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Dieß zu fassen wurde gleichwol den Aposteln, die noch immer den ausschließlichen Beruf Israels im Auge hatten, so schwer, daß es einer besonderen Offenbarung darüber an Petrus bes durfte. Und erst durch den wunderfam befehrten Paulus und durch Barnabas wurde die Ausführung jenes Befehles des Herrn in größerem Maßstabe begonnen.

Vorbereitet war dieselbe jedoch durch die Strömung der ganzen Weltgeschichte, indem bis zu dieser Zeit hin alle Völker, die zunächst außersehen waren zum sichtbaren Leibe Christi, das ist zur Stirche, versammelt zu werden, in dem großen römischen Reiche vereinigt waren, welches bis an die Gränzen der germanischen und farmatischen Völfer ganz Europa, ganz Nordafrika vom Eingang des Mittelmeers bis an die Dstgränge Aegyptens, ganz Vorderasien von der Gränze Afrikas bis an das schwarze Meer umfaßte. So hatte nun auch der Bildungsgang der drei hauptsächlichsten Kulturvölker dieses Reichs, der Juden, Griechen und Römer, diejenige Entwicklung durchlaufen, welche sie für ihren Beruf zum Reiche Gottes und in demfelben zubereitet hatte.

In der Auswahl aus 3srael war der Grund der Kirche gelegt worden. Sie brachte den vollen Stoff und Inhalt der Heilsverkündigung. Eine reiche, tiefe und scharfsinnige Philos sophie hatte unter den Griechen den Glauben an die alten Götter der Sage wankend gemacht, ohne einen lebendigen, wirken: ben und Handelnden Gott an beren Stelle zu feßen, welcher auch durch die höchsten Begriffe bloßer Vernunftphilosophie weder ersegt, noch gebracht, sondern eben erst gefordert wird. Darum fand das Christenthum, das diesen Gott brachte, so schnellen Eingang bei den Griechen, welche durch ihre philosophische Bildung zu der eigentlich theologischen Ertiefung und Durcharbeitung des evangelischen Stoffe zugerüstet waren. Die menschlich gewaltigen, Recht und Staat bildenden Nömer waren, feitdem ihnen durch den Untergang ihres Freistaates im Kaiserthum ihr Lebensideal abhanden gekommen, zur Aufnahme eines höheren Neuen vorbereitet, und sollten alsdann das in der Menschheit Erscheinende des Gottesreiches nach Innen und Außen durcharbeiten und zur organischen Gestaltung bringen.

Es lag in der Sache, daß der Schwerpunkt ber firchlichen Fortentwicklung in derselben Folge von einem Volfe auf das andere überging, und er nahm bei diesem Uebergang ungefähr denselben Weg, den die alte Weltkultur genommen hatte. Er lag in Jerusalem bis zu dessen Zerstörung und ruhete dann, während in der großentheils aus Judenchristen bestehenden römifchen Gemeinde die römische Nationalität erst nach und nach zu ihrer Geltung gelangte, geraume Zeit in jenen Landschaften des alten Joniens, von denen auch die älteste griechische Kultur ihren Ausgang genommen.

Afia proconsularis.

Betrachten wir auf einer Landkarte die gegen Griechenland gekehrte Westküste Kleinastens, so finden wir dort einen ganzen Kreis von Städten, deren Namen bereits die apostolische und erste nachapostolische Kirchengeschichte nennt. Um Ausfluße des südlichsten Hauptstromes, des Maander, finden wir Miletus, füdwärt8 abgelegen von ihm; wenige Meilen nördlicher ebenfals am Meere Ephesus; etwas entfernter sodann von dieser Stadt im Norden Smyrna, auch an der Küste; gleichweit von hier im Norden etwas landeinwärts Pergamus. Destlich von Pergamuß und Smyrna, in der Entfernung von acht bis zwölf Meilen von diesen Städten, liegen im alten Lande Lydien Thyatira, Sardes und Philadelphia; näher hin an Smyrna Magnesia, noch dießfeit Lybicns. In südöstlicher Richtung von Philadelphia und eine gute Tagereise von dieser Stadt entfernt, zeigt sich innerhalb Phrygien8 Kolosjå, und eine kleinere Tagereise weis ter in derselben Richtung Laodicea. Kolofjá liegt wiederum am Måander, welcher dann, jedoch bem Meere schon näher, unweit der Stadt Tralles in farien vorüberfließt.

Während das tiefere Innere der kleinasiatischen Halbinsel von vielen verschiedenen Völkerschaften bewohnt war, hatten seit Uralters Griechen jonischen Stammes den westlichen Küstens strich in Befiß genommen und eine ganze Reihe großer und blühender Städte gegründet, unter denen Miletus, Ephesus, Smyrna besonders berühmt waren. Die östlicheren Länder was ren reich an Metallen, Holz, Früchten, Wein, Del, Pferden, Wolle und anderen Erzeugnißen einer reich gesegneten Natur; die jonischen Städte wurden die Haupthandelspläße für diese Waaren, ihr Seehandel wetteiferte schon früh mit dem phönizischen, große Reichthümer sammelten sich in ihnen. Aber auch an geistiger Bildung ragten die aufgeweckten, klugen und feinfühlenden Fonier früh hervor. Smyrna machte den begründet: sten Unspruch darauf, Homers Geburtsstadt zu seyn, und in Jonien find ohne Zweifel zuerst die Gesänge der Jlias erklungen. Doch auch noch in den späteren Zeiten wurden Künste und Wissenschaften in diesen reichen Städten gehegt und gepflegt. Die fruchtbare Umgegend war auf das sorgfältigste angebaut.

