Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Grab getötet wurden. Zur Beschützung der Seelen sind die kaiserlichen Mausoleen ummauert und durch eine starke Militärbesatzung gegen Einbruch und Beschädigung gesichert.

Auch das Volk, je nach Stand und Vermögen, spendet seinen Gräbern grosse Sorgfalt und viel Geld. Im Norden zeigt sich die Ehrfurcht für die Ahnen vielmehr durch grosse Grabhügel, im Süden dagegen durch Mauerwerk oder Gestein, das am Aufbau des sichtbaren Teils des Grabes verwendet wird. Hie und da umpflanzt man die Gräber mit Bäumen, welche man mit den Seelen der dort Ruhenden verbindet; kaiserliche Gräber sind sogar von grossen Wäldern umgeben. Am liebsten wählt man zu solchem Zwecke immergrüne Cypressen, Fichten oder Tannen, also Lebensbäume, welche wegen ihrer Lebenskraft, und weil sie ein hohes Alter zu erreichen fähig sind, sich besonders zur Erhaltung und Stärkung der Seele eignen.

So sind die Gräber Gegenstände, welche man versorgt und ehrt, weil sie von einer Seele bewohnt gedacht werden. Wie die Seelentafeln der Toten schützen sie die Nachkommenschaft und beherrschen das Schicksal derselben. Es ist aus diesem Grunde allgemeines Bestreben der ganzen chinesischen Welt, zur Förderung des eigenen Wohlseins und Reichtums, der Kindergeburt und des Glücks, die Gräber auf derartige Weise und an solcher Stelle anzulegen, dass die Leiche und die damit verknüpfte Seele oder Seelenkraft sich unter dem guten Einfluss des Fung-schui oder „Wind und Wassers“ befinde, d. h. des Klimas, welches freilich durch Winde, die Regenfall und Wärme oder Kälte bringen, bestimmt und reguliert wird. Mit andern Worten, damit die Toten den Ihrigen zur Belohnung für alle Sorgfalt Segen spenden, lassen sie dieselben an Orten ruhen, wo das Tao oder der Weltlauf, der das Klima schafft oder hervorruft, ungehindert einwirkt und sich sozusagen konzentrieren kann.

Dieser Leichenfetischismus ist schon so alt wie die älteste Geschichte Chinas. Er übt im ganzen Reich eine unbeschränkte Herrschaft aus; sogar beim Bau von kaiserlichen Gräbern spielt er seine Rolle. Priester dieses Zweiges des Ahnenkultus sind die sog. Fung-schui siënscheng oder Fung-schui schi, „, Wind- und Wassermeister“, auch Ti-li siën-scheng oder Ti-li schi: „Meister für die Gesetze der Erde“, Khan-yü siën-sching oder Khan-yü schi, „Meister für den Himmel und die Erde“ usw. genannt. Es ist diese eine überall lebende Klasse von Gelehrten, die ihre Kunst nicht bloss auf das Herausfinden von glückbringenden Grabstellen, sondern auch auf Tempel- und Häuserbau anwenden und möglichst teuer verkaufen. Die Lage jedes Teils des Grabes, hauptsächlich aber die der Leiche selbst,

