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den Anschauungen der Schrift, in denen Paulus lebte, ist ein heiliger, göttlicher Zorn - zwar nicht geboten, da Gemüthsbewegungen sich nicht gebieten lassen, ist er aber etwas Natürliches, hervorgehend aus der lebendigen Kraft der Selbst: behauptung des Heiligen gegen seine Verlegung und Befleckung durch Unheiliges. So zürnet auch Gott und bewirkt dadurch Gerechtigkeit. Nur des Mannes Zorn bewirkt Gottes Gerechtigkeit nicht ; menschliche Leidenschaft überwindet nicht fremde Ungerechtigkeit und Unheiligkeit und stellt nicht göttliche Gerechtigkeit im Andern her. Das ist der ausdrückliche Grund, weshalb Jakobus (1, 19, 20) den Zorn nicht verbietet, aber gebietet, langsam zu seyn zum Zorn wie zum Reden, damit von Beiden zuvor die Fleischliche und leidenschaftliche Zuthat abgestreift werde. Und nicht anders meint es Paulus, nur nimmt er einen andern Gesichtspunkt. Das natürliche Erglühen verlegter Heiligkeit verbietet er nicht, nur die Einmischung des Sündlichen. Jenes fann er nicht verbieten, giebt es daher frei, und das ist der Sinn der befehlenden Form. . Indem er sagen will: Bürnet nur, fündiget jedoch nicht dabei, drückt er dieß aus mit dem Psalmworte: Bürnet und nicht fündiget! Seine nachfolgende Ergänzung ist ganz aus demselben Sinne: Die Sonne gehe nicht unter über eurer Erzürntheit.“ Auch dabei ist unverkennbar das Erzürnen als etwas Unvermeidliches und Natürliches angesehen, und wenn es noch vor Nacht abgethan seyn soll, so liegt darin, daß man aufs baldigste bemüht seyn soll, des Zornes Herr zu werden und seine Ursache hinwegzuräumen. So ist es gleichsam die Rehrseite von dem Worte des Herrn: Versöhne dich mit deinem Widersacher bald, da du noch mit ihm auf dem Wege bist.

Polykarpus führt diesen Ausspruch nicht anders an, als Paulus ihn gemeint, und faßt damit aufs fürzeste nochmals die Mahnung zusammen, daß die Philipper zwar die Vergehen des schuldigen Ehepaares nicht mit Gleichgültigkeit ansehn, sondern denselben jenen Zorn, wie er den Heiligen geziemt, entgegenkehren, aber auch den Bußfertigen die Sünde nicht behalten noch zürnend nachtragen, und sich selbst dabei der Sünde der Härte und Lieblosigkeit enthalten sollen, damit sie bem, was er von christlicher Gerechtigkeit gesagt, sowol gegen die Schuldigen als gegen Gott genügen.

Gewissen Hypothesen über die Geschichte der Kirche und der neutestamentlichen Schrift zu liebe hat man diesen Anfang des zwölften Kapitels wie noch einige andre Stellen unsres Briefes verdächtigen wollen als unächt und eingeschoben. Man hätte durch diese Stellen vielmehr seine Hypothefen berichtigen lassen sollen. Da nach Hieronymus der Brief bis Anfang des fünften Jahrhunderts ein öffentliches Lefestück in der kleinasiatischen Kirche war, so ist eine Verfälschung desselben bis dahin und noch über diese Zeit hinaus höchst unwahrscheinlich und kaum denkbar. Später war gar kein Intereffe vorhanden, gerade diese und solche Stellen unterzuschieben. Dieselben sind, wie unser ganzer Brief, eben ein Beweis für die ächte Ueberlieferung der heiligen Schriften, eine Frage, auf welche wir noch in einem besonderen Abschnitte zurückommen werden.

Es wäre wol angemessen gewesen, diesen Anfang des zwölften Rapitels noch in das elfte zu verlegen, dessen Gedankenreihe er nur fortfeßt, und erst da einen neuen Abschnitt zu machen, wo die den Schluß vorbereitenden Segenswünsche beginnen, obwol auch diese noch auf das rechte Verhalten der Philipper bei dem fo eben erwähnten Falle zurückwinken. Polykarpus wünscht ihnen Erbauung in Glauben, Wahrheit, aller Sanftmuth, Zornlosigkeit (die Worte ohne Zorn“ werben wol das griechische dopinola ausdrücken sollen und beziehen sich auf den fleischlichen Zorn, auf die Leidenschaftlichkeit), in Geduld, Langmuth, Duldsamkeit und Reusdheit außer V. v. Strauß. Polyfarpus.

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Glauben, Wahrheit und Reuschheit lauter Eigenschaften der Liebe. Er wünscht ihnen, daß sie in diesen Tugenden erbauet, b. i. zu einem Hause Gottes als lebendige Steine zusammengefügt werden, durch Gott, den Vater Jesu Christi, und durch ihn selbst, den ewigen Hohenpriester, Gottes Sohn, — womit er demnach dem Sohne das gleich gegenwärtige Wirken in den Seelen der Gemeinde zuerkennt, wie dem Vater. Daß er ihn aber „den ewigen Hohenpriester“ in einer Weise nennt, als verstehe sich diese Bezeichnung von selbst und bedürfe feiner weiteren Erläuterung oder Begründung, bas zeigt uns, daß Polykarpus nicht nur selbst den Ebräerbrief kannte, sondern dessen Senntniß auch bei den Philippern vorausseşte, ba dieß das einzige neutestamentliche Buch ist, welches diese Würde dem Herrn beilegt und diese Beilegung erklärt und begründet, und da ohne eine solche Verständigung der ganze Ausdruck für eine Gemeinde von Heidenchristen unverständlich gewesen wäre. Und daß er ihn eben hier so nennt, das zeigt ferner, daß er den Versöhnungstod des Herrn am Streuz als die Vorausseßung aller Gaben christlicher Tugend, wie nicht minder alles Erbes und Theiles seiner Heiligen im ewigen licht ansieht. Denn auch dieß , fährt er fort, möge der ewige Hohepriester ihnen, sowie den Smyrnäern, ja auch allen künftigen Gläubigen an Christum und an den Vater, der ihn von den Todten auferweckt hat, geben.

