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von einer Verwandtschaft der Menschen mit den Göttern ist mehrfach die Rede: die Menschen sind aus der Götterwohnung verirrte, himmlische Wesen.

Eine andere Fassung hat die Kosmogonie auf Neu-Seeland im Mythus der Scheidung von Papa und Rangi (Himmel und Erde) durch ihre Kinder erhalten. Die Himmel, die über uns sind, und die Erde, die unter uns liegt, sind die Erzeuger der Menschen und der Ursprung aller Dinge. Denn früher lagen die Himmel auf der Erde, und alles war Finsternis. Nie waren sie getrennt gewesen. Und die Kinder des Himmels und der Erde suchten den Unterschied zwischen Licht und Finsternis zu entdecken, zwischen Tag und Nacht; denn die Menschen waren zahlreich geworden, aber die Finsternis währte noch fort. Nun ratschlagten die Söhne Rangis (des Himmels) und Papas (der Erde) miteinander und sprachen: Lasset uns Mittel suchen, um Himmel und Erde zu vernichten oder sie voneinander zu scheiden. Sogleich bei der Trennung des Himmels von der Erde wurde nun das Volk sichtbar, das bis dahin in den Höhlungen an ihrer Eltern Brüsten verborgen gewesen war. Und nun erhebt sich bald wilder Krieg und Sturm, so dass ein Teil der Erde verschwand; nur ein kleiner Rest blieb trocken. Das Licht fuhr nun fort sich zu vermehren, und damit vermehrte sich auch das Volk, das zwischen Himmel und Erde verborgen gewesen war. Und so reihete sich Geschlecht an Geschlecht, bis hinab zu der Zeit Maui-Potikis, der den Tod in die Welt brachte. Nun bleibt in diesen letzten Tagen der Himmel weit von seinem Weib, der Erde, entfernt; aber die Liebe des Weibes wird in Seufzern zu dem Gatten emporgetragen. Dies sind die Nebel, die von den Gipfeln der Berge aufwärts schweben; und die Tränen des Himmels fallen auf sein Weib hernieder. Siehe, die Tautropfen! Es gelang Altmeister Bastian bei seinem Aufenthalt in Honolulu auf der dortigen Bibliothek ein ungemein wichtiges Manuskript zu entdecken, ein uraltes Tempelgedicht: He pule Heiau, das die hawaiische Schöpfungssage und zwar in der Hauptsache streng evolutionistisch gedacht -, ohne göttliches Eingreifen, enthielt. Der Anfang dieses Weihegesanges lautet so:

Hin dreht der Zeitenumschwung zum Ausgebrannten der Welt,
Zurück der Zeitenumschwung nach aufwärts wieder,
Noch sonnenlos die Zeit verhüllten Lichtes
Und schwankend nur im matten Mondgeschimmer,
Aus Makalliis nächtigem Wolkenschleier
Durchzittert schattenhaft das Grundbild künft'ger Welt,
Des Dunkels Beginn aus den Tiefen (Wurzeln) des Abgrunds,
Der Uranfang von Nacht in Nacht,
Von weitesten Fernen her usw.

(Heilige Sage S. 70.)

