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gefchehen mußte, so konnte ihr das Hervorgehen jener Mächte, die sich ihr als außeinanderfallende Persönlichkeiten barstellten, nur als Zeugungen erscheinen. Die neu in fie. hereinwirkende göttliche Lebensmacht ward ihr ein von der vorigen erzcugter besonderer Gott. So bevölkerten sie den Himmel mit einander folgenden Götterdynastien und deren Untergöttern, denen allen eine theilweise relative Wahrheit an fich und eine vollständige Wahrheit der innerliden Erfahrung zufam , ohne welche die Entstehung, der Fortschritt und das lange zähe Festhaften der Göttersagen unerklärlich wäre. Bei den Griechen finden wir sie am vollständigsten durchgebildet. Ein solcher Glaube fonnte nur solange lebendig, überdringend und träftig bleiben, als die fortschreitende Götterzeugung im Bewußtseyn des Volkes noch ancauerte; allein diese mußte sich ihrem Wesen gemäß endlich erschöpfen. Sie hätte nur durch die Rückehr in ihre Unfänge neues Leben erhalten können, aber die alten Götter waren längst entthront und in tiefes Dunkel zurückgewichen, der Bann war nicht zu brechen, der Dämon (bei Komer), das Chaos (bei Hefiod), das Schidfal (bei den Tragikern) waren nur vergebliche Versuche dieser Zurückwendung zum Höheren, Unfänglichen. Das Gefühl der Ungenüge einer sich. Dergestalt auslebenden Götterwelt trieb den griechischen Geist in tas denkende Suchen und Forschen nach den Anfängen und Susammenhängen, in die Philosophie hinein. Man darf nur die Namen Sokrates, Platon, Aristoteles nennen, um daran zu erinnern, wie Großes und Bewundernswürdiges die hochbegabten Griechen auf diesem Wege geleistet. Allein die Nachgeborenen dieser großen Männer und ihrer Zeit brachten nicht die geistige Spannkraft und den innern Gehalt derselben hinzu, die lebendige Fortentwicklung der Philosophie hörte auf, die Menge war ihr ohnehin nicht gewachsen; am Ende hatte sie nur eine Welt von Begriffen in Bewegung gelegt, die auf das Gesuchte, das Höchste und legte

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zwar hinwiesen, es aber nicht geben konnten. Schon ergriffen fich Mythologie und Philosophie gegenseitig und fingen an einander zu verderben und zu zerstören. Da wurde das Christenthum verkündigt, und viele mit jenen Elementen noch gesättigte, von ihnen übermochte Geister wandten sich ihm zu. Nun fuchten sie die Fülle der dargebotenen lebendigen göttlichen Wesenheit und Wirklichkeit in die entleerten Götterbegriffe und Begriffsgötter hineinzutragen, die sie durch neue Benennungen doch nur scheinbar überwanden, und wodurch sie aus oft tiefen und sinnreichen Anschauungen herauß eine mannigfaltig fortschreitende mehr oder weniger begriffliche Göttererzeugung mitten in's Chris stenthum hineinzutragen unternahmen oder dasselbe durch falsche Anwendung philosophischer Vorausseßungen entstellten.

So entstand der Gnosticismus in seinen mannigfaltigen Erscheinungen, wobei denn die falsche Vergeistigung und das begriffliche Bertrennen alles dessen, was Gott in Eins gefügt hat, zu den größten Verkehrungen des evangelischen Glaubens, zu den heillosesten fittlichen Verirrungen führte.

Dbwol die großen und ausgebildeten gnostischen Systeme erst der mittleren Seit des zweiten Jahrhunderte angehören, so reichen ihre Anfänge doch, wie man schon aus den Warnungen des Apostels Paulus steht, hoc in das apostolische Zeitalter hinauf. Stifter einer solchen Grrlehre war in Kleinasien und wahrscheinlich in Ephesus selbst schon vor Ablauf des erstert Jahrhunderts Cerinthus, bei dem wir, wie das die Art folcher Entwidlungen ist, noch zusammen finden, was dann in späteren Menschenaltern auseinandergeht, während er doch schon eine jener begrifflichen Zertrennungen in die Person Christi hineinbrachte. Denn gleich den späteren Ebioniten behauptete er einerseits, Jesus sei zwar der Messias, jedoch nur Mensch und auch menschlich erzeugt, allein es habe sich, so lehrte er andrerseits, bei seiner Taufe der himmlische Christus in ihn hineingesenkt, der ihn dann vor seinem Leiden wieder verlassen habe. Damit streifte er zugleich an die wol damals schon auftauchende Grrlehre des eigentlichen Doketismus, nach welcher sich der ewige obere Christus nach Weise der heidnischen vermeintlichen Göttererscheinungen - nur in Menschengestalt auf Erden sichtbar gemacht und Mensch zu seyn nur geschienen habe, ohne in Wirklichkeit unseres Fleisches und Blutes zu seyn.

Diese und dergleichen Auffassungen hatten fobann eine Unterschäßung, ja Verachtung der menschlichen Leiblichkeit und Natur zur natürlichen Folge, welche ebensosehr zu einer widernatürlichen Abtödtung führen, als durch die Gleichgültigkeit gegen den leiblichen Tempel des Heiligen Geistes zu fleischlichen Wollüsten aller Art umschlagen konnte.

