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im Atelier vorgenommene Ocularinspection ergaben Folgendes: In Ansehung des Vor- und Zupamens des 21 jährigen, aus dem historisch bekannten Salamis gebürtigen, und jetzt dem hier in Besatzung liegenden ersten Geniebataillon zugetheilten Rekruten muss ich mich auf den Taufnamen Athanasios beschränken, da ich aus leicht begreiflichen Gründen des Familiennamens B ... 8 mich nicht bedienen kann. Der schlanke, magere und schwächlich constituirte Bursche ist 1,68 m hoch. Die Augen sind graublau, Haare dunkelblond, Haut gelbbraun, wie gegerbt; er ist dolichocephal und dabei chamaeprosop. Das kleine, zusammengedrückte, fast bartlose und schmutziggelbe Gesicht mit den verschwommenen Zügen steht in keinem Verhältniss zu der ziemlich grossen Statur. Das Zahnsystem zeigt nichts Abnormes.

An der Hinterseite des Körpers markirt sich in der Mittellinie zwischen den Nates eine das Niveau der Kreuz- und Steissbeingegend überragende haarlose Erhabenheit von natürlicher Hautfarbe und der Dicke eines mittelstarken Mannesdaumens. Auf den ersten Blick erinnert dieselbe unwillkürlich an die Vaginalportion eines jungfräulichen Collum uteri. Dieser momentane Eindruck scheint nicht allein auf einer gewissen Aehnlichkeit der Formverbältnisse zu beruhen, sondern dem Umstande hauptsachlich sein Entstehen zu verdanken, dass die convexe Hinterfläche der Anschwellung durch eine fast in der Medianlinie ibres Längendurchmessers mit einer geringen Abweichung von oben und links nach unten und rechts verlaufende Spalte gleichsam in zwei Hälften getheilt wird, deren rechte die linke an Grösse übertrifft. Wenn dieselbe die quere Richtung anstatt der verticalen einhielte, so würde bei den aneinander schliessenden Lippenrändern die Illusion noch gewinnen. Beim Auseinanderziehen der Lippen zeigt sich eine etwa 14–15 mm lange und 4–5 mm tiefe Rinne, welche sich in Ansehung ihrer Structur sowie ihres Colorits von dem Ueberzuge des Caudalanhangs unterscheidet. Die diesen Hohlraum auskleidende schleimhautähnliche Haut ist weicher, dünner und heller, als die äussere Hülle. Stellenweise hat dieselbe ein bläuliches Aussehen, ähplich dem der Lippenschleimhaut im Kältestadium des Wechselfiebers. Der Boden der ziemlich dehnbaren Spalte erscheint wie bereift und an einer linsengrossen Stelle narbenartig weiss. Auf dem Grunde und den glatten Seitentheilen der Vertiefung ist auch mittelst der Lupe kein Wollbaar zu entdecken, während auf der die Ränder der Spalte zunächst umgebenden Haut deutlichere Spuren davon wahrzunehmen sind, als auf dem übrigen Areal der schwanzartigen Verlängerung.

Die eigentliche Schwanzbildung scheint von der, die Verbindungsstelle des ersten mit dem zweiten Steissbein wirbel bedeckenden Haut als integrirender Theil derselben zu entspringen und hebt sich in Form eines von oben nach unten freistehenden Kegelabschnittes oder stumpfen Conus von der hinteren Steissbeingegend ab. Der Ausgangspunkt wäre also derselbe wie bei Nicolaus Agos, dem ersten von mir beobachteten Schwanzmenschen ?). Die Länge des auf normaler Hautunterlage aufsitzenden Fortsatzes beträgt 24/2—3 cm, die Breite an der Basis kaum 2 mm weniger und die seines frei nach unten gerichteten Körpers mit Ausschluss seines abschüssigen, eiförmigen Endstücks 18—20 mm. Letzteres überragt den After um 5–6 mm. Die zur Untersuchung der Vorderfläche des Steissbeins versuchte Einführung des Fingers in denselben, scheiterte an dem nicht zu überwindenden Widerstande des störrischen Menschen ?).

Ich war demnach ausser

1) Zeitschrift für Ethnologie 1879. Verh. S. 303.

2) Gegen die Exploratio ani, sowie die Application von Klystiren, ist die heutige mānnliche Jugend Griechenlands in hohem Grade eingenommen. Einige obscöne, in der Vulgärsprache gebrāuchliche Redensarten deuten darauf hin, dass man in dieseu Proceduren ein päderastisches Manöver erblickt.

