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Das alles vergegenwärtigte uns einen kleinen Streisausschnitt der Kirchengeschichte aus einer Zeit, die unsre Theilnahme immer von neuem fesseln wird. Die Kirche fand sich nach dem Hinwegscheiden der Apostel gewissermaßen in einem ähnlichen Zustande, wie die Apostel selbst nach der Auffahrt des Herrn. Der von Christo selbst ausgerüsteten und gesandten Leiter ihrer Erstlingstage beraubt, sollte sie lernen, in der Fraft des Herrn auf eignen Füßen zu stehen, sich selber zu leiten und als Haus Gottes und Leib Christi und Tempel des heiligen Geistes fich ferner auszubauen ohne ein anderes Hülfsmittel, als die von den Aposteln ihr hinterlassene reine Ueberlieferung. Ein anderes haben auch wir bis heute nicht, und darum war jenes Zeitalter in dieser Hinsicht der Anfang derjenigen Zeit der Kirche, in welcher wir uns noch immer befinden. Weil aber damals unter den Hütern der reinen Ueberlieferung im Amt und in der Gemeinde ber apostolische Geist noch kräftig lebte und fortwirkte und die ersten selbstständigen Gestaltungen und Ordnungen in der Kirche, welche sich an die apostolischen anschlossen und diese weiter ausbaueten, urbildlich und vorbildlich für die ganze Folgezeit hervortrieb: Darum werden auf jene Zeit sich immer wieder unsre Blide zurückwenden, um, in dem Quell der ächten Ueberlieferung reingebabet vom Staube der Jahrtausende, die reinen Umrisse und die ungeschminkte Färbung jener Bildungen wieder zu erkennen, von ihnen zu lernen und sie wo möglich zu erneuern.

Denn das ist die Frucht des Geschehenen, daß es uns zeigt, was uns gegeben ist, was wir zu erstreben, was zu meiden haben. Aber auch von der Geschichte ist zu sagen, daß sie weber ausspreche, noch verberge, sondern bezeichne. In jedem Sinn weiset sie über sich selbst hinaus. Darum ist der Uebergang von ihr zur Betrachtung dessen, was sie im Ganzen oder Einzelnen angedeutet hat, ein natürlicher Forts schritt. Das beurfundet ja bas Wesen des Geistes, daß er bei dem, was geschieht oder geschehen ist, nicht stehen bleiben, sondern aus dessen Zeichenschrift erkennen will, was es gefolt habe und was das Unvergängliche sey, das mit ihm vergånglich in die Erscheinung getreten ist.

Wenn daher in einem Streise gebildeter und gleichgestimmter Menschen eine Begebenheit oder Geschichte erzählt worden ist, so pflegt sich hinterdrein die Rede ins allgemeine zu wenben, einzelne Punkte des Gehörten aufzunehmen, weiter zu erörtern, und auch wol sonst verwandte Gegenstände in gleicher Weise anzuschließen, wodurch sich dann die Unterhaltung zwar in zwei Theile, aber doch in folche Theile auseinanderlegt, deren Zusammengehörigkeit Jedem bewußt bleibt.

Hiermit möchten wir die nachfolgenden Abschnitte einleiten, für welche Manches, was die bisherigen Mittheilungen anregten, aufgespart, auf welche auch verschiedentlich hingewiesen worden ist.

Die katholische Kirche.

I.

Die Bezeichnung der Stirche als der katholischen, welche ber heiligen Schrift bekanntlich fremd ist, begegnet uns überhaupt zu allererst in dem Briefe des heiligen Ignatius an die Smyrnäer. Möglich, daß in den folgenden Jahrzehnten das Wort sich zuerst von den asiatischen Kirchen aus verbreitete. Bei den übrigen apostolischen Vätern kommt es nicht vor, auch bei Justinus, Tatianus, Athenagoras, Theophiluß und Hermias nicht; aber schon in dem Umlaufschreiben der Smyrnäer finden wir es viermal und durchaus in einer Weise, die seinen Gebrauch als allgemein verständlich und üblich vorausseßt.

Es ist ein Beweiß, wie ein glücklich gefundenes, inhalt

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reiches Wort, wenn es bem Bedürfnisse der Zeit entgegenkommt, zur größten Bedeutsamkeit heranwachsen kann. Man sammelt sich darum als um ein Symbol, im Streit und Widerstreit trägt man es voran, man entwickelt daraus, man legt hinnein, immer wünschenswerther erscheint es sich seiner rühmen zu können, es beherrscht endlich die ganze Folgezeit, und je wichtiger und bedeutender der Gedanke ist, der in ihm zu einer gleichen Macht wurde, um so weniger wird man seiner sich alsdann ohne Selbstbeschädigung entäußern fönnen.

Der sprachlichen Ableitung nach bedeutet das Wort fatholisch das, was sich aufs Ganze bezieht, zum Ganzen gehört, ein Ganzes ausmacht, das Ganzheitliche. Es durch allgemein wiederzugeben, ist nicht genau, und daß es die Eigenschaft der Kirche bezeichne, wornach sie für alle Völker, Geschlechter und Stände Fey, was sie ja allerdings auch ist, ist im Grunde nicht richtig. In dieser Hinsicht sagt es nur aus, baß dergleichen voltliche und ständische Unterschiede für die Stirche als solche nicht vorhanden sind, daß alle Völker und Stände in ber Kirche Ein Ganzes ausmachen. Aber auch dieß liegt nicht schon in dem Worte an sich. Vielmehr sagt es ursprünglich nur aus, daß ein fatholis Hes Etwas dieß Etwas nach der Ganzheit, nach der Vollständigkeit seines Wesens fey, so auch die Kirche, und nachdem das Wort für diese ausschließlich in Beschlag genommen ist, heißt katholisch Alles, was dem Gans zen der Kirche angehörig ist.

