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oder durch Schmieden in einer Form, und zeugt jedenfalls für eine ziemlich hohe Stufe der Schmiedekunst.

Von den Bogen konnte, weil ja ihre Hauptbestandtheile, Holz und Sehne, schon der Vernichtung durch das Feuer anheimfielen, wenig mehr erhalten bleiben, und so sind denn auch nur zwei selten vorkommende Exemplare einer Bogenspitze (Fig. 22) gefunden, welche die gothischen Langbogen für den Nahkampf als Stosswaffe tauglich machten. Man vergleiche bei Engelhardt (Denmark in the early iron age, Pl. XII, Nydam Fig. 15) ein mit eiserner Spitze versehenes hölzerues Bogenfragment.

Von Pfeilspitzen ist merkwürdiger Weise nichts gefunden. No. 7 und 11 erklärt Herr Blell in Tüngen für Wurfspeerspitzen.

Von Schwertern, die in drei Exemplaren, 23, 45, 46, in den Brandgruben gefunden wurden, haben zwei eine scharfe Spitze, die wahrscheinlich auch das dritte (46) besass, was aber wegen Fehlens des untern Theiles nicht mit Bestimmtheit zu sagen ist. Zwei, 23 u. 45, sind zweischneidig, das dritte einschneidig. No. 45, mehrfach zusammengebogen, ist mit der Scheide versehen. Diese besteht aus Bronzeblechplatten mit eiserner Einfassung, welche durch, in ziemlich gleichmässiger Entfernung parallel laufende, schmale Bänder zusammengehalten wird. Das stellenweise abgeplatzte Bronzeblech, das fast vollständig oxydirt ist, lässt eine Verzierung des Schwertes in Streifen erkennen, welche ich wegen ihrer glänzenden Farbe für Gold Lielt; bei der chemischen Untersuchung erwies sich jedoch diese Verzierung als äusserst dünner Bronzebelag No. 23 ist gleichfalls mehrfach zusammengebogen und mit Blutrinnen versehen; die Griffzunge ist nur fragmentarisch erhalten.

Von Schildbeschlägen sind zu verzeichnen 3 Buckel No. 17, 19, 48; erstere beide sind ziemlich flach mit verschieden hoher Spitze, letzterer scheint ziemlich stark gewölbt gewesen zu sein und ist wohl im Leichenfeuer eingesunken. Die Buckel waren am Schilde mittelst 8 Nägeln mit runden Köpfen (flach und gebuckelt) befestigt, von denen zwei gleichzeitig den hölzernen Schildgriff und mit ihm eine eiserne zierliche Verstärkung (Fig. 24) festhielten. Die Befestigung geschah bei 5 Nägeln durch Umlegen der Dorne, die eine Länge von 11 bis 13 cm haben, nach dem Schildrande zu; die drei anderen wurden vernietet. – Ferner dienten zwei Nägel zur Befestigung der Schildfessel. - Bei No. 48 sind noch 9 Nägel vorhanden, bei den anderen Buckeln aber fehlt der grössere Theil. Die Nagelköpfe fallen durch ihre ungewöhnlich grossen Durchmesser (30, 38 u. 40 mm) auf; No. 45, 47 und 50 (welche Gegenstände in einer Grube mit 46, 48 und 49 gefunden sein sollen, – von den ersten drei Nummern lässt sich die Zusammengehörigkeit mit Bestimmtheit behaupten) sind, wie Herr Blell, dem die Sachen mit Ausnahme von No. 47 im Original vorgelegen haben, meint, gallischen Ursprungs (ebenso wie No. 3), während alle übrigen Gegenstände einem gothischen Stamme und der Zeit nach dem älteren Eisenzeitalter zuzuschreiben sind. No. 45 und 46 sind bereits in Vorstehendem

beschrieben. No. 47 ist ein mit Bügel ca. 34 cm hohes Bronzegefäss von getriebener Arbeit, dessen Wandung an denjenigen Stellen, an welchen die Bauchung am meisten herausgetrieben ist, sehr dünn und daher auch hier durch die Oxydation zum Theil zerstört ist. Der massive Bügel ruht in zwei massiv gegossenen Seitentheilen (Oehsen) 47a von sehr hübscher Form, die auf der Bauchung aufgelöthet waren. Sonst trägt das Gefäss keinerlei Verzierungen. Um, wenn möglich, das Löthmaterial festzustellen, wurde an den Löthstellen das anhaftende Oxyd entfernt, und es kam ein äusserst dünner silberähnlicher Metallüberzug zum Vorschein, der sich mit einem stäblernen Messer nur schwer ritzen und ohne Mitnahme von Bronze nicht loslösen liess. Eine chemische Analyse liess sich daher nicht bewerkstelligen. – No. 49 ist der Bügel einer eisernen Fibel. No. 50 eine durchbrochene Verzierung aus Bronzeblech, die wohl als Beschlag gedient hat.