bestimmen sie mittelst schwer zu berechnender glücklicher Konjunktion von allerhand aus Philosophie, Astrologie und Zeitrechnung entnommenen Faktoren, von denen hauptsächlich die folgenden hervorzuheben sind: 1. Die acht Kwa: Erscheinungen oder Einflüsse der Natur, welche, der alten, klassischen Philosophie nach, aus der Wirkung des Yang und der Yin oder des Tao entstehen (s. S. 71). Es sind diese die Einflüsse des Himmels; Dampf und Feuchtigkeit; Feuer oder Hitze; Donner; Wind; Einflüsse der Gewässer und Berge; und die irdischen Einflüsse. 2. Zwölf Schriftzeichen, ,,Zweige“ oder Ki genannt, welche, in unveränderlicher Reihenfolge stetig wiederholt, zur Benennung der Jahre, Monate und Tage gebraucht werden. 3. Zehn Schriftzeichen, welche Kan oder Stämme heissen, die ganz zum selben Zweck verwendet werden. 4. Ein Zyklus von zwölf Tiernamen, welche demselben Zwecke dienen. 5. Die Kompasszeichen, welche die unter 2 und 3 erwähnten Schriftzeichen bezeichnen. 6. Die fünf Elemente: Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde. 7. Vier Tiere, welche Osten, Süden, Westen und Norden repräsentieren sollen, nämlich der Drache, der Phönix, der Tiger und die Schildkröte. 8. Achtundzwanzig Hauptsternegruppen, Siu geheissen, gewöhnlich Mondhäuser genannt, eine Art Ekliptika bildend. 9. Vierundzwanzig Jahreszeiten, die durch den Stand der Sonne bestimmt werden.

Auch legen die Fung-schui-Professoren ihren Ortbestimmungen die Formen und Umrisse der Berge und Hügel, die Windungen der Flüsse und Bäche, sogar die Konfigurationen der Häuser, Tempel, Felsen und Steine zu Grunde, kurz alles was die Wirkung von Wind und Regen zu modifizieren vermag.

Solange das Lebensglück der Familie blüht, sie sich Reichtümer und Ehre erwirbt, ihr Söhne geboren werden, Unglücksfälle und Krankheit ausbleiben, wird dies dem Fung-schui ihrer Ahnengräber zugeschrieben, und werden letztere selbstverständlich mit äusserster Sorgfalt unterhalten. Man opfert auf ihnen häufig der Seele, spendet ihr eine Auswahl von Speisen und grosse Massen papiernen Geldes, kurz, der Blick der Familie konzentriert sich auf diese Stelle. Erweist sich aber durch Unglücksfälle oder Mangel an Glück, dass das Fung-schui eines Grabes nicht mehr richtig arbeitet oder verloren gegangen ist, dann schreiten die Söhne und Enkel häufig dazu, die Leiche aus dem Grabe zu nehmen und anderswo zu beerdigen, wodurch aufs neue viel Geld in die Tasche des Fung-schui-Professors wandert. Feindliche Familien versucht man zu schädigen, ja sie sogar zu Grunde zu richten, indem man ihre Gräber schändet und also deren Fung-schui zerstört; es entstehen daraus oft heftige Streitigkeiten und blutige Fehden

zwischen Familien und sogar ganzen Dörfern, welche manchen ins Unglück stürzen und in Armut bringen. Die Leiche bewahrt man oft jahrelang unbeerdigt im Hause oder in Tempeln und Scheunen, weil der Fung-schui-Professor, dem es Hauptsache ist durch Zögern der Familie möglichst viel Geld zu erpressen, stets behauptet, keine gute Beerdigungsstelle finden zu können. Auch veranlasst der Fungschui Söhne und Enkel, die Leichen ihrer Verstorbenen aus weit entfernten Gegenden in luftdicht verschlossenen Särgen in die Heimat zurückzuführen und daselbst zu beerdigen. Und wo es nicht möglich ist die Leiche nach Hause zu schaffen, oder falls sie unauffindbar ist, ruft man, einer Sitte aus uralten Zeiten gemäss, die Seele mit dazu gebräuchlichem Zeremonial heim, lässt sie in ein dem Toten gehörendes Kleid einziehen, sargt das Kleid ein und beerdigt es mit der Seele in ein unter guten Fung-schui-Einflüssen befindliches Grab.

