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kein für den gewöbplichen Gebrauch bestimmtes Stück gewesen, welches auch durch ihre ungewöhnliche Form und Grösse documentirt wird, sondern war eine Art symbolischer Waffe, vielleicht eine Auszeichnung oder eine Zierwaffe. Sehr beachtenswerth sind auch, was auf der Zeichnung, welche Undset's Bericht beigegeben ist, nicht deutlich hervortritt, die Abdrücke der Punze, mit der einige der Zeichen eingeschlagen worden sind. Die einzelnen Linien sind nehmlich aus aneinandergereihten kleinen Kreisen zusammengesetzt, welche darauf schliessen lassen, dass sie mittelst einer kreisförmigen oder wahrscheinlich halbkreisförmigen Puuze hergestellt worden sind, und diese balbkreisförmigen schmalen Punzen, welche auch zur Herstellung von Kreisen benutzt wurden, sind für die Technik der spätrömischen und Völkerwanderungs-Zeit sehr bezeichnend. Auf den grossen Zierplatten von Thorsberg z. B. sieht man diese kleinen Kreise vielfacb.

Hr. Virchow spricht den Wunsch aus, dass von den verschiedenen, in Betracht kommenden Lanzenspitzen genaue Facsimiles angefertigt würden. Die Lanzenspitze von Kowel, welche wir schon auf der Berliner Ausstellung von 1880 kennen lernten, war auch im vorigen Jahre bei Gelegenheit unserer Generalversammlung in Breslau ausgestellt; er habe damals Hrn. Telge veranlasst, einen Abdruck davon zu nebmen. Früher sei dies schon durch Hrn. Ed. Krause geschehen. Eine genaueste Confrontation werde gewiss nöthig sein. Im Uebrigen stehe er, trotz der Ausstellungen, welche neuerlich in der Revue archéologique gemacht seien, noch immer auf dem Standpunkt, den er in der Sitzung vom 21. November 1883 (Verh. S. 523) bezeichnet habe; wolle man nicht eine ganz absichtliche Fälschung annehmen, und dazu feble aller Gruod, so werde man nicht umhin können, die TorcelloSpitze für alt zu halten.

(22) Hr. Dr. Franz Boas, der so eben von seiner beschwerlichen Reise nach der Davis-Strasse heimgekehrt ist, wird von dem Vorsitzenden berzlich willkommen geheissen. Er spricht über

die Sagen der Baffin-Land-Eskimos. Die kurzen Bemerkungen über die Veberlieferungen der Eskimos von BaffinLand, welche ich Ihnen heute vorzulegen beabsichtige, machen durchaus nicht den Anspruch, eine erschöpfende Darstellung des Sagenschatzes dieser Stämme zu sein; vielmehr kann ich nichts geben, als einen kurzen Ueberblick über die wichtigeren neuen Aufschlüsse, welche ich während meiner Reisen in Baffinland in den vorigen Jahren gewonnen habe. Durch einen kurzen Vergleich der Sagenkreise der Grönländer und der östlichen Eskimos hoffe ich die Verwandtschaft und Verschiedenheit beider darlegen zu können.

Ich bezeichne die Eskimos der Hudson-Bay, von Baffin-Land und Labrador als östliche, indem ich sie den centralen der Nordküste Amerikas von King Williams Land bis C. Bathurst und den westlichen vom Mackenzie an westwärts gegenüberstelle. Meine eigenen Forschungen beziehen sich auf die Eskimos von Baffin-Land, welche sich in zahlreiche Stämme theilen. Zwei bedeutende Stämme besetzen die Nordküste der Hudson-Strasse, einer die Halbinsel zwischen Frobisher-Bay und Cumberland-Sund. Den Rest der Küste der Davisstrasse theilen die Eskimos in 3 Theile, Aggo, Akudnirn und Oxo'), und demgemäss sich selbst in 3 Stämme, die Aggomiut, Akudnirmiut und Oxomiut.

Zwischen den Oxomiut und Aggomiut bestehen beträchtliche Unterschiede in Bezug auf Dialect, Kleidung und wohl auch in Bezug auf die Ueberliefe

1) Die Lettern K und x bezeichnen einen harten Kehllaut, fast wie kr zu sprechen. Verbandl. der Berl. Anthropol. Gesellschaft 1885.

