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starker Schen beseelung begabt dachte, erwarben. Solche Lebenselixiere haben in der chinesischen Arzneilehre fortdauernd eine hervorragende Rolle gespielt, und noch heutzutage heissen mit tätiger Heilkraft begabte Arzneien allgemein: Sien medizinen. Auch dachte man sich mythische, von keines Menschen Fuss betretene Orte in Bergen und Hügeln, wo in grosser Zahl Sien zusammenlebten; auch Inseln im Grossen Ozean, zu deren Entdeckung der berühmte Kaiser der Ts'in-Dynastie, Schi-hwang, Expeditionen ausgerüstet haben soll. Lebenskräuter nnd beseelte Substanzen gab es dort im Ueberfluss. Das wichtigste aller dieser Paradiese war im Kwunlun-gebirge im fernen Westen, wo die Sien unter der Herrschaft einer gewissen Si-wang-mu Unsterblichkeit genossen.

Es hat sich bis jetzt aus der Literatur noch nicht ergeben, ob die Einsiedler des Taoismus vor der Einführung des Buddhismus in China als religiöse Vereine zusammengelebt und also eine Art Klosterleben gestiftet haben. Vermutlich ist solches erst unter Einfluss des Buddhismus geschehen. Durch die Geschichtsbücher lässt sich ermitteln, dass neben buddhistischen Klöstern stets eine viel geringere Anzahl taoistischer Mönchs- und Nonnenklöster bestanden habe. Heutzutage scheint nur noch eine ganz unbedeutende Anzahl übrig zu sein. Was die Klosterbewohner für die Erwerbung taoistischer Seligkeit ausrichten, ist nie erörtert worden.

Hiermit sei genügend hervorgehoben, dass von einer speziellen taoistischen Religion neben der confucianischen eigentlich keine Rede ist. Der Taoismus besitzt freilich dasselbe Pantheon wie der Confucianismus, nur hat er die Zahl der Götter mit verschiedenen Sien vermehrt, die jedoch keineswegs auf andere Art und Weise als die Schen in den Volkstempeln verehrt und angebetet werden. Die Wu und Hih der alten und neuen Volksreligion treten dementsprechend als taoistische Priester auf, und nennen sich taoistische Gelehrte (S. 89).

III. Der Buddhismus. Literatur. J. Edkins, Chinese Buddhism (1880). J.J. M. De Groot, Le Code du Mahayâna en Chine (1893) - Sectarianism and religious Persecution in China (2. vol. 1903—1904.) Verh. Kon. Ak. Amsterdam.

Diese Religion mag schon vor der christlichen Zeitrechnung ihren langsamen Eingang in China gefunden haben, und zwar teilweise, oder vielleicht ganz, in hinayânistischer Gestalt (vgl. B. II, S. 111). Sehr

früh jedoch war das Mahayana ganz und gar überwiegend, wie noch heutigen Tages der Fall ist.

Das grossartige Streben dieser Religion, das ihr den Namen Mahayána, „Grosser Weg“, verliehen hat, ist ein zweifaches. Sie bezweckt, die ganze Menschheit auf gewisse Stufen von Seligkeit zu erheben, nämlich zu der Würde des Dewa, des Arhat und des Bodhisattwa, sogar des Buddha, und dabei die Wege oder Mittel zur Erreichung solcher Seligkeit möglichst zu vermehren. Dieser Doppelzweck beruht auf dem einen grossen Grundprinzip: allgemeine Wesensliebe. Diese umfasst auch das Tier, denn dieses kann, uralter Auffassung nach, durch Seelenwanderung Mensch werden, wie auch anderseits der Mensch in ein Tier verwandelt werden kann. Deshalb sind auch für die Tiere durch religiöse Mittel die Seligkeitsstufen zu bereiten und man muss daher stets ihr Leben so gut wie das der Menschen schonen.

Das Hinayâna, „der kleine Weg“, die ursprüngliche Form der Kirche, führte den Menschen nicht höher als zur Arhatwürde. Diese war nur durch Abtöten der Weltlichkeit erreichbar, also durch Armut und Askese; der nach Seligkeit Strebende war Bhikshu oder Bettelmönch. Dieser Grundbegriff ist im Mahayâna, das kein Mittel zur Seligkeit verwarf, stehen geblieben; das Klosterleben war also stets dessen Hauptinstitut. Es hat China in vergangenen Jahrhunderten mit Klöstern überschwemmt. Die Treppe zur Seligkeit mit den Hochstufen des Bodhisattwa und des Buddha versehen zu haben ist sein Werk.

