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A. B. Meyer, Gurina im Obergailthal (Kärnthen). Dresden (Wilh. Hoffmann) 1885. gr. 4.

gr. 4. 104 S. mit 14 Tafeln.

Der Verf. stiess 1883 bei der Aufsuchung der Fundstelle eines bei Dellach entdeckten Jadeitbeiles auf eine schon durch frühere wichtige Funde genügend bezeichnete, aber nicht genauer untersuchte, oberhalb Dellach gelegene Oertlichkeit, die Gurina. Im Auftrage der Wiener anthropologischen Gesellschaft explorirte er dieselbe 1884 in grösserer Ausdebnung und machte dabei eine Reihe von Entdeckungen, welche er in dem vorliegenden Werke ausführlich bespricht, abbildet und kritisch erörtert. Er fand vorzugsweise altes Mauerwerk, Münzen, Topfscherben, Waffen und Schmucksachen aus Eisen und Bronze, Gegenstände aus Glas, Bleche mit Inschriften u. s. w., aber keine Gräber oder doch böchstens Spuren davon. Er bezeichnet daher seine Arbeit nur als eine Vorstudie und fordert die Wiener Gesellschaft dringend zu einer Fortsetzung der Grabungen auf. An der Hand der Münzen und der sonstigen Funde nimmt er vorläufig an, dass der Platz etwa vom 4. Jahrhundert vor bis zum 4. Jahrhundert nach Christo bewohnt gewesen sei. Seine Darstellung ist, der Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechend, sehr eingehend und zeugt von einer staunenswerthen literarischen Vorarbeit; überdiess sind überall besondere Sachverständige mit Originalbeiträgen herangezogen, so Herr Erbstein für die römischen Münzen, Herr Tischler für die Fibeln, Herr Pauli für die Inschriften, Herr Bärwald für die Bronzen u. s. w. Auf diese Weise ist das Material einigermassen über den Rahmen der Aufgabe hinausgewachsen und die Erörterung über gewisse Fragen der präbistorischen Kultur hat Dimensionen angenommen, welche mit dem Zweck der Arbeit nicht mehr im Verhältniss stehen. Dabin gehört namentlich der Abschnitt über die Bronze und der über den Bernstein, letzterer insbesondere sehr unerwartet, da überbaupt nur wenige nnkenntliche Brocken , bearbeiteten“ Bernsteins gefunden wurden.

Von Münzen sammelte Herr Meyer ausser römischen 5 „keltische“ Silbermünzen, er konnte aber ausserdem eine Reihe anderer mit heranziehen, welche früher gefunden waren und sich theils in öffentlichen, theils in privaten Sammlungen befinden. So lieferte der Pater Max 2 cyprische Bronze-Münzen von Ptolemaeos VIII Euergetes II (146 – 127 v. Chr.). Die „keltischen Münzen“ dürften nach Hrn. Erbstein mit den von den Galliern in der ältesten Periode der gallischen Münzprāgung zu Massilia geschlagenen Dreivierteldenaren ungefähr gleichzeitig sein und sonach aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammen. Damit stimmt nun freilich das Ergebniss der Untersuchungen des Hrn. Pauli über die Inschriften wenig überein. Darnach handelt es sich hier um eine Unterabtheilung der nordetruskischen Inschriften, deren Alphabet identisch sei mit einer grossen Reihe anderer, welche sich bis nach Este herunter verfolgen lassen und welche er als eine östliche oder adriatische Gruppe der in Tyrol, Tessin u. s. w. erbaltenen westlichen Gruppe gegenüberstellt. Er erklärt die Sprache für indogermanisch und zwar speciell für illyrisch; als Träger derselben betrachtet er die Veneter. Das Nāhere ist in dem Buche selbst nachzusehen. Hier mag nur noch erwähnt werden, dass von Gurina aus eine alte Strasse über den Plöcken-Pass nach Italien in der Richtung auf Aquileja führte; dieselbe lag nach dem Verf. ganz nahe an einer späteren, durch römische Inschriften bezeichneten Strasse. An jener hat Herr Mommsen 1857, 1 Stunde oberbalb Würmlach, eine nordetruskische Felsinschrift entdeckt, welche nach Hrn. Pauli gleichfalls dem Alphabet von Este angehört. Alle diese Inschriften aber setzt letzterer in das 2. oder 3. Jahrh. v. Chr.