Nach der römischen Desißnahme wurde aus diesen westlichen Küstenlanden und den östlich unmittelbar barangränzenden Ländern die Provinz Asia proconsularis, auch wohl Niederafien oder auch schlechtweg Asien genannt, gebildet. Ephesus aber war für jenen ganzen Städtekranz und die sonstigen umliegenden Drte und Landschaften der Mittelpunkt zahlreich zu- und abströmender Gäste, nicht allein seines ausgedehnten Handels wegen, sondern auch weil dort der weitberühmte Tempel und vielbesuchte Dienst der Göttin Artemis war, auch mehre der obersten Provinzialbehörden daselbst ihren Siß hatten.

Ein solcher Sentralort einer gebildeten, lebhaften, ja geistreichen Bevölkerung eignete sich in jeder Beziehung für eine weitreichende und nachhaltige Missionsthätigkeit. Und diese war dem Apostel Paulus bafelbst aufbehalten.

Paulus in Ephesus.

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Uuf seiner ersten Missionsreise besuchte Paulus nur die südöstlichsten Länder Kleinasiens. Auf der zweiten ging er, nur Phrygien berührend, erst im Osten, dann im Norden im weiten Bogen um jene jonischen Städte herum, während er sich zugleich vom Geiste gehemmt fühlte, damals in Asien das Evans gelium zu verkündigen. Erst nachdem er dafjelbe nach Europa, nach Macedonien und Griechenland getragen und dort die ersten Gemeinden gegründet hatte, brachte ihn die Rückreise zur See nach Ephesus. Da ihn ein Gelübde nöthigte, binnen einer bestimmten kurzen Frist in Jerusalem einzutreffen, so konnte er zu Ephesus nur geringe Zeit verweilen, die er benußte, um in der dortigen Synagoge zu den Juden zu reden. Sie baten ihn, länger bei ihnen zu bleiben, und obwol er ihnen darin nicht willfahren konnte, so erkannte er doch sofort, daß die verkehrsreiche Stadt sich zu einer Hauptstätte derjenigen Wirksamkeit eigne, zu welcher ihn der Herr als sein auserwähltes Rüstzeug berufen hatte, und er schied von ihnen daher mit dem Ber: sprechen, er werde, wenn es Gott wolle, wieder zu ihnen zurückkehren.

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Diese Zusage erfüllte er um das Jahr 56, indem er sich von Antiochien aus auf dem Landwege über Galatien und Phrys gien nach Ephesus begab. Er wandte sich dort in seiner Weise zuerst wieder an die Juden, fand aber alsbald auch den gewohnten Widerstand bei ihnen. Doch erst als drei Monate vergeblichen Predigens, Lehrens und Buredens ihn von ihrer beharrlichen Verstocktheit überzeugt, schied er sich von ihnen, sonderte die gewonnenen Jünger heraus und redete nun täglich in dem Lehrsaale eines gewissen Tyrannus zu den Heiden. Diese Thätigkeit seşte er zwei Jahre lang fort, und sie war von den größten Erfolgen begleitet. „Alle, die in Asien wohnten, höre

, ten das Wort des Herrn Jefu,“ und die wunderbaren Heilungen franker und Befefsener, die Gott durch die Hände Pauli wirkte, erregten allgemeines Aufsehen. So viele wurden gläubig, daß von denen unter ihnen, welche Zauberei getrieben hatten, für nicht weniger als für 6000 Thaler Zauberschriften öffentlich verbrannt wurden. Als Angesichts so zahlreicher Bekehrungen der Goldschmied Demetrius, der von Anfertigung und Vertrieb kleiner silberner Nachbilder des Artemistempels lebte, seine Handwerksgenossen zusammenrief, um sie zu Maßregeln dagegen aufzuregen, bezeugte er in seiner Ansprache an sie, es mache Paulus nicht allein in Ephesus, sondern in ganz Asien soviel Volks vom Götterdienst abfällig, daß ihr Gewerbe verfalle und der altberühmte Urtemištempel für nichts mehr geachtet werde. Als diese Leute dann einen Volfsaufstand in ihrem Sinne hervorriefen, den jedoch ein kluger römischer Beamter schnell stillte, hatte Paulus bereits seine Abreise von Ephesus beschlossen und seine Gehülfen Timotheus und Erastus nach Macedonien vorausgefandt. Ihnen folgte er dann in Kurzem nach.

Paulus sollte fich der reich aufwachsenden Ernte feiner großen Wirksamkeit in Ephesus und den Umstädten nicht er: freuen. Als er, nach einem längeren Aufenthalte in Griechen

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