Stande, mich über die Zahl der Steissbeinwirbel im vorliegenden Falle zu orientiren, da ich ungeachtet eines starken Druckes, den ich bei der äusseren Untersuchung auf die Recto-Analgegend ausübte, nicht zu unterscheiden vermochte, ob solche unterbalb der Insertionsstelle der Schwanzbildung vorhanden sind oder nicht. Die ebene und normal gefärbte Oberfläche der letzteren giebt sich dem Gefühle als eine glatte, feste, derbe, 24/2—3 mm dicke Haut zu erkennen, welche je nach der Organisation der dieselben bildenden Schichten von aussen nach innen an Derbheit und Dichtigkeit abnimmt und sich dadurch leichter verschiebbar zeigt. Ein auf die erwähnte lineare Spalte ihrer Länge nach ausgeübter Druck macht ebenfalls den Eindruck einer geringeren Derbheit der Hautdecke an dieser Stelle. Von einer Beweglichkeit des Anbanges, wäre es auch nur eine partiel) beschränkte, wie ich solche beim Agos beobachtete, ist hier nichts wahrzunehmen. Im Centrum desselben macht sich dem tastenden Finger ein Knochenstück fühlbar, welches auf der Grund

der caudalen Hervorragung unbeweglich aufsitzt und mit dieser ein Ganzes bildet. Die Form betreffend möchte ich dasselbe, abgesehen von seinem Wurzeltheile und seinen Grössendimensionen, mit dem, im analog verkleinerten Maassstab gedachten Körper - mit Ausschluss des Arcus und der Fortsätze eines der unteren Halswirbel vergleichen. Der Breitendurchmesser der oberen und unteren Fläche des kleinen Knochenstücks beträgt 10—12 mm, während die Seitentheile sammt der hinteren, etwas ausgeböhlten Fläche die Höhe von 6-7 mm nicht übersteigen. Die Dicke des Knochens von vorn nach hinten dürfte ungefähr die gleiche sein, wiewohl ich die Genauigkeit dieser Schätzung nicht zu verbürgen im Stande bin, da der Uebergangspunkt desselben in die Hinterfläche des Coccyx nicht mit Sicherheit festzustellen ist. Die angedeutete, nach hinten gewandte Fläche, welche der Lage nach der unteren Commissur der weiter oben beschriebenen Spalte entspricht, scheint von etwas geringerem Umfange, als der Körper des Knochens zu sein.

Nach des Rekruten Aussage ist kein näheres oder entfernteres Mitglied seiner Familie mit einer Steissbeinprominenz behaftet.

Ich wäre jetzt mit der Schilderung, nicht etwa dieses Schwanzes, sondern, wie Prof. Ecker vorschlägt, dieses ,schwanzartigen Anhangs 1)“ zu Ende, da ich über die Organisation des Gebildes keinen anatomisch befriedigenden Aufschluss zu geben vermag und bei der voraussichtlichen Abneigung des Salaminers, seine Cauda zu einem Gegenstand histiologischer Forschungen zu machen, nichts übrig bleibt, als mich auf die Darstellung der äusseren Formverhältnissse derselben zu beschränken. Darnach würde der Anhang nach Dr. Max Bartels passender und von keiner Seite angefochtener Classification in seine fünfte Form der Schwanzbildungen, nehmlich in die der Stummelschwänze mit knöchernem Inhalt, einzureiben sein.

Wie zutreffend diese Classification vom anatomischen Gesichtspunkte auch sein mag, so ist es doch Thatsache, dass die Erkenntniss der Formerscheinungen in der Entwickelungsgeschichte des Menschen in mancher Hinsicht noch immer eine speculative ist. Während beispielsweise die Stummelschwänze mit knöchernem Inhalt als die Folge einer Hemmungsbildung aus der embryonalen Schwanzperiode und die von demselben Forscher als „angewachsene Schwänze charakterisirten, als der Steisshöckerperiode der intrauterinen Entwickelung angehörend, gekendzeichnet werden, sieht sich Bartels genöthigt, den Stummelschwanz mit kvöchernem Inhalt als das Product einer zwischen dem 4-9 Monat des Fötallebens eintretenden Wachsthumssteigerung zu bezeichnen, deren Nachweis wie immer auf dem Boden einer subjectiven Auffassung steht.

