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SKY, MUNGO PARK, NACHTIGAL, PECHUEL-LOESCHE, PAUTITSCHKE, PASSARGE, POGGE, Rohlfs, SCHWEINFURTH, SPEKE, STANLEY, STAUDINGER, STUHLMANN, VOGEL, ZÖLLER U. a. Die südafrikanischen Sprachen sind vortrefflich behandelt durch W. H. J. BLEEK, die südafrikanischen Märchen hat gesammelt CALLAWAY. Die Zersplitterung der afrikanischen Stämme hat zu einer ethnischen Einheit zusammengefasst R. HartMANN, Die Völker Afrikas (1879) und die Nigritier (1876). Der Ursprung der afrikanischen Kultur (materiellen und ideellen) hat neuerdings L. FROBENIUS einer ausführlichen Untersuchung unterzogen (Ursprung der afrikanischen Kultur, Berlin 1898) unter sorgfältiger Berücksichtigung der vielfachen äusseren Einwirkungen (malaiischer, vorderasiatischer, indischer usw.). Religionsgeschichtlich sind besonders wichtig: W. Bosman, Nauwkeurige beschrijving van de Guinese Goud-Tand-en Slavekust (3 ed. 1737); A. Bastian auf eigenen Beobachtungen basierende Schriften, vor allem: Ein Besuch in San Salvador (1859), mit klaren psychologischen Erörterungen, Die deutsche Expedition an der Loangoküste (2 Bde, Jena 1875), Der Fetisch an der Küste Guineas (Berlin 1884) und manches in der Monographie: Der Papua des dunklen Inselreichs (Berlin 1885); Fr. SCHULTZES Schrift, der Fetischismus (Leipzig 1871) stützt sich in der Hauptsache auf Bastian; B.CRUICKSHANK, Achtzehnjähriger Aufenthalt auf der Goldküste (1834); J. L. Wilson, Western Africa, its history etc. (1856); A. H. Post, Afrikanische Jurisprudenz (1887); A. B. ELLIS, The Ewe-speaking people (1890), derselbe, The Tshi-speaking peoples of the Goldcoast of West Africa (1888), derselbe, The Yoruba speaking people (1899); J. MACDONALD, Religion and myth (1893). Für Südafrika kommt hauptsächlich in Betracht: F. FRITSCH, Die Eingeborenen Südafrikas (1872), der besonders die optimistischen Anschauungen über die Bantuvölker, unter denen man eine Zeitlang Idealgestalten für die Plastik anzutreffen meinte, berichtigte, für die Religion wichtig: Casalis, Les Bassoutos (1859); Th. Hahn, Tsuni'-Goam, the supreme Being of the Koi-koi (1862); CALLAWAY, The religions System of the Amazulu (1868-1872). Sodann kommen auch hier natürlich die verschiedenen Missionszeitschriften in Betracht, neuerdings: Afrika, Zeitschrift für die sittliche und soziale Entwicklung der deutschen Schutzgebiete, herausgegeben vom Evangelischen Afrika - Verein (Berlin.) Für die in Afrika so bedeutsamen, soziale und religiöse Motive innig verschmelzenden Klubs und Geheimbünde liefert nebst dem erforderlichen Material eine vortreffliche Darstellung: H. SCHURTZ, Altersklassen und Männerbünde (Berlin 1902). Auf vorzüglichen Beobachtungen beruhen: H. A. Junop, Les-Ba-Ronga (1898), auch seine Darstellung in Folk-Lore (1903). MARY KINGSLEY, West African Studies (1899). Uebersichtlich aber einseitig: W. SCHNEIDER, Die Religion der afrikanischen Naturvölker. I-II; S. R. STEINMETZ, Rechtsverh. von eingeb. Völkern in Afrika und Ozeanien (1903).

