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altkatholischen Grundlage zur Absicht. Mit durchdringender Kraft, ja mit Heftigkeit und in großer Ausdehnung wurde dieß Verlangen seit 1517 in Deutschland laut, und da der romanische Theil der abendländischen Kirche widerstrebte, so begann man dort, und nach und nach fast im ganzen germanischen Norden Europas, zunächst bei sich selbst und auf eigene Hand zu der apostolischen Ueberlieferung zurückkehren und das, was als solche nicht erweislich war, abzuthun.

Die Berechtigung dieses Verlangens sucht man gegenwärtig damit abzuleugnen, daß man es für unmöglich erklärt, es habe sich Unapostolisches und Jrrthümliches in die Ueberlieferung der vom heiligen Geiste geleiteten Kirche eindrängen können. Daß dieß aber allerdings geschehen, und warum es möglich war, wird in der Folge gezeigt werden. Hier genüge die Bemerfung, daß die römische Kirche die allgemeine Berechtigung jenes Verlangens hernach ja durch die Thatsache des tridentinischen Concil8 und durch vielfache reformatorische Beschlüsse desselben anerkannt hat.

Demungeachtet hatte sie gleich anfänglich die Forderungen der deutschen Kirche zurückgestoßen und verworfen, diese dadurch aus der Gesammtheit der abendländischen Kirche hinausgedrängt und sie gezwungen, sich auch äußerlich als eine gesonderte Kirche, nicht ohne manche Beschädigung ihres Gesammtbestandes, einzurichtet. Dadurch war die vollständige Absonderung der deutschen, der germanischen Kirche unter dem Namen der lutherischen, ebenso, nur rascher, gewaltsamer erfolgt, als einst die ber griechischen Kirche; sie war eine abgeschlossene Thatsache, als das Concil von Trient tagte, und zum großen Schaden der lateinischen Stirche fand daselbst jene reformatorische Grundforderung kein Vertreter. Nur die augenfälligsten, zum Theil ganz äußerlichen Mißbräuche und Uebelstände wurden abgestellt, viele Lehren der deutschen Kirche mißverständlich verworfen, und der bei

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Weitem größte Theil später aufgekommener, feineswegs apostolischer Ueberlieferung feierlich anerkannt. Die deutsche Kirche aber ward von Rom aus für häretisch erklärt.

So war denn die Reformation ter lateinischen Kirche mißlungen und statt dessen die deutsche Stirche aus ihr heraus: getreten. So wenig man aber von der römischen Kirche sagen kann, sie habe von der altapostolischen Ueberlieferung abgelassen, weil sie in der jüngeren Ueberlieferung theils Uuslegungen jener, theils Hinzugefügtes hat, worin die altfatholische Grundlage, die sie gleichwol festhält, nicht zu erkennen ist; eben so wenig ist von der deutschen Kirche zu behaupten, sie habe sich als etwas neu Gewordenes oder Gemachtes aus dem gemeinsamen Bande der Katholicität herausgeriffen; denn die aus der Schrift und den Vätern erweisliche apostolische Ueberlieferung, wie die alte Kirche fie gegen alle Häresten festgestellt und in ihren ökumenischen Bekenntnissen zusammengefaßt hatte, hielt die deutsche Kirche ausdrücklich und thatsachlich fest, wiewol ste Alles ablehnte und abthat, was in Lehre, Brauch und Verfas: sung sich nicht aus jener katholischen Grundlage rechtfertigen oder nachweislich ableiten ließ. Sie machte vollen Ernst damit, nach Tertullianus nur das zuerst Ueberlieferte für wahr und vum Herrn, alles später Hinzugebrachte aber für fremd und falsch zu achten, und nach Vincentius von Lerinum nur das festzuhalten, was wirklich in der Kirche das gleichmäßige Zeugniß des Alterthums, der allgemeinheit und der Uebereinstimmung für sich hatte.

Um jedoch des Ersten, Ursprünglichen , Apostolischen gewiß zu werden, mußte sie zunächst sich nach der vollständig beglaubigten Grund- und Stammüberlieferung umsehen, und diese erkannte sie nicht nach und neben der Schrift, sondern bereits in der Schrist selbst. Für das Apostolische waren ohne Zweifel die Apostel selbst die unverwerflichsten Zeugen. Allerdings war

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die Schrift tief und vielfacher Auffassung fähig, und man be durfte zur richtigen Auslegung der altkirchlichen Ueberlieferung. Aber diese hatte man, theils in den allgemeinen Bekenntnissen, theils in den älteren Vätern. Von ihr geleitet, gelangte man zur richtigen Auslegung, zur richtigen Auffassung der Schrift, und fand sie dann zwar tief und unausgründbar, aber auch vollfommen, für Alles ausreichend, hell und deutlich. War man jedoch auf diesem Wege zum kirchlichen Verständniß der ungweifelhaft apostolischen Grundüberlieferung gekommen, so mußte diese nothwendig fofort in das Verhältniß eines Scrites riums für die gesammte, nicht in der heiligen Schrift befaßte firchliche Ueberlieferung treten. Diese konnte, sie mochte als Auslegnng oder Ergänzung in Lehre, Brauch oder Verfassung erscheinen, nicht ursprünglich, nicht acht, nicht apostolisch seyn, wo sie der schriftmäßigen Grundüberlieferung widersprach. Nas türlich war sie in sofern auch nicht fatholisch. Und hiermit wäre denn für die Feststellung dessen, was Katholisch ist, ferner gefunden, daß eß rücksichtlich der heiligen Sdrift nicht allein barin bestehe, daß die allgemeine einstimmige alte Ueberlieferung Autorität und Regulator Tey für Auslegung und Anwendung der Schrift, sondern auch darin, daß die dergestalt in der Schrift erkannnte apostolische Grundüberlieferung fortwährend auch hinwiederum das Striterium für alle firchliche Ueberlieferung und Fortentwickelung bilde.

