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die Darstellung trübt (der Verfasser sucht einen blossen Geisterglauben im Norden einem Sonnenkultus im Süden entgegenzustellen); für die Eskimo das Buch des Missionars P. EGEDE, Nachrichten von Grönland (1740); dann die zahlreichen Veröffentlichungen des Philadelphier Gelehrten D. G. Brinton, so vor allem The Myths of the New World (3 ed. 1896), American Hero-Myths (1882), auch manches Material in Religions of primitive peoples (1897), und andern Monographien. Dahin gehören von früheren Büchern: A. RÉVILLE, Les religions du Mexique, de l'Amérique centrale et du Perou (1885) und in den Hibbert lectures (1884); J. W. POWELL, Mythology of the North American Indians (1881), TYLOR, Anahuac or Mexico and the Mexicans (1861), und in den Encyl. Brittan, R. B. BREHM, Das Inkareich (1887); in Betreff Mexikos und Mittelamerikas sodann: FÖRSTEMANN, Zur Entzifferung der Mayahandschriften (Dresden 1887), SCHELLHAS, Die Göttergestalten der Mayahandschrift (Dresden 1897); SELER, Veröffentlichungen aus dem königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin, dann: Tonalamath (1900) und Fejérvary-Mayer (1901), Preuss, Die Feuergötter der Mexikaner (Wien 1903); endlich die zusammenfassende Darstellung bei RATZEL, Völkerkunde (I. Bd.) und HELMOLT, Weltgeschichte (Bd. I), aus der Feder von Professor HÄBLER (1899). Von älteren wichtigeren Reisebeschreibungen wären zu nennen: A. HUMBOLDT, Prinz von WED, Martius, von neuen vor allem von DEN STEINEN, Unter den Naturvölkern Zentral-Brasiliens (Berlin 1894), und EHRENREICH, Beiträge zu der Völkerkunde Brasiliens. Koch TH., Zum Animismus der südamerikanischen Indianer. — (Int. Ach. Ethnographie 1900.) Teir J., Trad. of the Thompson River Indians (= Mem. Am. Folk-lore Soc. VI); ALICE FLETCHER, Indian Story and Song from X. Am. 1900; MATTHEWS W., Navahs Legends (=mem, am. Folk-lore Soc. V); Conard, Les idées des Algonquins. R.H. R. 1900. — Beachte ferner die grossen Anstalten und Museen Amerikas, die sich die Erforschung des Kontinents vor der Entdeckung durch Kolumbus zur Aufgabe gesetzt haben, sowohl durch Entsendung fachwissenschaftlicher Expeditionen, als auch im Zusammenhange damit durch regelmässige Berichte oder anderweitige Verarbeitungen, allen voran das bekannte Smithsonian Institution in Washington unter Powells mustergültiger Leitung (speziell kommt in Betracht das Bureau of American Ethnology), dann das Field Columbian Museum in Chicago und andere, dann die zahlreichen tüchtigen Zeitschriften für Ethnographie und Volkskunde, so der American Anthropologish, Journal of American Ethnology and Archaeology, Journal of American Folk-lore, Bulletin of the Free Museum of Science and Art (Philadelphia) etc.

Ehe wir uns an unsere eigentliche Aufgabe machen, bedarf es einer, sei es auch noch so knappen ethnographischen Orientierung über das vielumstrittene Problem der Rasseneinheit Amerikas. Die meisten Forscher neigen sich, ohne die Schwierigkeiten im einzelnen zu verkennen (so werden meist die Eskimo abgetrennt oder zu einer besonderen Rasse, nämlich der Hyperboräer oder Arktiker, vereinigt), der Ansicht einer autochthonen Entstehung derUrbevölkerung Amerikas zu, jedenfalls sind die Hypothesen über etwaige Einwanderungen aus Asien ganz unsicher. Für die unbefangene Wissenschaft ist der unanfechtbare Nachweis der Anthropologie und Paläontologie jedenfalls von besonderem Wert, dass die Entwicklung des Menschen auf diesem Schauplatz von der nebelumsponnenen Urzeit an bis auf die Zeit der

Entdecker in einem fortlaufenden, durch fremde Einflüsse nicht unterbrochenen Zusammenhange verlaufen ist. Irgend welche unmittelbare l'ebertragungen und Entlehnungen, die man phantastisch bald bei den Juden, bald bei den Chinesen vermuten wollte, sind völlig unhaltbar.

