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K. Müller-Mylius. Mit 16 Illustrationen. Wien, Pest, Leipzig. 1884. . A. Hartleben. 330 S. kl. 8.

. Der Verf., Oberstlieutenant in der Armee der Vereinigten Staaten, sebildert auf Grund eigener, dreissigjähriger Erfahrung die Rotbhāute diesseits der Felsengebirge. Obwohl seine militärische Laufbahn ibn in Berührung mit sehr verschiedenen Stämmen gebracht hat, hält er sich doch vorzugsweise an die Cheyennes (oder Paikandu), welcher Stamm nach seiner Angabe „in diesem Augenblicke wahrscheinlich ächter und ursprünglicher ist, als irgend ein indianischer Stamm im Gebiete der V. Staaten.“ Derselbe habe sich sowohl von dem demoralisirenden Einflusse der Branntweinverkäufer, als von Zwischenheirathen mit Weissen und der Berübrung mit anderen Stämmen und Mexikanern fern gehalten (S. 72). Nächstdem werden die Sioux, Pawnees, Comanchen, Utes u. s. w. herangezogen. Die Darstellung ist ungemein lebendig und anziehend; sie erstreckt sich über das gesammte Leben des Indianers, seine kriegerischen und friedlichen Gewohnheiten, ganz besonders aber über seine geistigen Eigenthümlichkeilen, seine religiösen Anschauongen und die daraus abgeleitete praktische Psychologie. Ceherall sind wirkliche Beispiele eingestreut, um als Proben für die Richtigkeit des Vorgetragenen zu dienen. Sicherlich wird niemand diese Beschreibung lesen, obne tief davon ergriffen zu werden. Der Verf. macht kein Hehl daraus, dass er sich der verurtheilenden Auffassung der Bevölkerung des fernen Westens sowohl in Bezug auf die Erziehungsfähigkeit der Indianer, als in Bezug auf die Politik des Indianer-Departements in Washington anschliesst. Die Grausamkeit der Indianer hat einen solchen Eindruck auf ibn gemacht, dass er glaubt, dieselbe nur durch die Annahme erklären zu können, „dass Grausamkeit ein normaler Zug im nenschlichen Wesen ist“ (S. 296) und dass die Milderung unser eigenen Sitten erst durch eine viele Jahrhunderte lange Entwickelung hergestellt worden sei (S. 315). Veber so allgemeine Sätze ist es schwer zu einer Einigung zu gelangen: das ist jedenfalls richtig, dass Thaten von so erschreckender Grausamkeit unter den Indianern gewohnheitsmässig geschehen, wie sie in gleicher Grässlichkeit kaum noch an einem zweiten Orte der Erde vorkommen. Man begreift es, dass die Bewohner der westlichen Grenze, denen die Nachbarschaft des Indianers das Leben zu einem Alpdrneke macht, nicht Worte genug finden, um ihren Abscheu vor seiner Doppelzüngigkeit, Grausamkeit und Barbarei auszudrücken. Keinerlei Aufwand von Vernunft und Zureden“, sagt der Verf. (S. 64), „keinerlei Anführung von Thatsachen wird jemals die Ansicht der Bevölkerung des Ostens, wie derjenigen des Westens über diesen Gegenstand umstimmen.“ Darin aber liegt das Tragische der Situation. Mr. Will. Blackmore in London, einer der besten Kenner der Indianer, der eine tief durchdachte Einleitung zu dem Buche geschrieben hat, kommt demgemäss auch zu dem Ergebniss, dass die Rothhäute eine dem Untergange geweihte Rasse sind, und er weiss keinen anderen Trost dafür, als dass an die Stelle von kaum 300 000 nomadischen, sittenlosen, niederträchtigen und halbnackten Wilden, welche für ihre Jagd einen Theil des amerikanischen Continents in Anspruch nehmen, der so gross ist wie ganz Europa, eine Bevölkerung von manchem Dutzend Millionen fleissiger, wohlhabender und hochcivilisirter Weissen treten werde (S. 62). Hr. Dodge geht, wie Ref. mit Befriedigung constatiren kann, nicht ganz so weit. Seine praktischen Vorschläge (S. 322) lauten dahin, dass das System der Verträge, welche übrigens nie Seitens der Regierung geschützt und gehalten wurden, gänzlich aufgegeben und die Reservationen unter das gemeine Recht gestellt werden, aber auch er verlangt, dass jeder ausserhalb der Reservationen betroffene Indianer gefangen genommen, bestraft oder gar getödtet (im Text steht sogar in umgekehrter Reihenfolge: getödtet oder gefangen genommen und bestraft) werde.