Die Anwendung und Geltendmachung dieser Wechselbeziehung zwischen Sdrift und Tradition, dieß ächtfatholische Verfahren mutheten die Deutschen der lateinischen Kirche zu, und führten es, als dieß vergeblich war, bei sich selber durch; während andere reformatorische Bestrebungen alle Ueberlieferung verwarfen und damit die Ratholicität aufgaben; die lateinische Kirche aber alles Verständniß und alle Anwendung der Schrift burchaus unter ihre weit über das ursprünglich Apostolische

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hinaus angewachsene Tradition ordnete. Daß aber die deutsche Kirche bei ihrer Ablösung von der lateinischen die Katholicität als solche bewahrt und festgehalten habe, daß sie mithin neben der griechischen und lateinischen ein Glied der Einen katholischen Stirche Christi sey, wird mit Grund nicht zu leugnen feyn.

Um so mehr ist sie zu tadeln, daß fie sich dieser hoch bedeutsamen Bezeichnung fast ganz entäußert, ja sogar in dem deutschen Tegte ihrer Bekenntnißschriften fast regelmäßig, bei den ökumenischen Bekenntnissen aber sogar regelmäßig anstatt ,,katholisch" das Wort christlich" fept, da sich doch beide Begriffe keineswegs decken und der lateinische Text jener Schriften auch die richtige Bezeichnung überall beibehält. Ebensowenig ist es zu billigen, wenn ihre Mitglieder, um sich von denen der lateinischen Kirche zu unterscheiden, diese Statholiken, fich felbst aber Protestanten nennen, gleich als ob fie gegen die Katholicität protestirten. Dürfen sie jene dann schelten, wenn fie von ihnen Akatholiken genannt wert en? Oder ist es nicht eine große und unschäßbare Sache für sie, zu der Einen katholischen Kirche zu gehören? Sagen doch ihre eigenen Bekennt: nißichriften (Apol. 4): ,,Der Artikel von der katholischen oder gemeinen Scirchen, welche von aller Nation unter der Sonnen zusammen sich schickt, ist gar tröstlich und hochnöthig."

Doch wir haben den Gegenstand nur erst von der geschichtlichen, in die Erfahrung fallenden Seite betrachtet. Er hat auch noch eine andere Seite, welche das Bisherige erst erklärt. Und hierfür schalten wir zunächst anderswoher unter Beibehaltung der ursprünglichen Gestalt Folgendes ein.

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Die katholische Kirche.

II.

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Für die Menschwerdung des Sohnes Gottes zur vor: ersehenen Zeit ist alle Streatur von Anfang an bereitet, damit Er in derselben fey, wie auch sie in Ihm, und so aus Zweien Eins würde, indem Er Alles, was durch ihn geschaffen ist, als das fönigliche Haupt zusammenfaßte zu Cinem Leibe sein selbst, darinnen durch den Sohn der Vater wohne, als in Einem Hause Gottes, und alles mit denselbigen Ein Leben lebe in der Liebe und Freiheit des heiligen Geistes. Als aber die Sünde ward durch den Vater der Sünde, und es verderbte, daß ein neuer Anfang ward, und der Mensch, in Gottes Bilde in Unschuld am reinen Drt geschaffen, denselben nicht bewahrte, sondern durch Verführung theilhaftig wurde der Sünde, dadurch aber, auß Gottes gerechtem Gericht, wie uns selbst unser Gewiffen bezeugt, auch des Fluchs der Sünde und des Todes, denn da er im Ebenbilde Gottes vollendet werden sollte, wartete er nicht im Glauben, sondern wollte werden wie Gott durch Ungehorsam, - da ward die Sünde Anlaß, daß sich die großen Tiefen der Barmherzigkeit und Gnade Gottes aufthaten und noch viel reicher seine Herrlichkeit, auch vor den Engeln, offenbarten ; was doch nicht gewesen wäre ohne die Sünde, obwol dieselbe, wie abermal unser Gewissen bezeugt, um der Ehre Gottes willen nicht minder per: dammlich ist. Unfre Sünde aber ist nicht allein unsre Schuld, sondern sie ist auch unser Erbe. Denn wer erbt, der erbt auch des Beerbten Schulden und wird selber Schuldner, weií er in die Erbschaft williget; wir aber willigen drein, weil auch ein solcher Wille unser Grbtheil ist, ehe wir& verstehen; denn jede Streatur jeugt nur was ihr gleich ist, und wir stammen Alle von dem, der den Willen der Sünde einergeben

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