Zunächst ist der Begriff der Periode (Zeit- oder Weltumschwung) im Rollen der Po, der Urnächte – wichtig, indem damit bei Voraussetzung der Ewigkeit der Materie nur eine neue Phase der Entwicklung angedeutet wird, die mit den früheren Weltsystemen in organischem Zusammenhang gestanden. Während noch alles in anfänglicher, undurchdringlicher Nacht befangen ist, beginnt sich allmählich ein gewisser Lichtschimmer bemerkbar zu machen (das Wort malama bezeichnet zugleich geistiges Leben und Erleuchtung). Die Makalii, Plejaden, leiten das Eingreifen der kosmischen Kräfte und ihre Wirkung auf den Planeten ein. Nun wird mit dem Auftreten des Kumulipo (Kumu Wurzel, lipo Abgrund) und des entsprechenden weiblichen Gegenspieles Po-ele, die neue Aera der gegenwärtigen Welt eröffnet, die sich dann in verschiedenen Abstufungen vollzieht im ganzen neun oder zehn). Durch Schlamm wird der Abgrund allmählich ausgefüllt, lange herrscht noch immer die Nacht (Po), in der siebten Periode entstehen die allgemeinen Anlagen für die geistige und technische Entfaltung, dann erst der Mensch, die wilden Naturkräfte besänftigen sich mit der Geburt des Weibes und des alle Welt durchstrahlenden Lichtes, die Säulen festigen sich, unter Erdbeben richtet sich das Land empor und die Weltentstehung ist vollendet. Lailai, das Weib, wird durch den Himmelsspalter, die Zenithsonne, in die ätherischen Höhen hinaufgerufen, während sie das Feuer auf Erden in einem Reibholz verborgen zurücklässt; anderseits leitet sie durch ihre Vermählung mit dem Gott Kane (oder Tane) die weitere Folge der Fürstengeschlechter (Ariki) ein, die natürlich, wie überall, von göttlicher Abkunft sind. Bei den Maori fällt die Hauptrolle in den Mythen Maui zu, der auch sonst in Polynesien vielfach erwähnt wird, ohne dass es uns gelingen kann, sein Wesen und seine Funktionen scharf gegen die Tangaroas abzugrenzen. In Maui sehen die meisten einen Sonnengott. Zunächst kennzeichnet ihn manches als Gott des Meeres (auch hierin Tangaloa gleich); er ist aus Meeresschaum entstanden, er erleidet Schiffbruch, als er die Erde auffischt aus den Tiefen des Meeres, er erregt gewaltige Stürme usw. Dann aber treffen alle Stadien des Sonnenlaufes auf ihn zu, vom Aufgang an, wo er als junges bartloses Kind seine Bahn beginnt

übrigens spielt er auch als Prometheus eine grosse Rolle, als Kulturbringer – bis zum Untergang, wo er in den Rachen der am Horizont schlafenden Hine-nui-te-po hineinkriecht und von ihr verschlungen wird; deshalb fährt er nun in die Unterwelt, deren Herr er ist, und wo er ebenfalls mancherlei wunderbare Taten verrichtet. Aus der Unterwelt, aus Hawaiki, fischt er auch die Erde empor. Als Sonnengott waltet er auch im Luftkreise; die Taube ist

ihm heilig, in Gestalt einer Taube zieht er aus, um seine Eltern zu suchen, die Taube sendet er mit der Angelschnur, an welcher die Erde geknüpft ist, zu den Wolken hinauf. Wie der Kahn -- auch das Symbol des Sonnenunterganges ---- bricht, so entsteht eine furchtbare, alles zerstörende Flut oder wenigstens ein anhaltender Regen, der sich eben an die Verfinsterung und das Verschwinden der Sonne knüpft. Endlich gilt Maui öfter als der erste Mensch, während er anderseits die Menschen bildet. Ihm ist es zu verdanken (und an diesem Punkt setzt die üppig wuchernde Volksphantasie ein), dass die Erde bewohnbar wird, namentlich durch die Entdeckung des Feuergeheimnisses, und dass durch eine sinnreiche Verlangsamung des ursprünglich sehr viel schnelleren Sonnenlaufs für die Erledigung des Tageswerkes ausreichend Zeit bleibt. Eine Fülle technischer Fertigkeiten und Geschicklichkeiten wird ihm als Kulturheros zugeschrieben, so Fischfang, Ackerbau, Bau der Kanoes, der Häuser, höhere Künste, Tätowieren, Vertreiben von Krankheiten. In der weiteren, direkt komischen Ausgestaltung dieser Züge, wo die Phantasie so recht sich ergehen konnte, ähnelt er vollständig unserem Till Eulenspiegel oder dem indianischen Menabozho. Ueberall tritt das sichtliche Behagen an den listigen Streichen dieses Ränkeschmiedes unverhüllt hervor, irgend eine sittliche Verurteilung bildet sich erst auf späteren Entwicklungsstufen heraus. Auch mit den Wandersagen steht er in Verbindung, als der erste Mensch oder als der Kulturheros. In diesen Wandersagen sind wohl historische Erinnerungen mit mythischen Elementen vermischt, und SCHIRREN ist im Unrecht, wenn er das Vorhandensein der ersteren verkennt und alle Züge mythisch auf die Sonne oder die Unterwelt deutet. Uebrigens sind auch die Vorstellungen der Polynesier von den himmlischen Götterwohnungen und dem unterirdischen Totenreich (Po, Pulotu) ziemlich entwickelt, aber nicht deutlich begrenzt.

