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Zuerst, 1876, sah er im Ganges-Hafen an der Nordküste von Gross-Nicobar wieder einen derselben: er hatte „nichts von einem Papua oder Negrito, es war vielmehr ein Mongole.“ Im October 1880 wurde, wiederum im Ganges-Hafen, ein anderer Mann, Namens Koal, angetroffen (a. a. 0. S. 54). „Sobald ich ihn erblickte, war ich sicher, Papua-Blut vor mir zu haben. Sein Haar war üppig, buschig und leicht gekräuselt (curled), bedeckte gleichmässig die Fläche des Kopfes, wuchs aber nicht, wie bei den Negritos, in Büscheln (clumps).“ Eine Abbildung dieses Manpes können wir nun in Fig. 4 geben.

Eine neue Expedition mit Oberst Cadell wurde im März 1881 unternommen. Man drang gleichfalls vom Norden her in Gross-Nicobar ein und batte das Glück, sehr bald auf Koal zu stossen. Auch eine Reihe anderer Schombengs wurde getroffen und Hr. de Roepstorff überzeugte sich (a. a. (). S. 67), dass Koal der einzige war, welcher an Papua- oder Negrito-Abstammung erinnerte. Alle anderen batten den Habitus von Mongolen, insbesondere ,entschieden schiefe mongolische Augen“ und langes, schlichtes, schwarzes, jedoch etwas ins Bräunliche ziehendes Haar. Die Aebolichkeit mit den Tatat von Showra hielt er fest, aber er gestand offen ein, dass die Schombeng von den Küstenbewohnern sich „so wenig unterscheiden, dass nur ein geübtes Auge den Unterschied merken würde, falls sich ein Schombeng unter den letzteren befände.“

Die uns zugegangen Photographien, insbesondere die in Fig. 8 wiedergegebene Gruppe, wurden bei Gelegenheit einer nach dem Tode des Hrn. de Roepstorff im September 1884 durch seinen Nachfolger unternommenen Expedition in der Nähe des Ganges-Hafen aufgenommen. Drei der Leute wurden bestimmt, die Beamten in die Niederlassung (soviel ich verstehe, nach Camorta) zu begleiten, aber, obgleich sie ganz ruhig zu sein schienen, so entflohen sie in der zweiten Nacht, bemächtigten sich eines kleinen Canoes und, wenngleich des Segelps ganz unkundig, trieben sie in die tosende See hinaus. Man hat seitdem keine Spur von ihnen aufgefunden, und es steht zu befürchten, dass das Völkchen sich noch mehr scheu vor den Europäern zurückziehen werde.

Von den beiden nach links gesetzten Leuten in der Gruppe Fig. 8 ist bemerkt, dass sie sich am meisten dem mongolischen Typus annähern. Jedenfalls haben sie nicht das Mindeste an sich, wodurch sie sich dem Typus der Andamanesen oder anderer Negritos oder gar der Papuas annäherten. Das darf nunmehr wohl als festgestellt angesehen werden. Sehr viel schwieriger scheint mir die Frage, ob die Schombengs ein von den übrigen Nicobaresen, mit etwaiger Ausnahme der Schom-Tatat, gänzlich verschiedener Stamm seien. Wenn selbst Hr. de Roepstorff anerkennt, dass sie sie sich von den Küstenstämmen so wenig unterschieden, dass nur ein geübtes Auge den Unterschied merken würde, so scheint dies mehr auf einen Gegensatz zwischen Hochlands- und Küstenstämmen hinzuweisen, wie er auch anderswo, z. B. auf Ceylon, hervortritt. Es ist wahr, dass manche Differenzen auch in den Abbildungen bemerkbar werden, aber die Frage ist, ob sie constant sind. Auf einem der kleineren Gruppenbilder, welche nicht wiedergegeben sind, sieht man 4 Profilansichten, darunter Vater, Sohn und Bruder: zwei von diesen haben eine prognathe, zwei andere eine orthognathe Mundstellung. Aber von den beiden ersteren hat wiederum der eine eine gerade, sogar schwach convexe, der andere (Kontri's Bruder) eine tief angesetzte, kurze, eingebogene und fast negerartige Nase. Bevor es möglich sein wird, diese Differenzen zu klären, wird wohl noch manche genauere Untersuchung erforderlich sein. Vorläufig möchte ich nur das betonen, dass allem Anschein nach die Schombengs den Nicobaresen näher steben, als die letzteren zugestehen wollen.