Mit einem gewissen Recht hat Waitz gesagt, um ein treues Bild der nordamerikanischen Indianer zu entwerfen, das uns in den Stand setzt, ihre Fähigkeiten und Leistungen richtig zu würdigen, müsste es uns gestattet sein, in die Zeit vor der Ankunft der Europäer zurückzuschauen. Das gilt begreiflicherweise genau genommen von ganz Amerika, und schon deshalb sind die, eben nicht ohne Grund so variierenden, ja mitunter einander geradezu widersprechenden allgemeinen Charakterschilderungen dieser Rasse recht bedenklich. Manche Eigenschaften, wie Hang zur Trägheit (bei aller Jagd- und Mordlust), Grausamkeit, L'ngebundenheit, Abneigung gegen Ackerbau und ansässiges Leben überhaupt u. a. sind vielleicht noch am ehesten als typisch und unbestritten zu bezeichnen, obwohl sehr charakteristische Beobachtungen VON DEN STEINENs bei den brasilianischen Waldindianern damit nicht stimmen. Wenn dem Indianer aber öfter ohne weiteres die Fähigkeit zum Denken und begrifflichen Ausdruck abgesprochen wird, so ist das mindestens voreilig; ALEXANDER VON HUMBOLDT erklärt umgekehrt, dass ihm eine grosse Leichtigkeit des Lernens, ein gesundes Urteil und geradezu eine Neigung zu scharfsinnigen logischen Unterscheidungen innewohne, und die bekannten Ergebnisse der Jesuiten in Paraguay lassen uns von der Möglichkeit einer Erziehung, mindestens einer gewissen äusseren Bildung bei den Rothäuten nicht gering denken. Endlich ist die Tatsache einer hohen selbständigen Kulturblüte in Peru, Yukatan und Mexiko ebenfalls nicht zu vergessen, auch legen, wie wir später noch sehen werden, manche religiöse Anschauungen einzelner Stämme ein beredtes Zeugnis für ihre Spekulationskraft ab. Dagegen ist es sehr auffallend, dass bei dem durchgehenden Mangel an nutzbaren Pflanzen und Haustieren der Ackerbau wenig oder kaum entwickelt ist, die Gegensätze der Wildheit (Jagd und Fischerei) berühren sich unmittelbar mit dem Stadium einer relativ hohen Gesittung und einem komplizierten Staatswesen.

In der Darstellung der amerikanischen Mythologie und Religion müssen wir ebenfalls, wie sonst bei den meisten Naturvölkern, auf eine systematische Entwicklung verzichten; nur die Umrisse des Weges lassen sich feststellen, auf denen sich das primitive Denken und Anschauen in diesen Problemen bewegt hat. So darf man auch hier wohl von einer monotheistischen Tendenz sprechen, ohne irgendwie einen schulgerechten abstrakten Monotheismus damit behaupten zu

