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Hoffentlich gelingt es im Laufe des Winters, die Resultate meiner massenhaften Kopfmessungen der Oeffentlichkeit zu übergeben, als Theil einer grösseren, besonders noch Sprachliches enthaltenden Arbeit, und dadurch nicht nur Positives und bisher Unbekanntes zu bieten, sondern auch das Interesse für manches auf den Kaukasus und Völkerverwandtschaft überhaupt Bezügliches anzuregen.

(9) Hr. Photograph Carl Günther schenkt der Gesellschaft eine Reihe von

Photographien der Zulus, welche in ausgezeichneter Weise die im Januar vorgestellten Personen wiedergeben.

(10) Hr. Joseph Lepkowski, unser correspondirendes Mitglied, überschickt d. d. Krakau, 20. Januar, eine Mittheilung, betitelt:

Sind nicht einige Aschenurnen-Ornamente eine Schrift? Ein Brief von G. M. Atkinson aus West Brompton: „Sur quelques inscriptions en écriture Ogham“, veröffentlicht in dem Compte rendu der Lissaboner Session des anthropologisch-archäologischen Congresses, enthält eine Mittheilung über die Forschungen des weiland Richard Rolt Brash über die sogenannte Oghamschrift p. 465-469), die auf Grabsteinen in Irland und Schottland gefunden wird.

Eine solche Inscriptio bilinguis (Fig. 1) ermöglichte die Lesung.

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R. Brash bebauptet, dass diese Schrift durch Vermittlung von Ankömmlingen aus südlichen Küstenländern, namentlich von der iberischen Halbinsel, auf die britischen Inseln kam und bis zum 10. Jahrhundert im Gebrauch gewesen sei.

Die Forschungen des Hrn. Brash und namentlich der angeführte Brief des Hrn. Atkinson führen mich auf den Gedanken einer weiteren Benutzung ihrer Studien und deren weitergehende Anwendung.

Wenn ich nicht irre, könnten meine Wahrnehmungen zur Aufklärung von manchen Räthseln aus der ältesten Vorzeit dienen, da ich glaube, dass zwischen der Oghamschrift und dem Bestricheln, das bisher lediglich für Ornamentik galt und oft in der verschiedensten Weise auf Aschenurnen, welche im Posenschen und in den übrigen polnischen Landestheilen, sowie auch in anderen Gegenden Europas ausgegraben wurden, wiederkehrt, eine unverkennbare Verwandtschaft besteht.

Wenn diese Strichzeichnungen nicht ganz so sind, wie die Oghamschrift, so scheinen sie doch auf derselben graphischen Methode zu beruhen. Die Schrift pflegt übrigens manchmal ibre Bestimmung zu verlieren und wird zum Ornament, wofür wir Beweise im Orient und oft auch bei uns im Mittelalter haben.

Man kann also vielleicht derartiges Bestricheln auf Aschenurnen für eine verirrte Tradition halten, für ein Ornament, das nur eine Reminiscenz früherer Wirklichkeit ist.

Ich glaube daher nicht, dass es ein eitler Traum sei, wenn ich auf die Nothwendigkeit hinweise, Studien in dieser Richtung zu unternehmen. Wenn nicht zu uns, so kann doch vielleicht zu unsern Nachfolgern die älteste Vergangenheit aus ihrem Grabe in Worten sprechen,

Hier (Fig. 2, 3) sind Zeichnungen von Aschenurnen aus dem archäologischen Cabinet der Jagellonischen Universität (Inventarsnummern 287, 398), die aus dem Funde zu Dobieszewko im Posenschen herrühren. Die Zeichnungen sind in Naturgrösse.

Figur 2.

Figur 3.

Ich glaube, dass dieses Bestricheln mit der Oghamschrift verwandt sei, dass es eine Schrift ist oder eine Schrift vertretende Zeichen darstellt.

Vielleicht finden sich auf Aschenurnen, deren schon eine so grosse Menge in verschiedenen Sammlungen zusammengebracht wurde, Zeichnungen, die meine Ansicht genauer unterstützen könnten.

(11) Hr. Virchow zeigt eine

Bronzeschnalle von Osnabrück. Hr. Oberbürgermeister Brüning von Osnabrück überbrachte mir vor Kurzem eine eigentbümliche Bronzeschnalle mit dem Ersuchen, ein Urtheil über die archäologische Stellung derselben abzugeben. Dieselbe ist am 23. September 1884 beim Bau eines Strassenkanals (Pottgraben) in der Stadt Osnabrück und zwar in Moorboden gefunden worden. Eine in Osnabrück vorgenommene chemische Analyse soll eine Legirung von Kupfer und Zink mit Spuren von Phosphor ergeben haben.