Unter den religiösen Sitten müssen wir in erster Linie das Tätowieren nennen, das wohl auch bei andern Rassen vorkommt, nirgends aber in solcher Allgemeinheit und solchem Umfang als bei den Polynesiern, namentlich bei den Maori. Die schmerzhafte Operation wurde meistens im Pubertätsalter, bei Frauen nach der ersten Niederkunft, angefangen, aber das Einritzen von Figuren, namentlich in den Lendenund Bauchteilen, oft jahrelang fortgesetzt. Männer wurden am meisten, Frauen weniger, Sklaven gar nicht, Fremde bisweilen gezwungen, bisweilen unter keiner Bedingung tätowiert. Dass die Handlung einen religiösen Sinn hatte, ist unzweifelhaft; sie wurde von Priestern unter dem Absingen religiöser Lieder vorgenommen, und man führte ihren Ursprung auf die Götter zurück. Unter den verschiedenen Deutungen

hat die GERLANDS am meisten Zustimmung gefunden. „Man malte sich das Zeichen des Gottes auf, dem man angehörte, sei es als einzelner, sei es als Stammgenosse; vielleicht auch schmückte man sich mit der Marke beider Götter, des Schutzgeistes und des Stammgottes.“ Bei dieser Auffassung steht der Brauch mit dem Totemismus in engem Zusammenhang, um so mehr als die eingeritzten Figuren oft Tiere abbilden: Schlangen, Eidechsen. Fische, Vögel. Neben der Tätowierung war auch die Beschneidung bei den Polynesiern ein religiöser Brauch.

Dieser Rasse eigentümlich und mit den strengen sozialen Unterschieden der aristokratischen Einrichtung und der grossen Ausbreitung der priesterlichen Befugnisse im Einklang sind die Tabugesetze. Personen, Dinge, Zustände wurden eingeteilt in Tabu, mit den Göttern in Beziehung stehend, und Noa, dem allgemeinen Gebrauch überlassen. Es gab allgemeine und Privattabu, Tabu, welche bleibend waren, und andere, welche nur eine Zeit dauerten. Tabu war alles, was eine Beziehung zum Kultus hatte, ferner Fürsten und Adlige, Weiber aber nur ausnahmsweise und in gewissen Zuständen. Die Tabuierung gewährte Schutz und Privilegien, aber legte auch allerlei Beschränkungen auf; das Wort selbst soll ,streng bezeichnet, verboten“ bedeuten. Sowohl das Auferlegen als das Aufheben des Tabu geschah mit religiösen Zeremonien, beim letzteren war das Mittel meistens das Wasser. Besonders Tabu war die Gesellschaft der Aréoi, welche in Tahiti ihren Ursprung hatte und von dort aus auch auf andere Inseln sich verbreitete. Diese Korporation leitete mythisch ihren Ursprung vom Gotte Oro ab und beanspruchte göttliche Würde. Sie zerfielen in zwölf Grade mit je besonderen Meistern; nur die obersten Häuptlinge hatten unmittelbaren Zutritt zu den obersten Stufen, die übrigen mussten sich, zum Teil unter sehr harten Büssungen, von unten allmählich emporarbeiten. Und wie das Volk ihnen eine angemessene Verehrung zukommen liess, so verblieb ihnen auch im späteren Leben eine hervorragende Stellung. Als Lieblingen der Götter war ihnen das Elysium vorbehalten, eine lockende Fülle ausgezeichneter Genüsse. Bei dem Tode eines Aréoi der höheren Grade wurde eine Reihe grösserer Festlichkeiten eröffnet, die mit einer symbolischen Handlung schlossen, dass die Seele des Betreffenden wieder zum Gott Oro zurückgekehrt sei. Die religiöse Perspektive wird gleichfalls durch das Rezitieren von heiligen Gesängen und dramatische Aufführungen bezeugt, die späterhin immer mehr zu blossen Volksbelustigungen und sinnlichen (nicht frei von lasziven Momenten) Schaustellungen entarteten. In diesem Stadium des Verfalls, wo die Aréoi lärmend, prassend und

