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Leiden und Versuchungen haben sie und stehen ihnen noch

Sie dulden Trübsal burch den Druck der heidnischen Obrigkeit, Armuth an irdischem Gut versagt ihnen die Mittel denselben abzuwenden und bedrängt sie schon an sich, die Lästerung der Juden kränkt sie und feßt sie den Verfolgungen aus. Dieß Alles traf zuvörderst den Engel der Gemeinde. Aber wenn auch arm an irdischen und zeitlichen, so war er doch reich an himmlischen und ewigen Gütern, an Glauben, Erkenntniß, Liebe, an den Schäßen im Himmel, an dem was der Herr bereitet hat denen, die ihn lieben. Und was ihm vers leumderisch nachgeredet und ins Angesicht geschleudert wurde von denen, die sich Juden nannten, sich aber durch die Vers werfung des Sohnes und damit auch des Vaters zu einer Synagoge des Widersachers gemacht hatten, das war lästerung der Ehre, die er im Herrn hatte. Das Udes gilt nach Art dieser Vriefe auch der Gemeinde. Ihm werden aber der Leiden noch mehr vorausgesagt. Gefängniß von Gemeindegliedern, zehntägige schwere Verfolgung, um die Gemeinde zu versuchen, zu prüfen, zu läutern. Doch er fod fich nicht fürchten. Die Strone des Lebens, den höchsten Siegespreis des ewigen Gutes von Ihm, der das Leben ist und giebt, will der Herr selbst ihm reichen, wenn er Treue hält bis in den ihm drohenden irdischen Tod hinein und durch denselben sich nicht in seiner beharrlichen Anhänglichkeit an den Herrn irre machen, sich nicht von ihm ablenken läßt. Denn ihm drohet ein Tod, der ihn wol in der Treue wankend machen könnte, darum wird er fo gemahnt, darum aber auch durch solche Verheißung gestärkt. Schließlich wird es dann noch einmal den Gemeinden und das mit Fedem gesagt, daß wer die Versuchung, durch Abfall den herankommenden Prüfungen und Todesmartern auszuweichen, treulich besiegen werde, vom Herrn begabt werden solle mi der Straft des ewigen Lebens, an welcher das viel schärfe

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Leið des ewigen Todes machtlos abgleiten werde. Das sollen Ade fich merken, denen Gott Verständniß dafür eröffnet hat, und sollen beweisen, daß sie es verstanden haben.

Also nur Trost und Stärkung, Mahnung zum Beharren in der Treue und Verheißung ihrer Belohnung bedurfte dieser Gemeindeengel sammt seiner Gemeinde. Wer war derselbe ?

Polykarpus' Jugend und Bischofsamt.

Mit Sicherheit läßt sich die soeben aufgeworfene Frage nicht beantworten, doch zeigt die vorstehende Ueberschrift, wohin nach Vorgang Anderer fich unsere Vermuthung richtet. Um sie zu begründen, haben wir jedoch zunächst die Glaubwürdigkeit desjenigen Beugen zu besprechen, dem wir fast die einzigen Nachrichten über das Leben des Polykarpus bis an seine legte Verfolgung verdanken.

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Es ist dieß der heilige Jrenäus, der von 178 an Bischof zu Lugdunum (Lyon) war, den wir — namentlich aus seiner Hauptschrift gegen den Gnosticismus – als einen klaren, rus higen, gebildeten, durch und durch ernsten, aufrichtigen und nüchternen Mann kennen, und der im Jahre 202 durch den Martyrtod feine Festigkeit im Evangelium der Wahrheit besiegelt hat. Daß er, burchdrungen von diesem Evangelium, überall nur die Wahrheit sagen wollte, ist nicht zu bezweifeln. Daß er fie in Bezug auf Polyfarpus wissen konnte, steht eben so fest. Aus Stellen jener seiner Hauptschrift und Bruchstüden anderer Schriften, welche Eusebius (+ 340) in seiner Kirchengeschichte in der Ursprache aufbehalten hat, erfahren wir, daß er selbst in seinen jüngeren Jahren bei Polykarpus in Niederasien gelebt, ihn genau gefannt und sich von ihm viel über die ältere, apostolische Zeit, namentlich über Johannes hatte erzählen lassen. Eins dieser Fragmente, die an gehöriger Stelle ausführlich werden mitgetheilt werden, ist aus einem Briefe des heiligen Irenäus an einen ehemaligen, später in bedenkliche Grrlehren gerathenen Freund Florinus, den er selbst an ihren früheren gemeinschaftlichen Aufenthalt bei Polykarpus erinnert und dadurch für uns gewissermaßen zum Mitzeugen über das macht, was er von Polykarpus sagt. Auch rühmt er sich gegen Florinus seines, festen und genauen Gedächtnisses in Bezug auf Alles, was er damals von Polyfarpus gesehen und gehört. Seine Glaubwürdigkeit in dieser Hinsicht darf daher als vollkommen unbestreitbar gelten.

Nun aber erzählt Jrenäus, Polykarpus sei von Aposteln zum Jünger gemacht und habe mit Vielen, die Christum noch gesehen, Umgang gehabt, er habe die Wahrheit von den Aposteln überkommen, er habe selbst erzählt, welchen Verfehr er mit Johannes gehabt und mit Andern, die den Herrn noch gesehen, - er habe mit Johannes, dem Jünget unseres Herrn, und mit andern Aposteln zusammengelebt.