Die allzeit segen bringende Pflege der Körper der Verstorbenen hat sich in China alle Jahrhunderte hindurch auch auf andere als Mitglieder der eigenen Familie erstreckt. Stets wurde es zu den grossen menschlichen Tugenden gerechnet, die Beerdigung unversorgter Toten zu vollziehen, die dafür benötigten Ausgaben zu bezahlen, und also ihren Seelen Ruhe zu schaffen. Sogar die Regierung und die Behörden nahmen häufig diese Pflichten auf sich und handeln noch am heutigen Tage ebenso. In ganzen Gegenden oder auf Schlachtfeldern werden unbeerdigte Gebeine von Zeit zu Zeit zusammengesucht und begraben; zu solchen Zwecken werden mittelst freiwilliger Beiträge Friedhöfe angelegt sowie unterhalten, und Opfermessen zur Erquickung und Erlösung der Seelen gelesen. Jahrhunderte vor Christi Geburt haben Weise gepredigt, dass derartige gute Werke die besten Mittel seien, Regenmangel und Dürre nebst daraus folgender Hungersnot, welche die Seelen unbeerdigter Toter stets hervorrufen, zu beschwichtigen. Man findet in den meisten Städten Wohltätigkeitsvereine, welche sich, mit oder ohne Teilnahme der Behörden, bemühen, den Armen Särge und Kleider für ihre Toten zu schenken, wofür die zahlenden Mitglieder Lohn und Segen von den Seelen beanspruchen.

Die Versorgung der Gräber berühmter Fürsten und Personen von Bedeutung der vergangenen Dynastien, deren Nachkommenschaft ausgestorben oder diese Pflicht zu erfüllen nicht mehr im stande ist, hat der Staat auf sich genommen und den verschiedenen Behörden, in deren Amtsgebiet die Gräber liegen, übertragen.

Die Verehrung eigener Ahnen dauert fort bis die Nachkommenschaft ausstirbt, oder bis die Zeit die Bande, welche die Familie zusammenhalten, löst, oder die Erinnerung an die Verstorbenen und

Chantepie de la Saussaye, Religionsgeschichte, 3. Aufl. 1. 6

deren Gräber auswischt. Regelmässig geraten die längst Hingegangenen in Vergessenheit und werden im Ahnenkultus durch neuere Generationen ersetzt.

Auch dieser theoretisch bis in die Ewigkeit fortzusetzende Ahnendienst ist im Staatsritual durch spezielle Vorschriften für alle Klassen der chinesischen Menschheit kodifiziert. Als höchste Instanz enthalten die Ritualstatuten Vorschriften für den Ahnenkultus des kaiserlichen Hauses, der Prinzenfamilien jeden Grades, sowie über den Bau und die Einrichtung ihrer Ahnentempel, die Rangordnung der Seelentafeln in denselben usw. Hauptopfer sollen daselbst im zweiten Monat jeder Jahreszeit an einem glücklichen Tage stattfinden; die männliche Familie soll vollzählig daran teilnehmen und aus ihrer Mitte Zeremonienmeister für die verschiedenen Abteilungen der Feier wählen.

lebst Schüsseln und Körben mit allerhand Speisen muss ein Stück Seide, ein ganzes geschlachtetes Schwein und eine ganze Ziege angeboten werden. Der älteste männliche Nachkomme in der Hauptstammlinie, auch wenn er ganz jung ist, muss Anführer sein. Man ladet die Ahnen ein, sich in die Seelentafeln zu begeben; allmählich wird Weihrauch, Seide und Reiswein geopfert, ein Opfergebet gelesen und schliesslich das Glücksfleisch angeboten, alles mit Musikbegleitung und tiefen Verbeugungen bis zur Erde. Schliesslich werden die Seelen verabschiedet, wird das Gebet nebst der Seide verbrannt, und das Glücksfleisch mit den übrigen Opfergaben zur Verspeisung unter die Mitglieder der Familie verteilt.

Noch an einem andern Tage in jeder Jahreszeit sollen nebst Wein und Weihrauch die Erstlinge der Früchte dargebracht werden. Und an jedem Neumonds- und Vollmondstag, wie auch bei der Ankündigung wichtiger Familienereignisse, muss Weihrauch mit Wein oder Tee geopfert werden.

