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Es sind meist flache, jedoch zuweilen auch recht dicke Stücke, welche regelmässig an einem Ende eine gerade Fläche, sonst jedoch ringsum verhältnissmässig scharfe Ränder baben. Sie sind durchschnittlich 4-6 cm lang, auch noch darüber, etwa 3 cm breit und 3–10 cm dick.

Figur 1.

Figur 2.

Natürliche Grösse.

Den prähistorischen Stücken stehen sie darin gleich, dass sie eine mehr plane Basalfläche haben, an deren hinterem Ende sich die Schlagzwiebel befindet, während die andere obere) Fläche mehrere lange Absplissflächen zeigt. Einzelne haben, wie die Messerchen der Vorzeit, einen dreieckigen oder trapezoidischen Durchschnitt (Fig. 1), andere sind unregelmässiger, indem die Absplissflächen nicht durchgehen (Fig. 2). Einzelne zeigen auch oben eine plane Fläche.

Dass in der Gegend von Verona noch jetzt Feuersteine geschlagen werden, wussten wir durch eine Mittheilung des Hrn. Beyrich. Aber wir hatten den Zweck nicht erfahren, am wenigsten, dass diese Scherben noch einen so massenhaften Exportartikel bilden. Ich erinnere mich aus meiner Jugend noch recht lebhaft, dass in Pommern allgemein Feuer mittelst Stein, Stahl und Zunder gemacht wurde, aber man benutzte gewöhnlich Flintensteine oder auch selbstgeschlagene, etwas dickere Stücke von Feuerstein. Mit den Zündhölzern sind diese umständlichen Apparate verschwunden. Dass sie im tyroler Gebirge noch im Gebrauch geblieben sind, ist ein gutes Beispiel von der Lebensfähigkeit derartiger Ueberlebsel aus früheren Culturperioden.

(19) Hr. Voss zeigt einige Urnen aus einem Gräberfelde in der Nähe des Schätzenhauses bei Genthin und einen

Bronzeflachcelt von dem Typus der bei Bennewitz bei Halle a. d. S. gefundenen, welche Herr Stolte jun. dem Kgl. Museum geschenkt hat. Derselbe wurde mit einer Speerspitze zusammen in dem Schlossgraben zu Parchen bei Genthin gefunden.

In Bezug auf das Gräberfeld von Genthin theilt Herr Voss mit, dass er an Ort und Stelle Untersuchungen angestellt habe und der sehr interessante Fall vorzuliegen scheine, dass Urnen von ausgesprochenem Lausitzer Typus mit verhältnissmässig sehr jungen Metallbeigaben, die möglicherweise der römischen Zeit angehören könnten, zusammen gefunden seien. Er babe in Folge dessen bereits die nöthigen Verabredungen getroffen, um mit Mitgliedern der Gesellschaft eine Excursion dorthin zu unternehmen, und fordere zu einer recht regen

Betheiligung auf, da man eines ausserordentlich freundlichen Empfanges dort sicher sei. Vorläufig sei der 3. Mai dafür in Aussicht genommen.

(21) Hr. Kuchenbuch aus Müncheberg spricht, unter Vorlegung der Müncheberger Runen-Lanzenspitze und eines Gypsabgusses der Lanzenspitze von Torcello, über

die Lanzenspitze von Torcello. In den Sitzungen vom 24. November und 15. December 1883 sind Berichte des Hrn. Ingvald Undset über einen, von ihm am 18. October 1883 im Museum von Torcello bei Venedig entdeckten Runenspeer aus Bronze mitgetheilt. Dieser Speer trägt ganz dieselben Charaktere und dieselbe Runeninschrift in derselben Zusammenstellung, wie der im Juli 1865 beim Babnhof Müncheberg mit anderen eisernen Waffenstücken und Urnenscherben gefundene, mit Silber ausgelegte, eiserne Runenspeer, welcher schon öfter Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung gewesen ist.

Die auffallende Uebereinstimmung beider Lanzenspitzen gab zu der Vermuthung Veranlassung, dass der Speer von Torcello eine Nachbildung des Müncheberger Speers, entweder schon aus alter Zeit oder aus neuester Zeit, sei. Mit Rücksicht auf die von Hrn. Undset gegebene Beschreibung und Abbildung des Speers von Torcello, pach welcher das Stück noch sehr wohl erhalten sei, die Linien, welche die Conturen der Runen und Zeichen bilden, noch so scharf und fein dastehen, als habe sie der Grabstichel gestern gezogen, glaubte ich noch die Ansicht für begründet balten zu dürfen, dass, wenn überhaupt von einer Fälschung die Rede sein könne, die Zeichen und Runen erst neuerlich auf der an sich vielleicht alten Lanzenspitze angebracht sein möchten. Um aber ein sicheres Urtheil hierüber bilden zu können, schrieb ich an Hrn. Battaglini, und bat womöglich um einen Gypsabguss des

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Speeres. Hr. Battaglini hat meine Bitte auf das freundlichste erfüllt und sich zugleich dahin ausgesprochen, dass er die Torcello-Lanzenspitze für ächt und alt halte und dass dieser Annahme nichts entgegenstehe, da ja auch in die Gegend von Venedig bekanntlich germanische Volksstämme, besonders Longobarden, gekommen wären.