In dieser Beziehung habe ich noch eine Mittheilung zu machen. Herr de Roepstorff schickte mir auf mein Ersuchen nach der Expedition von 1881 eine grössere Anzahl von Haarproben sowohl von Nicobaresen, als von Schombengs; auch ein Paar von Showra und „zur Vergleichung“ von Andamanesen sind dabei. Dabei stellt sich Folgendes heraus:

1. Die andamanesischen Haarproben stammen von zwei Jungen her. Das Haar ist ungemein fein, schwarz und spiralig gerollt. Wahrscheinlich würde es später stärker geworden sein, aber die Feinheit der Spiralröllchen würde wohl geblieben sein. Bei dem einen Jungen (Biola) sehen sie genau wie die Spiralröllchen von Zulu-Kindern aus; es sind enge Schrauben von etwa 1,5—2 mm lichter Oeffnung. Bei dem anderen (Lipoia) bilden sie ganz lange und sehr gleichmässige Rollen bis zu 15 mm Länge, die so regelmässig aussehen, als seien sie künstlich um ein Stäbchen gewickelt. Die Farbe ist schwarz, jedoch mit einer röthlichen, erdigen Masse so reich durchsetzt, dass die Farbe stellenweise sehr unsicher wird. Bei der mikroskopischen Untersuchung sind die Querschnitte vielfach nierenförmig, mit vollständig eingedrückter Concavität, oder wenigstens langoval mit einseitiger Abflachung, selten rund. Unter einer farblosen Cuticula sieht man die Rinde sehr dicht mit feinsten schwärzlichen Körnchen erfüllt, welche an dickeren Schnitten einen bräunlichen Tod erzeugen; die mittleren Theile sind sehr wenig gefärbt und ein Markstreif fehlt fast gänzlich.

2. Von den Schombengs sind 5 verschiedene Proben vorhanden, nehmlich von den Zeitschr. XIV S. 61-62 genannten Personen. Wie Herr de Roepstorff selbst angab, bestand eine erhebliche Verschiedenheit zwischen Koal und den übrigen Personen in Bezug auf Haarbeschaffenheit. Ich gebe daher eine etwas genauere Beschreibung:

a) Das Haar von Koal, dessen Gesammtbeschaffenheit aus der Abbildung Fig. 4 ersichtlich ist, erscheint verworren, aber lose. Die einzelnen Haare haben grössere Windungen (curls), die sich auch wohl zu Ringen schliessen, aber diese Ringe haben einen Durchmesser von 1 cm und darüber, und nirgends bilden sie Spiralen oder gar Rollen. Sie sind weich und im Ganzen von bräunlichschwarzer Farbe, aber es finden sich darunter nicht wenige hellbraune und sogar einzelne weisse. Unter dem Mikroskop erscheinen sie dünn und von der Fläche aus gesehen schwarzbraun mit einem dünnen, etwas ungleichen, schwarzen Markstreifen, oder hellgelbbraun, fast ganz homogen, ohne Markstreifen, oder endlich farblos, mit einem breiteren, luftbaltigen Markstreifen. Auf Querschnitten, von denen manche eine länglichovale, die meisten eine rundliche Gestalt haben, sieht man den gutentwickelten Markstreifen.

b) Das Haar von Alleo (30-35 Jahr) ist ganz schlicht, stark, in grosser Krümmung gebogen, glänzendschwarz.

c u. d) Das Haar von Towkow und von A héan (beide 16--18 Jahre alt) ist straff, schlicht, stark, ganz schwarz.

e) Das Haar von Tang (Vater von Ahéan) schlicht, straff, schwarz, mit gelblichbraunen und grauen Exemplaren untermischt.

