckt wurde, dass vielmehr hier der „Uellen- oder Lennensmook" oder der „Siist“ sichtbar blieben. Der Halsöffnung parallel wurde der Leib von 2 schwarzen, 12 rothen und 2 schwarzen Falten bedeckt, während die Halsöffnung nur jeseitig, von innen nach den Aermeln hin aufgezählt, 3 rothe, 2 weisse, 2 schwarze, 3 rothe Falten hatte, waren zu beiden Seiten des Untertheils in derselben Reihenfolge 7 Falten roth, 3 weiss, 3 schwarz, 10 roth, 5 weiss, 1 roth. Die Aermel waren wie bei Nr. 6. Als Feierkleid trug man „Brocket Kaartel“ beim Opfern, oder wenn für glückliche Zuhausekunft Angehöriger in der Kirche die übliche Danksagung stattfand.

8. Das rothe Kleid (Ruad' Kaartel). Aus dickem rothen Tuch gearbeitet war dasselbe von der Form des bunten Kleides. Bemittelte nähten auf der Oberseite der Aermel allerlei Gestalten von vergoldeten Metallen, Gold oder Silber an und nannten das Kleidungsstück dann „Schmie“. Eine „Schmie“ kostete 25 Reichsthaler. Man trug das rothe Kleid beim Abendmahl und bei Leichenbegängnissen.

9. Das schwarze Kleid (Kardem). Dieses, ein gewöhnliches Sonntagskleid, war aus schwarzem Tuch, „Rass“ genannt, ganz ähnlich wie die Nr. 6, 7 und 8 geformt, nur waren die Falten nicht genäht, auch hatte es keine Aermel. Gefaltet wurde das schwarze Kleid, indem man die Falten zunächst durch Nähte in die gehörige Form brachte, alsdann das Kleid auskochte und unmittelbar nachher in den warmen Backofen legte. Später zog man die Zwirnfäden heraus, die Falten aber blieben dann in ihrer Lage.

1) Siebe des Verfassers Aufsatz: „Die Hochzeit auf Sylt sonst und jetzt“ in „Aus allen Welttheilen“, Jahrgang XV, Mai 1884, Seite 234 ff.

10. Der Ueberrock (Kapp). Der Ueberrock war aus leichtem, schwarzen Wollenzeug gefertigt und sollte bei Regenwetter zum Schutze der sonstigen Kleidung dienen; er war mit Aermeln, die bis zur Hand reichten, versehen, sonst aber nicht von charakteristischer Form. Das Futter war roth, und es war gebräuchlich, in der Kirche, wo der Rock ausgezogen wurde, die Futterseite nach aussen zu hängen, so dass jede Sylterin an regnerischem Sonntage ein rothes Kleidungsstück vor sich hängen hatte, weil sie die Rückenlehne des vor ihr befindlichen Stuhles als Garderobenhalter benutzte. Der Ueberrock wurde schon früh abgeschafft, seine Stelle vertraten nachher Mäntel mit grossem Kragen und ohne Aermel.

11. Die Schürze (Kags) war unseren Schürzen nicht unähnlich, aus Leinewand gefertigt und wurde bei Visiten getragen.

12. Strümpfe und Handschuhe (Höösen en Slophaansken).

Die gewöhnlichen Strümpfe waren dunkelroth gefärbt. Man gebrauchte sie an Sonntagen, bei Leichenbegängnissen und täglich. Bei grossen Feierlichkeiten, wenn in der Familie keine Trauer war, trug man hoch- oder scharlachrothe Strümpfe; im 16. Jahrhundert trug die Wöchnerin, wenn sie Kirchgang hielt, einen grünen und einen rothen Strumpf. Gleichzeitig mit den rothen Strümpfen wurden aus Wollengarn gestrickte rothe Handschuhe getragen, deren oberer Rand 2 bis 3 Zoll breit, „flosset“, d. i. kreuzweise durchnäht oder geflochten war. In der ältesten Zeit trug man hochrothe Fausthandschuhe mit zwei Daumen, später gefingerte Handschuhe. Die rothe Farbe war indess selten echt, und hatten sie daher mit dem Abfärben derselben, namentlich bei Regenwetter, ihre liebe Noth. Blaue und weisse Strümpfe waren damals selten, wenn sie aber vorkamen, so waren sie, wie die rothen, eigenes Fabrikat. Baumwollene Strümpfe, lederne Handschuhe waren auf Sylt nicht bekannt. Besonders kunstvoll war der obere Theil des Fusses bei den sogenannten „Fattelthösen“ gearbeitet.

13. Die Schuhe. Die Schuhe der Sylterinnen damaliger Zeit waren aus einer Art Leder, Kalmusledder“ 1) genannt, die jetzt nicht mehr gekannt wird, gebräuchlich. Die Fleischseite der Haut war nach aussen gekehrt, infolge davon war das Leder sehr schwarz, aber nicht glatt. Häufig waren die Fussblätter zierlich ausgestochen, so dass die rothen oder bunten Strümpfe hindurchsahen. Die Schuhe hatten oben eine silberne Schnalle. Täglich waren sogenannte Socken, aus Wollenzeug und Sohlleder gefertigte Fussbekleidungen, üblich. Dieselben sind hier noch heute gebräuchlich.

1) Wahrscheinlich mit Hülfe der Kalmuswurzel, Wurzel von Acorus calamus L., bergestellt.

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