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sie sich mit groserkünheit gründen, und die doch ebenso fehr der vernunft als der offenbarung widersprechen. Sie sagen: Gott kan keine gnugthuungvordiebegan: gene sünden fodern; wenn der mensch thut, was er nach seinem vermogen thun kan, so mus Gott mit ihm zufries den sein; er frage nichts nach denen meinungen, die wirvon seinem wesen, von seinen eigenschaften und von seinen werken haben; Gott könne keinen sünder mit ei: ner ewigen verdamnis strafen; u. r. w. Diese und dergleichen meinungen halten sie vorunleugbare grunds regeln der vernunft; und wenn es auf den punkt komt, daß in unsrer offenbarung dinge vorkámen, die wider die vernunft wåren, so mus man über die abendtheurliche einfälle erstaunen, die sie andern als warheiten der vernunft aufbůrden wollen. Ich habe davon verschiede: ne proben in demachten hauptstück dieser schrift angefüs ret, und bringe diese erinnerung hier nur deswegen bei

, danit man die vernunft nicht vor eine feindin des glaubens halte, oder sich vor ihr entseze, wenn man höret, daß einige mit ihr wider die offenba: rung zu felde

zu ziehen vorgeben. Es giebt einige aufrichtige selen, die aus liebe zur offenbarung mit der vernunft nichts wollen zu schaffen baben. Sie verlangen, daß sich die vernunft zum stilschweigen bequemen folle, wenn die offenbarung oder der glaube redet. Sie sei eine ungehorsame Hagar, die man in die wüsten verjagen müfte, wenn sie sich gegen ihre rechtmäßige gebieterin feget. Die absicht dieser leute ist ganz gut. Sie wollen verhüten, daß das anfehender gditlichen offenbarung nichtverdunkelt werde. Allein ich befürchte, die feinde der warheit konten diese worte årger auslegen, als sie es meinen. Sehet da, konten fie sprechen, wie sehr sie sich vor der vernunft fürchten! Sie müssen ihrer religion nicht gar zu viel zutrauen; wenn sie davon überzeuget wären, daß ihr glaube nicht unvernünftig fei; warumb wolten sie dem urtheil der vernunft entgehen? Sie geben und zu, daß wir gewinnen würden, wenn man ihnen die warheiten der vernunft entgegen sezte; sie verbinden ihre anhånger, der vernunft ganz abzusagen, damit sie ihnen allerlei unvernünftige dinge unter

dem schein geoffenbarter lehren aufbürden können. Nichts konte unsrer religion nachtheiliger sein, als diese vorwürfe. Und nichts konte ungegründeter sein, als diese beschuldigungen. Die vernunft kan einer warhaften offenbarung nicht widersprechen. Sie erkennet es selbst, daßgeheimnis

: se in derselben müssen enthalten sein. Sie verlanget nicht eine erklärung aller dinge

, die in der offenbarung stehen. Vielweniger verwirft sie das, was sie nicht begreifen kan. Sie ist eine feindin derer, die sich wider die offenbarung empdren. Sie hat waffen, dieselbe zu vertheidigen, aber nicht anzugreifen. Wenn man fchlüsse macht, die wider die geoffenbarte warheiten streiten, so sind sie nicht eine geburt der vernunft, son:

dern

dernwirkungen der unvernunft. Sie rúren von vorurtheilen, übereilungen, und fehlern derlogik her; und Diese kan man nicht zu der vernunft rechnen. Was ich jeztgesagt habe, wil ich durch das zeugnis eines großen gottesgelehrten bestätigen, der bei den rechtgläubigen eben so ungescholten, als den unglaubigen fürchterlich ift