Wenden wir uns zunächst zu primitiven Völkern Afrikas, so fallen manche Einwohner trotz ihrer geographischen Angehörigkeit zum dunkeln Erdteil für unsere Betrachtung fort. Das gilt sowohl für die Aegypter als die Madagassen; jene zählen nicht zu den Naturvölkern, diese sind so sehr mit Malaien und Arabern versetzt, dass sie nicht in diesen Rahmen gehören. Auch wir können uns hier ebensowenig aus einleuchtenden Gründen in die ethnographischen Kontroversen über die fragliche Einheit der Afrikaner mischen, - FRIED. MÜLLER nahin fünf verschiedene Rassen an, PESCHEL drei, wobei der mittelländischen im

Norden des Erdteils die führende Rolle zufiel, HARTMANN hat unter Beseitigung der üblichen Bezeichnungen der Semiten und Hamiten und namentlich der althergebrachten Vorstellung von dem „blauschwarzen, dicknackigen, schafwollbehaupteten Phantasienigger“ für ganz Afrika eine einheitliche, autochthone Rasse aufzustellen gesucht - eine Hypothese, die natürlich auch nicht ohne Widerspruch geblieben ist. Die weitere Tragweite derselben besteht (was beiläufig bemerkt sein mag) darin, dass unter dieser ethnographischen Voraussetzung die landläufige Verurteilung des Negers nicht wenig abgeschwächt wird, indem die niedere Gesittung mancher Stämme nicht der Rasse als solcher, sondern nur den ungünstigen Existenzbedingungen zur Last fällt. Wie man aber auch über die Kulturfähigkeit dieses Zweiges der Menschheit denken mag (vielleicht liefert in absehbarer Zeit Nordamerika in dieser Beziehung noch ein verlässliches Material!), bislang scheint immer noch das Wort PESCHELS zu Recht zu bestehen: Den Neger einer Erhebung auf höhere Zustände für unfähig zu erklären, wäre bare Willkür; doch für die niedrigen Stufen der bis jetzt vorhandenen Gesittung allein nur die Natur des Festlandes anzuschuldigen, hiesse gänzlich die Verschiedenheit in der Begabung der Menschenrassen verkennen. Für unsere Darstellung kommt die auch geographisch und selbst ethnographisch bewährte Dreiteilung des Kontinents lediglich in Betracht.

Ehe wir aber konkretes Material bringen, sind wir genötigt, auf zwei Momente in aller Kürze einzugehen, die, freilich überhaupt religionsgeschichtlich bedeutsam, für Afrika von ganz besonderer Wichtigkeit sind, auf den Fetischismus und die so weit verbreiteten Geheimbünde. Die gewöhnlichen Negerfetische und Verkörperungen subjektiver Gefühlsanschauung (Bastian), Idole und Fetische, sind durchaus nicht scharf voneinander zu trennen, namentlich nicht Amulette, die als Verkörperungen göttlicher Kraft zur Abwehr von Unheil getragen werden. Gegenstand dieser übernatürlichen Wirksamkeit kann (natürlich unter sachverständiger Anleitung des Priesters) schliesslich alles werden, was der leicht erregbaren Phantasie des Naturmenschen irgendwie bedeutsam erscheint, Menschen, Tiere, Holz- und Steinklötze bis herunter zu einem bunten Lappen oder einer schillernden Perle. Nicht selten tritt der Fall ein, dass der Fetisch versagt, seine Kraft verliert (Bastian erzählt einen solchen drastischen Fall, wo der Fetisch schon im voraus, um sich möglichst anzustrengen, unbarmherzig geprügelt wird, San Salvador S. 61), oder der Mensch nur durch starke Fasten und Büssungen sich seine Gunst zu erkaufen vermag. Daher die unmittelbare Verknüpfung dieser Prüfungen und

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Kasteiungen (Quixilles genannt) mit dem Fetisch, wie sie Bastian beschreibt: Das Kind wird schon in den ersten Tagen nach der Geburt zu dem Ganga (Priester) gebracht, der ihm ein oder mehrere Gelübde auferlegt, und die Mutter wacht sorgfältig darüber, es von klein auf zu ihrer Beobachtung anzuhalten und darin zu unterrichten, damit es in späteren Jahren weniger leicht Fehltritten ausgesetzt sei.