Wie dieser Wunsch selbst schon Gebet war, fo fordert er nun auch noch die Philipper zur Fürbitte bei Gott auf. Zuerst für alle Heiligen, natürlich die lebendigen, was die Kirche des folgenden Jahrhunderts auch auf die gestorbenen Heiligen erstreckte, verschieden von dem späteren Brauch, die Lestern zur Fürbitte für die Menschen anzurufen. Dem Polykarpus sind, wie dem neuen Testament, Heilige Adle, die durch Slauben und Sakramente in Christo heilig gemacht sind.

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Denn das Heilige ist, wo Gott wohnt. In weß Herzen Christus und der Vater durch den Glauben und die Liebe Wohnung genommen haben, der ist ein Heiliger. Die Heiligen, die ihr Erb und Theil jenseit empfangen haben, sind die „Seligen.“

Ferner sollen sie Fürbitte thun für die Könige, Gewalthaber und Obersten, die doch noch keine Heilige waren, sondern Heiden. Eine ähnliche Vorschrift gab Paulus, 1. Tim. 2, 2. Es wird dadurch in würdigster Gestalt anerkannt, was auch die Schrift lehrt, daß schon das obrigkeitliche Amt an fich, ob es gleich Ungläubige und Heiben führen, göttliche Einfeßung und Anstalt ist, und daß wir deßhalb auch in diesem Falle nicht allein für die gerechte und gotteswürdige Verwaltung der Uemter, sondern auch für das zeitliche und ewige Heil der Personen, welche das Amt weihet, bei Gott bitten sollen.

Freilich waren die damaligen Machthaber mehr, als nur Ungläubige, sie waren zugleich Verfolger der Gläubigen und Feinde des Kreuzes. Allein nach des Herrn Geheiß sollen wir auch für die bitten, so uns beleidigen und verfolgen, und barum forbert Polykarpus zulegt noch auf, zu bitten für alle eigene Verfolger und Hasser und für die Feinde des Kreuzes, -nicht bloß daß sie bekehret werden, sondern daß Gott fie auch so schon segnen wolle mit allem Guten und Heilsamen. Das war in jenen Zeiten allgemeinen Hasses gegen die Christen und fteter blutiger Verfolgungen eine starke Zumuthung, und zeugt von der innerlichen Großheit und Freiheit solcher Männer.

Mit Recht sagt er dann nach dieser leßten Aufforderung: „auf daß eure Frucht offenbar sey in Adem, daß ihr vollkommen seid in Ihm.“ Denn eine in Gesinnung und Wirfsamkeit sich bewährende Feindesliebe unter folchen Umständen ist der Beweis und macht es handgreiflich, daß das eigene Leben vollfommen aufgehe in dem Leben Christi, ist daher die völlig ausgereifte Frucht der Gerechtigkeit aus der Wurzel des Glaubens. Und so schließt der geistliche Theil des Brie: fes, mit dieser Erinnerung an jene Frucht, sich in schönster Weise durch sein Ende an seinen Anfang.

13. Der Verfasser hat jegt nur noch einige äußerliche und den Hauptinhalt des Schreibens nicht näher angehende Sachen abzumachen. Weil er in diesem Stapitel aber der Briefe des Ignatius gedenkt, so hat Eusebius dasselbe in seiner Airchengeschichte als ein Zeugniß über diese Briefe angeführt (III, 36) und es dadurch, mit Ausschluß des legten, die weiteren Nachrichten über Ignatius betreffenden Sabes, uns in der Ursprache erhalten.

Wir erfahren daraus, daß die Philipper, fowie Ignatius, an Polykarpus geschrieben hatten, er möge ein ihm zugesandtes Schreiben von ihnen nach Syrien befördern, wenn Jemand dorthin ginge. Wir sahen schon aus den Briefen des Igna: tius, wie diefem daran lag, daß die übrigen Kirchen sich durch Briefe und Boten mit der Kirche zu Untiochien in Verbinbung segten. Auf seine Veranlassung schrieben dorthin auch die Philipper, welche von Ignatius erfahren hatten, daß er erwarte, es werde ein Bote von Polyfarpus nach Syrien gesandt werden. Diesem aber war es bisher nicht möglich ges wesen den Auftrag auszurichten. Auch schwankte er noch, ob er nicht lieber selbst hinreisen folle. Vielleicht, caß er Zustand und Einrichtungen der Gemeinde zu Antiochien kennen zu lernen wünschte, nachdem er die idealen Anschauungen des heiligen Ignatius Darüber erfahren; vielleicht auch, daß er die alten syrischen und palästinensischen Muttergemeinden überhaupt, auch wol die heiligen Drte Judäas gerne besucht hätte. Db

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