Die Illustrationen sind, abgesehen von den Porträts einiger Häuptlinge, von sehr zweifelhaftem Werthe. Ihre technische Herstellung lässt viel zu wünschen und ein grosser Theil von ihnen beruht nur auf freier Erfindung des Zeiebners.

Virchow.

XX.

Die Nephritoide des mineralogischen und des ethnographisch-prähistorischen Museums der Universität

Freiburg im Breisgau.

Von

Dr. Otto Schoetensack in Freiburg i./B.

Die archäologisch und ethnographisch wichtigen Mineralien Nephrit, Jadeit und Chloromelanit (neuerlich durch Edm. v. Fellenberg collectiv Nephritoide genannt) bieten, besonders was deren Varietäten und deren geognostisches Vorkommen betrifft, noch viele Gesichtspunkte dar, die einer Klarlegung bedürfen. Die vorliegende Abhandlung soll dazu beitragen, diese Lücken bis zu einem gewissen Grade auszufüllen und zwar mit Zuhülfenahme der Sammlung des Freiburger Universitäts-Museums, welche, wie das zum Schluss aufgeführte Verzeichniss aufweist, eine Reichhaltigkeit zeigt, wie sie sonst nirgends anzutreffen sein dürfte. Diese war nur zu erreichen durch die umfangreiche Correspondenz, welche H. Fischer seit fünfzehn Jahren buchstäblich über die ganze Erde hin eingeleitet hatte und welche reichliche Zusendungen seitens der verschiedensten Forscher, besonders aus Asien, zur Folge hatte.

Der Verfasser hat sich nun erstlich die Aufgabe gestellt, die Sammlung einem exacten makroskopischen Studium zu unterwerfen, um hiernach die Ordnung derselben in der Weise vorzunehmen, dass die bekannten Fundorte als Typen benutzt und denselben die zunächst kommenden Stücke angereiht wurden. Die in Europa, der Hauptsache nach in den Pfahlbauten der Schweiz, gefundenen Vephritoid-Beile mussten, da über deren Herkunft bis jetzt nichts feststeht, für sich aufgeführt werden. Sodann wurde die genaue

Untersuchung einzelner Nummern der Sammlung vorgenommen; es wurden sowohl solche Stücke hierzu gewählt, welche als Nephritoide des eingehenden Studiums besonders werth erschienen, als auch solche, welche einigen Zweifel hinsichtlich ihrer Aechtheit einflössten und, wie im Laufe der Untersuchung gezeigt werden soll, auch in der That in die Reihe der FalsoNephrite (vergl. Fischer, Nephrit und Jadeit, S. 357) zu verweisen sind.

Das Ergebniss der Untersuchungen ist folgendes:

Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1885.

12

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I. Aechte Nephrite. No. 8, bezeichnet als Pi-Yu 1) von Manas am Nordabhange des Tienshan-Gebirges (Dsungarei), eingesandt vom Kais. deutschen Viceconsul Dr. O. F. v. Möllendorf zu Tien-tsin bei Peking. Das Stück ist ein Ausschnitt aus einer runden oder ovalen 22 mm dicken geschliffenen Platte. Der frische Bruch zeigt deutliche Fasertextur. Spec. Gew. = 2,980. Farbe dunkelgrün, Radde's Farbenscala 14–15 b. Die quantitative Analyse ergab: Kieselsäure.

