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Die beiden Götter Brahma und Indra finden sich unter dem Mamen Nið, die wohlwollenden Könige, gleichfalls im buddhistischen Pantheon wieder, spielen aber als Tempelhüter nur eine untergeordnete Rolle. Sie werden als gigantische Götzen mit grimmigem Gesichtsausdruck dargestellt und haben ihren Platz gewöhnlich in den beiden äusseren Nischen der zweistöckigen Eingangstore grosser buddhistischer Tempel.

Von grossem Einfluss auf den Nordbuddhismus und somit auch auf den japanischen Buddhismus wurde das sog. Yoga-, auch Tantrasystem genannt, welches ursprünglich lehrte, dass man durch abstrakte Meditation und geistige Konzentration auf einen Punkt, wodurch alle Gedanken vernichtet würden, magische Kräfte erlangen könne und später, in der Mitte des 6. Jahrh., von Asamga in ein System gebracht wurde. Danach sollte man durch Hilfe mystischer Formeln (tantra) oder Zaubersprüche (mantra) zu einem Zustand geistiger Beständigkeit gelangen und mit übernatürlicher, wunderwirkender Kraft begabt werden können. Es war dies wahrscheinlich eine Reaktion gegen die Forderung ascetischer l'ebungen, wie sie die alte Lehre aufgestellt hatte. So findet man auch in Japan den Glauben an die Wirkung unverstandener Gebetsformeln und wenigstens in einigen Sekten an die magische Kraft der Priester.

Die Geschichte der Einführung des Buddhismus in Japan ist legendenhaft. Nach den japanischen ('hroniken soll der Buddhismus in der Mitte des 6. Jahrh. n. Chr. unter dem Kaiser Kimmei nach Japan gekommen sein und zwar aus Korea; dorthin war die fremde Religion im 4. Jahrh. n. Chr. von China eingeführt worden. Der Herrscher von Kudara, einem der kleineren Staaten, in die Korea damals zertiel, schickte um die Mitte des 6. Jahrh. einige buddhistische Statuen und Schriften an den japanischen Hof und empfahl die Annahme der buddhistischen Religion. Die Lehre fand jedoch zuerst am Hofe Widerstand; Wunderzeichen, wie der plötzliche Brand des kaiserlichen Palastes durch Flammen vom Himmel, wobei die Hauptgegner der Religion ihren Tod gefunden haben sollen, bewirkten eine Sinnesänderung. Nach längeren Kämpfen zwischen den Anhängern der alten Shintöreligion und der neuen Religion entschied sich der Sieg gegen das Ende des Jahrhunderts für die letztere. Einer der grössten Förderer erstand dem Buddhismus in dem Kronprinzen und Regenten Shotoku Taishi, „der grosse Lehrer der heiligen Tugend“ (572-621), dessen Leben wie das eines buddhistischen Heiligen legendenhaft ausgeschmückt ist. Durch ihn fand der Buddhismus allgemeine Anerkennung und viele Tempel und Klöster wurden errichtet. Aus dieser Zeit

sollen die beiden hochberühmten Tempel Tennőji in Osaka und Höryūji bei Nara stammen. Während es von dem Kaiser Yomei (586 bis 587) noch heisst, dass er an das Gesetz Buddhas glaubte und den Weg der Götter (Shinto) ehrte, wird von einem seiner Nachfolger, dem berühmten Kaiser Kötoku (645-654), bereits gesagt, er ehrte die Religion Buddhas und verachtete den, Weg der Götter“. Ein anderer Kaiser, Shomu (724–756), erliess den Befehl, dass in jeder Provinz ein grosser buddhistischer Tempel (Kokubunji) errichtet werde. Der Buddhismus übte nun in der Folgezeit einen grossen Einfluss auf die Zivilisation sowie auf die Literatur und Kunst des Landes aus. Die Tempel und Klöster wurden der Sitz der Gelehrsamkeit und die Priester waren lange Zeit hindurch die Vermittler der Bildung auch für das gewöhnliche Volk.