Auch Herr Meyer erkennt den Widerspruch an, der darin liegt, dass nocb im 2. Jabrh. hier Veneter gesessen haben und die Kelten erst nach dieser Zeit eingedrungen sein sollen; dann würden ja die „keltischen“ Münzen einem ganz unbestimmten Urvolk zuzuweisen sein. Ein solcher Schluss erscheint kaum zulässig. Auch alle Vordersätze zugestanden, bleibt doch immer noch die Möglichkeit bestehen, dass von Norditalien aus ein schriftkundiges Volk bis in das keltische Noricum hinein Handelscolonien vorgeschoben hat. Herr Pauli scheint freilich geneigt, die Veneter von Norden her über den Plöcken-Pass in Italien einwandern zu lassen, aber dagegen lassen sich die gewichtigsten Bedenken beibringen.

Von besonderem Interesse sind die Nachweise, welche namentlich Herr Tischler auf Grund seiner Untersuchungen über die Fibeln für die Existenz einer La-Tène-Cultur in Gurina beibringt. Nachdem noch Hochstetter diese Cultur für die benachbarten Grāberfelder bestritten hatte, erhalten wir bier positive Beweise für dieselbe. Jedoch nimmt Herr Tischler an, dass die bis jetzt gefundenen Sachen nur der mittleren und späten La-TèneZeit angehören, dass dagegen die frühe Zeit feblt. Auf die Beziehungen zu Hallstadt geht Herr Meyer ausführlich ein: er findet, dass auch diejenigen Stücke von Gurina, welche der Hallstädter Periode anzuschliessen sind, sich in wichtigen Stücken von den eigentlichen Hallstädtern unterscheiden und sich viel mehr den italischen anschliessen.

Den Schluss des Werkes bilden Untersuchungen des Hrn. Hoffmann über Schädel, welche Herr Meyer von verschiedenen modernen Kirchhöfen des Gailthals gesammelt hat. Es ergab sich fast durchweg ein orthobrachycephaler Typus.

Virchow.

Unser Wissen von der Erde, berausgegeben von Alfred Kirchhoff. Bd. I.

Allgemeine Erdkunde von J. Hann, F. v. Hochstetter und A. Pokorny. Leipzig 1885. Lief. 31--50. G. Freytag. Bd. II. Länderkunde der fünf Erdtheile. (Auch unter besonderem Titel als Bd. I.) 1886. Lief. 1.

