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heilige Ignatius, Bischof von Antiochien, ein Mann von reicher Begabung, feurigem Geiste, inniger Frömmigkeit und Liebe, und von großer Bedeutung für die Weiterentfaltung der Stirche, deßen persönliche Anwesenheit in Smyrna Polykarpus, die dortige Gemeinde und die ganze Kirche der Umgegend lebhaft anzuregen und zu fördern geeignet war. Sowol deshalb, als weil uns auch die beiden Sendschreiben noch vorliegen, welche Ignatius furz nach seinem Aufenthalt in Smyrna an Polyfarpus und an dessen Gemeinde geschrieben, haben wir seiner hier zu gebenken.

Vielleicht noch zur Zeit des Wandels Christi auf Erden, jedenfalls ihr sehr nahe geboren und vermuthlich syrischer Herkunft, ward Ignatius, wol schon früh, ein Jünger der Apostel, von denen Paulus und Johannes vornehmlich auf ihn gewirkt zu haben scheinen. Dann wurde er zweiter Bischof der Gemeinde zu Antiochia in Syrien. Dort des Christenthums angeklagt und überführt, wird er verurtheilt, den wilden Thieren vorgeworfen zu werden oder, wie man es auch halb im Spott nannte und ausführte, mit den Thieren zu kämpfen. Unter scharfer Bewachung zu diesem Zweck nach Rom eingeschifft, kommt er nach Smyrna, wo ihn nicht allein Polykarpus und die Gemeinde brüderlich aufnehmen, sondern, wie es scheint, auch die benachbarten Bischöfe und Aeltesten, durch seinen Ruf herbeigezogen, ihn begrüßen und verehren. Er benußt die hier vergönnte Frist zu Abfassung von vier Sendschreiben, nehmlich an die Gemeinden zu Ephesus, zu Magnesia in Lydien, Tralles in Karien und zu Rom. Weiter fobann nach Troas geführt, erläßt er von dort aus drei fernere Briefe, und zwar an die Gemeinde zu Philadelphia, an die zu Smyrna und an Polyfarpus. Ueber Macedonien bringt man ihn endlich nach Rom, wo er den versammelten Römern zum Schauspiel von Löwen zerfleischt, zerriffen und verschlungen wird.

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Etwa dieß wissen wir mit Bestimmtheit von seinem Leben und Ausgange. Die vorhandenen Geschichten seines Martyrthums enthalten Widersprüche mit der Zeitgeschichte und können erst später aus bereits getrübter Ueberlieferung, wenigstens in ihrer gegenwärtigen Gestalt, hergestellt seyn. Nach den glaubwürdigen Angaben bei Eusebius und Hieronymus fällt sein Martyrthum und Tob, damit auch die Abfassung seiner Briefe, in die Jahre 107 bis 108.

Die Aechtheit der genannten sieben Briefe in der kürzeren Fassung, welche zuerst von If. Vossius in der mediçeischen Bibliothek zu Florenz entdeckt worden, wurde vornehmlich von Solchen angezweifelt, zu deren Ansichten über Lehre und Beschaffenheit der ältesten Kirche, wie sie dieselben nach eignen Neigungen, Abneigungen und vorgefaßten Meinungen zusammenseßen, der Inhalt der Briefe nicht stimmen will. Dabei ist nicht allein die Unnachahmlichkeit einer ro tiefbegründeten persönlichen Eigenart, wie sie die Briefe bis in ihr zartestes Geäder burchdringt und kennzeichnet, nicht genugsam gewürdigt; es ist auch verkannt worden, daß ein so tiefes einheitliches System, wie es nicht in den Briefen, wie es hinter ihnen in dem Verfasser liegt und in ihnen nur in zerstreuten, doch immer harmonischen Ausstrahlungen hervorleuchtet, nothwendig Einen Verfasser vorausseßt. Wer die vier angezweifelten Briefe so hätte ersinnen und wieder herstellen können, der wäre weit mehr gewesen, als Ignatius; oder vielmehr, sind die drei in syrischer Ueberseßung und Abkürzung vorhandenen Briefe ächt, To find es auch alle sieben Briefe ohne diefe Abkürzungen.

Anschauung und Art des heiligen Ignatius möd;ten wir in folgender Weise bezeichnen. Die unerhörte und unleugbare Thatsache, daß der Sohn Gottes Fleisch geworden, im Fleisch durch seinen Tod die Welt verföhnt, auferstanden, zum Vater zurückgegangen, und in Ihm seiner Gemeinde, als seinem