Gegen gnostisch-doketische Jrrlehren solcher Art, wie „daß Christus nicht in das Fleisch gekommen sey" u. s. w., redet deutlich der erste Brief Johannis, bessen erste Beilen schon die vollfommen menschlich-sinnliche Erscheinung und Wirklichkeit des ewigen Wortes vom Vater betonen. Mit unverkennbarer Absicht hat der Apostel sodann aber in seinem Evangelium dies jenigen Thaten und Neben des Herrn aus seiner Erinnerung wiederholt, welche die authentischen Grundzüge einer achten Gnosis geben konnten. Wir können uns aus diesen Schriften ein Bild davon machen, wie Johannes durch Bestreitung und Lehre bei seiner Leitung der asiatischen Stirche, gegenüber den aufkommenden Jrrungen und Wirrungen, das reine Gvangelium in Glauben, Erkenntniß und Liebe nach Geist und That zur Geltung zu bringen bemüht war, um das Erarbeitete nicht zu verlieren.“

Der Engel der Gemeinde zu Smyrna.

Des Apostels Wirksamkeit und Einfluß fonnte den Feins den des Christenthums und der heidnisch - weltlichen Obrigkeit, welche mit Faß und Mißtrauen den neuen Glauben überall aufquellen sah, nicht verborgen bleiben, und Johannes wurde durch ein Urtheil dieser Obrigkeit mitten aus seiner mannigs faltigen Thätigkeit gerissen und auf die Insel Patmos verbannt. Hier empfing er im Gesicht die Offenbarung des Herrn über die Zukunft feines Reiches, deren Aufzeichnung ihm befohlen wurde.

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Das wundersame Buch, an dessen Verständnisse sich noch viele Geschlechter versuchen werden, ist zunächst an die sieben Hauptgemeinden der Asia proconsularis als Vertreterinnen der Gesammtfirche gerichtet, an die Gemeinden von Gphesus, Smyrna, Pergamus, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicea, und der Herr befiehlt dem Seher, an den „Engel“ jeder dieser Gemeinden ein besonderes Sendschreiben zu erlassen.

Sicherlich sind diese ,, Engel der Gemeinden" weber himms lische Geister , noch bloße Begriffe oder ideale Gesammtheiten. Es find persönliche Boten Gottes an die Gemeinden, welche für die Zustände der Gemeinden verantwortlich sind, dafür Rüge oder Lob empfangen, und als bleibend zu ihnen gehörig betrachtet werden, also die Vorsteher, die obersten Leiter der Gemeinden, die Ersten unter den Ueltesten, diejenigen, welche wir wenige Fahre später als Bischöfe bestimmt bezeichnet finden. Midit uns wahrscheinlich, daß sie diesen Namen bereits als Auszeichnung vor den übrigen deltesten trugen. Denn gewiß nennt das Buch der Offenbarung sie nur in der Sprache der Weissagung Engel, um damit die tiefste Bedeutung ihres Berufes ihnen und den Gemeinden vorzuhalten.

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Wir beschränken uns hier auf die Betrachtung des Schreibens an den „Engel der Gemeinde zu Smyrna,“ welches folgendermaßen lautet:

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„Das sagt der Erste und der Legte, der da todt war und ist lebendig geworden: Ich weiß deine Trükjal und deine Armuth du bist aber reich und die Lästerung von denen, die ba sagen, sie sind Juden, und sind es nicht, sondern sind des Satans Schule. Fürchte sich vor der feinem, das du leiden wirst. Siehe, der Teufel wird Etliche von euch ins Gefängniß werfen, auf daß ihr versuchet werdet, und werdet Trübfal haben zehn Tage. Sey getreu bis an den Tod, so will ich dir die Strone des Lebens geben. Wer Dhr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden fagt: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem anderen Tode."

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So das Sendschreiben an den Gemeindeengel von Smyrna. Vergleichen wir damit die übrigen Sendschreiben, so finden wir, daß fünf unter ihnen Rügen, zum Theil scharfe Vorhalte, ja Drohungen aussprechen, während nur die Schreiben nach Smyrna und Philadelphia Belobung, Stärkung, Tröstung rein enthalten. Bei mehren jener Gemeinden haben sich in verschiedener Weise Jrrlehren, wie die vorhin bezeichneten, und daraus folgend religiöse und sittliche Gräuel hervorgethan. In Ephesus sind dieselben zurückgestoßen worden, in Pergamus treiben sie noch ihr Wesen, in Thyatira finden sie sogar Duldung. Den Sardern wird befleckter Wandel vorgeworfen. Der Gemeindeengel zu Ephesus wird getabelt, weil er von der ersten Liebe gefallen, der zu Thyatira, weil er zu nachsichtig, der zu Sardeß, weil er geistlich erstorben und unthätig, der zu Laodicea, weil er lau und selbstzufrieden ist. Bei der Gemeinde zu Smyrna und bei ihrem ,, Enger" findet der Herr nichts dergleichen zu rügen. Dieß läßt auf einen trefflichen Zustand beider schließen.

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