Mit den vorliegenden Lieferungen ist der allgemeine Theil des Werkes, über den wir schon früher berichtet haben, abgeschlossen. Die 31. Lieferung bringt das Ende der von Ferd. v. Hochstetter verfassten Urgeschichte des Menschen in Europa. Obwohl hier der Begriff der Urgeschichte etwas weit gefasst ist, insofern die Darstellung bis zu den Urnenfriedhöfen heruntergeht, so beschrānkt sich dieselbe doch auf eine kurze Uebersicht der Hauptthatsachen. Ueber Einzelnes sind die Verhandlungen der Untersucher nicht so übereinstimmend, wie man es nach dem Texte erwarten sollte, z. B. über die Stäbe von Wetzikon, über die Rasse von Furfoz und die Mongoloiden der Eiszeit, indess für eine Gesammtbearbeitung der historischen Geologie, wie sie hier beabsichtigt wurde, ist das Gegebene mehr als genügend. Die weiteren Lieferungen enthalten die von Hrn. Pokorny bearbeitete obiologische Geographie“, welche in drei Abschnitte gegliedert ist: Biologie, Chorologie und Anthropologie. Eine ausgiebige Ausfübrung ist hier der Lehre Darwin's, welche der Verf. voll anerkennt, und den Bedingungen der Variation zu Theil geworden. Die Anthropologie, welche unter Benutzung eines Manuskriptes und einer Rassenkarte (Taf. XXXVII) von Hrn. R. Hartmann gearbeitet ist, umfasst die Lieferungen 46-49. Es wird zugestanden, dass der Mensch von keinem der jetzt lebenden Affen abgeleitet werden könne; dass er jedoch von einer vielleicht längst abgestorbenen Thierform herstamme, wird daraus geschlossen, dass der niedere menschliche Typus der Diluvialzeit für eine sehr langsame Erftwickelung der Menschennatur spreche. Bei einem so bestimmten Aussprache wäre es wohl zu wünschen gewesen, dass der Verf. wenigstens ganz kurz angegeben bätte, wo der von ihm gemeinte niedere Typus gefunden ist. Die Schilderung der verschiedenen Rassen geht nirgends auf tiefere, im engeren Sinne anthropologische Verhältnisse ein. Als eine populäre Erzāblung wird sie ihre Wirkung um so weniger verfehlen, als sie durch sebr zahlreiche und ungewöhnlich gut ausgeführte Porträts illustrirt wird. Ref. hat schon früher seinem Bedenken Ausdruck gegeben, dass man in der figürlichen Darstellung Etbnologisches und Anthropologisches zu sehr vermischt. Der Häuptling von Tanna (S. 945, Fig. 577), seiner Zierrathen entkleidet und in europäische Kleidung gesteckt, würde wabrscheinlich von wenigen unserer Landsleute als ein Fremdling erkannt werden, und das Judenmädchen von Algier (S. 916, Fig. 519), anders costümirt, würde ohne Schwierigkeit in irgend eine andere Abtheilung des Buches untergebracht werden können. Viel weniger Abbildungen, aber keine Costümstücke, würden gewiss sehr viel lehrreicher gewesen sein. Denn die anthropologischen Fragen haben mit Tracht und Kleidung nichts zu schaffen.

Die Lieferung 50 enthält die in höchst dankenswerther Weise sehr ausfübrlich gehaltenen Register.

Typographisch betrachtet gehört der grosse Band zu den best ausgestatteten Erscheinungen der neuen Literatur,

Mit der ersten Lieferuog der Länderkunde von Europa beginnt nun die specielle Fortsetzung des Werkes. Der erste Theil (Allgemeines, Deutsches Reich, Oesterreich-Ungarn, Schweiz, Niederlande, Belgien) ist in die Hände der Herren Billwiller, Egli, A. Heim,

A. Kirchhoff, A. Penck und Supan gelegt. Die erste Lieferung bringt den Anfang des allgemeinen Theiles von Hrn. Kirchhoff. Ref. erlaubt sich die Bemerkung zu der Karte „Europa zur Eiszeit“ (S. 25), dass es sich doch wohl empfehlen dürfte, das Eis auch über das Wasser gehen zu lassen.

Virchow. Arnoldi Lubecensis Gregorius peccator de teutonico Hartmanni de

Aue in latinum translatus. Herausg. von Dr. Gust. v. Buchwald. Kiel 1886. 8. 127 S.