„Anderswo (es war eben vom Kongo die Rede) wird dagegen die mystische Verknüpfung mit dem Mokisso (Fetisch) bis zum eindruckfähigsten Moment des Jugendalters, dem Uebergang zur Pubertät, verschoben, wenn in der träumerischen Zeit der Ideale in Afrika die Knabenkolonien in den Wald ziehen oder der Indianer seinen einsamen Baum besteigt. Ausserdem geben bedeutungsvolle Lebensereignisse Veranlassung, den Fetisch zu erkennen. Auf welche Weise immer der Mokisso ausgewählt sein mag, mit ihm ist seinem Verehrer sein Lebensziel gegeben, er findet in ihm seine Befriedigung, die Erfüllung jener bangen Fragen, die, wie überall, die Menschenbrust, so auch die des Negers durchwehen; nur dass sie in der letzteren sich mit einer einfacheren Antwort zufriedenstellen lassen. Das Gelübde, das er über sich genommen, bildet für ihn den ganzen Umfang seiner Religion. Solange er in angenehmen Verhältnissen lebt, fühlt er sich glücklich und zufrieden unter dem Schutz seines Mokissos; er fühlt sich stark unter seinem Beifall, er schreibt seine sonnigen Tage dem Wohlgefallen derselben zu, weil er genau in der Weise handelt und denkt, wie es sein Wunsch und Wille erheischt. Hat er aber absichtlich oder unfreiwillig sein Gelübde gebrochen, seine Vorschriften übertreten, so ist er in einen unheilbaren Zwiespalt mit sich selbst getreten; natürlich brechen Unglücksfälle über ihn herein, bald häuft sich der schwere Druck der Leiden, und was bleibt ihm übrig, als zu sterben und zu vergessen? Denn ihm strahlt nirgends ein höheres Licht der Hoffnung, nirgends eine Bahn des Heils und der Errettung. Der Unglückliche in Afrika braucht nicht den Tod zu suchen; die Feinde, die ihn rings in der Gestalt seiner Mitmenschen umgeben, haben bald den Schwachen unter ihre Füsse getreten und mit dem letzten Atemzuge des Fetischanbeters ist ein Weltsystem (freilich ein Weltsystem im kleinsten Duodezformat) untergegangen. Der Mensch stirbt und mit ihm stirbt der Gott, den er sich selbst gemacht hatte, sie sinken beide zurück in die Nacht des Nichts“ (BASTIAN, San Salvador S. 254).

Und auch die Mahnung des Altmeisters der Völkerkunde besonders unter dem ausdrucksvollen Hinweis auf die gräuelvollen Hexenprozesse mag hier noch beherzigt werden: „Der Fetischismus gilt als die roheste Auffassung der Religion, aber roher noch dürfte fast die

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europäische Auffassung solch afrikanischer Auffassung erscheinen, besonders wenn im eigenen Hause gekehrt werden sollte. Bisher ein zufällig aufgegriffener Spielball, in den Reisebeschreibungen umhergeworfen, hat der Fetisch sich neuerdings ernster Aufmerksamkeit zu erfreuen gehabt, um ihn als psychologisches Beobachtungsobjekt vorzuführen“ (Der Fetisch S. 76). Es ist übrigens sehr begreiflich, dass beim Eindringen des Christentums auch das Kreuz zu diesen magischen Verrichtungen und Beschwörungen (namentlich bei den Exorzisationen, dem Vertreiben der bösen Geister) verwendet wurde.

Die schon erwähnten Pubertätsweihen, in denen die wehrfähigen Jünglinge unter die Zahl der vollberechtigten Männer aufgenommen werden, vermitteln uns den Lebergang zu den so ausserordentlich wichtigen, Recht und Religion unauflöslich verknüpfenden Geheimbünden; meist sind es, wie schon angedeutet, Männer, nur gelegentlich sondern sich in ähnlicher Weise die Frauen ab (so in Südguinea der Njembeorden). Die Knabenzeiten bilden körperlich und geistig den bedeutsamen l'ebergang in ein höheres Lebensstadium; körperlich, denn sie sind durchweg verknüpft mit nicht geringen Beweisen der uns fast unmenschlich dünkenden Standhaftigkeit gegenüber den ausgesuchtesten Martern (die bekannten Geisselungen der Spartaner bilden demgegenüber nur ein schwaches Nachspiel), geistig, denn die Neuaufgenommenen machen in der Tat eine seelische Verwandlung, eine Art Wiedergeburt durch, vermöge deren sie die Erinnerung an ihr bisheriges Dasein bis auf den letzten Rest verlieren (vgl. das betreffende Material bei Bastian, Naturwissenschaftliche Behandlungsweise der Psychologie S. 139 ff. und San Salvador S. 82 ff.).