Die bereits von Oxyd gereinigte“ Schnalle, von welcher eine Abbildung in natürlicher Grösse beigefügt wird, besteht aus einem querovalen Ringe, der an einer Seite offen ist, und einem starken Dorn, der lose beweglich auf dem Ringe eingelenkt ist. Der Ring hat in der Quere einen Durchmesser von 5, senkrecht darauf einen Durchmesser von 4,5 cm. Seine hintere Fläche ist platt und zeigt noch Unregelmässigkeiten vom Guss her; sie ist gegenüber der Oeffnung am breitesten, 6 mm. Die Vorderseite ist flach gerundet und zu einem grossen Theile quergerippt, oder vielmehr, es sind darauf 23 Querknoten (Wülste) und dazwischen breite und tiefe Thäler. Gegen die Oeffnung bin verjüngt sich der Ring und wird zugleich allmählich gerundet; an der Oeffnung selbst biegen die Enden plötzlich nach innen um und das eine geht schliesslich in einen starken, abgeplatteten, drachenkopfartigen Körper über; das andere Ende ist abgebrochen, hat aber wohl einen ähnlichen Körper getragen. Denkt man sich den Ring liegend, so hat das Ende mit dem Drachenkopfe eine fast senkrechte Stellung. Nach aussen hin hat letzterer ein geöffnetes Maul mit vorgestreckter Zunge und darüber einen eckigen Vorsprung (Stirn?). Auf der Fläche sind aussen 4 Augen eingravirt, jedes bestehend aus einer grösseren Centralgrube und einem peripherischen Kreise, und zwar an jedem Vorsprunge eines; dazwischen ein grösseres und am Halse das vierte; vorn an der Schnauze sitzt noch ein fünftes, jedoch ganz einfaches Grübchen.

Auf diesem Ringe ist, wie gesagt, ein grosser Dorn beweglich eingefügt. Derselbe misst in gerader Linie fast 7,5 cm in der Länge, ist in der Mitte rund und eingebogen, da, wo er den Rand kreuzt, ausgebogen und läuft in eine etwas niedergedrückte Spitze aus; nach hinten wird er platt und geht in eine grosse, voro 15 mm breite, nach aussen sich verjüngende Platte über, welche zu einer weiten, über den Ring geschobenen Rolle zusammengebogen ist. Die Vorderfläche dieser Platte ist mit zwei Gruppen tief eingravirter Linien verziert, in der Art, dass jederseits 4, dem Rande parallele Linien angebracht sind, welche nach aussen zusammenstossen, somit nach innen eine freie, dreieckige Fläche zwischen sich lassen.

Die Arbeit ist im Ganzen recht roh ausgefübrt. Trotzdem macht das Stück einen verhältnissmässig modernen Eindruck. Es ist aus den Erörterungen über die Schnallen von Koban erinnerlich, dass im Sinne mancher Archäologen die Schnalle an sich eine römische Erfindung ist. Die angeführte Analyse würde sogar dafür sprechen, dass das Stück frühestens der Kaiserzeit angehöre, und die Beschaffenheit der thierkopfähnlichen Endtheile könnte sogar auf eine noch viel spätere Zeit hindeuten.

Zunächst schien es mir daher von Wichtigkeit, die chemische Zusammensetzung durch eine neue Analyse prüfen zu lassen. Hr. Prof. Salkowski hat sich init gewohnter Bereitwilligkeit derselben unterzogen; seine Mittheilung lautet folgendermaassen:

„Die zur Untersuchung übergebene Bronze besteht aus Kupfer und Zinn; daneben kleine Mengen von Blei, Spuren von Zink. 0,1012 g derselben geben 0,0124 Zinpoxyd und 0,1130 Schwefelkupfer. Daraus berechnet sich:

Kupfer . . 89,14 pCt.
Zinn.

9,64

98,78 pct.“ Da das Material durch eine tiefe Abfeilung der hinteren Fläche, wo das Metall ganz rein erscheint, gewonnen ist, so kann das Ergebniss als ein zuverlässiges angesehen werden. Darnach handelt es sich um typische Zinnbronze: die Spuren von Zink nebst kleinen Mengen von Blei sind so geringfügig, dass sie als natürliche Beimengungen angesehen werden dürfen. Damit ist von dieser Seite kein Hinderniss mehr, der Schoalle ein höheres Alter beizulegen.