Bei diesen Aeußerungen ist nun insbesondere merkivürdig, daß nach ihnen Polyfarpus noch ein Mitlebender anderer Apostel und Jünger des Herrn, auch außer Johannes, gewesen ist, iras To bestimmt und so wiederholt gesagt wird, daß wir die Richs tigkeit dieser Uussage nicht beanstanden fönnen. Dieß aber würde ziemlich tief hinter die legten Lebensjahre des Johannes zurücverweisen, welcher, schon seit längeren Jahren der Leşte der Apostel, im Jahre 100 oder 101 fast hundertjährig starb.

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Aber auch Polykarpus felbst, wie wir hören werden, erklärte unmittelbar vor seinem Tode, er sey bereits 86 Jahre Christ. Da fein Tod spätestens im Jahre 168 erfolgt ist, so wiefe bieß auf das Jahr 32 als das seiner Befehrung zum Christenthum. Und da nicht wohl anzunehmen ist, daß gesagt werden könne, er sey von Aposteln zum Jünger gemacht, wenn er nicht schon mindestens in die Jahre eigener Entscheidung eingetreten und etwa 14 Jahre alt gewesen, fo würde das die Zeit feiner Geburt etwa um das Jahr 68, vielleicht noch früher fallen laffen.

Allerdings wäre er bann bei seinem Tode über hundert Jahre alt gewesen, aber dieser Annahme steht auch nichts ent= gegen. Beispiele so hohen Alters find bei den damaligen Christen nichts feltenes. Johannes felbft wurde fast hundertjährig und der Bischof Symeon von Jerusalem starb 120jährig noch den Martyrtod. Uuch sagt Jrenõus, Polyfarpus habe ein ganz hohes Alter erreicht, und vor Allem steht beffen eigene Aeußerung fest, daß er bei seinem Tode schon seit 86 Jahren zu Christo bekehrt gewesen seyy

. Weiter aber berichtet Jrenäus, Polyfarpus sey auch bereits durch Apostel zum Bischof der Kirche in Smyrna eingeset worden, eine Nachricht, die Tertullianus (+ 220) näher bestimmt und bestätigt, wenn er bei Bestreitung späterer Häresien (de praescr. 32) fagt: „Wenn einige wagen, sich ins apoftolische Zeitalter zu verlegen, damit sie deßhalb von den Aposteln überliefert scheinen möchten, weil sie schon unter den Aposteln dagewesen, fo fönnen wir sagen: Beigen sie denn einmal die Entstehung ihrer Kirchen auf, zahlen sie die Reihenfolge ihrer Bischöfe her, welche durch Nachfolgen von Anfang an fo herablaufe, daß jener erste Bischof Einen aus den Apostein oder apostolischen Männern, der es jeroch mit den Aposteln stets geHalten, zum Gewährsmann und Vorgänger gehabt habe. Denn

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auf diese Weise geben apostolische Kirchen ihren Besißstand an, sowie die Kirche der Smyrnaer berichtet, daß Polykarpus von Johannes eingesetzt worden sey.“ Ueberblickt man diese Stelle im Zusammenhang, so sieht man, Tertullianus will dieß vom Polykarpus so verstanden wissen, daß derselbe der vom Apostel Johannes eingesegte erste Bischof in der Folgenreihe der smyrnäischen Bischöfe gewesen sey. Auch Hieronymus (+ 420) sagt in seiner nach älteren Quellen, hauptsächlich freilich nach Euses bius, bearbeiteten Schrift an Deyter über die berühmten firchlichen Schriftsteller: Polykarpus, des Apostels Johannes Schüler und von ihm zum Bischof von Smyrna eingeset, war der Angesehenste in ganz Asien.“ Und so dürfte auch diese Angabe sachlich feststehen.

Endlich aber berichtet Jrenäus als eine bekannte und gar nicht zu bezweifelnde Sache von der Offenbarung Johannis :

Sie ist nicht schon vor langer Zeit geschauet worden, sondern nahe an unserm Menschenalter, gegen das Ende von Domitian: Regierung." Auch hierin dürfen wir ihm vollkommen Glauben schenken, denn dieß konnte, ja mußte er von Polykarpus gehört haben. Domitianus nun starb im Jahre 96 und Johannes selbst spätestens fünf Jahre nach ihm. Im Jahre 95 aber war Polykarpus mindestens 27 Jahre alt, wahrscheinlich jedoch schon älter, so daß er damals bei seinem lebhaften Geist, bei seiner glücklichen Begabung gar wol bereits Vorsteher der Gemeinde von Smyrna seyn konnte.

Es kommt noch hinzu, daß von dem Tode Domitian8 an bis zum Abscheiden Johannis die Christen keinen Verfolgungen ausgefeßt waren, während dieser fünf Jahre mithin die dem ,, Engel der Gemeinde zu Smyrna" angekündigten schweres ren Trübsale, Gefangenschaften und Heimsuchungen nicht stattfinden konnten, wogegen siebenzig Jahre später an Polykarpus

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