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lieferungen, indem ein grosser Theil der Oxo-Sagen im Norden unbekannt ist und umgekehrt. Aus den Bemerkungen Lyon's, welcher 1822 mit Parry in der Fury- und Hecla-Strasse überwinterte, geht hervor, dass die Ueberlieferungen der dortigen Eskimos wesentlich von den Cumberlandsund-Sagen abweichen.

Gestatten Sie mir, zunächst kurz auf die religiösen Ideen der Grönländer und der östlichen Eskimos einzugehen. Nach Rink's ausführlichen Forschungen sind uns

die Ueberlieferungen der Grönländer sehr wohl bekannt und wir können uns eine ziemlich zusammenhängende Vorstellung von ihrem alten Glauben bilden. Ihre oberste Gottheit war der Torvarssuk, d. h. der grosse Tornak, welcher mit den Arsissut unter der Erde wohnte und den Menschen wobl wollte. Während das Land der Arsissut als das gute vorgestellt wurde, in welches die Geister der Guten oder der eines gewaltsamen Todes Gestorbenen eingingen, lebten die Schlechten als Arsassut droben im Himmel fort, wo sie mit dem Schädel eines Wallrosses Ball spielten und so das Nordlicht erzeugten.

Eine zweite wichtige Figur der grönländischen Ueberlieferungen ist Arnarkuagssak, d. h. die alte Frau. Sie lebt auf dem Grunde des Meeres, wo ihre Hütte steht. Sorglich wacht sie über die Thraplampe, aus welcher Oeltropfen niederfallen, die sich sogleich in Wale und Seehunde verwandeln. So ist sie die gute, Nahrung spendende Gottheit. Zuweilen wird sie von einem feindlichen Geiste verfolgt, der sie hindert, auf die Lampe zu achten. Dann tritt Hungersnoth ein und die Angekut müssen hinabsteigen, Arnarkuagssak zu befreien. Die Angekut werden durch niedere Geister, die Tornet, in die Zauberkunst eingeweiht, welche sie dann zum Heile der Mitmenschen oder zu eigenem Schutze ausüben. Sie erwerben einen Tornak als Schutzgeist, welcher sie stets geleitet und welcher der Geist irgend eines Naturgegenstandes zu sein pflegt.

Zwischen Grönland und Baffin-Land finden sich nun ganz wesentliche Unterschiede. Der grosse Tornarssuk ist ganz unbekannt; die wohlwollende Arnarkuagssak, welche hier Ninok kuagssak genannt wird, spielt keine grosse Rolle, vielmehr concentrirt sich fast der ganze Inhalt der religiösen Ueberlieferungen um Sedna, die Herrin der Unterwelt.

Der Inhalt dieser Sage ist etwa der folgende: Ein Vater und Sedna, seine Tochter, lebten ferne von den anderen Menschen, die nur selten aus ihren Ansiedelungen kamen, die einsame Hütte zu besuchen. Stets hatte Sedna sich geweigert, einen Mann zu nehmen, bis endlich ein Sturmvogel kam, dem sie in sein Land folgte. Trotz der Versprechungen des Vogels wurde sie dort schlecht behandelt, ihre Hütte war aus Fischfellen errichtet und oft hatte sie Hunger zu leiden. Als daher einst ihr Vater zu Besuch kam, entfloh sie mit ihm in seinem Boote. Sobald der Sturmvogel sah, dass seine Frau entwichen war, folgte er den Flüchtigen und verursachte einen schweren Sturm, der das Boot zu verschlingen drohte. Da warf der Vater Sedna über Bord und schlug ihr, als sie sich an den Rand anklammerte, der Reihe nach die Glieder der Finger ab. Als diese ins Wasser fielen, verwandelten sie sich in Wale, Robben und Seehunde. Endlich stach ihr der Vater auch die Augen aus, tödtete sie und trug sie aufs Land, wo er die Sterbende an den Ebbestrand legte. Das Wasser begann zu steigen und überfluthete sie.

Nach einer anderen Wendung der Sage nimmt der Vater Sedna wieder im Boote auf, als der Sturm sich legt, und bringt sie glücklich heim. Dort lässt sie von ihren Hunden die Füsse des Vaters fressen, welcher daraufhin sich und seine Tochter verwünscht. Dann versinken sie und gelangen in das Land Adlivun unter der Erde, dessen Herrin Sedna seitdem ist.

