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den weiten Tempelräumen dieser Sekte statt, welche man hoonko (Feierlichkeit zur Vergeltung der Wohltat) oder auch nur o ko nennt. Die weiten Räume der Hong(w)anjitempel sind vom Morgen an voller Gläubigen; die Männer legen bei dieser Gelegenheit ein altertümliches Obergewand an, das Kataginu, das steif über die Schultern hinwegsteht, während die Frauen einen eigentümlichen Kopfputz namens tsunokak'shi, d. h. Hornverberger, tragen.

Vom 31. Dezember bis 6. Januar finden grosse Feste in dem K(w)annontempel zu Asak'sa statt.

Wie der Buddhismus auch mit den abergläubischen Gebräuchen cler Landbevölkerung verknüpft ist, davon nur einige wenige Beispiele. In verschiedenen Gegenden der Provinz Tosa auf der Insel Shikoku wird am 20. Tag des 5. Monats nach altem Kalender das Fest des Vertreibens der Heuschrecken gefeiert, wozu buddhistische Priester erscheinen, um Gebete an die Götter zur Abwehr der Insekten zu richten. In der Prozession, die unter dem Lärmen von Metallbecken, Pauken und grossen Muscheln nach den Reisfeldern unternommen wird, werden u. a. auch Papierfahnen mit dem Gebete Nammu Amidabuts’ oder, wenn die Leute der Nichirensekte angehören, Nammu myöho renge kyo getragen.

In einem Dorfe der Provinz Kosha nahe dem Berge Fuji wird ein ganz eigentümliches Fest gefeiert, dessen Leitung die Priester des dem Yakshi, ,,dem heilenden Buddha“ geweihten Tempels in die Hand nehmen. Sie kleiden sich in die eigentümliche Tracht der unter dem Namen Yamabushi bekannten Wandermönche und verbrennen unter buddhistischen Gebeten Holz der früher erwähnten Rhusart, um damit die Wurzel alles Bösen zu zerstören. Auf dem Tempelhofe ist ein Baumstamm von über dreissig Fuss Höhe errichtet, der von unten bis oben mit den Blättern der Steineiche bedeckt ist. Diese werden von dicken Ranken der Glycinie, die bis oben herumgewunden sind, festgehalten. Auf der Spitze ist ein Sitz angebracht. Der Hauptpriester ersteigt den Baum vermittelst der Ranken und verliest in luftiger Höhe eine Stunde lang Gebete. Nach Beendigung derselben schneidet er einen Ring aus Glycinienranken, der dort befestigt worden ist, ab und es entspinnt sich um den Besitz desselben ein heftiger Kampf unter den jungen Burschen zweier nahe gelegenen Ortschaften, welche sich unten am Baum versammelt haben. Von dem Besitze dieses Ringes hängt nämlich das Recht ab, des Gras in dem trockenen Bette des zwischen beiden Ortschaften gelegenen Flusses abzumähen.

Die Gebräuche bei Begräbnissen sind bei den Sekten zum Teil verschieden.

Nachdem das Ableben einer Person der Behörde und dem buddhistischen Tempel, zu dem die Familie gehört, angezeigt ist, sendet dieser einen Priester, welcher die erste Nacht hindurch zusammen mit den Verwandten unter fortwährendem Anschlagen einer kleinen Glocke, oder bei der Hokkesekte einer Trommel, betet (o tsuya). Am Tage darauf erscheint der Hauptpriester des Tempels, verrichtet ein Gebet und gibt dem Verstorbenen den sog. Totennamen (kaimyo, homyo). Er schreibt denselben auf ein weisses Brettchen, das Thai, das im Buddhaschrank des Hauses bis zum 49. Tage nach dem Tode verbleibt und dann durch ein anderes, prächtigeres ersetzt wird. Solange der Verstorbene im Hause ist, verbrennt man fortwährend Weihrauch, zündet ein Licht an, das nicht erlöschen darf, und bringt vegetabilische Speisen (wie Reisklösse), Blumen u. dgl.dar, die von Verwandten und Freunden gespendet werden. Vor dem Einsargen wird der Körper gebadet, es wird ihm, wie einem buddhistischen Priester, das Haupt kahl geschoren, und man zieht ihm dann ein weisses Gewand an, auf dessen Rücken die Worte Amida-buts geschrieben werden. Dem Verstorbenen gibt man zur Reise ins Jenseits einen neuen Stock und Sandalen, sowie kleine Münzen als Fahrgeld für die Alte am Styx mit, ferner einen Rosenkranz, ein Gebetbuch und Dinge, die der Tote im Leben oft gebraucht hat, bei Kindern z. B. Spielzeug, Puppen usw. Der Tote wird meist in hockender Stellung in den kistenähnlichen Sarg gesetzt. Zu dem Begräbnis, das gewöhnlich innerhalb einer Woche stattfindet, und zu dem man einen glücklichen Tag im Kalender auswählt, erscheinen wieder Priester in dem Sterbehaus zum Beten. Bei dem Leichenzuge gehen sie mit Leuten, welche Laternen, Blumen, Weihrauchbecken usw. tragen, dem in eine tempelartige Sänfte gestellten Sarge voran. Der Hauptpriester des Tempels betindet sich hinter den Leidtragenden, die dem Sarge unmittelbar folgen. Er führt als der Leiter der Zeremonien den Namen Doshi, ,,der Priester (Lehrer), der zum Paradiese führt“. Der Zug begibt sich zum Tempel, wo der Sarg vor der Hauptstatue aufgestellt wird. Nachdem alle Priester zusammen gebetet, verliest der Hauptpriester eine poetisch abgefasste Leichenrede in chinesischem Stil, welche den Verstorbenen ins Paradies hinüberführen soll (indo wo watas). Dann bringen die nächsten Anverwandten in Begleitung einiger Priester den Leichnam nach dem Verbrennungsort, die übrigen kehren nach einem kurzen Gebet und nach Anzünden von Weihrauch nach Hause zurück. Asche, Zähne und Adamsapfel werden in einer Urne zum Tempel gebracht und hier unter Verrichtung eines Gebetes von seiten der Priester bestattet. Findet keine Verbrennung statt, so wird der Leichnam, wenigstens in Tokyo, auf einem der von der Re