56,72 pct. Magnesia

21,95 Kalkerde

12,13 Eisenoxydul .

3,88 Manganoxydul

0,29 Thonerde

0,47 Kali

0,12 Natron

0,37 Wasser

4,31

100,24 pCt. Im Dünnschliff u. d. M. bei gekreuzten Nicols erweist sich die Textur der Hauptsache nach als feinkrystallinisch mit vielen eingelagerten parallelfaserigen asbestähnlichen Stellen von 12—16 ° Auslöschungsschiefe. Ferner finden sich im Schliff vereinzelte concentrische Anhäufungen, die mit feinen gebogenen Fasern ausgefüllt sind. Als Interpositionen treten ganz vereinzelte stark dichroitische Körner auf, deren Axenfarbe gelbbraun und gelbgrün ist (Epidot?). Ein zweiter senkrecht zu dem beschriebenen geschnittener Dünnschliff zeigt genau dieselben Erscheinungen.

Dieser Nephrit wurde deshalb zur genaueren Untersuchung gewählt, weil er der Farbe und dem ganzen Habitus nach dem Nephrit von Timur's (Tamerlan's) Grabstein in Samarkand ausserordentlich gleicht (vergl. die Publicationen H. Fischer's im Archiv für Anthropologie 1880, Bd. 12 Nr. 17, S. 469—474 und v. Beck und v. Muschketow's „Ueber Nepbrit und seine Lagerstätten" in den Verhandlungen der Kaiserl. mineralogischen Gesellschaft zu St. Petersburg, II. Serie, Bd. 18). Bei der mikroskopischen Untersuchung des Dünnschliffes des Timur-Nephrits aus dem hiesigen mineralogischen Institut fand sich nun eine überraschende Aehnlichkeit mit dem Schliffe des Manas-Nephrits. Die asbestartigen Stellen finden sich zwar in geringerer Zahl vor, dagegen ist aber ausser der sonst völlig übereinstimmenden Textur genau dieselbe oben erwähnte concentrische Anhäufung vorlianden, die sonst in keinem Nephrit-Dündschliffe, deren an die hundert Stück in eingehendster Weise untersucht sind, gefunden wurde.

Diese seltene Erscheinung liess in Anbetracht des sonst makroskopisch und mikroskopisch völlig übereinstimmenden Verhaltens des Manas-Nephrits

1) Chinesisch

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mit dem Timur-Nephrit den Schluss zu, dass beide einem gleichen Fundorte entstammen. In der That stimmt auch das spec. Gewicht, welches von beiden Nephriten mit ein und derselben (Westphal'schen) Waage festgestellt wurde, haarscharf überein; beide wiegen nämlich 2,980. Die von den Herren v. Beck und v. Muschketow gemachte etwas differirende Angabe des spec. Gewichtes vom Timur-Nephrit beruht also in der Abweichung der zum Wägen angewendeten Methode oder Hülfsmittel. Schliesslich stimmt auch die von P. Nikolaje w ausgeführte und in der oben citirten St. Petersburger Abhandlung mitgetheilte quantitative Analyse vom Timur-Nephrit in der befriedigendsten Weise mit der von uns ausgeführten vom Manas-Nephrit überein, was uns davon abhielt, die von Barbot de Marny, dem Mitgliede der russischen wissenschaftlichen Expedition nach Khiwa und Bukhara, wie er selbst an H. Fischer schrieb, mit Lebensgefahr vom Grabsteine Timur's abgeschlagenen Fragmente für Untersuchungszwecke zu opfern. Der mineralogisch wie geschichtlich und ethnographisch gleich interessante Steincoloss befindet sich bekanntlich in der Moschee Gur-Emir in Samarkand und ist das Material, wie das von uns untersuchte in Manas gekaufte Stück beweist, noch im Handel befindlich. Es dürfte dies ein Wink für Reisende in Centralasien sein, auf das (nach dem gewaltigen Monolith zu urtheilen) wahrscheinlich mächtige Nephrit-Vorkommen zu fabnden.

