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chern berichtet oder angedeutet. Nirgends jedoch erfahren wir etwas von einem Dogma oder von moralischen Vorschriften.

Nicht allen der in der Mythologie erwähnten Gottheiten wird nun heutzutage noch Verehrung zu teil. Manche sind ganz in Vergessenheit geraten, oder haben ihre Namen geändert, andere geniessen nur lokale Verehrung. Oft lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, welchem Gott ursprünglich ein Tempel geweiht war. Nicht selten kennt man nur den Namen des Tempels, den man zum Beten aufsucht, nicht aber den des Gottes, der dort verehrt wird.

Zu den bekanntesten Gottheiten, denen heutzutage allgemeine Verehrung zu teil wird, gehört vor allem die Sonnengottheit Amateras' okami, auch bekannt unter dem chinesischen Namen Tenshok(w)odaijin, die grosse kaiserliche Gottheit, die im Himmel leuchtet. Seltener ist der Name Shimmei, der ursprünglich einen Shintogott im allgemeinen bezeichnet. Der im alten, sehr einfachen Stile erbaute Haupttempel dieser Gottheit liegt bei dem Städtchen Yamada in der Provinz Ise und führt den Namen: Naigu, „der innere Tempel“. Hierher pilgern jährlich Tausende, besonders Bauern und Kaufleute, in der Absicht, die Gottheit um einen reichen Ertrag der Ernte und des Geschäftes zu bitten. Es ist mit Recht das Mekka der Japaner genannt worden, zu dem vor allem die Angehörigen der erwähnten Klassen wenigstens einmal im Leben wallfahrten. In früheren Zeiten kam es vor, dass junge Handlungsburschen plötzlich aus der Hauptstadt verschwanden und heimlich eine Pilgerfahrt auf dem Tokaido zu diesem Tempel machten, indem sie sich ihren Unterhalt erbettelten. In derselben Weise wanderten sie zurück, nachdem sie Holzstückchen vom Material des Tempels, die als Amulette (o mamori) verkauft werden, an Ort und Stelle erhalten hatten. Keiner ihrer Brotherren durfte sie für die lange heimliche Entfernung bestrafen. Nach einer alten Gewohnheit werden diese Tempelgebäude, die aus der Zeit von Christi Geburt stammen sollen, alle einundzwanzig Jahre erneuert. Die Vollendung des Neubaues und die Ueberführung des heiligen Spiegels, des Sinnbildes der Gottheit, der dem Publikum aber nicht gezeigt wird, ist mit besonderen Feierlichkeiten verbunden und zieht vornehmlich viel Pilger an. In welchem Ansehen diese Tempel stehen, geht auch aus der Tatsache hervor, dass bis zum 14. Jahrh. eine jungfräuliche Prinzessin mit der Aufsicht über den erwähnten Spiegel betraut war. In einem zweiten Tempel, dem Gekū „äusseren Tempel“, der in weniger hohem Ansehen steht, als der obengenannte, wird jetzt die Gottheit der Nahrung Toyouke hime no kami oder Ukemochi no kami verehrt, die von manchen auch mit der Gottheit der Erde identifiziert wird.