gierung dazu bestimmten Kirchhofe bestattet, wobei einer der Priester Gebete verliest.

Jeden siebenten Tag kommt ein Priester ins Haus, um vor dem vorläufig errichteten Totentäfelchen eine Messe zu lesen, und dies wiederholt sich siebenmal.

Die buddhistischen Messen in den Tempeln nehmen besonders an den grossen Festtagen durch die Pracht der Gewänder der amtierenden Priester, durch das monotone, aber feierliche Rezitieren der Responsorien von seiten des Priesterchores und des Hauptpriesters unter wiederholtem Anschlagen helltönender Glocken und Verbrennen von Räucherwerk die Sinne ebenso gefangen wie der katholische Ritus.

Aus der oben gegebenen Darstellung des japanischen Buddhismus wird man ersehen haben, dass überhaupt in vielen, besonders äusserlichen Dingen eine grosse Aehnlichkeit zwischen diesem und dem Katholizismus besteht, so dass die Behauptung, es habe in alten Zeiten eine Einwirkung der einen Religion auf die andere stattgefunden, nicht ungerechtfertigt erscheint. Welche von beiden Religionen jedoch die andere beeinflusst hat, darüber lassen sich bei dem heutigen Stand der Wissenschaft nur Hypothesen aufstellen.

II. Der Shintoismus. Die ursprüngliche Religion des japanischen Volkes ist unter dem Namen Shintoismus bekannt. Der Ausdruck shin-to, wörtlich ,Götterweg, Prinzip“ findet sich bereits in alten chinesischen Werken und erscheint zum ersten Male in den japanischen Quellen im Jahre 585 als Bezeichnung für die primitiven religiösen Ideen der Japaner. Die Vermutung liegt nahe, dass man diese Bezeichnung zur Unterscheidung vom Buddhismus dem „Butsudo“ gewählt hat. Der chinesische Ausdruck shin-to ist später von Puristen durch das japanische: Kami no michi wiedergegeben worden. Das Wort „Kami“, das gewöhnlich durch Gott oder Gottheit übersetzt wird, ist ursprünglich identisch mit dem Worte kami ,oben“ und bezeichnet somit ein höheres Wesen, das dem Menschen Scheu oder Ehrfurcht einflösst.

In der Kindheit des Volkes entstanden, ist der Shintoismus im wesentlichen eine Verbindung von Natur- und Ahnenkultus. Wie derselbe uns heute gegenübertritt, besteht er in der Verehrung einer Anzahl höherer und niederer Gottheiten der japanischen Mythologie, einiger hervorragender Kaiser des Altertums - die Kaiser gelten als Nachkommen der Götter -, verschiedener durch Gelehrsamkeit oder kriegerische Taten ausgezeichneter Männer, sowie der Manen der Vor

fahren einer Familie. Es sind dies die Schutzgeister des ganzen Landes, eines Ortes, des Hauses oder einzelner Personen, deren Verehrung Glück und Segen bringt und Unglück abwendet. Als z. B. im Jahre 1853 die Amerikaner zum erstenmal nach Japan kamen, um einen Handelsvertrag zu schliessen, sandte der damalige Kaiser in Kyoto, der Vater des jetzigen Kaisers, welcher gegen die Erschliessung des Landes war, einen Gesandten nach dem Tempel der Sonnengöttin, der höchsten Gottheit des Landes in der Provinz Ise, damit man an sie Gebete um die Vertreibung der fremden Barbaren richte.

Die Geschichte des Shintoismus zerfällt in drei Perioden.

Die erste währt bis zur Einführung des Buddhismus und in ihr finden wir die ursprünglichen, noch von keiner fremden Religion, soweit es wenigstens historisch nachweisbar ist, beeinflussten religiösen Anschauungen, wie sie uns in den ältesten Werken der japanischen Literatur, dem Kojiki, der Geschichte der alten Ereignisse“ 712 n.Chr., dem Nihongi, der „Geschichte Japans“ 720 n. Chr., sowie in dem, allerdings erst im Anfang des 10. Jahrh. verfassten Werke Engishki, Zeremonien aus der Periode Engi“ 901-922 n. Chr. überliefert sind.