Allmählich begann ein eingehenderes Studium des Buddhismus von seiten der japanischen Priester in China selbst und es werden eine Zahl von buddhistischen Sekten (sha) genannt, welche von der Mitte des 7. bis 8. Jahrh. in Japan eingeführt wurden. Einige davon sind ganz verschwunden, wie die Kushasekte, die Sanronsekte, andere sind im Laufe der Zeit unbedeutend geworden, wie die Kegonsekte.

Noch heutigen Tages brauchen die japanischen buddhistischen Priester die chinesischen Uebersetzungen der Sûtras (kyo) und der Kommentare dazu, welche siebenhundertmal grösser sein sollen, als das Neue Testament. Die Uebersetzung des Pradjnâ Paramitâ Sûtra, die der berühmte chinesische Reisende Hiuentsang (Mitte des 7.Jahrh. n. Chr.) veranstaltet hat, soll fünfundzwanzigmal grösser als die ganze Bibel sein. Doch gibt es eine Anzahl buddhistischer Hymnen in japanischer Sprache verfasst.

Die Zahl der wichtigsten und grössten jetzt in Japan bestehenden Sekten beträgt sechs. Ganz besonders wichtig für die Neubildung einiger derselben war das 13. Jahrh. und man wird aus der folgenden kurzen Darstellung derselben ersehen, dass die jüngeren Sekten immer mehr von der ursprünglichen Lehre abgewichen sind und einen eigentümlichen Weg eingeschlagen haben. Die älteste dieser buddhistischen Sekten ist die Tendaisekte, so genannt nach dem Kloster auf dem Berge Tientai in der chinesischen Provinz Chekiang, das gegen Ende des 6. Jahrh. von dem Chinesen Chisha Daishi, ,,der grosse Lehrer Chisha“, errichtet worden war. Hierher begab sich ein japanischer Buddhist, Saicho, der unter seinem posthumen Namen Dengyo Daishi, „der grosse Lehrer, welcher die Lehre überliefert“, am bekanntesten geworden ist, und vom Kaiser K(w)ammu (782-806) nach der Gründung der Hauptstadt Kyoto und des zum Schutze derselben erbauten

Klosters auf dem Berge Hiyei gegen Ende des 8. Jahrh, zum Studium nach China gesandt worden war.

Die Lehre dieser Sekte stützt sich hauptsächlich auf den Inhalt des Saddharma Pundarika Sätra (myo ho renge kyo), „das Sutra von dem wunderbaren Gesetze der Lotosblume“. Der Hauptgedanke dieses Sutra ist folgender: C'âkyamuni Tathagata ist mit dem mystischen Tathâgata Prabhûtaratna (Taho), einer Personifikation der Weisheit, identisch. Wo die Lehre desselben gepredigt wird, da ist er allgegenwärtig. Das Nirvana besteht in der Erkenntnis dieses Tathậgata, und wer durch Meditation und Weisheit diese Kenntnis erreicht, gelangt zur Buddhaschaft. Zwischen diese beiden Buddhas, dem idealen und dem historischen, schaltet die Tendaisekte einen zweiten erdichteten Buddha, namens Vairochana (Biroshana, Dainichi), ein, als Vermittler der moralischen Vorschriften, welche für die Meditation und zur Erlangung der Weisheit notwendig sind. Ausser dieser Dreieinigkeit gibt es in derselben Sekte auch andere Gottheiten zu einer Dreieinigkeit zusammengestellt. So werden in dem berühmten Tempel von Zenk(w)őji in Shinano, Amida, K(w)annon und Daiseishi (Sskr. Mahasthâma) verehrt. Im allgemeinen ist das System der Tendaisekte eklektisch. Während andere Sekten, die später aus China kamen, nur ein Hauptprinzip zur Erlangung der Buddhaschaft aufstellten, wie den Glauben an Amida oder die Meditation allein usw., schliesst die Tendaisekte alle diese Methoden mehr oder weniger ein und versucht die sich widerstrebenden Systeme zu vereinigen. Daher kam es, dass aus dieser Sekte später verschiedene andere hervorgegangen sind. Diese Sekte nahm auch die zahlreichen japanischen einheimischen Götter in ihr Pantheon auf, indem sie dieselben für Wiedererscheinungen von Buddhas erklärte.