Frl. Mestorf hat in einer besonderen Abhandlung, welche in der Sitzung vom 19. Januar 1884 (Verh. S. 27) vorgelegt wurde, eine Reihe von Fällen aufgezählt, wo die Schnalle mindestens bis in die La Tène-Zeit zurückdatirt werden musste. Unter den von ihr erläuterten Formen befinden sich auch solche, wo die Enden des offenen Ringes in verschiedener Weise ausgebogen sind und in allerlei knopfartige Figuren auslaufen. Ich verweise insbesondere auf die Schnallen von Dockenhuden (Fig. 3), von Twann (Douanne) am Bieler See (Fig. 6) und von Trier (Fig. 5). Auch ich erinnere mich, in der Schweiz derartige Schnallen geseben zu haben, sogar solche, wo das Ende in eine schlangenkopfäbnliche Platte ausläuft.

Vielleicht darf auch die besondere knotige Form des Rivges als ein Zeichen höheren Alters angeführt werden. Dieselbe erscheint bekanntlich schon früh an dem Bügel von Fibeln und dürfte von daher auf die Schnalle übertragen sein. Jedenfalls ist sie eine sehr ungewöhnliche Erscheinung an einer Schnalle; ich wüsste augenblicklich kein ähnliches Beispiel zu citiren.

Wenn ich einem solchen Einzelfunde gegenüber in der chronologischen Schätzung

eine gewiss gerechtfertigte Reserve bewahre, so möchte ich doch, im Zusammenhalten aller Verhältnisse, dem Gedanken, welchen ich bei dem ersten Anblicke des sonderbaren Stückes hatte, dass es sich um ein Stück aus der merovingischen Zeit bandle, keine weitere Folge geben. Vielleicht ist es ein römisches Stück, aber ich bin noch mehr geneigt, es für vorrömisch zu halten.

Hr. Olshausen glaubt sich zu erinnern, dass in dein Pyrmonter Quellfund ähnliche Stücke enthalten gewesen seien ').

(12) Das correspondirende Mitglied, Hr. B. Ornstein übersendet folgendes Schreiben d. d. Athen, 15. März, betreffend einen neuen Fall eines

geschwänzten Menschen. Erst nach mehr als 5 Jahren ist es mir gelungen, einen zweiten Fall eines geschwänzten Menschen zu beobachten, dessen photographische Darstellung ich beizulegen die Ehre habe.

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Es ist keineswegs eine Uebertreibung, wenn ich die Thatsache betone, dass überall in Griechenland, ebenso in den binnenländischen Städten und Dörfern des Festlandes und des Peloponneses, wie in den Küstengegenden des Landes, auf den Inselgruppen des ägäischen Meeres und selbst auf entlegenen und schwach bevölkerten Felseneilanden, im Volksglauben die Ueberzeugung von dem Dasein geschwänzter Menschen wurzelt und bei gegebenem Anlass zum Ausdruck kommt. Man bezeichnet dieselben euphemistisch als „ávopew MÉVO1?)“, nehmlich als Leute von ungewöhnlicher Stärke. So erklärt es sich, dass dieser Tradition seitens der, wie alle Menschen, unter dem Einflusse der Jugendeindrücke stehenden gebildeten Griechen ein lebhafteres Interesse entgegengebracht wird, als von der bei weitem grösseren Mehrzabl der durch Vorsicht und Wissen gleich ausgezeichneten Skeptiker der alten europäischen Culturstaaten und speciell Deutschlands. Wenn die mehr oder weniger conservativ gesinnten Repräsentanten dieser Kategorie von einer

1) Nachträglich macht Hr. Olshausen aufmerksam auf Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande Heft 46 S. 47 Fig. 7, Spange von Pyrmont. Er sagt: „Dieselbe hat ebenfalls in die Höhe gebogene Enden, wenn diese Enden auch nicht Thierköpfen ähneln. Uebrigens zeigt auch das photographische Album der Berliner Ausstellung mehrere solcher Schnallen mit aufgebogenen Enden, allerdings nicht so charakteristisch. Immerhin wird man auf den Zusammenhang mit Pyrmont binweisen können, bei der geographischen Lage beider Orte zu einander.“

2) Zeitschrift für Ethnologie Jahrg. 1884, Verh. S. 99.