1) Die praktische Tragweite dieser Periphrase ist meines Erachtens etwas fragwürdig. Sie erinnert mich an das drastische Schlagwort: „Es ist draussen ebenso kalt als auf dem Hofe.“

In Anbetracht des eifrigen Strebens der Männer der Wissenschaft, den dunkeln, die Abstammung des Menschen verhüllenden Schleier etwas zu lüften, balte ich es für angezeigt, Dr. Bartels' unermüdlicher Thätigkeit in dieser Richtung gerecht zu werden, und was speciell die Systematisirung der Schwanzbildungen anlangt, so begrüsse ich meinestheils dieselbe als einen namhaften Fortschritt auf diesem Gebietstheile der Anthropologen. Ich fühle mich umsomehr zu dieser Erklärung veranlasst, als es mir, Dank dieser zweckmässigen Neuerung, leicht wurde, dem vorliegenden Fall von Schwanzbildung als dem zweiten von mir beobachteten in der fünften Kategorie der Stummelschwänze mit knöchernem Inhalt seinen Platz anzuweisen. Unbeschadet der rückhaltlosen Anerkennung der Verdienste des Arn. Bartels in Betreff der Caudalanbänge erlaube ich mir jedoch der Ansicht desselben entgegen zu treten, nach welcher man, abgesehen von den spärlichen und fragwürdigen Beobachtungen von den seine erste Form bildenden echten Thierschwänzen, für die übrigen vier der von ihm aufgestellten Formen der Schwanzbildungen auf einen atavistischen Erklärungsgrund verzichten müsse. Ich für meine Person halte im Gegentheil an der Ueberzeugung fest, dass die Rückschlagsdoctrin als eine Conditio sine qua non der Lösung des uns beschäftigenden Problems zu betrachten ist. Wenn ich auch auf eine tiefere Erörterung dieses Themas an diesem Orte eiozugehen ausser Stande bin, so halte ich schon das Dasein der Längenspalte auf dem eben beschriebenen Schwanzrudiment für geeignet, in derselben das Merkmal einer an dieser Stelle wahrscheinlich stattgebabten Trennung des 2., 3., oder vielleicht auch 4. Steissbeinwirbels von dem in der Schwanzhei vorragung enthaltenen ersten zu sehen '). Im atavistischen Sinne erkläre ich mir auch Prof. Ecker's Foveola und Glabella coccygea, sowie seinen Steissbaarwirbel und schliesslich die zahlreichen Sacraltrichosen, von denen ich von 1875 ab nahezu 150 abbildungsfähige Exemplare gesehen habe, der grossen Zahl von schwach prononcirten nicht zu gedenken. Ich sebe in diesen eigenthümlichen, wohl wunderlichen, aber nichts destoweniger wahren Coccyxzierrathen nichts als die Compensation einer unterbliebenen Schwanzbildung. Bartels wirft im Hinblick auf die Aetiologie des Menschenschwanzes in einer mit 9 Abbildungen ausgestatteten Abhandlung ,Ueber Menschenschwänze" (S. 28) die Frage auf: „Und dennoch, können wir von Rückschlag reden, da wir ja sehen, dass auch der menschliche Embryo normaler Weise einen Schwanz besitzt?“ Ja, das ist ja gerade der Kern des Pudels oder das geflügelte Wort „Hic haeret aqua, mein Herr Pfarrer!“ Ich möchte die Frage anders und zwar so stellen: „Woher kommt es denn, dass der menschliche Embryo normaler Weise, wie der thierische, mit einem Schwanz ausgestattet ist?

Ich beantworte letztere dahin, dass ich mich in Ermangelung einer anderen vernunftgemässen Erklärung für berechtigt halte, die der Descendenztheorie zu adoptiren, d. h. anzunehmen, dass die Vorgänge, welche in der Keimesgeschichte zu Tage treten, eine kurze Recapitulation derer zu sein scheinen, welche auf dem langen Entwickelungswege vom Thier zum Menschen stattgehabt haben. Dass der embryonale Schwanz noch während des Fötallebens zum Stillstand kommt, bedarf keiner Erörterung. Indess mangelt dem Wie bier und da noch der sichere Boden der Thatsachen, während für das Warum kaum eine plausible Hypothese existirt. Nach obiger

1) Einen fünften Steissbeinwirbel babe ich hier noch an keinem männlichen Skelet beobachtet. Meistens giebt es deren nur 3.