Zu den wichtigsten Klöstern und Tempeln dieser Sekte gehört das schon erwähnte Kloster auf dem Berge Hiyei, das zur Zeit seiner Blüte dreitausend Mönche beherbergt haben soll, aber von Nobunaga im 16. Jahrh. zerstört und später in kleinerem Massstabe wieder aufgebaut worden ist. Berühmt ist auch der Tempel Miidera in der Stadt Ötsu, sowie der Tempel Zenk(w)āji in der Provinz Shinano.

Die am meisten mystische Sekte ist die Shingonsekte. Shingon bedeutet, wahres Wort“, es wird damit das Sanskritwort Mantra, d. h. Zauberspruch, übersetzt. Der Stifter Kūkai (Luftmeer) oder bekannter unter dem posthumen Namen Kobo Daishi, „der grosse Lehrer, der das Gesetz verbreitet“, ist wohl der bekannteste aller buddhistischen Priester, und die überlieferte Geschichte seines Lebens ist reich an wunderbaren Ereignissen. Seine Mutter träumte vor seiner Geburt,

dass ein grosser indischer Heiliger sich in ihren Körper herabgelassen; bei der Geburt soll das Kind die Hände zum Gebet gefaltet haben, und schon in seiner frühesten Kindheit deutete vieles darauf hin, dass er ein heiliger Mann werde, weshalb er auch für den Priesterstand bestimmt wurde. Aus der Zeit unmittelbar nach seinem Eintritt in denselben werden verschiedene wunderbare Ereignisse erzählt. So soll er einst am Kap Muroto in Tosa Dämonen, welche ihn in Versuchung führten, unter anderem durch die Kraft mystischer Formeln vertrieben haben. Um ein besseres Verständnis eines schwierigen Sûtra zu erlangen, ging er 804 im Auftrag der damaligen Regierung nach China und studierte hier den Buddhismus. Bei der Zeremonie seiner Auf

ahme in das Kloster, einer Art Taufe, die grosse Aehnlichkeit mit der christlichen Taufe hatte, soll eine Verwandlung mit ihm vorgegangen und der Geist des Vairochana in ihn gefahren sein, so dass ihn der Abt des Klosters auf seinem Totenbette als eine Inkarnation desselben und als einen Patriarchen der Yögachara oder Shingonsekte bezeichnete. Im Jahre 806 beschloss er nach vollendetem Studium in sein Vaterland zurückzukehren und die Lehre des Shingon zu verbreiten. Es wird berichtet, dass er ein Vadjra, „die Diamantkenle“, in die Luft warf und dieses später auf einem Baum auf dem Köyasan, einem Berg in der Provinz Kishu, gefunden wurde. Dort erbaute er einige Jahre nach seiner Rückkehr ein berühmtes Kloster. Vielerlei Wunder bestätigten, dass er wirklich eine Inkarnation eines Buddha sei. Ein Hain von Bäumen soll plötzlich um ihn herum erstanden sein und Engel erschienen einst bei einer seiner Predigten u. a. m. Er starb im Jahre 835 auf dem Köyasan, aber nach der Legende ist er nicht tot, sondern sitzt in seinem Grabe und erwartet die Ankunft des verheissenen Messias Miroku, um dann noch einmal aus dem Grabe zu steigen. Ihm wird nach gewöhnlicher Annahme auch die Vereinigung des Buddhismus mit dem Shintoismus zugeschrieben, doch finden wir dergleichen, wie bereits bemerkt, schon bei der Tendaisekte. Zum Mittelpunkt seines Systems machte er Vairochana oder Dainichi. Dieser wird gedacht als der Geist der Wahrheit, als die Quelle alles Lichts, als das Zentrum alles Lebens, dem Amida und der historische Buddha untergeordnet sind. Kobo Daishi unterscheidet, ähnlich wie Plato und die Gnostiker, die Welt der Ideen, „kongõkai Diamantenwelt“, und die Welt der Phänomene, „taizokai“. Beider Zentrum ist Vairochana. Er ist in beiden allgegenwärtig, alles existiert nur in ihm und um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, gibt es zwei „Leitern“ von je zehn Stufen, eine „intellektuelle“ und eine „moralische“. Die letztere besteht aus dem bekannten buddhistischen Dekalog. Interessant ist, dass

