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I.

Das Gräberfeld von Rondsen bei Graudenz.

Von J. Bohm.

Hierzu Tafel I-II.

Zablreiche Funde an verschiedenen Stellen des Kreises Graudenz, in der Stadt selbst, auf der Festung, sowie auch in Mischke in unmittelbarer Nähe des Gutes Rondsen (ca. 7,5 km von Graudenz), und besonders bei Bauten beim Ausgraben der Fundamente, beim Pflügen u. S. w. haben im Laufe der Jahre den Beweis erbracht, dass diese Gegend in der Stein- und Bronzezeit von Menschen bewohnt gewesen sei. Es war danach anzunehmen, dass es auch in der Eisenzeit diesem Kreise an Bewohnern nicht gefehlt babe; allein lange Zeit wollten sich genügende Beweise bierfür nicht finden, was zum Theil dem Umstande zuzuschreiben sein mag, dass Eisen gegen den Einfluss der Witterung weniger widerstandsfäbig ist, als Bronze, zum Theil seinen Grund auch darin haben mag, dass solchen Funden erst in jüngster Zeit die genügende Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Ein im letzten Winter auf der Feldmark des Gutes Rondsen entdeckter Begräbnissplatz aus jener Zeit dürfte diese Lücke einigermassen ausfüllen.

Das Gut Rondsen liegt südlich der Stadt auf dem Wege nach Culm, westlich und nordwestlich von dem Rondsener See und der Weichsel begrenzt. Es wird des See's daselbst (Rensehe) urkundlich schon im Jahre 1232 in der Culmer Handfeste als Grenzpunkt des Culmer Stadtgebietes Erwähnung gethan. Die Anlegung einer Ortschaft dürfte spätestens in das vierzehnte Jahrhundert zu verlegen sein ?).

Im funfzehnten Jahrhundert war es Aussenhof des Ordenshauses Graudenz und blieb auch unter den Polen von Graudenz abhängig, bis es im Jahre 1736 emphyteutisch ausgethan und sodann 1778 erblich verliehen wurde.

1) Fröhlich, Geschichte des Graudenzer Kreises, Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 1985.

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Die Nordwestgrenze des Gutes bildet die Weichsel, bez. die dieselbe im untern Laufe begleitenden Höhenzüge, von denen ein Ausläufer sich in gerader Richtung von Norden nach Süden bis in die unmittelbare Nähe des Gehöfts hinzieht und dort ein mächtiges Mergellager, etwas weiter nördlich ein gewaltiges Kieslager, theilweise bis zu einer Mächtigkeit von 10 m, birgt, das nach geringem Abraum zu Tage tritt.

Dieser Kiesbruch hat schon verschiedene vorgeschichtliche Funde der Diluvialzeit, Bruchstücke eines Schenkelknochens des Mammut 1), verschiedene

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Versteinerungen (Korallen, Belemniten u. 8. w.), sowie einen hoch wichtigen Bronzefund römischen Ursprungs'), wahrscheinlich dem zweiten Jahrhundert n. Chr. entstammend, zu Tage gefördert.

Dieser Fund besteht 1. aus einer Kanne (mit Sand und Asche gefüllt), die sich bis zur Hälfte der Höhe ausbaucht, dann plötzlich verengt und allmählich zu einem Ausguss erweitert, mit schön ciselirtem, aus geflochtenen Weinreben gebildetem Griffe, an dessen Ansatzstellen am Gefässe sich

1) Prov. Museum in Danzig.

bärtige Faunsköpfe befinden; 2. einem Räucherbecken mit einem cannelirten, in einen Widderkopf endigenden Griffe (die drei Füsse, sowie eine andere Verzierung, deren früheres Vorhandensein aus Löthstellen zu ersehen ist, fehlen), 3. drei Fibeln (zwei von gleicher Form, eine mit Silberdrahtverzierungen), 4. zwei korbartigen Gehängen (ca. 7 cm hoch) aus netzartigem Drathgeflecht, welche wahrscheinlich ebenso, wie 5. eine Porzellanschnecke (Cypraea tigris), die mit einem Bronzering versehen ist, als Pferdebehang dienten; 6. einem Zaumbeschlag, 7. zwei kleinen, in Röhrenform zusammengebogenen Blechstückchen.

Sämmtliche Gegenstände waren etwa 1,5 m tief unter der Oberfläche vergraben.

Ferner finden sich häufig geschlagene Feuersteinstücke, Steinsplitter und einige Kerne; doch haben sich vollständige Steinwaffen bisher nicht gezeigt.

