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Tolet ihr euch empfohlen halten, wenn sie zu euch fommt. Bleibet wolbehalten in dem Herrn Jesu Christo. Die Gnade sexy mit euch Allen. Amen.

Bemerkungen
zu dem Briefe des heiligen Polykarpus.

Grenäus gedenkt verschiedentlicher Briefe, welche Polykarpus theils an Nachbargemeinden , theils an einzelne Christen geschrieben habe. Unter den Ersteren mochten auch solche seyn, zu denen ihn die Aufforderung des Heiligen Ignatius veranlaßt hatte. Doch schon Eusebius, etwa 100 Jahre nach ihm, kennt nur noch den vorstehenden Brief an die Philipper, von welchem Hieronymus (7 420) anführt, daß er bis auf seine Zeit noch in den kirchlichen Versammlungen in Kleinafien vorgelesen werde. Wir finden diese Bemerkung in der von Hieronymus für den Befehlshaber der kaiserlichen Leihwache Dexter aufgefeßten Schrift über die berühmten Männer der Kirche, bei deren Betrachtung Grasmus von Rotterdam aufruft: „Niemand, dem gute Schriften am Herzen liegen, kann sie ohne tiefen Schmerz lesen, da er nur zu sehr daraus sieht, daß uns von so vielen vorzüglichen Denkmalen der berühmtesten Männer kaum noch ein sehr Geringes übrig ist und auch dieß gewiß nur verstümmelt, entstellt und verunreinigt. Ein wahrhaft beklagenswerther Verlust, wenn Klagen was nükten." Und freilid, würden wir manches wolerhaltene Erzeugniß späterer Zeiten gern dafür missen, daß uns die übrigen Briefe Polykarps aufbewahrt wären. Sie bezeugten, wie Jrenäus sagt, feine apostolische Lehre, die Deschaffenheit seines Glaubens, seinen Gegensaß gegen die Häres sten und möchten uns wol Uufklärung geben über manche dunkle Punkte der damaligen Kirchenzeit", deren sich jest willkürliche, eigner Neigung dienende Beurtheilung, zu ihrer eignen Verur: theilung, aber zum Schaden Vieler bemächtigt.

Aber auch dieser Brief an die Philipper ist in der gries chischen Urschrift noch nicht vollständig wieder aufgefunden worden. Die bis jeßt bekannten Handschriften schließen mit dem viertlegten Worte des neunten stapitel und fahren dann sos gleich und ohne abzuseßen mit den Worten fort: „Da er das neue Volk bereitete, zeigte er noch auf Erden, daß er selbst werde die Auferstehung bewirken und richten“ 2., mit welchen Worten aus der Mitte des fünften Kapitels vom Briefe des h. Barnabas dasjenige beginnt, was uns von diesem lekteren im Griechischen noch vorliegt. Das dreizehnte Kapitel unseres Briefes hat uns, mit Ausnahme des kurzen Schlußfakes, Fusebiuß durch eine Anführung in seiner Kirchengeschichte (III, 36) in der Ursprache aufbehalten. Für das zehnte, elfte, zwölfte und vierzehnte Stapitel besigen wir nur eine alte, doch feines wegs unzuverlässige, lateinische Ueberseßung, welche Jakob Faber aus Etaples im Jahre 1498 zu Paris herausgegeben hat.

Man hat auch unseres Briefes Alechtheit sowol als Unver, fälschtheit anfechten wollen. Beide jedoch sind hinreichend und unveriperflich bezeugt, auch von den vorzüglichsten Rennern und Forschern anerkannt.

Hieran möge sich noch eine Bemerkung (hließen. Wir finden in dem Briefe Anführungen aus folgenden neutestamentlichen Schriften: Matthäus, Lukas, dessen Apostelgeschichte; Nomer, I Korinther, II forinther, Galater, Ephefer, Philipper, I Thessalonicher, I Timotheus, JI Timotheus, Ebraer, I Petri und I Johannis. Diese Anführungen sind zwar immer nur kurze Säße, allein fast niemals durchaus wörtlich, auch wo sie mehr als bloße Anspielungen sind. Man merkt ihnen ab, daß

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sie dem Schreiber aus einer reichen Schriftfenntniß zugeflossen, daß sie jedoch nur aus freier Erinnerung mit denjenigen kleinen Uenderungen in Fassung und Saßbau niedergeschrieben sind, wie sie sich an ihrem Plaße am ungezwungensten in den Fortgang der Rede einfügten. Dus zeugt aber für die Vechtheit des Briefs, d. h. für die Unbefangenheit des Verfassers. Ein Fälscher dürfte dergleichen kaum gewagt, ja kaum vermocht haben, da er eben nicht unbefangen gewesen wäre. Auch ist der ganze Brief der reine und unverfälschte Ausdruck einer Treuherzigkeit, einer zarten, milden und doch ernsten Aufrichtigkeit, eines Geis stes der Wahrheit, welche man rol haben, aber nicht nachahmen kann. Die darin enthaltene Lehre ist noch ganz die eines unmittelbaren Apostelschülers und zeigt noch keine Spur spåterer kirchlicher Ausbildung. Auch die im siebenten Kapitel erwähnten Häresien deuten durchaus auf den Anfang des zweiten Jahrhunderts, und ein Verfasser, der bereits die großen gnostischen Systeme vor sich oder hinter sich gehabt, würde sich schwer: lich auf diese einfachen Säße beschränkt haben. Wenn endlich Frenäuß des Briefes gedenkt, Eusebiuß zwei Kapitel (9 u. 13) aus ihm anführt, des Eusebius Stirchengeschichte aber, worin dieß geschieht, dem Hieronymus bei Abfassung derselben Schrift vorliegt, worin er erwähnt, daß der Brief noch zu seiner Zeit in Asien öffentlich gelesen werde: so dürften auch hinlängliche äußere Zeugniße für denselben vorhanden seyn.