Im Staatsritual folgen dann gleichartige Vorschriften für den Ahnendienst des Mandarinentums der neun verschiedenen Grade. Je niedriger der Grad, je geringer darf die Anzahl der Opfergaben sein; Staatsdiener des niedrigsten Grades brauchen keine Opfertiere anzubieten. Nach dem Opfer, zur Mittagstunde, soll man die Opfergaben in feierlicher Mahlzeit im Tempel verspeisen. Graduierte Literaten und das gemeine Volk sollen in dem zum Haustempel eingerichteten Teil ihrer Wohnung den Seelentafeln ihrer Ahnen zu gleicher Zeit auf ähnliche Weise opfern.

Im Wohnhaus ist für die Verehrung der Ahnen meist der dem Eingang gegenüberliegende Platz im Hauptgemach angewiesen. Daselbst befindet sich ein Tisch, worauf die Seelentafeln nebst den Bil.

dern der Hausgötzen stehen; bei Wohlhabenden ist da für die Tafeln und die Bilder ein Tabernakel aus geschnitztem Holz errichtet. Dieser Altar ist mit ein Paar Kerzenleuchtern ausgestattet, und ferner mit Blumenvasen und einem unentbehrlichen, mit Weihrauchasche gefüllten Topf, worin man die dünnen Weihrauchstäbchen, welche die Familie stetig zu opfern pflegt, einpflanzt. Ein vor dem Altar stehender Tisch trägt die Opfergaben, welche an einigen festen Kalendertagen durch die Familie, mit dem Familienvater an der Spitze, angeboten werden. Die Tage sind: der Neujahrstag, an dem den Toten wie den Lebenden Glück zu wünschen ist; ein Tag in der sog. Ts'ingming-Jahreszeit, welche ungefähr den Zeitraum zwischen 5. und 20. April umfasst und überall dem Besuch der Familiengräber und dem Feiern von Opfer daselbst gewidmet ist; der 15. Tag des siebenten Monats, der für die Erquickung und Erlösung der Verdammten in der buddhistischen Hölle bestimmt; schliesslich und hauptsächlich der Tag des Wintersolstitiums.

Obgleich die Staatsreligion für das Volk nur den Dienst der eigenen Ahnen sanktioniert und reguliert, besitzt der Totenkultus in der Volksreligion weit grössere Ausdehnungen. In Dörfern, und in Vierteln und Strassen der Städte errichtet das Volk sich allenthalben Kapellen oder Tempel zur Ehre wichtiger Personen, welche entweder wirklich gelebt haben oder wenigstens als historisch betrachtet werden. Die Verehrung solcher Personen ist im Laufe der Jahrhunderte durch Kaiser anerkannt worden und dementsprechend trägt manche einen oder mehrere vom Kaiser geschenkte Ehrentitel oder Ehrennamen. Es ist kaum fraglich, dass die Mehrzahl dieser Menschgötter ebenfalls in den oben angeführten Listen von Staatsgöttern aufzufinden sind; sonst würde ihnen stetig die Gefahr drohen, für heterodox erklärt zu werden; ihre Verehrung könnte durch die Behörden jederzeit verboten und beseitigt und ihre Tempel niedergerissen werden. Am meisten sind wohl Tempel der Staatsgötter Kwanyü und Ma-Tsu-pho durch das Volk errichtet.

$ 6. Volksreligion. Auch der Naturismus der Staatsreligion wird durch das Volk zwanglos und ungehemmt ausgeübt. Ueberall im Reiche findet man Tempel zur Verehrung der Naturgötter des Staatspantheons, also der Berge, Gewässer, Felsen, Steine, sogar hier und da des Himmelsgottes unter dem Namen Yuh-hwang Schang-ti, Jaspiskaiser – höchster Kaiser. Am meisten geniesst wohl die Erde, wahrscheinlich seit uralten Zeiten, Verehrung. Allenthalben werden ihr durch die Landbevölkerung als Sché oder lokalen Göttern des Bodens, oder als Thu

« ͹˹Թõ
 »