Auch entstammt dieser Stelle ein Eisenfund, bestehend aus zwei Lanzenspitzen, einem flachen Schildbuckel mit gebuckelten Nägeln und einem zweischneidigen Schwert mit abgestumfter Spitze (Fig. 6—9), dessen Alter noch nicht näher bestimmt ist, das jedoch wohl nicht wesentlich vom Alter der Funde abweichen wird, zu deren Besprechung ich mich nunmehr wende und deren Ursprung nach dem Urteil von Sachkennern in das ältere Eisenzeitalter zu verlegen sein dürfte.

Gegen das Ende des Jahres 1881 wurden beim Graben in der Nähe des Rondsener Gehöfts zwei Urnengräber etwa 14 Fuss tief unter der Oberfläche aufgedeckt, von Arbeitern, welche dieselben, ohne Meldung von ihrem Funde zu machen, durchwühlten; nachdem sie sich jedoch davon überzeugt hatten, dass nichts Wertvolles zu finden sei, lieferten sie die gefundenen Gegenstände, einen Speer, ein kleines Messer mit abgebrochener Spitze, zwei Fibeln, einen spitzen Stift (Ahle?) und ein Bruchstück einer Fibel, sämmtliche Gegenstände aus Eisen, ab. Weiteres über diesen Fund war nicht zu ermitteln.

Im Herbste des Jahres 1883 sollte eine grössere Menge Kartoffeln in Mieten gebracht werden, und zwar auf einem Platze unmittelbar neben dem Gehöfte von Rondsen. Der Platz ist auf einer Seite von dem Rondsener See, bez. dem Wege nach dem zugehörigen Vorwerk Bendugi, auf der entgegengesetzten Seite von dem Wege nach dem zugehörigen Gasthof Mischke abgegrenzt (s. Situationsplan).

Bei Anlegung der Mieten wurden in der Richtung von Osten nach Westen mehrere parallele Gräben (ca. 100 m lang, 2 m breit, 0,35 m tief) ausgehoben; hierdurch kam mehrfach der Untergrund, gelber Sand, zum Vorschein, in dem sich wiederum zahlreiche runde schwarze Stellen von 35 bis 70 cm Durchmesser zeigten.

In dieser flachen Grube wurden, ohne Untersuchung der schwarzen Stellen, die Kartoffeln aufgeschüttet, die ausgehobene Erde zum Bedecken

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uns.

der Mieten verwendet, und da sie nicht hinreichte, zu beiden Seiten der Miete Gräben von 1 bis 2 Fuss Breite und 2 Fuss Tiefe aufgeworfen. Hierbei kam nun eine Menge solcher schwarzen Stellen, anfangs reihenweise und in ziemlich gleichmässigen Abständen, späterhin auch in unregelmässigen Zwischenräumen zum Vorschein. Diese schwarzen Stellen wurden von den Arbeitern vielfach durchsucht und eine Menge eiserner Gegenstände, einzelne thönerne Gefässe und Scherben zu Tage gefördert.

Auf die Meldung hiervon begab sich Herr Gympasial-Direktor Anger, Herr Kanzleirath Fröhlich und Schreiber dieses eines Tages nach dem Fundorte hinaus und stellten Folgendes fest:

Die Brandgruben - mit solchen hatten wir es hier zu thun, - erstreckten sich über die ganze Länge und Breite (etwa 100 m) der Mieten hin und vielleicht auch noch weiter hinaus; wir hatten also hier ganz ohne Zweifel den Begräbnissplatz einer dauernden Niederlassung vor

Die Untersuchung einer grösseren Anzahl von Plettern ergab Folgendes: Es giebt 1. Pletter mit Urnen und Beigaben, 2. solche nur mit Beigaben, 3. nur mit Urnen und 4. ohne Urnen und Beigaben. Eine Untersuchung von 22 Plettern, die theilweise schon von den Arbeitern durchwühlt waren, förderte bei acht Gruben Beigaben und zwar in folgender Zusammengehörigkeit zu Tage: I. No. 16—18, II. 19-24, II. 25, IV. 29–31, V. 32, VI. eine Lanzenspitze wie No. 7, VII. eine Bogenspitze wia No. 22, sowie 57, VIII. eine Speerspitze wie No. 7, ferner No. 27, 28 und 64. Hierunter war nur ein Grab mit einer Urne, und zwar einer kleinen (Ceremonialurne?), die augenscheinlich ein Ohr besessen hatte, welches sich aber im Grabe nicht vorfand; ausserdem wurden in einer Grube, die sonst keine Beigaben enthielt, noch Bruchstücke eines Thon-Gefässes gefunden.

Auch hatten die Arbeiter an einzelnen Stellen Scherben herausgeworfen, aus denen sich jedoch kein Gefäss mehr zusammenstellen, zum Theil aber die Gestalt noch erkennen liess, so auch bei No. 69.

