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lässlich sei, damit sich ein jeder an der Hand der Texte selbst ein selbständiges Urteil über die Religion bilden kann.

Die Verweise auf die Quellen sind in der deutschen Ausgabe stets angegeben, so dass der Leser im stande ist, die Ausführungen des Verfassers auf Schritt und Tritt nachzuprüfen. Die Bibliographie, die auf Ausführlichkeit Anspruch macht, ist bis auf die neuesten Erscheinungen fortgeführt.

In einer Hinsicht bin ich der in der englischen Ausgabe befolgten Methode unverbrüchlich treu geblieben, nämlich in dem Grundsatze, nur solche Ergebnisse der Forschung aufzunehmen, die allgemeine Billigung gefunden haben und somit als endgültig angesehen werden können. Diesem Prinzip zu Liebe habe ich auch manche eigene Meinung unterdrückt, weil mir ein Buch wie das vorliegende nicht das geeignete Sprachrohr für ihre Weiterverbreitung zu sein schien.

Es ist wohl überflüssig, noch besonders zu betonen, dass es heute ebenso unmöglich ist, eine vollständig befriedigende Geschichte der babylonischen und assyrischen Religion zu schreiben, wie es dies vor zehn Jahren war. Das bleibt eine Aufgabe für das nächste Gelehrtengeschlecht oder erst für die Enkel der gegenwärtigen Assyriologen. Immerhin reizte aber die Menge des uns zu Gebote stehenden Materials schon jetzt zu einem Versuche, darzulegen, wie sich die Religion des Euphrattales samt ihrer Götterwelt, ihrer Literatur, ihren Glaubenssätzen und Bräuchen entfaltet und weiter nordwärts verbreitet hat. Zugleich rechtfertigt wohl die hohe Bedeutung dieser Religion für die allgemeine Entwickelung der religiösen Ideen der Menschheit das Unterfangen, die sicheren Ergebnisse der Ausgrabungen und der Entzifferungsarbeit einer der Ruhmesthaten der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts Allen vor Augen zu führen.

Abgesehen von der Religion Israels gewährt keine zweite des Altertums einen solchen Einblick in den Entwickelungsgang der religiösen Ideen eines Volkes wie gerade die babylonisch-assyrische. Neben einem ganz auffälligen Trachten, die höchste Höhe geistiger Spekulation zu erklimmen, welcher der alte Orient je fähig gewesen ist, finden sich in ihr zahlreiche Spuren und Reste primitiver Vorstellungen und Gebräuche. Selbst wenn man nicht so weit wie Winckler geht, der den Einfluss der babylonischen Kultur derartig hoch einschätzt, dass er in der Ausgestaltung der Mythen, Legenden und Kosmologie des gesamten Altertums die Wirksamkeit des mythologisch-astrologischen Systems des Euphrattales erblicken will, den Monotheismus der Hebräer von den babylonischen Theologen inspiriert, ja sogar den Islam von diesem System beeinflusst sein lässt –, so kann doch hinfort kein Zweifel mehr sein, dass babylonische Mythen, babylonische Überlieferungen und babylonische Vorstellungen zugleich mit babylonischer Wissenschaft in einer verhältnismässig sehr frühen Zeit ihren Weg zu fremden Völkern genommen haben. Die babylonische Kultur ist einer der Hauptkeime der Zivilisation der alten Welt gewesen, und Spuren ihres Einflusses finden sich an untereinander sonst so verschiedenartigen Punkten der Erde, wie es Agypten, Indien und Griechenland sind. Der noch weit engere Zusammenhang der Hebräer mit den Babyloniern macht ein richtiges Verständnis des Alten Testaments geradezu unmöglich, wenn man nicht beständig die Nachrichten der wertvollen, jetzt zum Teil ihrem Grabe wieder entrissenen keilschriftlichen Literatur berücksichtigt.

Eine Darstellung der babylonisch-assyrischen Religion muss sich daher den Bedürfnissen eines sehr verschiedenartig zusammengesetzten Leserkreises anpassen. Der Verfasser hofft, dass sein ernsthaftes Bemühen, diesem Zwecke zu entsprechen, das lebhafte Interesse noch steigern möge, das man gegenwärtig der Geschichte und Kultur des Zweistromlandes entgegenbringt.

Zum Schluss möchte ich meinem Freunde Herrn Prof. Dr. Hermann Collitz vom Bryn Mawr College meinen besten Dank für seine sorgfältige Durchsicht des deutschen Manuskripts aussprechen. Er hat auch eine Korrektur gelesen und manche wertvolle Verbesserung angeregt. Ebenso gebührt mein herzlichster Dank meinem verehrten Freunde Herrn Prof. Dr. Lucian Scherman in München, der gleichfalls die Güte hatte, von den meisten Bogen eine Korrektur zu lesen und zur Glättung des Stils, besonders in den Abteilungen, die der Verfasser selbst in deutscher Sprache niedergeschrieben hat, wesentlich beizutragen. Dem Herrn Verleger gebührt ebenfalls mein Dank für die schöne äussere Ausstattung des Buches, sowie für das wohlwollende Interesse, welches er dem Unternehmen in jeder Beziehung entgegengebracht hat.

September 1904.

Morris Jastrow, jr.

I. Kapitel.

Einleitung.

Quellen und Methode der Forschung.

I. Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts war unsere Kenntnis der Religion der Babylonier und Assyrer ausserordentlich dürftig. Wir besassen weder zeitgenössische Urkunden dieser Völker, noch hatten sich anderweitige alte Denkmäler erhalten, die auf die religiösen Vorstellungen und Sitten, wie sie ehedem in Mesopotamien geherrscht haben, Licht hätten werfen können. So standen denn keine anderen Quellen zur Verfügung, als die gelegentlichen, ungenügenden und fragmentarischen Mitteilungen im Alten Testamente, bei Herodot, Eusebius, Synkellos und Diodor. Von diesen können ohnehin nur die beiden erstgenannten, das Alte Testament und Herodot, als direkte Quellen gelten. Die übrigen bringen bloss Auszüge aus anderen Werken, vornehmlich aus Ktesias, Xenophons Zeitgenossen, aus Berosus, einem Priester des Beltempels in Babylon, der um die Zeit Alexanders des Grossen oder kurz nachher gelebt hat, oder aus Apollodor, Abydenus, Alexander Polyhistor und Nikolas von Damaskus, die alle jünger als Berosus sind und diesen entweder ausschreiben oder doch von ihm abhängig sind.

Von allen diesen Quellen gilt nun, dass die Nachrichten, welche sie über Babylonien und Assyrien liefern, sich überwiegend auf die politische Geschichte und nur in ganz geringem Masse auf die Religion beziehen. Im Alten Testamente erscheinen die beiden Reiche nur, wo sie zu den Hebräern in Beziehung treten; und da die hebräische Geschichte nicht weiter rückwärts als bis zum Auftreten der Terahiten in Palästina reicht, so finden wir aus der Zeit vor den Wanderungen dieser Stämme in Mesopotamien nur gelegentlich den Euphrat und Tigris unter den Flüssen erwähnt, welche den sagenhaften Garten von Eden bewässerten. Ferner eine Hindeutung auf Nimrod und sein Reich, das die Hauptstädte der nördlichen und südlichen mesopotamischen Bezirke Jastrow, Religion.

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