Bei der mikroskopischen Untersuchung erscheinen die Haare der 4 letztgenannten Personen im Ganzen sehr dunkel, jedoch dunkelbraun, nicht schwarz; auch erkennt man, wenngleich undeutlich, im Innern einen sehr dunklen, nicht ganz regelmässigen Markstreif. Auf Querschnitten bemerkt man, dass die Dicke der einzelnen Stücke erheblich variirt, dass dagegen die Gestalt regelmässig eine rundliche ist. Die Cuticula ist sehr schwach, das Pigment in grosser Dichtigkeit in den äusseren Rindenschichten, aus dichten, länglichen Gruppen schwärzlicher Körnchen zusammengesetzt, die Grundsubstanz in sebr feinen Querschnitten scheinbar farblos. Dass dies jedoch nicht ganz zutrifft, bezeugt schon die sehr dunkle Färbung des Haars, welche zu der Zahl der Pigmentkörnchen in keinem richtigen Verhältnisse steht;

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noch mehr sieht man es an den gelblichbraunen Haaren von Tang (Nr. e), welche gar keine Körnchen enthalten, sondern ein ganz gleichmässig gelbes Aussehen besitzen. Die weissen Haare von Tang sind ganz farblos; auch der verhältnissmässig starke lufthaltige Markstreif erscheint nur schwärzlich, so lange Lust darin enthalten ist.

3. Von den Shom-Tatat von der Insel Showra habe ich zwei Proben erhalten:

a) von Itoë, einem Mann von 25 Jabren, eine wellig eingebogene Locke von dickem, schwarzem Haar.

b) von Tsisjū, gleichfalls einem 25 jährigen Manne, ein langes, straffes, bartes, nur wenig gebogenes, glänzend schwarzes Bündelchen.

Die mikroskopische Untersuchung zeigt vorzugsweise runde, seltener ovale Stücke von sehr dunkler Farbe, in welchen häufig ein tiefbrauner, jedoch sehr oft auch ein nicht gefärbter Markstreif enthalten ist. Die Pigmentkörnchen sind etwas grösser, meist dunkelbraun, zuweilen auch fast schwarz; im letzteren Falle hat der Querschnitt ein bläuliches Aussehen. Der Hauptsitz der Körnchen ist in den peripherischen Schichten der Rinde.

4. Von gewöhnlichen Nicobaresen besitze ich 19 Proben und zwar 10 von Camorta (darunter 1 Frau), 5 von Nancowry (darunter i Frau) und 4 (oder sicber 3) von Katchall. Dem Alter nach variirten die Leute von 6 Jahren (Nancowry) bis zu 50 Jahren (Katchall). Ausserdem sind Proben von 2 Frauen von Nancowry vorhanden, bei denen angegeben ist, dass sie Mischlinge waren: einer 55jährigen Frau von Malacca, als Tochter eines westindischen Negers bezeichnet, deren Haar fast ganz grau ist, und ihrer 25(?) jährigen Enkelin, deren Vater ein Malaye war.

Die Haare der gewöhnlichen Nicobaresen zeigen unter einander vur geringe Unterschiede, auch die der Weiber sind fast ganz übereinstimmend. Die Farbe erscheint bei blosser Betrachtung schwarz, nur bei wenigen braunschwarz oder bräunlich; die älteren Personen hatten mehrfach melirtes, mit grauen oder silberfarbenen Exemplaren untermischtes Haar. In der Form erscheint dasselbe bei einzelnen Leuten ganz gerade und straff, gewöhnlich aber ist die Locke etwas gebogen, nur in wenigen Fällen ist die Biegung stärker oder gar mehrfach wellenförmig. Obwohl die Haare sich nicht gerade hart anfühlen, so sind sie doch stark. Bei der mikroskopischen Betrachtung überwiegen die starken Exemplare, welche sehr dunkelbraun oder schwarz erscheinen. Einen Markstreif besitzen die wenigsten, jedoch zeigen sich zuweilen ganz kurze Strecken eines sehr dunklen feinen Streifens. Der Querschvitt hat eine runde, selten ovale Form; die Cuticula ist sehr schwach, das Pigment, aus kleinsten, schwärzlichen Körnchen bestehend, bauptsächlich in den äusseren Rindepschichten aufgebäuft, und diese dadurch in etwas dickeren Schnitten gelbbraun oder grünlich braun. Am Centrum sieht man, als Andeutung des Markstreifens, regelmässig eine helle, rundliche, deutlich abgesetzte Stelle, gelegentlich einige kleinere Häufchen schwarzbraunen, klumpigen Pigments. lo den weissen Haaren führt der Markstreif Luft; gelegentlich finden sich noch Reste bräunlichen Pigments in der Rinde.