Die Klöster sind also spezielle Institute, die dem Suchen der Seligkeit gewidmet sind. Verschiedene Methoden von Seligmachung werden da geübt. Einige davon hat das Mahayâna vom Hinayâna herübergenommen, mehrere selbst erfunden; der Mönch kann sich diejenige auswählen, die seinen Neigungen und seinem Charakter am meisten entspricht; er kann auch mehrere, sogar alle ausüben. Strenge Askese und Armut sind fast ausgeschlossen; nur in wenigen Klöstern findet man einen oder zwei Brüder, die ihre Zelle oder ihre Grotte irgendwo im Klostergrunde nie oder äusserst selten verlassen und daselbst, in fromme oder gar keine Gedanken versunken, ihr Leben fristen, ohne Rücksicht auf ihren Körper. Bettelei ausserhalb der Klostermauern kommt beinahe nicht mehr vor. Falls das Bedürfnis dafür auftritt, sendet der Abt die Brüder zur Einsammlung unter Laien aus. Dasselbe wird auch wohl durch mehrere Brüder zusammen an bestimmten Jahrestagen ausgeübt. Jedoch bettelt fast keiner mehr für seinen eigenen Lebensunterhalt; der eigentliche Bettelmönch, der Bhikshu, hat,

wahrscheinlich schon seit Jahrhunderten, ausgedient. Die Mehrzahl des Mönchtums sucht die Seligkeit auf andere Weisen.

Fast alle Gebäude, welche zusammen das Kloster bilden, sind mit Bildern von Bodhisattwas und Buddhas ausgestattet, und diese werden fortwährend verehrt und angefieht, damit sie den Seligkeitsuchern eine helfende Hand leihen. Es gibt auch zu ihrer speziellen feierlichen Verehrung feste Kalendertage. Es ist Hauptsache, den Geboten, welche Buddha gegeben hat um die Menschheit rein zu erhalten und in Trefflichkeit und Tugend vollkommen zu machen, nachzuleben. Es sind diese, ausser den fünf und den zehn Geboten und dem Pratimoksha oder den Klosterregeln, die auch dem Hinayâna angehören, mahayânistische Gebote des Fan-wang-king: des „Sutra von dem Netze Brahmas“ (Brahmajäla-Sutra), wodurch der Mensch, der ihnen getreu nachlebt, schon in diesem Leben zum Bodhisattwa oder sogar zum Buddha wird und sich nicht um die niedere Ordnung, die bloss zur Dewa- oder zur Arhatwürde führt, zu kümmern braucht.

Fromme Annahme der Gebote mit Ablegung des Gelübdes denselben nachzuleben, bildet den Eintritt ins Mönchsleben. Man kann diese Zeremonie die Ordination oder Mönchweihe nennen. Nur wenige grosse Klöster besitzen das durch die kaiserliche Regierung zuerkannte Recht, diese Weihe zu erteilen. Sie findet gewöhnlich im vierten Monat statt. Um diese Zeit reisen die Schüler der Geistlichen, welche in kleineren Klöstern und Tempeln zerstreut im Reiche leben, dorthin und legen zu Füssen des Abtes, der als Weihbischof zu fungieren hat, das Gelübde ab, sich dem Triratna, d. h. den Buddhas, dem Dharma oder der Lehre, und dem Sangha oder der Kirchengemeinde, anschliessen zu wollen. Sie erklären dabei, ihre Sünden zu bereuen, und schwören, unter Anrufung der Buddhas, die fünf Hauptgebote getreu halten zu wollen. Ein wenig später werden sie als Çramaneras angenommen, unter Ablegung des Gelübdes, sich von der Welt loszureissen und die zehn Gebote zu befolgen. Bei dieser Gelegenheit rasiert man ihnen den ganzen Kopf und der Abt reicht jedem ein Bettelkleid (Kashaja).

Ein oder zwei Tage später weiht man sie zu Çramanas oder Bhikshus, wobei die Annahme der Gebote des Pratimoksha Hauptsache ist. Dies geschieht vor einem Kapitel, welches aus acht vornehmen Mönchen und dem Abt als Vorsitzenden besteht. Die Zeremonie dauert mehrere Stunden; der Abt nimmt dabei einen erhöhten Sitz ein; das Kapitel sitzt rechts und links von ihm. Jeder Kandidat erhält einen Bettelnapf. In kleinen Gruppen werden sie beiseite genommen, wo sie ein Mitglied des Kapitels ausfragt, ob gewisse Ver

hinderungen ihrer Zulassung zum Bettelmönchtum im Wege stehen. Sofort danach werden sie wieder vor das Kapitel geführt, und ein anderes Mitglied fragt das Kapitel, ob die Aufnahme der Novizen in das Sangha zugelassen sei. Es schweigt, stimmt also zu. Auf die nun folgende Frage des Abtes, ob sie das Pratimoksha getreu befolgen wollen, antworten die Kandidaten bejahend, und hiermit ist das Gelübde abgelegt. Mit einer Predigt und dem Segen des Abtes wird es besiegelt.