Dieser Fund steht, wenn man ihn nicht etwa mit dem Münsterwalder Fund vergleichen wollte, in unserer Provinz einzig da. In anderen Provinzen sind allerdings ähnliche Gefässe mit reichen Beigaben gefunden worden, so in Meisdorf a. d. Selke im Harz, in Boblsen im Amt Bodenteich (Hannover), und verweise ich desswegen auf Undset Seite 227, 283 und 288. Vergleicht man nun die Rondsener Funde mit den zu Bornholm, Oliva und Persanzig gemachten Pletterfunden, so wird man finden, dass die Aebnlichkeit derselben so gross ist, dass man sämmtliche 4 Funde obne Zweifel dem älteren Eisenzeitalter zuschreiben kann. – In Bezug auf Waffenfunde ist der Rondsener Fund bis jetzt wohl der am meisten hervorragende.

Zum Schlusse wiederhole ich noch einmal, dass das Zutagekommen der Mehrzahl der beschriebenen Gegenstände dem Zufall, nicht besonders veranstalteten Nachgrabungen zu verdanken ist, und dass desshalb manche erwünschte Details fehlen dürften; im Frühjahr gedenkt jedoch Herr Dir. Anger die Ausgrabungen systematisch zu beginnen, und steht dann eine hoffentlich nicht minder günstige Ausbeute zu erwarten.

II.

Die Bewohner von Süd-Mindanao und der Insel Samal.

Nach eignen Erfahrungen

von

Alex. Schadenberg in Glogau.

Hierzu Taf. III.

1. Sud-Mindanao.

Auf Mindanao, der zweitgrössten Insel der Philippinen, existiren drei verschiedene. Menschenrassen: Eingeborne malayischer Abstammung, Moros d. h. Mohammedaner mit Resten arabischer Kreuzung, und Negritos, die eigentlichen Ureinwohner des Archipels; ausserdem selbstredend Vermischungen, namentlich von Malayen und Negritos.

Die vielen verschiedenen Namen malayischer Stämme auf Mindanao haben nur in der verschiedenen Lage ihrer Ansiedlungen ihre Erklärung zu suchen. Einen bestimmten Rassenunterschied würde man bei diesen, nur durch den Namen verschiedenen Stämmen schwer classificiren können. Den Ansiedlungen nach unterscheidet man an malayischen Stämmen etwa: Mandayas,

Calanganes,
Tagacaolos,

Vilanes,
Bagobos,

Samales,
Tagababaos,

Sanguiles u. 8. w. Vielfach werden noch Manobos genannt, welches Wort aber nach meinen Erfahrungen keinen bestimmten Stamm bezeichnet, denn, fragte ich Bagobos, Samales oder andere Eingeborne, welche Stämme in dieser oder jener Gegend wohnten, so wurde mir stets geantwortet: es wohnen da ManoboMandayas, Manobo-Bagobo oder Manobo-Vilanes. – Manobo bedeutet demnach einfach homo.

Mit meinem lieben Reisekollegen Otto Koch weilte ich u. A. vom Dezember 1881 bis Mai 1882, von jeglicher Civilisation abgeschlossen, in Sibulan, einer Rancheria der heidnischen Bagobos, in der Nähe des Vulkans Apo, des höchsten Berges des Archipels in Süd-Mindanao. Durch fortwährende Expeditionen in das Land hinein war uns in stetem Verkehr mit den Eingebornen, deren Dialekt wir uns nach Möglichkeit erst aneignen mussten, Gelegenheit geboten, vielleicht etwas zur Kenntniss dieser wenig gekannten Völkerschaften beizutragen.

Die Bagobos haben ihren Sitz in der Umgebung des Vulkans Apo und ziehen sich in einigen Rancherien bis an das Meer hinunter. Sie leben in Rancherien bis zu 200 streitbaren Männern. Ihre Hütten liegen zerstreut in dem waldigen Terrain und sind meist auf erhöhten Punkten, die einen guten Auslug gestatten, also zum Angriff wie zur Vertheidigung gleich gut geeignet sind, erbaut.

An der Spitze jeder Rancheria steht ein Dato; die Bevölkerung zerfällt in freie Unterthanen und Sklaven, die sich aus Kriegsgefangenen oder gestohlenen Kindern rekrutiren. Die Datowürde ist erblich, der Dato ist Anführer im Kriege und leitet Unterhandlungen im Frieden, bei ihm werden die Waffen für seine Unterthanen geschmiedet, wofür sie zur Unterstützung beim Bebau seiner Felder und zu sonstigen Hülfeleistungen verpflichtet sind. Die Sklaven werden sehr gut behandelt, sie leben im Hause ibrer Herren gleich dessen Angehörigen und thun nur leichte Dienste, Feldarbeit etc.; die einzige Schattenseite ihres Daseins ist, dass sie eventuell zu Menschenopfern verwandt werden können, worauf ich später noch zurückkommen werde. Die Bagobos leben in geordneten Verhältnissen: der Mann ist das natürliche Oberhaupt der Familie, sie huldigen der Polygamie, die sich wie bei den Mormonen ganz nach den Vermögensverhältnissen richtet, da die Frauen gekauft werden müssen. Alten Leuten wird eine bevorzugte Stellung eingeräumt, durch ihre Meinung werden bei Sitzungen wichtige Angelegenheiten entschieden.