Die beiden erst genannten Werke enthalten im Anfang die Anschauungen der Japaner über die Kosmogonie und Mythologie, weiterhin die ersten Anfänge der geschichtlichen l'eberlieferung und ergänzen sich gegenseitig. Während das Kojiki, das nach mündlichen l'eberlieferungen aufgezeichnet sein soll, einige Legenden enthält, die das Nihangi übergeht, finden sich in letzterem manche Varianten aus andern verloren gegangenen Werken, welche für das genauere Verständnis der Legenden von Wichtigkeit sind. Die orthodoxen Shintoisten nehmen meist das Kojiki als Grundlage für die Erkenntnis des „Weges der Götter" an, und man kann dieses Werk daher die Bibel des Shintoismus nennen.

Das an dritter Stelle genannte Werk überliefert eine Anzahl sakraler Gebräuche bei bestimmten Festen, unter andern eine Anzahl der dabei verlesenen Gebete, und ist daher für die Kenntnis der ältesten Kultusgebräuche von hohem Werte.

Die zweite Periode umfasst die Zeit der Verschmelzung des Shintoismus mit dem Buddhismus, die unter dem Namen Ryobu-shinto, „Shinto aus zwei Teilen“ oder Zoku-shinto, „populäres Shinto“ bekannt ist. Die Gottheiten des Shintoismus werden von den buddhistischen Priestern als Wiedererscheinungen von Buddha's (gongen, zeitliche Erscheinung) bezeichnet und erhalten meist buddhistische Namen, die Shintötempel werden nach buddhistischem Vorbild erbaut, buddhistische Gebräuche halten in denselben ihren Einzug. So kam es,

dass in einem und demselben Tempel sowohl shintoistische, als auch buddhistische Gottheiten verehrt wurden. Nur einige der ältesten und angesehensten Tempel des Landes bilden hiervon eine Ausnahme. Diese Zeit des Verfalls des Shintoismus, in welcher derselbe ganz in den Dienst des Buddhismus tritt, währt bis zur Wiederherstellung der Kaisermacht im Jahre 1868, dem Beginn der dritten und letzten Periode.

Die Wiedereinsetzung des Kaisers in seine alten Rechte hatte ihren Ursprung in einer teils literarischen, teils religiösen, teils politischen Bewegung, die etwa um das Jahr 1700 entstand und gegen die zu grosse Bevorzugung der fremden Lehren des Buddhismus und Confucianismus Front machte. Gelehrte, wie Kamo Mabuchi (1697-1769), Motoori Norinaga (1730-1801) und Hirata Atsutane (1776-1843 s. S. 36) wirkten für die Wiederherstellung der Kaisermacht und Wiederbelebung des reinen Shintoismus, mittelbar durch Erklärung der alten Werke der Literatur und unmittelbar durch Schriften religiösen Inhalts, deren Hauptforderung in der Verehrung der Götter der Mythologie und der Kaiser, die allgemein für ihre Abkömmlinge gehalten werden, bestand. Als Verfasser speziell shintoistischer Schriften ist besonders der letzte der drei genannten Gelehrten, Hirata, zu erwähnen, der den Shintoismus in mancher Hinsicht verständlicher gemacht hat. Seitdem diese Ideen 1868 zum Sturze des Shogunats geführt haben, nimmt die Shintöreligion eine offizielle Stellung im Staate ein. Der Shintoismus ist, wie bereits in der Einleitung bemerkt, die Religion des Hofes geworden. Es fand eine Trennung von Shintoismus und Buddhismus statt und man suchte den Shintoismus der alten Zeit neu zu beleben. Mancherlei Einrichtungen, welche in alter Zeit bestanden hatten, wurden wieder ins Leben gerufen, so das Jingik(w)an, ein Amt für Shintoangelegenheiten, das allerdings nur einige Jahre bestanden hat. Neue Tempel wurden nach dem alten, sehr einfachen orthodoxen Stile erbaut, und während man den buddhistischen Tempeln die Ländereien, aus denen sie grosse Einkünfte gezogen, nahm, unterstützte der Staat die Shintotempel und hat ihnen staatliche Anerkennung gegeben, indem er sie in bestimmte Rangklassen teilte. Es sei hier jedoch noch einmal betont, dass die Vorliebe für den Shintoismus und seine Gebräuche mehr bei den höheren Klassen zu finden ist, das gewöhnliche Volk aber, wie früher bemerkt, in alter Weise an beiden Religionen festhält und mehr zum Buddhismus hinneigt.

Die Grundlage des Shintoismus bildet die mythische Geschichte der Erschaffung der Welt und des japanischen Inselreiches, sowie die Taten vieler Götter und Göttinnen. Die folgende kurze Darstellung derselben beruht auf dem Kojiki.

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