Dies war der Befund. Ausser den abgebildeten Urnen wurde noch ein vollständiges, mit einem Henkel versehenes Thongefäss, etwa von der Form 66 ausgegraben (13 cm hoch, 13 cm oberer, 9 cm unterer Durchmesser.)

Die Gefässe sind wahrscheinlich sämmtlich aus freier Hand geformt, No. 67 sogar sehr roh, 63, 64, 68 und 69 dann geglättet und letzteres schwarz gehlakt, die übrigen in gelber, grauer und röthlicher Thonfarbe. Von grauem Thon sind ferner die Wirtel Fig. 29 und 42. Zu

mit No. 29 fanden sich noch als Beigaben eines Plet eine eiserne Nähpadel und ein krummes Messerchen (30 u. 31), das offenbar als Trennmesser und zum Abschneiden des Nähfadens gedient hat, also Frauengeräth war; ein ähnliches Messerchen, welches auch mit einer eisernen Nähnadel zusammen gefunden wurde, stellt No. 62 dar, nur hat dieses, statt eines geraden runden Stieles mit einer Kugel am Ende, einen vierkantigen gewundenen Griff mit einer Oehse. Unter den bisher gefundenen vier Nähnadeln sind zwei Formen beobachtet: die erste dargestellt durch No. 35 u. 61 (letztere unvollständig), die zweite durch No. 30. Als Frauen-. schmuck ist vielleicht auch No. 36 u. 60, Bruchstücke eines bronzenen Armoder Beinringes, zu bezeichnen. Unter die Reihe der Schmuck- und Hausgeräthe dürften ferner zu rechnen sein die eisernen Fibeln 20, 21, 28, 32 bis 34, 49, 52, die bronzenen 51, 53, 54 bis 56, die eisernen Gürtelhaken 25 u. 26, die eisernen Messer 38 u. 40, die eiserne Schnalle 39. - Unter diesen Gegenständen fällt besonders auf das fast kreisförmig gestaltete Messer 38, das seine Schärfe an der äusseren Rundung hat. Für welchen Zweck mag dieses Messer benutzt worden sein? Diente es vielleicht zum Schneiden von Thierhäuten oder als Rasirmesser? Für Letzteres dürfte vielleicht der Umstand sprechen, dass das Messer nur sehr dünn ist. Im ersteren Falle dagegen war das Instrument wahrscheinlich mit einer Handhabe versehen, die ein festes Anfassen desselben gestattete; vielleicht that der vierkantige, nach dem Ende hin zugespitzte Stift No. 37 in Verbindung mit einem darüber geschlagenen Holzgriff derlei Dienste.

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No. 43, das vollständig wohl so, wie es die punktirten Linien zeigen, ausgesehen hat, dürfte zusammen mit 44 als Schwertbeschlag gedient haben. Bei den Oliva'er Pletterfunden kamen gleiche Gegenstände zu Tage und werden sie von Undset (Das erste Auftreten des Eisens in Nord-Europa Seite 140, Taf. XV, 5 u. 6) derartig bestimmt. No. 18 ist ein eiserner Sporn mit kurzem, etwas gekrümmtem Dorn.

No. 40, eine noch heute sehr gebräuchliche Form eines Messers, mag den mannichfachsten Zwecken gedient haben.

No. 45 bis 50 bildet einen besonderen geschlossenen Fund, auf den ich später zurückkommen werde.

Unter den gefundenen Gegenständen überwiegen Waffen und Waffentheile. Betrachten wir nun zuerst die Speere, von denen 18 Stück gefunden wurden (nur die in der Form von einander abweichenden sind hier skizzirt), So finden wir die verschiedensten Grössen vertreten, Längen von 19 bis

Sie sind sämmtlich mit einer Dülle versehen zur Aufnahme des Schaftes, welcher durch einen Nietnagel befestigt wurde, und gleichen sich ziemlich in den Grundzügen; die Mehrzahl hat einen scharf ausgeprägten Graht, wie 10, 13 bis 16, 27, 57 bis 59; weniger ausgeprägt ist dieser bei 11, gar nicht markirt bei 12.

An den Speeren habe ich auch eine Beobachtung gemacht, die meines Wissens bei ähnlichen Funden sich noch nicht gezeigt hat. Mehrere Nummern, nämlich 13, 16, 27 und 57, tragen ein sehr gut ausgeprägtes erhabenes Muster, und zwar ist dasselbe bei allen 4 verschieden: 1) Sternchen mit 4 Zacken, 2) solche mit vielen Zacken, 3) netzartiges Muster und 4) Zickzacklinien. Das Muster ist bei allen vier Speeren sehr gleichmässig und gut durchgeführt, entweder auf dem Wege der Aetzung

52 cm.

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