Bei der Geburt eines Kindes werden keine besonderen Feierlichkeiten begangen, die Entbindungen geschehen meist leicht, in schweren Fällen helfen alte Weiber, eine Isolirung der Schwangeren findet nicht statt. Das Kind erhält bald einen Namen, der häufig aus dem Thierreiche oder aus der Mythologie entlehnt wird. Die Bagobofrauen pflegen im Durchschnitt zwei bis drei Kinder zu haben, selten mehr als vier, da sie so viele als eine Last ansehen und ein Plus durch Abtreiben beseitigen.

Die Kinder werden ein Jahr lang gestillt, nach der Entwöhnung tritt bald Reis an Stelle der Milch. Eine künstliche Umformung der Schädel konnte ich nicht beobachten. Das Kind wird, bis es laufen kann, von der Mutter in einem Tuche an der Brust getragen. Nach dem Zahnwechsel findet bei den meisten, etwa 90 Prozent (ich habe nicht erfahren können, nach welcher Norm dies geschieht oder nicht geschieht), die Zahnfeilung statt, welche sehr verschieden ausgeführt wird. Sie beschränkt sich meist auf die sechs vorderen Zähne des Ober- und Unterkiefers; Einige feilen sie spitz zu wie Haifischzähne, Andere ganz bis auf das Zahnfleisch ab, wieder Andere feilen sie in der Mitte ihrer Breitseite an und geben ihnen dadurch eine concave Gestalt. Die beranwachsenden Mädchen werden zu häuslichen Arbeiten angehalten, sie lernen den Faden aus der Musa textilis bereiten, ihn zu färben und zu Stoff zu verweben mittelst eines primitiven Webstuhles, der in eine Art Sattel ausläuft, welcher um den Rücken gelegt und durch den Oberkörper angespannt wird, wobei das entgegengesetzte Ende an der Wand der Hütte befestigt ist; das Schiffchen wird mit den Fingern durch die einzelnen Fäden hindurchgesteckt. Weiter lernen die Mädchen Körbchen

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flechten und andere Handarbeit mebr, sie stellen sich überhaupt zu allen mechanischen Sachen geschickt an.

Der junge Bagobo dagegen tummelt sich auf dem Pferde und wird ein verwegener Reiter, er übt sich mit dem Blaserohre und erlegt mittelst der aus ihm geschossenen Pfeile Vögel; für grössere Thiere bedient er sich des Bogens oder der Lanze. Nach seiner Pubertät wird er mit einem Messer umgürtet (die Söhne der Datos schon eher, d. b. sobald sie im Stande sind,

das Messer zu tragen). Die Pubertät mag nach Schätzung etwa mit zwölf Jahren eintreten; mit ihr ist die Tättowirung verbunden, welche, bei Männern und Weibern in den mannichfaltigsten Mustern auf Armen, Holzschnitt (Fig. 1), Händen, Brust und Beinen ausgeführt wird. Die Bagobos tättowiren sich nicht selbt, sie lassen es durch einen andern Stamm, die Atas, welche sehr viel Negritoblut in den Adern haben, thun.

Ich war oft bei diesen Operationen zugegen und kann also aus eigener Anschauung darüber berichten: Mit einem kleinen, halbrunden Messerchen, welches sie Sagoi nennen, machen sie in die straff angezogene Haut ziemlich tiefe Einschnitte,

und reiben nach etwa hundert SchnitHolzschn. 1.

ten Russ, der durch Verbrennen trocknem Bambus gewonnen wurde, hinein, worauf die Blutung sofort nachlässt. Der Neutättowirte darf dann keine Kleidungsstücke auf die gezeichnete Stelle bringen und darf zwei Tage lang nicht baden gehen. Unglücksfälle bezw. Blutvergiftungen sollen durch die Operation nie vorkommen, höchstens einige Zeit andauernde Entzündung.

Besitzt ein junger Bagobo nun genügende Mittel und Lust, zu heirathen, so geht er zu den Eltern seiner Auserwählten auf Besuch und unterhandelt mit ihnen wegen des Kaufpreises, welcher meist in chinesischen Tellern (nach von mir gemachten Höhlenfunden treiben die Chinesen seit vielen Jahrhunderten an den Küsten Mindanaos Handel) oder Aguns, einer Art TamTam aus Bronze, besteht. Ist man einig geworden, so werden die Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen, die stets festlich begangen wird. Am 12. Januar 1882 wurde ich und mein Reisegefährte Koch in der Bagoborancheria Sibulan zu einer Hochzeit eingeladen und berichte darüber nach meinem Tagebuche Folgendes:

Begleitet von dem Dato Manib, von dem wir unser Haus für Messingdraht gekauft batten, langten wir nach einstündigem Wege unter Vormarsch von Sklaven mit langen Bambusfackeln Abends acht Uhr bei dem Festhause

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von

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