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Die Betrachtung des Gypsabgusses vom Torcellospeer ergiebt aber, dass jene von Hrn. Undset gegebene Beschreibung und Abbildung mit dem Original nicht genau übereinstimmt: die Runen und Zeichen sind nehmlich nicht mit scharfen eingegrabenen Conturen und Linien umgeben, es sind, wie Hr. Battaglini bestätigt, gravirte Linien nicht vorhanden, deshalb erscheinen die Runen und Zeichen, wenn auch deutlich, doch nicht scharf ausgeprägt; es sind dieselben our mit Punzen und zwar ziemlich flach eingeschlagen, indem Punkt an Punkt gesetzt und dadurch Linien gebildet sind. Es scheinen viererlei Punzen gebraucht worden zu sein: eine bildet einen ziemlich fachen Kugelabschnitt und ist bei den Runen, der Svastica, dem Blitzzeichen, dem Halbmond (Schlange) angewendet, bei letzterem in der Weise, dass sie in der Mitte tiefer, an den Enden flacher eingeschlagen ist und dadurch die Spitzen des Halbmondes hervorgebracht wurden; das Triquetrum ist mittelst kleiner Ringe, die Punkte an den Spitzen dagegen sind mit grösseren Ringen hergestellt und an den Spitzen des grösseren Halbmondes sind drei kleine Halbmonde eingeschlagen.

Nur an der Dülle für den Schaft finden sich eingravirte Linien, welche, wie

Hr. Battaglini schreibt, so fein und schwach, vielleicht in Folge des öfteren Anfassens, sind, dass sie im Gypsguss nicht wiedergegeben werden konnten und deshalb mit der Hand, wie Hr. Battaglini versichert, aber genau nach dem Originale, nachgeholt werden mussten. Es gehen da, wo das Blatt an die Schaftdülle sich anschliesst, 3 Linien rings um die Dülle; 3 cm davon wieder 3 solche Linien ringsum und unter diesen, aber nur auf der Seite der Inschrift, 4 einen Winkel bildende Linien (Fig. 1) nach unten hin. Unter

1 der Spitze befindet sich das Loch für den Nagel und unter diesem am Ende der Dülle noch 2 ringsum laufende Linien. Ueber den obersten 3 Ringlinien nach dem Blatt hin sind Linien gezogen in Gestalt der Figur 2. Sonst findet sich keine Gravirung am Speer. (Die Ringlinie zwischen der Dreieckspitze und dem Nagelloch in der Zeichnung des Hrn. Undset

2 ist im Abguss nicht wiedergegeben.)

In Ansehung der Uebereinstimmung der beiden Lanzenspitzen möchte ich mir die Bemerkung erlauben, dass wenn auch die erste und die zweite Rune (von rechts angefangen) nicht genau stimmen, indem der rechte Schenkel der ersten Rune auf der Torcellospitze kürzer als auf der Müncheberger ist, auch der zweite obere Haken der zweiten Rune fehlt und dafür ein Strich durch den Stab gemacht ist, endlich die auf dem Müncheberger Speer über dem grossen Halbmond angebrachte Peitsche auf dem Torcellospeer nicht vorbanden ist, doch eine auffallende Uebereinstimmung in anderen, ich möchte sagen, Nebendingen sich findet. So sind nur Halbmond, Triquetrum und Svastica auf dem Müncheberger Speer an den Spitzen mit je 3 Punkten verziert, welche an dem Halbmond, neben den Runen und am Blitzzeichen fehlen; ganz ebenso ist es auf dem Torcellospeer. Die Verzierungen der Dülle sind auf beiden Stücken sehr ähnlich.

Wenn Hr. Prof. Henning sich ziemlich bestimmt dahin ausspricht, dass der Müncheberger Speer und der Speer von Kowel aus einer und derselben Fabrik hervorgegangen seien, so möchte man das eher noch von dem Müncheberger Speer und dem von Torcello vermuthen können, denn ihre Uebereinstimmung ist fast grösser, als die der beiden anderen Speere. Wird aber Ersteres festgehalten, so geht aus der Vergleichung der beiden eisernen Speerspitzen hervor, dass die Verfertiger sich kleine Abweichungen wohl erlauben konnten, und also dergleichen auf dem Torcellospeer noch nicht beweisen würden, dass dieser Speer eine Nachahmung, von anderen Verfertigern hergestellt, wäre. So scheint mir das Zeichen auf dem Speer von Kowel (Fig. 3) nur ein Theil des Blitzzeichens (Fig. 4) zu sein. Die Svastica kommt auf dem Speer von Kowel zweimal und zwar einmal fast als Quadrat vor (Fig. 5).