Auffassung lässt sich denken, dass während der langen Uebergangsperiode des Thiers zum Menschen der zum Klettern nützliche Schwanz, welcher mit dem permanent aufrechten Gange ausser Thätigkeit trat, in seiner Ernährung litt, demzufolge seine Cohärenz einbüsste, sich also lockerte und schliesslich durch einen Eiterungsprocess oder eine Art Marasmus abfiel. Für erstere Annahme spricht die von mir beobachtete und oben beschriebene Spalte, für letztere scheint die Kleinheit und die nicht selten beim Fötus sowohl wie bei Kindern und Erwachsenen wahrgenommenen Tiefe der Foveola Ecker's zu sprechen. Dass auch der Embryo diese Merkmale an sich trägt, erklärt sich aus dem eben Gesagten. Nach dem naturwissenschaftlichen Standpunkte der Jetztzeit sollte kein Zweifel über den bestehenden Zusammenhang zwischen der Stammesgeschichte des Menschen und der Keimesgeschichte laut werden. Es ist ja richtig, dass die erstere ihr werthvollstes Material der letzteren entlehnt und die vergleichende Anatomie und Versteinerungskunde erst in zweiter Linie in dieser Richtung in Betracht kommen.

Ich halte es für ein bedeutungsvolles und gleichzeitig unerquickliches Zeichen der Zeit, dass die Gelehrten, von denen doch eine nicht geringe Anzahl den abstracten Wissenschaften, sei es spontan oder beruflich obliegt, es nun einmal nicht über sich zu gewinnen vermögen, in Ansehung der Vererbung und Anpassung, dieser so tiefsinnigen und bewunderungswürdigen Gesetze der Descendenzlehre, sich derselben Consequenz zu befleissigen, von welcher sie in der Logik, der Transscendentalphilosophie u. s. w. tagtäglich Zeugniss ablegen. Es scheint, als hätte man sich stillschweigend darüber geeint, dieses Capitel wie ein Noli me tangere zu betrachten, d. h. es entweder todtzuschweigen oder dagegen wie immer Protest zu erheben. Es widerspricht meinem Gefühle, vor dieser unangenehmen Thatsache die Augen zu verschliessen und werde ich mich durch dieselbe nicht bestimmen lassen, von dem mir vorgesteckten Ziele abzustehen.

Ich glaube im Vorstehenden einen seltenen und in seiner Art vielleicht einzig dastehenden Fall als Beitrag zur Casuistik der Menschenschwänze geliefert zu haben. Es ist daher begreiflich, wie sebr ich bedauere, dass es mir nicht gelungen ist, mir darüber Gewissheit zu verschaffen, ob unterhalb des besprochenen Knochenstücks noch Steissbeinwirbel vorhanden sind oder nicht. Ich neige mehr zum Nein als zum Ja, wie das aus meiner Auffassung über die Aetiologie der angedeuteten Spaltenbildung hervorgeht. Die Frage wird damit allerdings ihrer Lösung nicht näher gerückt, da ich bei dem negativen Resultate der mit Sorgfalt und Ausdauer durchgeführten Palpation der bezüglichen Partie eine Ueberzeugung zu gewinnen nicht im Stande war. Es wäre übrigens denkbar, dass eine lokale Anbäufung von verhärteten Faeces an dem Misserfolg der Untersuchung schuld wäre, in welchem Falle noch nicht alle Chancen gänzlich verloren wären, die vorliegende Mittheilung zu vervollständigen.

Hr. Virchow: Auch diejenigen Mitglieder der Gesellschaft, welche in der Beurtheilung des Werthes eines „Stummelschwanzes“ für die Lehre des Atavismús nicht ebenso weit gehen, wie Hr. Ornstein, werden demselben aufrichtig dankbar sein für die Ausdauer und werden ihn beglückwünschen wegen des Erfolges seiner Bemühungen. Ich möchte im Namen derselben zugleich erklären, dass unsere Zurückbaltung nicht auf Feindseligkeit gegen die Descendenzlehre beruht, sondern auf dem Verlangen, Fragen von dieser Tragweite nicht nach Gründen der Sympathie oder Antipathie zu entscheiden. Niemand, denke ich, wird uns den Vorwurf machen dürfen, dass wir nicht bereit gewesen wären, jeden einzelnen Fall 80 objectiv und vorurtheilsfrei als möglich zu erörtern oder zu untersuchen. Aber

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die objektive Erörterung hat bisher immer noch dahin geführt, dass die menschlichen Schwänze unserer Vorstellung von thierischen Schwänzen nicht ganz entsprachen. In einem neueren Vortrage über „Schwanzbildung beim Menschen“ (Sitzung der Berliner medic. Gesellschaft vom 29. October 1884. Berliner klinische Wochenschrift 1884 Nr. 47) babe ich mich darüber ausführlich ausgesprochen.