Jetzt folgt, gleichfalls schon am nächsten oder zweiten Tage, die höchste Ordination, welche die Çramanas von der neuerworbenen Arhatwürde zu der des Bodhisattwa emporführt. Eine zeremonielle Sündenreinigung vor einem Bilde des Buddha und von verschiedenen Bodhisattwas geht vorher. Man überdenkt da seine Sünden und wünscht möglichst kräftig, dass die Höllenstrafen, welche man verdient, erlassen werden; man wäscht sich danach den Körper und zieht saubere Kleider an. Dieses Reinigungswerk wird mit einem feierlichen Opfer an das Triratna, wobei man dasselbe anruft und um Verzeihung anfleht, verbunden. Vor allen Heiligen beichtet man seine Sünden und schwört, dass man den 58 Geboten von Brahmas Netze auf ewig nachzuleben gewillt sei. Schliesslich büsst man samt und sonders seine Sünden durch das Ablesen einer langen Litanei von 300 Buddhanamen, wobei man beim Aussprechen jedes derselben niederkniet und die Stirn auf den Fussboden drückt.

Die nächste Zeremonie, welche auch auf einem der 58 Gebote beruht, ist das Brennen des Kopfes. In der grossen Klosterkirche, wo die drei Bilder des Triratna stehen, versammelt man sich und jeder lässt sich von einem Mönch einige Stückchen Holzkohle auf den glattrasierten Scheitel festkleben und dieselben, während man Buddha anruft, anzünden und bis auf die Haut wegbrennen. In früherer Zeit scheint man sich auch Finger und selbst wohl den ganzen Arm als Opfer an Buddha verbrannt zu haben. Sogar Fälle völliger Selbstverbrennung auf einem Scheiterhaufen werden in chinesischen Büchern berichtet.

Nachdem die zu Weihenden demütig den Abt um die Ordination angefleht und dieser ihnen über die Bedeutung und Wichtigkeit derselben ein weises Wort gesagt, rufen sie sämtlich unter seiner Leitung Buddha, Manjuçri und Maitreya an, samt den Buddhas der zehn Teile des Weltalls, damit diese Heiligen ein Kapitel bilden mögen, welches ihnen die Ordination erteile. Abermals bekennen sie ihre Sünden, passieren danach das Stadium der Reue und schwören wiederholt, nach Seligmachung aller Wesen streben zu wollen, dabei sich selbst zu unterrichten und zur Seligkeit zu führen. Der Abt fragt sie, ob sie eins der

sieben Verbrechen begangen haben, welche vom Sangha ausschliessen, und erweckt in ihnen den festen Vorsatz, den 58 Geboten nachzuleben, worauf sie das Gelübde aussprechen, diesen Vorsatz mit festem Willen auszuführen. Damit ist durch die Kraft dieses Vorsatzes die Ordination vollbracht.

Da diesem grossen Gelübde zwei andere, die zehn Gebote und das Pratimoksha betreffend, vorhergehen müssen, ergibt sich von selbst aus der Auffassung, dass kein Mensch unmittelbar Bodhisattwa werden kann, sondern erst die beiden Zwischenstationen, die Dewaund die Arhatwürde, sei es auch nur für einige Stunden oder ein paar Tage, durchmachen muss.

Das mahayânistische Klosterleben geht also auf das Erreichen der Bodhisattwaseligkeit mittelst Nachlebung der 58 Gebote von Brahmas Netze. Ohne Kenntnis derselben ist es also nicht möglich, das Mönchsleben zu verstehen.

Das erste und grösste Hauptgebot verbietet, lebendige Wesen zu töten. Man isst also im Kloster nie Fleisch oder Fisch und ist dort Vegetarier im absoluten Sinne. Die Gebote schreiben auch vor, den Tieren das Leben zu retten. Man hält also im Kloster bis zu ihrem natürlichen Tode Rinder, Schweine, Schafe, Hühner, Gänse, Enten und Fische, welche fromme Laien, um sich für das Jenseits Verdienste zu erwerben, gegen Bezahlung eines gewissen Kostgeldes den Mönchen zur Verpflegung anvertrauen. Bisweilen verrichten die Mönche bei den Ställen oder dem Teiche gewisse Zeremonien, durch welche die Tiere als Menschen wiedergeboren und also auch die höheren Stufen der Seligkeit erreichen können.

Die Mönche dürfen kein persönliches Eigentum besitzen; sie müssen alles abgeben. Man lebt also im Kloster in vollkommener Gütergemeinschaft, von den Gaben der Laien und dem Ertrag der Grundstücke, mit denen Laien und Behörden bisher das Kloster dotiert haben. Das Kloster selbst darf reich sein; die Brüder sind jedoch stets arm. Die Klostergüter gehören dem Triratna, welches die ganze Kirche oder das Sangha umfasst; sie sind deshalb völlig unveräusserlich. Jedes Mitglied des Sangha, jeder Mönch also, hat dadurch das Recht als Reisender für einige Zeit ein Unterkommen im Kloster zu finden.

Mit besonderem Nachdruck fordern die Gebote das Predigen des Mahayâna, d. h. das Auftun des Weges zur Seligkeit für die ganze Welt. In jedem grossen Kloster gibt es daher einen Predigtsaal, nebst einem Kollegium von Mönchen, die den Titel von Predigern führen und den Abt als Hauptprediger an der Spitze haben. Und weil das

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