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Uebrigens ist durch den Gypsabguss des Torcellospeers die Meinung, dass etwa eine neuere Gravirung vorläge, weil eine ältere durch den Gebrauch des Stückes als Ofenschaufel längst abgenutzt sein musste, hinfällig geworden. Hr. Battaglini bemerkt dazu noch, dass, da in Italien überhaupt nur äusserst wenig geheizt werde, der Speer auch nur sehr wenig benutzt worden sein könne. Es dürfte demnach nicht daran zu zweifeln sein, dass auch der Torcellospeer wirklich ächt und alt ist. Dagegen scheint er als Waffe nicht benutzt worden zu sein, da er bierzu zu gross und ungeschickt gewesen sein würde. Welche Bedeutung dann aber Inschrift und Zeichen haben, bleibt weiterer Forschung vorbehalten. –

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Hr. Hollmann weist auf die im Besitz des Hrn. Blell befindliche Runenlanzenspitze aus Bronze bin, welche als eine Nachbildung der Müncheberger anzusehen sei.

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Hr. Voss: Die Lanzenspitze des Hrn. Blell ist mir bekannt. Ich habe dieselbe genauer besichtigt und halte sie in Uebereinstimmung mit Hrn. Tischler für einen modernen Nachguss der Müncheberger Lanzenspitze. Hr. Undset hat das auch bereits in seiner Besprechung der Lanzenspitze von Torcello erwähnt. Dafür, dass ich jenes Stück für ein modernes Fabrikat erklärt habe, war nicht so sehr der Umstand maassgebend, dass sie aus Bronze hergestellt ist, als vielmehr ibre auffällige Uebereinstimmung mit dem Müncheberger Stück und ihre äussere Beschaffenheit. Es mag allerdings für den ersten Augenblick etwas befremdend erscheinen, dass die Lanzenspitze von Torcello von Bronze ist. Indess verliert dieser Umstand alles Ungewöhnliche, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Bronze noch in sehr später Zeit zu Waffen und schneidenden Werkzeugen verarbeitet worden ist. Sehr beweisend dafür ist namentlich jene Lanzenspitze, welche bei Hampel: Catalogue de l'Exposition préhistorique, Budapest 1876, Fig. 10 abgebildet und mit einem Eisensporn, einer langen eisernen, mit Silber tauschirten Wurflanzenspitze, einer geflügelten Pfeilspitze von Eisen, Fragmenten eines eisernen Tutulus und 5 kleinen eisernen Messern, Bruchstücken von Quarz und Obsidian, Thon- und anderen Gegenständen bei Gibart in Ungarn zusammen gefunden wurden. Dieselbe zeigt in ihrer Form und Verzierungsweise Aehnlichkeit mit der Lanzenspitze von Müncheberg. Ihr Blatt ist aus Bronze, die Schaftdülle aus Eisen, ihre Oberfläche ist mit Silbereinlagen verziert. Hampel vermuthet, dass sie der Zeit der Völkerwanderung angehöre, jedenfalls ist sie höchstens spätrömisch.

Sehr bekannt sind die Bronzemesser und Scheeren des Schweriner Museums, welche in den „Römergräbern“ von Hagenow, Gross-Kelle und Haeven gefunden wurden. Auch in der Sammlung zu Leipzig befindet sich eine Bronzescheere römischer Form. Ebenso sind in den Sammlungen zu Hannover und Hamburg kleine Bronzescheeren und Pincetten aus Sachsengräbern mit sächsischen und spätrömischen Gegenständen zusammen gefunden. Auch am Rhein in dem römischen Pfahlbau am Dimeser Ort wurde ein Bronzemesser mit Griff gefunden (Lindenschmit: Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit Bd. II Heft IV Taf. 4 Fig. 9). Letzteres ist mit punktirten öhsenförmigen Ornamenten verziert, wie wir sie auf Gegenständen der Völkerwanderungszeit häufig sehen.

Zu erwähnen sind hierbei poch die Funde von Bronzewaffen in römischen Ansiedelungen. So wurde eine grosse dolchähnliche Klinge mit 2 Nietlöchern bei Ausgrabung des römischen Castells Saalburg bei Homburg gefunden (Lindenschmit a. a. 0. Bd. II Heft XI Taf. 3 Fig. 8) und eine Schwertklinge in römischen Gebäuderesten bei Weisenau, unweit Mainz. Wie weit diese letzteren beiden sehr vereinzelten Fälle Beweiskraft besitzen, sei dabingestellt, da bier verschiedene Möglichkeiten denkbar sind, wie diese Stücke, welche wir gewohnt sind einer viel früheren Zeit zuzuschreiben, in eine römische Ansiedelung gekommen sein können. Jedenfalls aber werden die anderen, oben angeführten Funde aus einer zum Theil noch späteren Zeit genügen, um darzuthun, dass der Umstand, dass die Lanzenspitze von Torcello von Bronze ist, an und für sich noch keinen Grund abgiebt, die Aechtheit des Stückes zu bezweifeln. Dieselbe ist jedenfalls

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