unter den grössten sittlichen Ausschweifungen von Insel zu Insel zogen, trafen die Entdecker bereits den Bund an. Alle Mitglieder mussten übrigens im Zölibat leben oder sich verpflichten, ihre Nachkommenschaft zu vernichten, da ihr Stifter Oro gleichfalls unvermählt war. Weiber und Kinder waren ausgeschlossen.

Viel verwickelteren Verhältnissen als in Polynesien stehen wir gegenüber, wenn wir uns jetzt dem malaiischen Archipel zuwenden. Hier ist die Bevölkerung nicht bloss aus den malaiischen Einwanderern und den (vielleicht mit den Papua verwandten) Ureinwohnern gemischt, sondern hat schon von früh an unter allerlei Einflüssen von Kulturvölkern gestanden. Wiewohl es unmöglich ist, die Zeit der ersten Berührungen zwischen Hindostan und dem Archipel zu bestimmen, so sind sie wohl nicht später als die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung anzusetzen.

Die Hindukultur hat sich hauptsächlich über Java, Madura und Bali erstreckt. Auf Java ist die einheimische Literatur in der Kawisprache von der indischen angeregt, und zeugen zahlreiche Götterbilder, Symbole (Lingam, Phallus) und namentlich grosse Bauwerke, wie der Tempel Borobudur von hinduistischem und buddhistischem Einfluss. Im 15. Jahrh. begann der Islam seinen Siegeszug auf der Insel, wo er noch die nationale Religion ist. Ueber den ganzen Archipel ist der Islam sehr verbreitet; er hat seinen Mittelpunkt in der Djawahkolonie der Pilger in Mekka, deren Leben SNOUCK-HURGRONJE in seinem Buche über Mekka beschrieben hat. Unter den fremden Einflüssen ist auch die chinesische Einwanderung, obgleich für die Religion kein Hauptfaktor, nicht zu übersehen.

Neben diesen Mohammedanern und der einheimischen christlichen Bevölkerung, die freilich nicht so zahlreich ist, als man nach mehreren Jahrhunderten europäischer Herrschaft erwarten könnte, leben noch mehrere heidnische Stämme. Auf Java sind es nur ein Paar Stämme, die Badjoe und der Tengerstamm, auf Sumatra sind aber die Batta, auf Borneo die Dajak, und auf Celebes und andern Inseln noch manche Stämme der Alfuren bis heute heidnisch geblieben. Aber auch unter der mohammedanischen Bevölkerung dauert manches Heidnische fort; nicht bloss wie es immer auf höheren Stufen der Kultur der Fall ist, sondern so, dass der Islam heidnischen Glauben und Brauch ganz bestehen lässt. Wir nehmen Abstand davon, den Glauben der einzelnen Völker des Archipels zu beschreiben, und beschränken uns darauf, einige charakteristische Züge mitzuteilen.

Der im Archipel überall verbreitete Animismus wurde namentlich von WILKEN ganz nach dem Schema Tylors geordnet, und nach den

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