Der Zweck solcher Vereinigungen ist höchst verschiedenartig; sehr einleuchtend und uns insbesondere aus der Vehme bekannt ist deren sozialpolitische Bedeutung, wenn die gewöhnliche Justiz versagt. Das ist z. B. der Fall bei dem sehr gefürchteten Egboeorden an der westafrikanischen Küste, den BASTIAN folgendermassen schildert: ,,Er ist in elf Grade eingeteilt, von denen die drei obersten (Nyampa) für Sklaven nicht käuflich sind. Der gewöhnliche Weg ist der, dass Eingeweihte sich in die höheren Stufen nacheinander einkaufen; das dadurch erlöste Geld wird unter die Nyampa verteilt, die den inneren Bund bilden; dem König selbst kommt die Präsidentschaft zu. Jede der verschiedenen Stufen hat ihren Egboetag, an welchem ihr Idem oder gespenstische Repräsentation eine absolute Herrschaft ausübt, wie sie die Römer dem Diktator in kritischen Zeiten übertrugen. Das Land befindet sich gleichsam in einem permanenten Belagerungszustand, der durch die Ueberzahl der Sklaven und Frauen nötig wird,

indem die traditionellen Gebräuche des alten Herkommens durch die regelmässig einander folgenden Egboetage und der damit verbundenen Proklamierung des Kriegsgesetzes beständig ausser Kraft gesetzt werden. Seine Entstehung soll der Egboeorden auf den Messen genommen haben, die auf einem grossen Oelmarkt des Inneren abgehalten werden. Da dort vielfach Unordnungen einrissen, der europäische Handel aber zur Aufrechthaltung des Kredits eine genaue Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen erforderte, so bildete sich dies Institut als eine Art Hansa unter den angesehensten Kaufleuten zu gegenseitiger Wahrung ihrer Interessen und gewann später die politische Bedeutung einer Vehme, indem es die ganze Polizei in ihren Bereich zog. Die Könige suchten sich stets die Grossmeisterschaft in diesem Orden zu sichern - übrigens gerade so wie unsere deutschen Kaiser im Mittelalter für die Vehme - da ohne dieselbe ihr Ansehen zu einem Schatten herabsinkt. Europäische Kapitäne haben es mehrfach vorteilhaft gefunden, sich in die niederen Grade einweihen zu lassen, um ihre Schulden leichter eintreiben zu können“ (Rechtsverhältnisse S. 402). Aber ausser diesem recht finanziellen Zweck verfolgen die Geheimbünde noch manche andere Ziele; so üben sie den Blutbann aus zur Ermittlung des Schuldigen oder sie bedrohen irgend eine fehdelustige Völkerschaft mit exemplarischer Züchtigung, falls sie nicht die Waffen niederlegt (vgl. Post, Afrikanische Jurisprudenz I 234), oder sie dienen zur Ueberwachung der Sklaven, Frauen und Kinder.

Ihren ganzen geheimnisvollen Zauber entfalten diese Genossenschaften erst durch das magische Licht der Religion, so dass auf diese Weise gerade ihre soziale Bedeutung zu einer unserem Bewusstsein kaum noch recht gegenständlichen Wertschätzung heranwächst. Dahin gehören die Umzüge und Feierlichkeiten, die mit dem Ackerbau in Beziehung stehen, mit der Fruchtbarkeit der Felder usw., dahin der schauerliche, obwohl auf Pietätsgrunderwachsene Totenkultus (Schädelverehrung, Kopfjagd usw.). – Alles dies spiegelt sich wider in den verschiedenen Masken formen, die ethnologisch ungemein wertvoll sind —, oder die (besonders in Polynesien und Melanesien) so verbreiteten Tabugesetze, die Speise- und Benutzungsverbote seitens der Priester und Geheimbünde, oder endlich die eigentümliche mystische Beziehung zwischen Schutzherrn und Pflegbefohlenen, die sich in dem Institut der Wahlbrüderschaft offenbart. Solche Verbrüderungen werden auch wohl im Traum geschlossen, so dass es gelegentlich vorkommt, dass jemand im Schlaf, wenn er sich bedroht glaubt, seinen Wahlbruder zum Beistand ruft. Es liegt auf der Hand, dass solche Verbände vielfach ihre fast unbeschränkte, durch die unheimliche Gewalt

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