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eignen Leibe, stets gegenwärtig ist, lebt und waltet, hat einen ganz neuen Organismus des Lebens begründet, dessen Verwirklichung die Kirche ist. Sein, Schöpfer und Geschöpf, Gott und Mensch, Geist und Fleisch in Einheit zusammenschließendes Leben hat sich daher ebenso in der Kirche darzustellen und fortzuführen nach ihrer göttlichen und menschlichen, geistigen und natürlichen Seite, in allen ihren lebensäußerungen, in Lehre, Sitte, Verfassung und Gottesdienst, und zwar das Ades in wesenhafter Einheit mit und in Christo, wie Christus mit und im Vater. Das, was der Herr in seinem hohes priesterlichen Gebete (Joh. 17) ausspricht, findet bei Ignatius eine begeisterte, Alles umfassende und durchdringende Anwendung auf das ganze Leben der Stirche, dergestalt, daß es sich daselbst vom Größten ins Kleinste und vom Kleinsten wieder ins Größte zurückspiegelt. So soll sich nicht nur im Geist, auch im Fleisch gemäß deren Einheit in Christo bie Einheit der Gemeinde persönlich darstellen in ihrem Bischof, mit dessen Thätigkeit die kirchliche Thätigkeit aller Glieder eins seyn, ohne welche diese nicht seyn soll, denn auch der Bischof ist als sichtbares Haupt wiederum nur durch die Glieder, und Gott verlangt die Einigung, die Er selber ist, und die Er giebt durch die Liebe, welche einigt. Durch alle Drbnungen der Stirche fou bieß Verhältniß fich fortfeßen zur lebendigen Uuswirkung der in Christo gewordenen Einheit, welche , im Glauben gegründet, durch die Liebe verwirklichet, das Beste ist. Uus eben jenem Grundprinzip herauswendet er sich auch gegen die Frrlehrer, von denen er Doketen und Judaisten zu bekämpfen hat. Immer aber ist es das lebendige, volle, ganze leben in und mit Christo, das er selbst leben und gewinnen, in das er Ade hineinziehen und hineinführen will, das gegeben ist durch die Fleischwerdung und den großen, die ganze Welt umschließenden Dpfer- und Sühnungetob deß nun

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verherrlichten Sohnes Gottes, nach dessen unmittelbarer, jenfeitiger Theilhaftigwerbung ihn die feurigste Sehnsucht verzehrt.

Indem er nun aber die gedrängte Fülle dieser Anschauungen durch die griechische Sprache mittheilen will, zeigt sich ihm dieselbe keineswegs dazu geschaffen; er bricht, drängt und drüct fie, schafft neue Wörter, bringt das Entlegenste in langathmigen Sägen und dann wieder in schlagend kurzen Sprüchen zusammen, kurz versucht auf alle Weise, den neuen Gehalt auch äußerlich vollständig auszuprägen, wobei Renner vielfach syrische Wendungen entdeckt haben wollen.

Die Stimmung, in welcher ber heilige Bekenner zu Smyrna weilte und seinem Martyrtode entgegensah, erkennen wir zumeist aus seinem Briefe an die Römer, welcher zum Zweck bat, diese von jeder Verwendung zu seinen Gunsten abzuhalten, der deshalb das meiste Persönliche enthält und uns dadurch den unmittelbarsten Einblick in das Innere des wunderbaren Mannes gestattet. Wir theilen ihn daher im Folgenden mit. Ebenso die beiden Briefe an die Smyrnäer und an Polyfarpus; - nicht bloß weil diese das Einzige sind, was wir über Polykarpus und seine Gemein de aus dem Anfange des zweiten Jahrhunderts haben, was in engster Beziehung zu ihnen steht; auch weil wir vorausseßen dürfen, daß diese Schreiben sich um dieselben Fragen und Gegenstände bewegen, welche der große Mann bei seiner persönlichen Anwesenheit, in der Gemeinde fowol als im besondern Gespräch mit Polyfarpus, zu besprechen Veranlassung fand. Sie gewähren deshalb zugleich einen Durchblick in das innere Leben der smyrnäischen Kirche zu jener Zeit. Und so können wir denn auch aus ihnen schließen, wie Polykarpus durch den Verkehr mit einem Manne von solchem Geist und in solcher Lage und Stimmung erfaßt und gefördert werden mußte.

Der Brief des heiligen Ignatius an die Römer.

Ignatius, auch Theophorus genannt, der Gemeinde, welcher ist Barmherzigkeit worden in der Herrlichkeit des höchsten Vaters und seines einigen Sohnes Jesu Christi, der geliebten und erleuchteten iin Willen deß, der alles will was gemäß ist der Liebe Jesu Christi, unsres Gottes, welche auch vorsifet im Amt des Römerlandes, eine gotteswürdige, ehrwürdige, seligpreisenswürdige, lobenswürdige, gelingenswürdige, an Seuschheit würdige und vorsigende in der Liebe, nach Christo genannte, nach dem Vater genannte, welche ich auch grüße im Namen Jesu Christi, des Sohnes des Vaters; denen die nach Fleisch und Geist geeiniget sind allem seinem Gebote, unabtrennlich erfüllet mit Gottes Gnade und gereiniget von aller fremden Farbe: viele Freude, fleckenlos, in Jesu Christo unserm Gott!

1. Nachdem ich mit Anflehn bei Gott erlangt, zu sehn eure gotteswürdigen Ungesichter, als ich auch gar viel gebeten zu empfangen, so hoffe ich Gebundener in Christo Jesu euch zu begrüßen, so es anders Gottes Wille ist, daß ich gewürdiget werde ans Biel zu kommen. Denn der Anfang ist wolbestellt, so ich nur Gnade erlange, mein Loos unbehindert zu empfangen. Denn ich fürdite euere Liebe, daß sie mir leið anthue. Denn für euch ist leicht, was ihr thun wollt; für mich aber ist es schwer zu Gott zu gelangen, so ihr mein schonen wollt.

2. Ich will ja nicht, daß ihr menfchengefällig seyd, fons dern Gotte gefallet, gleichwie ihr auch gefallet. Ich werde ja nie wieder eine solche Zeit erhalten zu Gott zu gelangen; noch könnet ihr, so ihr nur stilleschweiget, mit einem bessern Werke angeschrieben werden. Denn so ihr stilleschweiget von mir, werde ich Gottes werden; so ihr aber mein Fleisch lieb habet,

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