Fasse ich das Gesammtergebniss dieser Mittheilungen zusammen, so ist es folgendes:

1. Die Andamanesen sind durch ihre Haarbildung von sämmtlichen, auf den Nicobaren ansässigen Stämmen scharf geschieden. Auch das Haar des Schombeng Koal darf in keine Parallele mit dem Mincopie-Haar gestellt werden.

2. Die Haarbildung sämmtlicher nicobaresischer Stämme differirt so wenig unter sich, dass eine Veranlassung, einen oder zwei dieser

Stämme für allophyl anzusehen, daraus nicht entnommen werden kann. Das Hauptmerkmal für die Unterscheidung beruht in der Stärke der Färbung und der grösseren Häufigkeit eines pigmentirten Markstreifens im Haare der Schombeng und der Showra-Leute.

3. Das Haar steht in der Mitte zwischen dem straffen Haar der mongolischen und dem schlichten, jedoch leicht gebogenen oder welligen Haar der malayischen und indischen Stämme. Eine Zuweisung der Nicobaresen zu der einen oder anderen dieser Rassen auf Grund der Haarbeschaffenheit ist nicht möglich. Jedenfalls bieten die binterindischen Stämme, z. B. die Hügelstämme von Chittagong, viele Analogien dar.

Auch die Hautfärbung ist wenig bestimmend. Alle Schilderungen erweisen, dass die Nicobaresen, und zwar die Küstenbevölkerung am stärksten, ein verhältnissmässig dunkles Colorit haben, wie es den dunkelfarbigen Stämmen Indiens eigen ist. Rechnet man dazu die höhere Statur und die mehr hypsidolichocephale und nur durch die künstliche Verunstaltung des kindlichen Kopfes bäufig verkürzte und verbreiterte Kopfform, so gewinnt man ein Bild der physischen Verhältnisse, welches eine positive Trennung dieser Leute von den Melanesiern und den Negritos erforderlich macht. Die geographische Lage der Inseln bringt den Gedanken nahe, dass eine wiederholte continentale Einwanderung von Hinterindien aus stattgefunden hat und dass die Vorfahren sowohl der gewöholichen Nicobaresen, als der Schombengs und der Schom-Tatat auf der gegenüberliegenden Küste des Festlandes gesessen haben. Die linguistische Vergleichung wird hoffentlich mehr Licht in diese Beziehungen bringen, für deren Aufklärung auch die vergleichende Osteologie bis jetzt nicht gegenügendes Material darbietet. Es ist dringend zu wünschen, dass sowohl von den verschiedenen Inseln der Nicobaren, als auch von den wilden Stämmen Vorderund Hinterindiens Schädel in grösserer Zahl beschafft werden.

Besonders lehrreich aber scheint mir das Beispiel der verhältnissmässig so kleinen Inselgruppe für die Beurtheilung der dunklen Stämme Indiens. Manche phantasiereiche Anthropologen leiten die letzteren ohne Weiteres von einer Urbevölkerung von Negritos ab. Nun, die Nicobaresen stehen den Negritos der Andamanen räumlich ganz nahe, und doch vermischen sie sich noch heutigen Tages mit denselben nicht, noch finden sich Uebergänge zwischen beiden. Es dürfte wobl kaum zu bezweifeln sein, dass in älterer Zeit auch die Nicobaren von NegritoStämmen besetzt waren. Insofern war der Gedanke, irgendwo auf den grösseren Inselo Inlandsstämine von Negrito-Descendenz zu finden, ein ganz rationeller. Aber allem Anschein nach hat die Einwanderung continentaler Stämme, welche schon dunkelfarbig einwanderten und es nicht erst durch den Contakt mit Mincopies wurden, die letzteren aus den nördlichen Inseln gänzlich verdrängt, so dass ihnen nur die südlichen geblieben sind.

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Länge
Breite
Gerade Höhe
Ohrböhe.
Surnbreite ,

1. Kopfmaasse. 186 ' 180 ! 169 176 181 190 | 177 171 181 | 162 | 172 134p. 136 p. 130p 133 p 143t 134p 128t 127 137 p. 134 p 135 p

P 151 146 142 134 141 149 137 134 140 134 141 129 124 116 118 127 123 120 111

120 120 122 97 95 82, 99 95 94 85 86 94 92 85

II. Berechnete Indices. 72,0 75,5 76,9 75,6'79,070,5 72,3 74,3 : 75,7 | 82,7 78,5 81,2 81,1 84,0 76,1 77,9 78,4 77,4 78,4 77,3 82,7 82,0 69,3 68,9 68,667,0 70,264,767,8 64,9 66,3 74,1 70,9

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(6) Hr. H. Handelmann übersendet d. d. Kiel, den 10. März 1884 weitere Nachrichten betreffend

den Opferbrauch bei Besitzergreifungen und Bauten.