So ist es denn auch bei Ignatius aufzufaffen. Wenn er (Smyrn. 8) sagt: „Wo der Bischof erscheint, da sen die Menge (die Gemeinde); gleichwie wo Christus ist, da die fatholische Kirche;" so will er nicht sagen, wo der Bischof ser, ba sey bie besondere Kirche, wo Christus, da die allgemeine, was seinen Sinn nicht erschöpft. Ebensowenig ist seine Meinung: weil mit Christo nothwendig zugleich eine sichtbare Stirche

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geseßt fey, deshalb sollten da, wo der Bischof erscheine, auch die Gläubigen zu einer sichtbaren Gemeinde sich versammeln, denn der Bischof repräsentire Christum. Man muß ben 3usammenhang beachten. Ignatius will, daß alles kirchliche

, Handeln von dem Bischof ausgehen, nicht ohne ihn vorgenommen werden solle, bamit es richtig und gültig geschehe, und so nennt er zwischen Abendmahl und Taufe die Versammlung der Menge. $ fommt ihm darauf an, daß auch von den versammelten Gemeindegliedern fein gottesdienstlicher Akt vorgenommen werde ohne Anwesenheit und Leitung des Bischofs als des Centralorganes der Gemeinde, welches, wie die Bollständigkeit ihres Seyns, fo auch die Vollständigkeit ihres firchlichen Thung erst verbürgt. Deshalb weiset er darauf hin, daß die versammelte Menge erst durch das Erscheinen des Bischofs firchliche Gemeinde, erst mit ihrem Haupte ein Ganjes werde; ebenso wie die sämmtlichen Gläubigen nur dadurch die Kirche in ihrer Ganzheit ausmachen, daß sie an Christo als ihrem Haupte sind; wo aber Christus ist, da ist die Kirche nach ihrer Ganzheit, die katholische Kirche.

Dffenbar heißt baher das Wort schon bei Ignatius, wo wir es gleichsam in den Windeln überraschen, noch etwas andres, als bloß Christlich" ober das noch allgemeinere allgemein." Es bezeichnet die burch Christum bewirkte Ganzheit und umfaßt eingewickelt alle Bestimmungen dieses wichtigen Begriffs. ES beutet auf ein Zusammenschließen, ein Einschließen und Ausschließen, und zwar sowol in der Breitenerstreckung der jedesmaligen Gegenwart, als in der geschichtlichen Längenerstreckung von Anbeginn der Stirche bis zu deren Vollendung.

Das Alès zwar und noch mehr war schon von Paulus gesagt, indem er die Sirche bamit als einen Drganismus bezeichnete, daß er fie darstellte als den lebendigen Beib vieler Glieder an und unter dem Haupte Christo und in Ein8 ge

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faßt durch seinen, Alle durchwohnenden und durchwirkenden Geist.

Wenn aber aus diesem umfassenden und tiefen Begriff herauß das apostolische Zeitalter, seinem Bedürfniß gemäß, zu: nächst die kirchliche Einheit (Eph. 4, 3-6, 13; I. Ror. 12, 12' 2c. u. 1. w.) betonte, gleichsam die tatholicitat in der Gegenwart, - so hatte die folgende Zeit, bei wachsender Mannigfaltigkeit dessen, was christlich, ja ausschließlich christlich seyn wollte, vornehmlich zu prüfen, was von dem Ganzen der Kirche, bis in ihre Gründung zurück und ihrem Wesen gemäß, eingeschlossen oder ausgeschlossen sey oder seyn solle. Denn in der Kirche thaten sich Einzelne und ganze Gemeinschaften hervor, welche entweder fundamentalen Jrrthümern anhingen - Häretiker -, oder aus richtigen Grundlagen Widerkirchliches ableiteten - Heterodoge -, oder durch übertriebene

-; Anforderungen im Einzelnen das Gleichgewicht der Kirche bebrohten - Schismatiker. Gegen diese Alle fonnte eine bloße kirchliche Einhelligkeit und Einmüthigkeit nichts befagen, denn bei göttlichen Dingen und in Sachen der Wahrheit entscheidet keine Stimmenmehrheit, sondern göttliche Beglaubigung. Es fam vielmehr auf die Lehren und Einseßungen derjenigen an, welche mit ihrem Zeugnisse von der göttlichen Offenbarung in Christo Gründer der Sirche geworden waren, auf das Apostolifche. Um als fatholische fich zu behaupten, mußte die Stirche apostolisch seyn, d. 5. sie mußte ursprünglich ausgegangen seyn und fortwährend wieder ausgehen von dem apostolisch Gegebenen. Indem sie nun aber, auf diese gemeinsame Grundlage

. sich stügend, in ihrer Fortentwickelung alle Häretifer, Hetero: doge und Schismatiker einmüthig und gleichinäßig von sich ausschied und so im fteten Läuterungskampfe ihre Statholicität bewährte, ward sie sich derselben auch bewußt, nannte sie sich ben Ab- und Ausgeschiedenen gegenüber die fatholische Kirche,

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