Das Motiv, dieses Werk bier anzuzeigen, liegt in der gedankenreichen Vorrede. Der, auch in Ethnologie und Alterthumskunde geschulte Herausgeber der Gregoriussage leitet das Werk mit einer Erörterung über den prähistorischen Grund dieser, in mannichfaltiger Localentwickelung auftretenden, aber weit über die Erde verbreiteten Sage ein. Er hält ,die Sage für eine Reminiscenz aus der Prähistorie“, wie er durch den Hinweis auf die alten Grāber, welche die Voikserinnerung wach erhielten, nachweist. Als Kern des hier in Frage stehenden Sagenkreises erkennt er den Ausgesetzten und als Ausgang desselben das Aussetzungsrecht (Sparta, Rom, Deutschland, Skandinavien). Dieses aber könne erst Geltung erlangt haben, als durch die Religionsentwickelung das Blnt als Träger des Lebens in den Vordergrund der Vorstellungen getreten sei und der Blutfrieden, die Blutrache ihre segensreichen Wirkungen auszuüben angefangen hatten. Die Seele des Ausgesetzten habe eben erbalten werden sollen. Aber die Gottheit (oder der Thierfetisch) will es anders und der Ausgesetzte kehrt zurück und wird Erbe seines Vaters und heirathet seine Mutter. Mittelst ethnologischer Beispiele verfolgt der Herausgeber die Vererbung der Wittwe auf den Sohn oder Bruder und daran anschliessend die Geschwisterehe. Erst bei den Hellenen und den Germanen sei dann der ethische Gegensatz des gereifteren Culturbewusstseins hinzugetreten und habe den Abschluss der traditionellen Sage in der Busse gesucht.

Weiterbin zeigt der Herausgeber, wie noch im Anfange des 13. Jahrhunderts die Sprachgrenze zwischen Ober- und Niederdeutsch eine so scharfe war, dass das Verständniss des oberdeutscben Gedichtes in Norddeutschland fehlte und eine Uebertragung in das Lateinische nöthig wurde. So erkläre sich erst die weite Verbreitung der lateinischen Sprache in Urkunden und im Unterricht während des Mittelalters.

Es mag noch bemerkt werden, dass das Original im Kloster Bödeken in Paderborn gefunden wurde und der Handschrift nach im 15. Jahrhundert angefertigt ist. Virchow.

J. Kubary, Ethnographische Beiträge zur Kenntniss der Karolinischen

Inselgruppe und Nachbarschaft. Heft I. Die socialen Einrichtungen der Pelauer Berlin, A. Asher & Co., 1885. 8. 150 S.

Der Verf., durch seine vieljährige Thätigkeit in Mikronesien im Dienste des Hrn. Caesar Godeffroy und durch nahe persönliche Beziehungen ganz besonders vorbereitet zu fruchtbarer Mitwirkung in der Erforschung dieser abgelegenen Inselwelt, ist neuerdings mit dem Berliner ethnologischen Comité in ein regelmässiges Verhältniss getreten. Als erstes Zeichen von der Bedeutung dieses Verhältnisses ist die vorliegende kleine Schrift zu betrachten, welche die Beobachtungen des Hrn. Kubary über die socialen und politischen Einrichtungen auf den Pelaus enthält. Manches davon wussten wir schon aus den Mittheilungen des Hrn. Semper, dessen Angaben der vorliegende Bericht vielfach erweitert und, soviel sich aus der Darstellung ersehen lässt, berichtigt. In der That sind die gesammten gesellschaftlichen und Stammes-Gebräuche der Pelauer so verwickelter Natur und von den Grunlanschauungen der Culturvölker so abweichend, dass nur ein auf Jahre lange Erfahrung gestützter Beobachter ein so eingehendes Bild davon entwerfen konnte, wie es hier dem Ethnologen geboten wird. Nachdem nun auch diese kleinen Inseln in die Kreise der europäischen Politik gezogen worden sind, wird es ja wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis auch bier die letzten Ueberlebsel einer im Ganzen prähistorischen Cultur verschwunden sein werden. Die Mittheilungen des Hrn. Kuba ry werden dann vielleicht die letzten Zeugnisse für den einstmaligen „Naturzustand“ dieser Bevölkerung darstellen. Wie lange die letztere den Contakt mit den Europäern ertragen wird, dürfte sich leider sehr bald entscheiden. Der Verf. schildert die Entvölkerung der Inseln als eine rapid fortschreitende; er berechnet den Gesammtbestand der Krieger auf den Pelans zu etwa 1500 Köpfen und die ganze Bevölkerung auf nur noch 4000 Seelen (S. 145). Die Zahl der Todesfälle, zu denen namentlich eine Art von Influenza, tretr genannt, mit Lungenentzündung und Ruhr complicirt, beiträgt, übersteigt bei Weitem die der Geburten, deren geringe Zahl bei der unglaublichen Ungebundenheit und der frühen Entfesselung der sexuellen Beziehungen allerdings nicht überraschen kann.