Bei wiederholtem Durchblättern der Verhandlungen von 1883 fiel mir die merkwürdige Uebereinstimmung auf zwischen der Mittheilung 13 S. 289 des Herrn Direktor Weineck aus Zeust bei Friedland, Kreis Lübben, und den ungefähr gleichzeitigen Beobachtungen des Hrn. Prof. Pansch im Blocksberg bei Holtenau, Kreis Eckernförde (Correspondenzblatt der Deutschen anthropologischen Gesellschaft 1883 S. 54). Hier wie dort ein viereckiges Fundament, aus Feldsteinen in Lehm aufgesetzt, von ziemlich gleichem Flächeninbalt; in Zeust 6 m lang und 4,50 m breit, im Blocksberg 7 m lang und 4 m breit; doch waren die Grundmauern bier dicker und höher. Der Binnenraum war an beiden Stellen mit Lehm ausgefüllt, worin wieder Feldsteine fest eingestampft und vermauert waren. Zum Vergleich erinnere ich daran, dass auch beim Dannewerk und zwar in dem Erdwall hinter der Waldemars-Mauer ein Kernbau von Feldsteinen, welche in Lehm eingelegt sind, constatirt ist; vgl. Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-HolsteinLauenburgische Geschichte Bd. XIII S. 29-30.

Ohne Zweifel haben wir es also mit frühmittelalterlichen Grundbauten zu thun, aus einer Zeit, als noch kein Kalkmörtel üblich war. Und nun bietet uns das Fundament von Zeust ein offenkundiges Beispiel jenes Opferbrauchs der Bauleute, auf welchen ich in den Verhandlungen 1884 S. 35 u. 138 sowie Hr. Virchow ebendas. S. 308 Bezug genommen haben. Zwei aufgemauerte Hohlräume: in jedem zwischen Pferdeknochen ein auf einer Schicht Asche aufgestellter Topf, gefüllt mit Grus, worin ein Eisen geräth hineingesteckt war. Im Blocksberg sind die Verhältnisse nicht ganz so deutlich, aber von unverkennbarer Aebolichkeit. Laut einer späteren Mittheilung vom 13. October 1883 in der Kieler Zeitung fand sich hier ein grosser platter Stein; darauf und daneben eine Schicht von Asche und Kohlen, sowie auch einige Knochenstücke, Topfscherben und Eisentheile; und diese ganze

man so sagen darf – Heerdstätte war mit einer Steinpflasterung bedeckt, bez. geschützt. Auch sonst sind in der Lehmmasse noch Brandschichten,

en und Eisenreste vorgekommen; aber hier war offenbar die Hauptstelle des Opferbrauchs, und die Veberpflasterung sollte m. E. die in Zeust und sonst beliebte Ummauerung ersetzen.

In denselben Gesichtskreis gehört auch die von Hrn. Direktor Weineck (Verh. 1883 S. 290, Nr. 19) berichtete Beobachtung des Gastwirths zu Trebatsch, Kreis Lübben: eine mehr als 1 m hohe kegelförmige Mauerung, oben offen, mit weissem Sand gefüllt; darin ein Krug voll Sand; oben auf der Mauerung ein Pferdegerippe; alles einige Fuss unter der Erdoberfläche des Gartens. Also hier keine Beziehung auf das einzelne Gebäude, sondern auf den Wohnplatz im Allgemeinen, wie ich Verb. 1884 S. 140 mich bereits dahin ausgesprochen habe.

Schliesslich habe ich noch hervorzuheben, dass nach Mittheilung des Herrn Direktor Luchs in Breslau (Correspondenzblatt der Deutschen anthropologischen Gesellschaft 1884 S. 108–109) solche brunnenartige Holzeinfassungen mit Thongefässen, Thierknochen u. 8. W., wie die zu Ratibor (Verh. 1884 S. 33), in Schlesien öfter vorkommen und dass er dieselben ins Mittelalter, vielleicht bis in das 13. Jahrhundert, hineinsetzt.

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