wollen. Die Ausdrücke: manito, oki, otkon, hopa, wakan, teotl, huaca bezeichnen meist etwas Unendliches oder ein Oben, keineswegs, wie man wohl behauptet hat, den grossen Geist als eine Personifikation Gottes. Eine Verehrung geniesst er dagegen nur, sei es als Welt- resp. Menschenschöpfer oder als Sonnengott, und hier setzt begreiflicherweise in fruchtbarster Entfaltung der Mythus ein. In Peru erhielt diese Vorstellung gemäss der höheren Gesittung auch eine reinere, abstraktere Fassung; Viracocha war nicht nur der Sonnengott, sondern auch der Schöpfer Himmels und der Erde, er bezeichnet den Anfang aller Dinge und ihre Ursache (Ticci), als allgegenwärtige und allmächtige Gottheit, die allem Leben und Bewegung mitteilt, unendlich, unkörperlich, unsichtbar, an den der Oberpriester folgendes Gebet richtet: O Viracocha, immer gegenwärtig, Viracocha, Ursache von allem, Helfer, unermüdlicher Schöpfer, der die Anfänge verursacht und ermutigt, Viracocha allezeit erfolgreich und nahe, höre auf unser Flehen, sende Gesundheit, sende unserem Volke Glück. Ja er wird auch Zapala genannt, der Einzige. Die Inca waren geradezu der bildlichen Verehrung ihres höchsten Gottes Viracocha abgeneigt, weshalb sie alle anthropomorphen Formen aus dem Kultus verbannten, obwohl sie ihren eigentlichen Sonnengott Inti als ihren Ahnherrn völlig menschlich auffassten. Bei den Maya im mittelamerikanischen Kulturkreis wird dem Sonnengott Kukulkan, dem Bringer alles Guten, der segenspendenden Kraft eine in früheren Zeiten blutige) Verehrung entgegengebracht; er erscheint als langbärtiger Greis in weissem Gewande, der dem Volk Wohnsitze anweist, die Schrift, Baukunst lehrt Zeitrechnung usw., kurz er ist hier, wie auch anderwärts vielfach, Kulturheros. Bezeichnend ist sein Symbol, die gefiederte Schlange, die die fruchtbaren Niederschläge des Gewitterregens andeutet; sie gehört mit dem mexikanischen Vogel Quetzal, dem Boten des Sturmwindes, der ja den die Wolke spaltenden Blitz begleitet, unmittelbar in einen Zusammenhang.

Bei den Azteken war Quetzalcoatl die höchste Gottheit, wie gesagt, durch den heiligen Vogel mit farbenprächtigem Gefieder symbolisiert, von einer Jungfrau im fernen Osten geboren, er der Gott des Lichtes, dessen Verkünder der Morgenstern ist, ebenfalls ein Kulturheros (Erfinder der Schrift, der Kunst, des Kalenders usw.), bis zu seiner Zurückkunft im fernen Osten weilend (woran sich manche bedeutungsvolle Sagen knüpften, die noch zu Montezumas Zeiten die Gemüter der Eingeborenen lebhaft beschäftigten), schliesslich überwunden durch seinen Feind, den Gott der Dunkelheit, Tezcatlipoca, und hier erscheint der überall bei den Naturvölkern und auf höheren

Gesittungsstufen (man denke nur an Iran und den Zendavesta !) bedeutungsvolle Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, Leben und Tod, die schüchternen Keime eines späteren ethischen Dualismus. Auch die guten Götter müssen, nachdem sie ihr Kulturwerk getan, die Stätte ihres Wirkens verlassen, sehnsüchtig richten sich die Blicke und Herzen ihrer Anhänger auf ihre in den Wolken verschwindenden Gestalten, der einzige Trost für ihr Ringen ist die unerschütterliche Gewähr und Sicherheit ihrer einstigen Rückkehr. Einer dieser Gesänge der Maya lautet nach dem spanischen Autor Lizana folgendermassen:

Am Ende des dreizehnten Jahrhunderts der Welt,
Wenn die Städte Itza und Tancah noch blühen,
Wird das Zeichen des Herrn des Himmels erscheinen,
Das Licht der Dämmerung wird das Land erleuchten,
Und das Kreuz wird durch die Menschengeschlechter erblickt werden.
Er wird euch ein Vater sein, Itzalanos,
Ein Bruder für euch, ihr Bewohner von Tancah;
Empfanget wohl die bärtigen Gäste, die kommen
Und das Zeichen des Herrn vom Tagesanbruch bringen,
Des Herrn des Meeres, so gnädig und doch mächtig,

Eine nicht minder mächtige Gottheit ist Manibozho oder Michabo bei den Algonkins (an den sich, wie wir noch sehen werden, mannigfache Tiersagen oder menschlich komische Züge schliessen), der Bringer des Lichtes, Enkel des Mondes, Herr der Winde und des Donners, Feind der Dunkelheit, Beschützer der Vögel, der Jäger, Kulturheros, wie die früher beschriebenen. Dieselben Eigenschaften kommen dem irokesischen Joskeha zu, der die bis dahin dürre Erde durch Wasserströme mit neuem Leben befruchtete und aus einer Höhle Tiere entliess, um die Erde zu bevölkern. Dann schuf er die Menschen, lehrte sie alle Fertigkeiten und Künste, wie er überhaupt durchweg als gütige Gottheit erscheint; natürlich ist auch er ein Sonnenheld, der im Osten wohnt, ein Feind der Dunkelheit, mit der er in stetem Kampf liegt.