Während bei den Grönländern die Guten hinabsteigen, ist hier das Land unter der Erde die Heimstätte der Schlechten. Dort ist es kalt und unfreundlich; die Verstorbenen müssen Wale und Walrosse jagen und können sich die aus dem Lande Adlivun entfernen. Droben in K’udlivun aber giebt es kein Eis und keinen Schnee. Die Guten und die eines gewaltsamen Todes Gestorbenen fübren dort ein freudvolles Leben ohne Sorge und Noth und mühelos erlegen sie die Renthiere, welche das Land bevölkern.

Wenn ein Mensch auf dem Krankenlager stirbt, sieht der Angekox Sedna's Vater denselben mit seiner verkrüppelten Hand ergreifen und hinabziehen. Er nimmt ihn mit sich zu Sedna's Hütte, in welcher er ein Jahr lang leben muss. Zwei gewaltige Hunde bewachen den Eingang und weichen nur ein wenig zur Seite, um den Todten einzulassen. Während dieses Jabres ist der Todte der übelwollende Tupilak, dessen Naben dem Menschen Unheil bringt. Später verlässt er Sedna's Hütte, um im Lande Adlivun Wale zu jagen.

Die Grönländer kennen ebenfalls einen Tupilak, doch ist derselbe hier keineswegs der Geist eines Verstorbenen, sondern ein künstliches Gebilde, das durch böswillige Hexerei belebt wird. Aus Knochen, Haut und Eingeweiden wird ein Thier gebaut, welches den Zweck hat, als Tupilak dem Feinde zu schaden und ibn zu vernichten.

Sedna scheint bei den Eskimos von Baffin-Land mit einer Frau identisch zu sein, welche die Renthiere und Walrosse geschaffen hat. In Akudniro an der Davisstrasse berichtet die Sage, dass eine Frau einst während einer Hungersnoth ihre Hose ins Wasser geworfen und ihr aufgetragen habe, sich in ein Thier zu verwandeln, ihre Stiefel dagegen habe sie ins Land geschickt, um als Renthiere die Thäler und Ebenen zu bewohnen. In Akuliak an der Hudson-Strasse ist die Form der Sage die, dass Sedna ihren Bauch geöffnet und etwas Fett herausgenommen habe, aus dem dann Walrosse und Renthiere geschaffen seien.

Die Sagen von Sedna und die eben erwähnte Ueberlieferung bedingen zahllose Arbeits- und Speisegesetze. So dürfen in Folge der letzten Sage wegen der nahen Verwandtschaft von Renthier und Walross nie beide an einem Tage gejagt oder gegessen werden. Die Bearbeitung von Rentbierfellen ist untersagt, so lange Walrosse gefangen werden können; in Gegenden, in denen viele Walrosse vorkommen, darf kein Stückchen Walrosshaut gebracht werden. Da die Seehunde und Wale aus Sedna's Fingern entstanden sind, erfordert der Fang eines jeden Thieres Sühne, die durch Arbeitsenthaltung geleistet werden muss.

Ich kann hier nicht des Einzelnen auf diese mappichfaltigen und complicirten Gebräuche eingehen, glaube aber durch die erwähnten Gesetze gezeigt zu haben, welch grossen Einfluss der Sednaglaube auf das Leben der Eskimos hat.

Im Anschlusse hieran möchte ich einige Bemerkungen über die Gebräuche bei der Geburt und beim Tode geben. Im Sommer wird für die Mutter ein kleines Zelt, im Winter ein kleines Schneehaus gebaut, in welchem das Kind das Licht der Welt erblickt. Das erste Kleid, welches die Mutter ihm bereitet, besteht aus dem Gefieder irgend eines Vogels. Aber schon nach wenigen Tagen wird dieses gegen ein aus Rentbierfellen bestehendes vertauscht. Eine kleine Mütze, aus dem Kopfe eines Renthierkalbes gearbeitet, deckt den Kopf, eine kleine Jacke den Oberkörper und zwei Stiefelchen, von denen das eine aus Renthierfell gearbeitet, das andere mit Seetang umwunden ist, bedecken die Füsse. So lange das Kind die zweite Kleidung trägt, wird die erste auf einer Stange auf der Hütte aufgestellt. Ebenso später die zweite; beide werden ein Jahr lang sorgfältig aufbewahrt. Ein Theil dieses ersten Gewandes dient dem Eskimo bei gewissen religiösen Spielen als Amulet, indem es an die Spitze der Kapuze zum Schutze gegen Sedna befestigt wird. Bleibt das Kind gesund, so erhält es bald ein drittes Gewand, welches ganz aus Renthierfellen gearbeitet ist. Die Mutter verlässt nun wieder die Hütte und trägt das Kind in der grossen Kapuze ibres Kleides umher. So lange sie in der Hütte weilt, darf sie nur on ihrem Gatten erlegtes Fleisch essen, oder solches, das von einem Kinde als erste Jagdbeute nach Hause gebracht ist. So gastlich sonst der Eskimo seine Vorräthe mit dem Bedürftigen theilt, der jungen Mutter giebt er nichts, da er glaubt, dass dieses ihm und ihr Verderben bringen muss.