In vielen Shintotempeln werden neben den Hauptgottheiten auch Nebengottheiten (aidono) verehrt, so neben der Sonnengottheit auch der Gott der Kraft, welcher die Sonnengottheit nach der Legende aus der Höhle zog, und ferner die Mutter des Ninigi no mikoto. Bei dem Geka wird dagegen der Enkel der Sonnengottheit und Ahnherr der kaiserlichen Familie selbst, sowie zwei andere Gottheiten, welche ihn bei seinem Abstieg auf die Erde begleiteten, verehrt. Eine sehr volkstümliche Gottheit ist die des Reises, ursprünglich Uka (l'ga) no mitama, ebenfalls Göttin der Nahrung, nach einer Version Tochter des Izanagi und Izanami. Der volkstümliche Name ist jedoch Inari sama, der ,,Herr Inari“, der die Gebete um reiche Ernte erhört. Möglicherweise ist Inari ein Ortsname und bedeutet: Reiswachsen. Nach den chinesischen Zeichen müsste man das Wort mit Reisträger übersetzen. Das Vorbild der vielen kleinen und grösseren Inaritempel, die man fast an jedem kleineren oder grösseren Orte in Japan findet, ist der grosse Tempel dieses Gottes in Fushimi bei Kyoto. Eigentümlich sind die Darstellungen von steinernen Füchsen in diesen Tempeln. Der Fuchs wird in Japan allgemein gefürchtet, da der Aberglaube besteht, dass er verschiedene Gestalten, z. B. auch Menschengestalt, annehmen kann und dass der Fuchsgeist sogar in Menschen hineinfahren kann. Die Furcht vor ihm mag der Grund sein, dass das Volk ihn allgemein für eine Gottheit hält. l'nklar ist jedoch sein Verhältnis zu Inari sama.

Auch die Verehrung des Schöpferpaares Izanagi und Izanami ist ziemlich weit verbreitet. Ein Heiligtum derselben findet sich z. B. auf dem Tsukubasan, einem direkt aus der Tokyoebene emporsteigenden Berge mit zwei Gipfeln; der eine wird der männliche, der andere der weibliche Berg genannt.

Der Gottheit Onamuji oder Okuninushi ist der zweitwichtigste Tempel im ganzen Lande, Izumo no 0 yashiro, „der grosse Tempel der Provinz Izumo“, geweiht, welcher jährlich von zweihundert- bis zweihundertfünfzigtausend Pilgern besucht werden soll. Der Hauptpriester dieses Tempels gilt als der 82. Nachkomme des Gottes Susanoo und führte früher sogar den Titel: Ikigami, , der lebende Gott". Es gibt dort noch neunzehn kleinere Tempel, welche nach dem herkömmlichen Glauben von den sämtlichen Gottheiten des Landes im zehnten Monat a. St. besucht werden, und deshalb soll hier dieser Monat kamiarizuki, „der Monat, wo die Götter vorhanden sind“, genannt werden, während er im übrigen Japan kaminazuki heisst. Dies letztere Wort wird nach einer allerdings sehr zweifelhaften Etymologie als „der Monat ohne die Götter“ erklärt. Der einzige Gott, der nicht

hierher kommt, ist nach dem Volksglauben Ebis', einer aus der früher erwähnten Gruppe der sieben Glücksgötter, der Schutzgott des redlichen Erwerbs, der als taub gedacht wird, und deshalb die Aufforderung der übrigen Gottheiten, sie zu begleiten, nicht vernehmen kann. Diese sehr volkstümliche Gottheit wird von manchen japanischen Autoren für den erstgeschaffenen Sohn des Schöpferpaares, namens Hirugo, „Blutegelkind“ gehalten, den sie, weil er missgestaltet war, in einem Schilfboot aussetzten und über das Meer sandten.

Onamuji selbst wird von manchen japanischen Schriftstellern, wie Hirata, mit einem andern Mitgliede der erwähnten Gruppe der Sieben identifiziert, das ebenso grosse Popularität geniesst, wie der eben genannte Ebis'. Es ist der Gott Daikoku, „der grosse Schwarze“, der auf Reissäcken thront und einen Glückshammer in der Hand hält. Es sei hier erwähnt, dass diese Glücksgötter, sowie noch einige wenige zu erwähnenden Götter im Bilde dargestellt werden, was wohl auf buddhistischen Einfluss zurückzuführen ist. Die kleine Statue des Daikoku wird so oft im Hause aufgestellt, er gilt dann als Patron des häuslichen Glückes und Wohlstands.