. Der bodyverdiente Senior der geistlichkeit zu Hamburg, herr Friedrich Wagner, schreibt in seinen betrachtungen über die geheimnisse des glaubens also: Kein vernünftiger mensch fan sich mit vernunft weigern, wirkliche und ware unbes greifliche geheimnisse, welche über alle ver: nunft gehen, in der religion anzunehmen. (b) Und an einem andern ort: Ein vernünftiger mensch fan sich nie vernünftiger befveisen, als wenig er mit den geheimnissen so umbgehet, ivie es die christliche religion haben wil, und, wenn erdie göttliche geheimnisse aus und nach gött: ficher offenbarung annime, so handelt er eben so vernünftig, als wenn er einer mathematischen demonstration seinen beifal nicht vers saget. (c)

Jedoch (b) lefet in den angefürten Betrachtungen das 1. kap. den 6. S.p.9. G (c) Leset den 2. anbang zu den betrachtungen, die 3. abth. den 4. S.

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Jedoch ob fich gleid) ein vertheidiger der gcoffens
barten religion vor der vernunft nicht fürchten darf, fo
ist er doch verbunden, sich mit derselben recht wolbekant
zu machen, damit er vernunft und unvernunft voneins
ander zu unterscheiden wissc. Denn wenn man in der
weltweisheit unerfaren, oder wenigstens nicht recht
gerezt ist, so kan es leicht kommen, daß man einen faz
als unvernünftig verwerfe, der dod in der that ver:
nünftig ist, und etwas vor vernünftig halte, das doch
der vernunft in der that widerspricht. Der gegner kan
fich eines vernünftigen sazes bedienen, aber daraus
unrichtige schlüsse wider die offenbarung machen. Bez
harret man nun in der antwort darauf, daß sein grund-
faz unvernünftig rei; so wird jener in seinem irtum ges
stårket, und, da er auch mit dem beiveis feines sages
fortkommen kan, viele andre, die ohne anfürer das was
reund falsche nicht unterscheiden können, in zweifel und
verwirrung regen. Desgleidyen kan ein gegner einen
unvernünftigen raz annehmen, und aus demselben wis
der die geoffenbarte warheiten richtig schliesen. Giebt
man nun zu, daßjener vernünftig sei, so gestehet man
fugleich, daß der glaube der vernunft widerspreche.
und dennoch kan man weder das erstere noch das lezte:
re vermeiden, wenn man den verstand nicht durch eine
gründliche philosophie aufgekläret hat. Die algemci-
ne klagen wider den misbrauch dervernunft werden den
gegnern das maul nicht stopfen. Denn sie geben und
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alles

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alles zu; behaupten aber im gegentheil, daß siediever: nunft nicht gemisbrauchet hatten. Wie wollen wir also die religion vertheidigen, die gewissen der einfältigen in ruhe erhalten, und die beschuldigungen abthun, das Durch man den glauben der christen verdächtig zu mas chen trachtet, wenn wir nicht aus unleugbaren grün den der vernunft zeigen können, daß unsre gegner ents weder durch ihre grundfáze oderdurch ihre schlüsse von der vernunft abgewichen? Zu feiner zeit ist wol diese bemühung nötiger gewesen, als jezt, badiegegenpar: tei alle fräfte anwendet, die der offenbarung entgegen gerezte zweifel auf den grösten grad der warscheinlich keit zu treiben. Ich wünschte daher, daß man die vor: schrift eines hochverdienten und in den höchsten ehren stellen stehenden gottesgelehrten allenthalben bcobach: tete, der niemanden zu dem amt eines lehrers wil zuges lassen wissen, als der mit einem durchdringenden wig eine gefezte beurtheilungskraft, eine zulängliche fertigkeit im (dyliesen, und

eine unverdrossene geduld, die beschwerlichste untersuchungen anzustellen, verbunden hat. (d)

Aber wie gar leicht lassen sich diejenigen zehlen, die sich eines ro ådlen und redyt theologischgesintenge: müts rümen können! Ist es nicht bekant gnug, daß

man (d) Ich meine der Dermaligen oberhofprediger Sr. Hochfürstl.

Durchl. zu Weißenfels, berrn D. Stemler, der dieses in seiner gelehrten Comment, de aucta studii thcologici difficultate p, 15. vers langet.

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