Es mag besonders erwähnt werden, dass der Verf., ein guter Kenner der mikronesischen Sprache, die Schreibart Palaus oder Palaos verwirft. Er leitet den Namen von pelú, Land, und erklärt dem entsprechend die englische Schreibung Pelews für die richtige (S. 33).

Eine ausführliche Einleitung des Hrn. Bastian bespricht die socialen Formen des Lebens der Bewohner im vergleichend ethnologischen Sinne.

Die Ausstattung des Buches ist eine sehr saubere. Um so mehr überrascht die Ungleichheit der Correktur, welche in einzelnen Abschnitten den Text fast ohne Interpunktion und grammatikalische Richtigstellung gelassen hat. Es mag sein, wie es in der Vorrede beisst (S. 25), dass der Styl des Reisenden, der ein balbes Leben von der Civilisation abgeschlossen gelebt hat, manche Härte besitzt, aber es ist trotzdem nicht recht zu verstehen, warum die Herausgeber nicht wenigstens die gewöhnlichen Rücksichten auf die Herstellung eines lesbaren Textes genommen haben. Hoffentlich werden die in Aussicht gestellten weiteren Hefte diesem Mangel abhelfen.

Virchow.

Ab. Francesco Soranzo, Scavi e scoperte nei poderi Nazari di Este. Roma 1885. 4. 97 p. c. 9 tavole.

Die ganz objektiv gehaltene Schrift bringt eine sehr erwünschte Erweiterung der Kenntnisse über die Gräberfelder im Gebiet von Este. Etwa 1 km in sūdwestlicher Richtung von der Stadt liegt Morlongo, wo die Familie Nazari ein Gut besitzt. Hier und an verschiedenen anderen Punkten bis nahe gegen Este hin wurden zahlreiche Gräberfelder entdeckt, welche, wie die in Este selbst, bis in die römische Zeit reichen, regelmässig aber und vorzugsweise prähistorische Bestandtheile zeigen. In der Regel liegen 3 Gräberreihen von verschiedenem Alter über einander; in der zweiten Schicht glaubt der Verf., welcher die Ausgrabungen leitete, noch wieder zwei Unterabtheilungen unterscheiden zu müssen. Sämmtliche prähistorischen Gräber waren Brandgräber; hier und da wird ein menschliches Gerippe erwähnt, indess erhellt nicht immer mit Deutlichkeit, in welche Zeit es gehört. Die Gräber selbst waren verschieden eingerichtet, auch in den einzelnen Schichten; der Verf. unterscheidet 3 Arten: ad arca (Steinkisten), semplice buca (Gruben) und vasi-tomba. In allen dreien fand sich eine grosse Fülle des mannichfaltigsten Thongerāthes, namentlich Ossuarien mit Deckeln und zablreichen Beigefässen, unter denen becherförmige Schalen mit hohem und engem Fuss und Gefässe mit der ansa lunata besonders hervortreten. Auch eine Schale mit hohlem, kegelförmigem und gefenstertem Fuss, āhnlich denen von Golasecca und unsern lausitzern, wird beschrieben (Tav. I, fig. 6). Viele der Gefässe hatten rothe und schwarze Bänder, andere Mäanderzeichnungen, andere waren mit Bronzestreifen eingelegt oder mit Bronzeknöpfchen (borchie) besetzt. In der dritten Periode tritt Eisen häufiger auf; vorher findet sich fast nur Bronze, jedoch mit Glas und Bernsteinperlen. Die Fibeln zeigen die fortschreitende Entwickelung von der einfachen Bogenfibula mit glattem oder gedrehtem Bügel in der untersten Schicht zu den Kahn- und Schlangenfibeln; in der dritten Periode prävalirt der Certosa-Typus. Waffen sind nicht häufig, indess wurden ein Schwert von Bronze, eine Lanzenspitze, Schaftcelte (Paalstābe mit beiderseits weit eingebogenen Schaftlappen) gefunden. Eine Gussform zeugt für die locale Gusstechnik. Am höchsten entwickelt zeigt sich die künstlerische Entwickelung in der Herstellung bronzener Gürtelbleche mit grosser Schlussscheibe, welche mit Thieren (Vögeln, Hasen, Flügelpferden) verziert sind und schon orientalischen Einfluss beweisen. Die figürliche Darstellung an den Thongefässen beschränkt sich auf geritzte oder punktirte Linien, welche Pferde darstellen sollen, und auch Räder; beide Arten von Zeichnungen gleichen im höchsten Grade den aus unseren Gräbern des lausitzer Typus bekannten. Auch die kleinen Gefässe in Form von Stiefeln mit genähten Verzierungen erinnern an die Hohlfiguren unserer alten Gräber.