solchen als Humbug oder Blasphemie gekennzeichneten Anschauung nichts wissen wollen oder derselben entschieden entgegentreten, so darf man von einem Griechen auf die an ihn gerichtete Frage nach der Existenz solcher Schwanzmenschen fast durchgängig die Antwort erwarten: „Ich weiss wohl, dass es solche Menschen giebt, aber selbst habe ich keinen gesehen. Bei meiner eifrigen Umschau nach derartigen Individuen war es hierorts kein Geheimniss geblieben, dass ich im Sommer 1883 unter Mithülfe des griechischen Consuls in Rhodos auf einen daselbst als caudatus bekannten Mann gefahndet hatte, wobei man es pikant fand, dass es dem geschwänzten Schlaukopf im letzten Augenblick gelungen war, sich rechtzeitig der photographischen Abbildung seiner Rückseite zu entziehen '). Unter diesen Verhältnissen war es mir weniger auffallend als erfreulich, dass Dr. K. Lambros eines Abends um Weihnachten im hiesigen literarischen Verein ,der Parnass die Freundlichkeit hatte, meine Aufmerksamkeit auf einen Fall von muthmaasslicher Schwanz. bildung bei einem Soldaten der Garnison zu lenken. Es handelte sich um einen jungen Mann, welcher vor einiger Zeit der Cavallerie zugetheilt worden war und dem das Reiten so heftige Schmerzen am Gesäss verursachte, dass er nach etwa 6 Wochen der Ober-Sanitätscommission vorgestellt werden musste und diese seine Versetzung zu einer Waffengattung zu Fuss begutachtete. Auf Grundlage seines amtlich beglaubigten Gebrechens schmeichelte sich derselbe mit der Hoffnung, seine gänzliche Befreiung vom Militärdienst zu erwirken. Zur Erreichung dieses Zweckes hatte er einige Aerzte zu Rathe gezogen und unter diesen auch den auf deutschen Universitäten ausgebildeten Dr. Lambros, der die daselbst erworbenen ärztlichen und besonders chirurgischen Kenntnisse bereitwillig und uneigennützig den Hülfsbedürftigen Athens zur Verfügung stellt. Von diesem Collegen erfubr ich nun, dass er bei der Untersuchung eines Rekruten eine am Steissbein desselben hervorragende Anschwellung mit knöchernem Inhalt constatirt hatte, welche er als Chirurg, abgesehen von etwa atavistischer Deutung, für eine Exostose zu halten geneigt sei. Es dauerte lange und kostete viele Mühe, bevor der einfältige und scheue junge Mensch, bei dem ich einzig und allein auf meine persönliche Initiative in dieser kitzligen Sache angewiesen war und der desfalls von Misstrauen gegen mich erfüllt schien, sich zu einer nur füchtigen, halb erzwungenen und daher ungenügenden Untersuchung in meiner Wohnung verstand. Da dieselbe dessenungeachtet keinen Zweifel darüber zuliess, dass ich eine Schwanzbildung vor mir hatte, so suchte ich ihm die photograhphische Abbildung des Corpus delicti plausibel zu machen, indem ich die Vorstellung in ihm erweckte (es bat ja unter allen Umständen seine Richtigkeit mit dem „Omnis homo mendax“), dass auf diese Weise die gewünschte Befreiung von dem lästigen Militärdienste doch vielleicht zu erreichen stände. Dieser dem anthropologischen Interesse zum Opfer gebrachte Dolus scheint gewirkt zu haben, denn obgleich er auf meinen Vorschlag, sogleich mit mir zu einem Photographen zu fahren, nicht einging, so stellte er sich doch nach einigen Wochen, auf eine freilich erneuerte Mahnung, zum obigen Zwecke bei mir ein. Die unterwegs nach dem photographischen Atelier an den sichtbar befangenen und anscheinend beständig fluchtbereiten Rekruten gestellten Fragen, sowie die darauf

1) Hier muss ich die irrthümliche Mittheilung, welche Hr. Dr. Max Bartels in der Sitzung der Berliner anthropologischen Gesellschaft vom 19. Januar 1884 über die Entfernung des Wohports dieses Individuums von der Stadt Rhodos machte und welche wahrscheinlich auf einem meinerseits begangenen Schreibfehler beruht, dabin berichtigen, dass das Dorf Massare, das Domicil desselben, unweit der im Alterthum zur dorischen Hexapolis gehörigen Stadt Lindos liegt und demzufolge nicht 7 Minuten, sondern 7 Stunden von Rhodos entfernt ist.

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