Aber auch bei den Stämmen niederer Gesittung finden wir durchweg religiöse Vorstellungen, wenn auch selbstverständlich verworren und roh. Ueberall verbreitet ist der Seelenglaube, der Glaube an ein Jenseits, das mehr oder minder phantastisch ausgeschmückt wird. Die Eskimo (Innuit) schreiben nicht nur den Menschen, sondern auch konsequent den Tieren den Besitz einer Seele zu; die ganze Welt ist bevölkert von Dämonen, die aber ihrerseits unter der Herrschaft eines höheren Wesens, einer gütigen Gottheit stehen. Fast schrankenlos ist bei ihnen die Macht der Zauberer, der Angekok, die überhaupt in

Amerika als Medizinmann eine gefürchtete Stellung einnehmen. Die Errichter der grossen Erdwerke in Ohio, Wisconsin und Illinois, die sog. Monndbuilders (Ackerbauer im Gegensatz zu den umherstreifenden Jägern) huldigten, wie aus allen neuerdings genau untersuchten Ueberresten hervorgeht, einem ausgebildeten Ahnenkultus. Die Studien K. VON DEN STEINENS unter den brasilianischen Waldindianern liessen ihm gar keinen Zweifel an der Wirksamkeit der Vorstellung von einer Naturbeseelung bei diesen noch völlig primitiven Naturvölkern aufkommen.

Die Tiersage wuchert überall mit gleicher Stärke, ganz besonders in dem auch für das soziale Leben so bedeutsamen Totemismus. Dies System (so kann man es fast nennen, da es z. B. streng für die Eheschliessung beobachtet wird) beruht auf dem schon oft erwähnten Glauben von der Wesensverwandtschaft zwischen Tier und Mensch und in zweiter Linie von der Verkörperung der Seele des Urahnen in irgend einem, nun natürlich geheiligten, Tier. Vielfach sind nun diese Tiere, die als Stammessymbole und - Heiligtümer verehrt werden, als Motive für die Kunst verwertet, auch in den erst erwähnten Grabhügeln. Diese Anschauung führte zu einer Solidarität, zu einem Gemeingefühl, das alle Genossen eines Stammes durchdrang und sie zu einem ebenso energischen Abschluss nach aussen drängte, — wie auf der Hand liegt, ein vortreffliches Mittel zu einer straffen sozialpolitischen Organisation. Wie ganze Stämme sich nach einem bestimmten Tiere nennen und sich von ihm ableiten, so haben auch einzelne ihren besonderen Schutzgeist, den sie verehren. Auch dies ist psychologisch nur verständlich unter jener massgebenden Voraussetzung von der Wesensgleichheit alles Lebendigen, die für unsere mechanische Auffassung bestehenden Scheidegrenzen zwischen Menschen und Tier fallen fort, umgekehrt das Tier, öfter mächtiger als der wehrlose Mensch, erscheint dem primitiven Naturkinde nicht mit Unrecht als ein würdiges Gefäss für die überragende göttliche Kraft. Das ist nämlich wohl zu beachten, dass der Totemismus, gerade so wie der ihm verwandte Fetischismus, nicht dem zufälligen, einzelnen Gegenstand seine Verehrung zuwendet, sondern dem darin verkörperten Geist. Bei den Tscheroki war es übrigens vorgekommen, dass die Priestertotems ihre Stellung und Herrschaft gröblich missbrauchten, so dass sie fortgejagt wurden, und eine andere Familie ihr Amt übernahm. Beiläufig sei bemerkt, dass diese Totems, obwohl ganz besonders scharf bei den Indianern entwickelt, sich auch bei den Australiern finden; in sozialer Beziehung dienen sie zur Regelung der Ehe, da die Totemgenossen nie innerhalb ihres eigenen Stammes heiraten dürfen,

Chantepie de la Saussaye, Religionsgeschichte. $ Aufl. I. 3

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