Virchow.

XII.

Der Dualismus der Ethik bei den primitiven Völkern.

Von
M. Kulischer in Kiew.

WO

Eines der merkwürdigsten Kapitel im Werke von Lubbock „Ueber die Ameisen, Bienen und Wespen“ ist nach meiner Ansicht, dasjenige,

er seine Beobachtungen über das Verhalten der Ameisen gegen die Mitglieder einer und derselben Gemeinschaft, die zugehörigen einerseits, die Mitglieder einer anderen Gemeinschaft, die fremden andererseits, zusammenstellt. Aus diesen Beobachtungen ist klar zu ersehen, dass in jeder Ameisengemeinschaft diametral entgegengesetzte Regeln in der Behandlung der Zugehörigen und der Fremden Geltung haben: die einen werden gepflegt, liebevoll bebandelt, beschützt, die anderen ausgestossen, ermordet. Die Masse der von Lubbock angestellten Beobachtungen zeigt, dass dieser Dualismus in der Handlungsweise der Ameisen keineswegs ein Resultat des Zufalls ist, sondern als allgemeingültiges Gesetz betrachtet werden muss.

Derselbe Forscher, der so klar sich und andere in der Handlungsweise der Ameisen zu orientiren verstand und das Sittlichkeitsprincip, das im Schoosse der Ameisengesellschaften Geltung hat, aufgestellt hat, derselbe Lubbock hat leider in einem anderen Werke, das den Sitten der primitiven Menschen gewidmet ist, nicht denselben Scharfsinn in der Enträthselung der einander widersprechenden Schilderungen der Reisenden über die Sittlichkeit der primitiven Völker geäussert.

Noch ehe ich mit den Forschungen von Lubbock im Gebiete der Ameisenwelt bekannt geworden war, habe ich in mehreren Abhandlungen über das Leben und die Sitten der primitiven Menschen einen ähnlichen Dualismus in dem Wandel und Handel derselben beiläufig nachgewiesen 1).

1) Der Handel auf den primitiven Culturstufen (Zeitschrift für Sprachwissenschaft und Völkerpsychologie. 1878. B. X. Heft IV. S. 379 ff.). Intercommunale Ehe durch Raub und Kauf (Zeitschrift für Ethnologie. 1878. Heft 3. S. 194, 219 ff.). Das Institut der legalen Anarchie (Ausland. 1884. Nr. 28, S. 554).

Ich kann nicht genau sagen, ob Prof. Gumplowicz, der in seinen Werken (Der Rassenkampf 1883 und Grundriss der Sociologie 1885) unter Anderem diesen Satz durchgeführt hat, meine Abhandlungen gelesen hat. Allenfalls ist schon aus den erwähnten Daten zu ersehen, dass ich in den Werken des Prof. Gumplowicz über den betreffenden Gegenstand nichts Neues finden konnte. Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1885.

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