In einem sehr bekannten Tempel im Stadtteil Kanda in Tokyo wird die Gottheit Onamuji unter dem Namen Kanda myöjin, der klare Gott des Stadtteils Kanda“ verehrt. In demselben Tempel wurde bis vor kurzem auch der Fürst Masakado als Nebengottheit angebetet, der sich im Anfang der Feudalzeit gegen die kaiserliche Regierung aufgelehnt batte. Als Grund dafür wird angegeben, dass man seinen Geist, der die Nachbarschaft geängstigt habe, dadurch versöhnen wollte. Von dem Glauben an solche tatarigami wissen wir schon aus dem Engish’ki, wo ein Ritual zur Beseitigung dieser Gottheiten erwähnt wird. Die neue Regierung hat übrigens im Jahre 1871 an die Stelle des Masakado eine Gottheit der Mythologie gesetzt.

Auch an den Vorfahren des Onamuji, den Gott Susanoo, erinnern manche Tempel in Izumo und andern Gegenden. Besonders berühmt als Stätte seiner Verehrung ist der Tempel Gion no yashiro in Kyoto, auch Yasaka jinja genannt. Diese Gottheit wird auch mit einem buddhistischen Gotte, „dem Himmelskönig mit dem Ochsenhaupte“, Gozütenno, identifiziert.

Rätselhaften Ursprungs ist ein sehr volkstümlicher Gott, Kompira, der, ursprünglich buddhistischen Ursprungs, im Mittelalter gleichfalls mit Susanoo identifiziert worden ist. In jüngster Zeit haben Shintoautoritäten erklärt, dass es eigentlich ein in andern Quellen allerdings nicht erwähnter Shintögott namens Kotohira gewesen sei, und infolgedessen sind die in buddhistischem Stil erbauten Tempel

wieder dem Shintokultus und den Shintöpriestern übergeben worden. Der Haupttempel liegt in der Provinz Sauuki auf Shikoku und wird viel von Schiffern besucht.

Auf wie schwachen Füssen die Autorität mancher ganz populärer Gottheiten steht, zeigt auch das Beispiel des Suitenga in Tokyo. Suiten ist ursprünglich der indische Neptun, ein brahmanischer Gott namens l'aruna. Er soll dann mit den drei japanischen Göttern des Meeres, die in Sumiyoshi bei Ösaka verehrt werden, verwechselt sein. Der Volksglaube hält jedoch daran fest, dass hier nicht diese Gottheiten, sondern der junge Kaiser Antoku verehrt wird, welcher im Jahre 1184 in der Schlacht von Dannoura seinen Tod in den Wellen fand. Der Tempel, welcher ebenfalls viel von Schiffern besucht wird, befindet sich auf dem Grundstück eines Adeligen, dem die Einkünfte aus dem Besuch der Gläubigen zufliessen. Es ist jetzt verboten, Tempel, die auf Privatgrundstücken errichtet sind, zur allgemeinen Verehrung zu bestimmen und daraus Nutzen zu ziehen. - Die Gottheit, welche die Liebenden vereinigt und der man das sonderbare Opfer von Lappen, an Bäume gehängt, darbringt, ist Musubu no kami, vielleicht identisch mit dem Takaki musubi no kami der Mythologie. Auch einzelne Berge und merkwürdige Bäume werden für heilig gehalten und von einer Gottheit bewohnt gedacht. So gibt es eine Gottheit des Fuji mit dem Namen Konohanasakuya hime ,, die Prinzessin, die wie die Bäume blüht“. Als ganz besonders heilig gilt der Ontake in Shinano, zu dem viele Tausende des Handwerks- und Bauernstandes pilgern. Zu solchen Wallfahrten bilden sich vielfach Gesellschaften (ko, koja), aus denen die Teilnehmer einer Wallfahrt ausgelost werden und die die Kosten aus den monatlichen Beiträgen bestreiten.