Ist das Kind ein Jabr alt, so werden die beiden ersten Kleidungen desselben ins Meer versenkt, nur ein Theil des ersten, aus Vogelfellen gearbeiteten, wird, wie schon erwähnt, als Amulet sorglich aufbewahrt. Den Namen erhält das Kind schon vor der Geburt, indem es regelmässig den des letztgestorbenen Eskimos der Ansiedlung erbt. Es ist gleichgültig, ob dieser ein Mann oder eine Frau war, da es keinen Unterschied zwischen Männer- und Frauennamen giebt. Zu diesem Namen kommt bei jedem Todesfalle ein neuer, der des Verstorbenen, hiszu, bis das Kind etwa 4 Jahre alt ist, doch bleibt gewöbnlich der erste Name der Rufname. Nur wenn ein naher Verwandter des Kindes stirbt, wird der Name geändert und der des Todten Rufname. In Fällen schwerer Krankheit pflegen die Angekut auch wohl die Namen selbst alter Leute zu ändern, um die Krankheit abzuwenden, oder den Kranken als einen Hund Sedna's zu weiben. In diesem Falle erhält er einen Hundenamen und muss sein Leben lang ein Hundegeschirr über dem inneren Pelzkleide tragen. So kommt es, dass die Eskimos sehr viele Namen führen und oft in den verschiedenen Ansiedlungen unter abweichenden Namen bekannt sind.

Eigenthümliche Gebräuche finden sich, wie bei der Geburt, so beim Tode des Eskimos. Durch den Glauben an die Tupilak, die Geister der Verstorbenen, haben sie eine grosse Furcht vor den Körpern der Todten. Drei Tage nach dem Hinscheiden umschwebt der Tupilak den entseelten Körper, um erst dann hinabzusteigen zu Sedna's Wohnung, in der er ein Jahr lang weilt. Glauben die Verwandten, die Krankheit eines Eskimos sei lebensgefährlich, so bauen sie ihm ein kleines Schneehans oder ein Zelt, je nach der Jahreszeit, in welchem er dem Tode entgegensehen muss, Niemand wagt sich zu ihm, um nicht mit der Leiche in Berührung kommen zu müssen. Alles, was der Todte benutzt hat, wird unbenutzbar für die Lebenden: das Zelt, in dem er starb, seine Geräthe, die Kleidung, welche Jemand trug, der mit dem Todten in Berührung kam, Alles fällt der Vernichtung anheim. Die Häuser, in welchen die Todten einst gemeinsam mit den Ueberlebenden wohnten, werden von allen Bewohnern verlassen und fallen der Gier der Hunde zur Beute, welche sie bald niederreissen und die Felle, aus denen sie erbaut sind, fressen. Nur die nächsten Verwandten müssen drei Tage lang in der Hütte wohnen, ohne dieselbe zu verlassen, um über den Todten zu trauern.

Während dieser Tage darf kein Jäger ausziehen, kein Hund darf in den Schlitten gespannt, keine Arbeit darf verrichtet werden; selbst in argen Hungerzeiten gehorchen die Eskimos diesem strengen Gebote. Der Leichpam wird gleich pach erfolgtem Tode unter Steinen begraben oder auch nur an einen entfernten Ort getragen. Mitunter bringen ihm die Eskimos im Laufe des Jahres Nahrung, welche der dankbare Geist des Todten hundertfach zurückgeben wird.

Ich hatte schon verschiedentlich Gelegenheit, die Angekut zu erwähnen, und will hier auf den verschiedenartigen Ursprung ihrer Kraft hinweisen. In Grönland gewinnen sie dieselbe durch Tornarssuk im Verein mit den Tornet, bier nur durch die Tornet, welche Schutzgeister des Menschen werden. Diese wohlwollenden Geister können nur in drei Gestalten auftreten, als ein Eisbär, der nur an der

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Schnauze und den Tatzen behaart ist, als ein Mensch oder als Stein. Alle übrigen sind böswillige Geister, welche den Menschen Schaden zuzufügen bestrebt sind.