Uebrigens ist nichts unerquicflicher und unfruchtbarer, als jene zur Krittelei zugespißte feritif, welche auch die bestverbürgs ten Urkunden des christlichen Alterthums anzweifelt und verdächtigen, ja verwerfen will, und welche nichts gemein kat mit jener besonnenen Prüfung, die zur Abscheidung des erweislich Unachten von dem als acht Bezeugten im Interesse der Wahrheit unerläßlich ist. Meist wird man finden, daß jenem Verfahren entweder eine, das volle Christenthum im Alle

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verneinende Richtung zum Grunde liegt, oder das Trachten, unbequeme Zeugniße der alten Zeit zu beseitigen, welche die leßtere anders erscheinen lassen, als man sich und Undern gern vorstellen möchte, oder auch die Lüsternheit, durch neue, absonderliche, wenigstens scharfsinnige Behauptungen Aufsehen zu erregen. Oftmals spielen auch alle diese Beweggründe durcheinander.

Doch genug, daß unser Brief von den strengsten unbe: fangenen Forschern als ächt anerkannt ist.

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Den Hauptinhalt des Briefes giebt der heilige Schreiber selbst an. Es ist die christliche Gerechtigkeit, über welche die Philipper , wol nicht ohne Hindeutung auf das Vergehen des Celtesten Valens, den Jünger des seligen Johannes hatten hören wollen.

Unter Festhaltung dieses Gesichtspunktes folgen mir nunmehr im Einzelnen dem Gange des Schreibens.

Es beginnt, löblicher Sitte alter Beit gemäß, mit einem den Schreiber und die Empfänger anzeigenden Segensgruße, ber diesen Leşteren Mehrung der Barmherzigkeit und des Friedens wünscht, welche sie von Gott und dem Heilande bereits empfangen haben. Polykarpus nennt sich selbst nur als unter denen, die mit ihm Aelteste, Presbyter, sind, und erwähnt auch spater weder seiner eigenen bischöflichen Würbe, noch des Bischofs von Philippi, selbst wenn er von den kirchlichen Uemtern redet (Kap. 5 u. 6) Zum Theil mag Demuth die Ursache davon feyn. Dann aber ist es auch natürlich, daß in den Gegenden, wo bis vor wenigen Jahren noch der leßte Apostel selbst die oberste Stelle einnahm, sich jene Auszeichnung und kräftige Herausgliederung der Bischofswürde noch nicht genügend entwickelt hatte, wie nach Heimgang der Apostel sie Zeit und Lage der Kirche forderten, wie Ignatius fie mit Entschiedenheit gelehrt. Wenigstens dür

fen wir bei Polykarpus in dieser Hinsicht auf eine gewiffe Zurückhaltung und Baghaftigkeit schließen, theils eben wegen dieser Verschweigung, theils weil Ignatius, nachdem er ihn fennen gelernt, es für nöthig hielt ihn zu ermahnen, daß er seinen Plaß behaupten, wertheidigen, ihm sein Recht verschaffen solle. - Indem Polyfarpus sodann die Gemeinde anrebet als „die da Fremdling (Beisasse ohne Bürgerrecht) ist zu Philippi,“ bringt er ihr kurz in Grinnerung, daß wir hienieden keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen, die unsre rechte Heimath ist. Schön erklärt diesen Ausdruck der von einem unbekannten Apostelschüler verfaßte Brief an Diognet, indem er (stap. 5) von den Christen sagt: „Sie bewohnen eigne Heimathen, aber als Fremdlinge. Sie theilen Alles als Bürger, und dulden Alles als Gäste. Jede Fremde ist ihre Heimath und jede Heimath Fremde."

1. Aus den Anfangsworten des Briefes selbst ist zu schließen, daß die Philipper in ihrem Anschreiben an Polykarpus ihre Freude ausgedrückt hatten über des Ignatius und seiner Freunde Anwesenheit in Philippi, und daß sie über dessen Aufnahme und Weitergeleitung berichtet hatten. Polyfarpus freuet fich mit ihnen im Herrn ein Ausdruck, der auch in der heiligen Schrift häufig vorkommt, ww auch andre Zeitwörter des Thuns, des Leidens, oder des Zustandes mit den Worten „im Herrn, in Christo, in Gott, im Geiste," oft verbunden werden. Der Ausdruck ist ganz eigentlich im vollsten Sinne zu nehmen, und nicht abzuschwächen. „Ju“ bezeichnet das Verhältniß, wornach etwas als Theil von einem Ganzen umfaßt ist. Wer mithin fagt, er thue, leide oder sexy etwas in Christo, der sagt damit aus, daß er sich damit wesentlich als in das Leben Christi befaßt, als Theil und Glied desselben verhalte, daß er dabei Christum alß den lebenbigen Grund seines Verhaltens wisse. Und so soll es ja

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