Nicht unerwähnt darf bleiben, dass die in dem Timur-Nephrit befindlichen sehr kleinen eingesprengten Pünktchen von Eisenkies im ManasNephrit fehlen; es mahnt dies zur Vorsicht, auf derartige zufällige Einschlüsse ein zu grosses Gewicht zu legen. Dieselben sind vielmehr meist rein localer

Natur, und das Fehlen derselben in einem Dünnschliffe oder selbst grösserem · Stücke ist, wie unser Beispiel zeigt, durchaus noch kein Beweis für die

Nichtübereinstimmung.

.

Nr. 20, bezeichnet als Mo-Yù (Tinten Yü), von Khoten in der kleinen Bucharei, ebenfalls eingesandt vom Viceconsul v. Möllendorf. Das Stück ist dachförmig auf fünf Seiten geschnitten. Auf dem Bruch ist eine Textur makroskopisch nicht zu erkennen. Spec. Gewicht = 2,947. Farbe violetgrau, Radde's Farbenscala 40 g-h, mit helleren Bändern. Die quantitative Analyse ergab: Kieselsäure

57,06 pCt. Magnesia

24,16 Kalkerde

12,88 Eisenoxydul .

0,31 Manganoxydul

0,20 Thonerde

0,74 Kali

0,14 Natron

0,36 Wasser

4,33 100,18 pCt.

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Im Dünnschliff u. d. M. bei gekreuzten Nicols erscheint die Textur fein verworrenfaserig mit kurzen, theilweise sanftgebogenen Fasern, daneben treten gröber krystallinische Stellen auf, deren Fasern stark gebogen sind. Einzelne lange, parallel gelagerte geradlinige Fasern geben eine Auslöschung von 16o. Der Schliff zeigt zahlreiche Magnetit-Einschlüsse und ist durchzogen von einem gelbbraunen Bande sowie von einer Anzahl verwaschener Bänder (diffundirtes Brauneisen?).

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II. Falso-Nephrite. Nr. 3, bezeichnet als Lü-Yù (grüner Yü), von Yünnan, Provinz im südwestlichen China, eingesandt vom Viceconsul v. Möllendorf. Das Stück ist der Theil eines Rechtecks, auf 5 Seiten geschnitten, die sechste Seite zeigt eine Gerölloberfläche. Makroskopisch ist keine Textur wahrnehmbar. Spec. Gewicht = 3,021. Farbe weiss, grasgrün (Radde's Farbenscala 15 i) marmorirt. Die quantitative Analyse ergab: Kieselsäure

42,90 pCt. Magnesia

0,37 Kalkerde

20,84 Eisenoxydul.

0,46 Manganoxydul.

0,03 Chromoxyd.

0,19 Thonerde

32,17 Kali

0,09 Natron

0,97 Wasser

2,08

100,10 pCt. Im Dünnschliff u. d. M. ist die Textur schon bei nicht gekreuzten Nicols als körnig erkennbar, was bei Nephrit fast nie zutrifft. Bei gekreuzten Nicols tritt Aggregat-Polarisation mit lebhaften Polarisationsfarben auf. Die Auslöschung einzelner Lamellen ist rechtwinkelig. Als Interpositionen treten zahlreiche eckige braune Körner auf, welche von einem gelblichen Hofe umgeben sind; die gelbe diffundirte Substanz zeigt Dichroismus. Die Ergebnisse der chemischen sowie der optischen Untersuchung lassen auf das Vorliegen eines dem Skapolith ähnlichen Minerals schliessen.

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Nr. 402, bezeichnet als Nephrit. Fragment eines Beils, eingesandt vom Professor Beck in Petersburg, der ersten Angabe zufolge aus tschudischen Gräbern von Tomsk nördlich vom Altaigebirge, nach einer späteren Angabe von Irkutsk.

Makroskopisch ist eine Textur nicht zu erkennen. Spec. Gewicht = 2,954. Farbe der Gerölloberfläche gelbgrün, Radde 12. d, Farbe des Bruches R. 12. h.

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