Ich will nicht näher auf die grosse Zahl der Geister eingehen, vielmehr noch zwei besonders interessante Ueberlieferungen erwähnen, welche vielleicht geeignet sind, Licht über die Wanderungen der Eskimos zu verbreiten, und zum Verständnisse des Ursprunges der Sagen beitragen können.

Die eine behandelt die Entstehung der Weissen und ist sowohl in Grönland, wie in Baffin-Land und Labrador bekannt. Der Inhalt ist etwa .der folgende: Eine Frau, welche keinen Mann haben wollte, beirathet einen rothen Hund, mit dem sie 10 Kinder erzeugt, von denen 5 wieder Hunde werden, während die übrigen 5 missgestaltete Wesen sind, deren Unterkörper dem eines Hundes gleicht, während der Oberkörper menschlich ist. Diese Kinder sind so gierig, dass der Grossvater, welcher die ganze Familie zu ernäbren bat, nicht genug Fleisch beschaffen kann. Er ertränkt deshalb den alten Hund und aus Rache lässt die Tochter von den jungen Hunden seine Füsse und Hände abfressen. Der Schluss ist also ganz dem der Sedoa-Sage entsprechend und ausserdem muss ich erwähnen, dass der Vater den gleichen Namen führt, wie Sedna's Vater, Savikoung, während seine Tochter den Namen Uinigumissuitung trägt, welchen Sedna auch als zweiten Namen hat. Derselbe bedeutet ,die keinen Mann haben wollende“.

Nachdem die Kinder ihren Grossvater verstümmelt haben, sendet Uinigumissuitung die Hunde in einem Boote, das sie aus ihrer Stiefelsohle macht, nach Osten, wo sie Weisse werden, die anderen 5 lässt sie nach Süden wandern, wo sie das Volk der Adla erzeugen. Nun ist hervorzuheben, dass die Uogava- und LabradorEskimos mit dem Namen Adla die Indianer bezeichnen. Ferner nenuen die Aggomiut der Baffin-Bay und die Grönländer diese Adla Erkigdlit, ein Name, welchen die westlichen Eskimos für die Indianer anwenden. In ganz Baffin-Land wird der Schauplatz dieser Sage zunächst nach nördlichen Gebieten bin verlegt, unter den Aggomiut aber durchweg nach dem Orte Arlagnuk auf dem amerikanischen Festlande nahe der Fury- und Hecla-Strasse. In Grönland erscheint die Sage nicht mehr localisirt und nur noch in Resten vorhanden zu sein.

Noch deutlicher, als die Erkigdlit-Tradition, weisen die Erzählungen über die Tornit auf einen historischen Hintergrund zurück. In Grönland ist dieses Volk ein Stamm fabelbafter Binnenlandbewohner von übernatürlicher Grösse und mit übermenschlichen Kräften ausgerüstet. In Baffin-Land wird von ihnen nur als von einem alten Eskimostamm berichtet, der in Dialect und Sitte von den heutigen Bewohnern des Landes abwich und von ihnen verdrängt wurde. Sie sollen keine Bogen und Pfeile uod keine Kajaks gekannt haben, und von ihren eigenthümlichen Jagdweisen und der abweichenden Methode der Fellzubereitung wird vielerlei erzählt.

Durch diese Thatsachen gewinnen wir den Eindruck, dass die früheren Formen der Sagen sich westlich von der Baffin-Bay finden, was auf eine Verbreitung der Eskimos über den Smith-Sund schliessen lässt. Verbinden wir dieses mit dem Umstande, dass die Sagen der Ungava-Eskimos stets nach Norden über die HudsonStrasse verlegt werden, dass man im Baffin-Lande stets über die Fury- und HeclaStrasse fort nach Süden als dem Schauplatz alter Sagen hinweist, und dass die westlichen Eskimos ebenso den Osten als das Land ihrer sagenbaften Helden und Stämme betrachten, so gewinnt die Vermuthung an Wahrscheinlichkeit, dass im Westen des Hudson-Bay-Gebietes die Heimath der weitverbreiteten Stämme zu suchen ist. Ich würde mich nach diesen Thatsachen der Auffassung zuneigen, dass von Süden her die Fury- und Hecla-Strasse von den Eskimos überschritten ist, dass dann ein Theil der Wanderer nch Süden ging und Labrador bevölkerte, wäh

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