Was ist ein thierischer Schwanz? Nach unserer Vorstellung gehört dazu zweierlei: erstens eine grössere Zahl von Wirbeln oder Wirbel- A equivalenten, zweitens eine frei hervortretende Entwickelung. Man kann nun darüber verschiedener Meinung sein, welche von diesen beiden Eigenschaften eine grössere Bedeutung hat, aber, wie mir scheint, nicht darüber, dass sie beide nicht die gleiche Bedeutung haben. Eine Vermehrung der Wirbel oder, anders ausgedrückt, eine Verlängerung der Wirbelsäule wäre zweifellos etwas ganz anderes, als das blosse Hervortreten von Wirbeln, welche auch sonst vorhanden und nur von den umgebenden Weichtheilen verdeckt sind. Will man auch das Letztere Schwanzbildung bennen, und dazu besteht sicherlich eine grosse Versuchung, muss man die atavistischen Schwänze von den nicht atavistischen unterscheiden. Wie dargethan ist, tritt bei dem menschlichen Fötus der Endtheil der Wirbelsäule mit seiner Bedeckung beständig frei bervor. Erhält sich dieser Zustand, so ist das eben nur die Persistenz eines fötalen Verhältnisses, wie es deren so viele giebt, aber nicht ein Rückschlag auf thierische, dem Menschen verloren gegangene Verhältnisse. Ja, es kann in einem solchen persistirenden Fötalschwanz eine Vergrösserung der einzelnen Theile oder auch aller Theile durch Wachsthum über das normale Maass hinaus stattfinden, ohne dass desshalb ein Rückschlag eintritt.

Ich stimme daher Hrn. Bartels zu, dass die „Stummelschwänze“ keine atavistischen Schwänze sind. Die Frage, ob sie keine , wahren“ Schwänze sind, kann sehr verschieden beantwortet werden, je nachdem man die beiden, eben aufgeführten Eigenschaften eines wahren Schwanzes zusammen oder jede von iboen für sich zulässt. Beiläufig will ich dabei bemerken, dass ich eine Verlängerung der Wirbelsäule für das Wichtigere halte und dass ich eine solche auch dann im Sinne des Atavismus interpretiren würde, wenn sie nicht frei hervorträte, sondern unter der geschlossenen Haut verborgen bliebe. Umgekebrt kann ich das blosse Hervortreten an sich normaler Theile des Steiss- oder des Kreuzbeigs nicht als eine wahre Theromorphie anerkennen.

Dagegen mache ich, wie ich in dem citirten Vortrage des Weiteren ausgeführt habe, eine viel weiter gehende Concession. Ich halte es für möglich und glaube es durch Beispiele dargethan zu haben, dass es sogenannte weiche Schwänze giebt, welche als wirkliche Verlängerungen der Wirbelsäule anzusehen sind, obwohl sie keine Wirbel enthalten. Es können eben die knorpeligen Anlagen metaplastisch in fibröse, vielleicht sogar in fettige Theile übergegangen sein. Ich habe daber vorgeschlagen, diese Schwänze nicht falsche, sondern unvollständige (Caudae incompletae s. imperfectae) zu nennen. Damit nähere ich mich dem speculativen Postulat des Hrn. Ornstein, freilich auf einem ganz anderen Gebiete, als wo er — an sich

ganz

mit Recht die Lösung sucht. Er verlangt einen knöchernen Schwanz und zwar, wie ich in meiner Weise zu sprechen, zu grösserer Deutlichkeit sagen möchte, einen theromorphen knöchernen Schwanz, aber er findet, wenigstens allem Anscheine nach, vorläufig nur persistente Fötalschwänze. Ich biete ihm dafür weiche Schwänze, wirkliche Verlängerungen der spinalen Axe und somit wahre, wenn auch unvollständige Theromorphien.

So lange man die Schwanzbildung beim Menschen nur an Fällen von vortre

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