Bei einem Tempel in Kyoto befindet sich ein Baum, dessen Zweig in einen andern hineingewachsen ist und der daher vielfach von Leuten besucht wird, die in glücklicher Ehe leben wollen. Eine Verehrung von Flüssen, wie in China, ist jetzt nicht mehr zu beobachten, dagegen findet man einen Gott des Weges (dosojin), einen Gott des Brunnens, des Hofes, des Tores, ja jeder Lebensberuf hat einen Schutzgott, mit andern Worten, fast alles hat seine Gottheit, unter deren Schutz es steht.

Die Kaiser sind nach dem auf der Mythologie beruhenden Glauben direkte Nachkommen der Sonnengottheit und werden daher für göttlich gehalten. Motoori sagt: „In der alten Sprache hiess der Kaiser Gott und das ist sein wahrer Charakter; die Pflicht der l’ntertanen besteht daher in unbedingtem Gehorsam gegen ihn, ohne dass man die Handlungen desselben in Frage zieht.“ Wir finden nun zwar,

dass der Kaiser die Gesamtheit seiner Vorfahren als spezielle Schutzgeister des kaiserlichen Hauses verehrt und in öffentlichen Verkündigungen von grosser Wichtigkeit von den erhabenen Geistern des kaiserlichen Gründers der kaiserlichen Dynastie und der übrigen kaiserlichen Vorfahren spricht, aber allgemeinere Verehrung in Tempeln geniessen nur wenige der Kaiser.

An der Spitze steht Hachimanjin d.i.: „Acht-Bannergott“. Er hiess früher nach buddhistischer Nomenklatur Hachiman dai bosats'; doch ist der Zuname dai bosats' 1867 durch jin (shin=kami) ersetzt worden. Unter diesem Namen wird der Kaiser Ojin tennő, der am Ende des 3. Jahrh. n. Chr. lebte, als Kriegsgott verehrt. Der Grund, weshalb gerade dieser Kaiser als Gott des Krieges gilt, ist nicht klar, da von ihm keine kriegerischen Taten berichtet werden. Als Erklärung wird sonderbarerweise die Tatsache angegeben, dass seine kriegerische Mutter, die berühmte Kaiserin Jingo K(w)ögo, ihn während ihres von vielen Japanern als historisch angenommenen Feldzuges gegen Korea unter dem Herzen getragen und von seinem Geiste beseelt worden sei. Auch für den Ursprung des Namens Hachiman gibt es keine zufriedenstellende Erklärung. In einem bei Kyoto gelegenen Tempel dieses Gottes wird auch seine eben erwähnte Mutter als Nebengottheit verehrt. Seltsamerweise gilt die Taube als Bote dieses Gottes und zahlreiche Tauben werden deshalb besonders bei seinen Tempeln gehalten. Es ist nicht unmöglich, dass dies mit dem Bnddhismus zusammenhängt, wie denn auch die Tempel dieses Gottes in dem vom Buddhismus beeinflussten Stile erbaut sind und auch bildliche Darstellungen des Gottes erwähnt werden. Dem Sohne dieses Kaisers, Nintoku, ist der Tempel Közu no Miya in Osaka geweiht, und ein dritter Kaiser aus jener Zeit, Chữai, wird als Nebengottheit in einem andern Tempel verehrt. Ein Tempel ist drei Kaisern zusammen: Go Toba tenno (1186 bis 1199), Tsuchi mikado (1199—1211) und Juntoku tenno (1211 bis 1222) geweiht.

Zahlreicher sind die Beispiele von der Apotheose hervorragender Männer des Landes. Auf Befehl des jetzigen Kaisers wurden in neuester Zeit über zwanzig ausgezeichneten Männern, die sich im Altertum und im Mittelalter um das kaiserliche Haus verdient gemacht hatten, Tempel geweiht.

Besonders volkstümlich ist die Gottheit Tenjin, Himmelsgott“, (oder Temmangū, „der den Himmel erfüllende Tempel“) eigentlich ein deifizierter Minister, Ratgeber des Kaisers und hervorragender Gelehrter am Ende des 9. Jahrh. Er soll in den chinesischen Wissenschaften sehr bewandert gewesen sein und wird daher als Gott der

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