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diese Sekte eine Art Taufe, „k(w)anjo“, bei der Aufnahme kennt, wobei
Wasser über den Kopf gegossen wird. Dieses Zeremoniell soll aber
immer mehr in Abnahme kommen.

Die Jodo sekte oder die Sekte des „reinen Landes“, wurde von
einem Priester namens Genkū mit dem posthumen Namen Hõnen
Shonin (Shonin eigentlich der erhabene, weise Mann, auch Bezeich-
nung eines Ranges der Priester), Ende des 12. Jahrh. in Japan ein-
geführt. Ursprünglich ein Priester auf dem Hiyeizan, verliess er das
Kloster daselbst unbefriedigt und studierte in Kurodani bei Kyoto,
abgeschieden von der Welt, den buddhistischen Kanon. Beim Studium
einiger Sûtra, die von Amida und seinem Paradiese im Westen han-
deln, kam er auf die Idee, dass nur der Glaube an Amida und dessen
Gelübde (hong[w]an), wonach ein jeglicher, der an ihn glaube, nach
dem Tode in sein Paradies aufgenommen werde, zum Heil und zur
Erlangung des Nirvâna führe. Er lehrte nun, es sei unmöglich, durch
eigene Kraft (jiriki) die Buddhaschaft zu erlangen, dass man vielmehr
nur durch das Vertrauen auf Amida und dessen Gelübde, also durch
die Kraft eines andern (tariki) und durch das fortwährende Ausrufen
der Formel: Nammu Amida-buts', „Heil dir, Amida Buddha“, die
Buddhaschaft erlangen können. Wir sehen also, dass diese Sekte das
Gegenteil der ursprünglichen Lehre Câkyamunis lehrt und ganz von
den philosophischen und metaphysischen Spekulationen, der bisher ge-
nannten Sekten absieht. Diese Sekte fand bis in die jüngsten Zeiten
die Unterstützung hoher Persönlichkeiten. So gehören die berühmten
Tempel und Mausoleen in Shiba in Tokyo, in denen sechs Mitglieder
der Tokugawafamilie bestattet sind, dieser Sekte an.

Eine Vertiefung dieser Sekte zeigt sich in der Fortsetzung derselben, der JŪdo-Shinshū, „der wahren Jõdosekte“, auch nur Shinshû, die wahre Sekte, Montoshū, Sekte der Tempeljünger oder Jkkoshū, Sekte „von ganzem Herzen und von ganzer Seele“ genannt. Gestiftet wurde sie anfangs des 13. Jahrh. von einem vornehmen Japaner Shinran Shõnin, der als Novize in das Kloster auf dem Hiyeizan trat, im 29. Jahre seines Lebens dasselbe verliess, um sich in die Jõdosekte aufnehmen zu lassen. Nach dem Tode des Stifters derselben aus Kyoto verbannt, gründete er eine neue Sekte. Danach lehrte er, dass nur das Vertrauen aus ganzem Herzen und ganzem Gemüte (ikko) auf die Gnade von Amida den Menschen in der Todesstunde ins Paradies führe und dass durch den Glauben allein Amida im Herzen jedes Gläubigen wohne. Die Beschäftigung mit religiösen, philosophischen und metaphysischen Fragen sei zwecklos, Moralität hänge nicht von der Befolgung vieler Gebote, sondern vom Glauben

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