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darin, dass der Schuldige vom Fluss, in den er springt, fortgerissen wird, der Unschuldige aber leben bleibt). In mannigfachen Anwendungen finden wir das Wasserordal bei den verschiedensten Völkern, in Hinterindien?), bei den Malaien des ostindischen Archipels 3) auf Madagaskar in der furchtbaren Form des Krokodilordals, von welchem SiBREE4) meint, dass nur Wenige lebend aus ihm hervorgehen. Der Bezichtigte muss einen von Krokodilen bevölkerten Fluss durchschwimmen; vorher schlägt man das Wasser dreimal und redet die Krokodile mit der Bitte an, sie möchten zeigen, ob der Bezichtigte schuldig ist oder nicht.

Hier also wird die Entscheidung überall getroffen, je nachdem das Wasser den Verdächtigten bei sich behält oder ihn zurückgibt. Aber mitunter wird dies Element auch in anderer Weise zum Gottesurteil benutzt. So muss nach Negerrecht Wasser in voller Schüssel getragen werden; und, wer schuldig ist, verschittet"). Bei den Sandwichinsulanern hält

1) Gesetzbuch des HAMMURABI S 2: »Wenn jemand eine Verdächtigung gegen einen andern ausbringt und derjenige, gegen welchen die Verdächtigung ausgebracht ist, zum Flusse geht, in den Fluss springt: wenn der Fluss ihn ergreift, so soll der, der ihn umstrickt hat, sein Haus in Besitz nehmen. Wenn aber der Fluss jenen für unschuldig erweist und er unversehrt bleibt, so soll der, welcher die Verdächtigung gegen ihn ausgebracht hat, getötet werden, derjenige, welcher in den Fluss gesprungen ist, das Haus seines Umstrickers in Besitz nehmen. Also im Effekt ein zweiseitiges Ordal! Anwendung auf die Bezichtigung des Ehe

bruchs in § 132.

) KESSE-WARTEGG, Siam, S. 202, 203 ; KOHLER in Zeitschrift, Bd. 13,

S. 132.

3) KOHLER nach WILKEN ebenda, Bd. 5, S. 460.

4) Madagascar, S. 284. Ähnlich gefahrvoll ist das Schlangenordal der Inder, bei welchem der Beschuldigte aus einem Gefäss mit eingeschlossener Schlange eine Münze herausholen muss (Kohler in Zeitschrift, Bd. 8,

S. 142).

5) HUTCHINSON, Impression of Western Africa, S. 158. WILUTZSKY, Vorgeschichte des Rechts III

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der Angeklagte die Hand über das Wasser, während der Priester Gebete hersagt; zittert das Wasser, so ist er schuldig 1).

So ist es mit Feuer und Wasser. In ihren schwersten

men ist beiden Ordalen gemeinsam, dass ein Bestehen der Probe nur durch ein Wunder möglich erscheint: das Feuer muss nicht verbrennen, das Wasser nicht ertränken, das fürchterliche Raubzeug, das in ihm wohnt, muss sich unschädlich gehaben. Wir können daher, da die Menschheit den steten Misserfolg dieser Proben für den Verdächtigten vor Augen hatte und doch an ihnen festhielt, nur annehmen, dass ihre Anwendung regelmässig nur bei Fällen schwersten Verdachts stattfand, wo eben nur ein Wunder den Ausgang der Unter. suchung günstig für den Angeklagten gestalten konnte). Und ebenso steht es mit dem Giftordal, bei welchem auch nur die Gottheit, der Fetisch, retten kann. Wir finden es in Indien, und zwar in alter Zeit 3); auch aus dem alten Hellas ist uns eine Spur überliefert“); aber sein Hauptsitz scheint Afrika zu sein. Denn es kommt in den verschiedensten Gegenden dieses Kontinents vor, in Westafrika"), wie bei den Ba-Ronga an der Delagoabai“), wie bei den Bantuvölkern Ostafrikas). Wer den Gifttrank ausbricht, gilt als unschuldig, andernfalls als der Schuld überführt; man glaubt, dass der Fetisch mit dem Trank eingeht, und, wenn er das Herz schuldig findet, den Schuldigen

S. 29.

1) Zeitschrift, Bd. 5, S. 370.
3) GRIMM, Rechtsaltertümer, S. 911.
3) STENZLER a. a. O., S. 674; SCHLAGINTWEIT a. a. O.,

Man denke auch an die heutige, bei uns so oft vorkommende Redewendung, die zu denken gibt: »Darauf kann ich, oder kannst du Gift nehmen.«

4) Die Priesterin eines Tempels in Achaja musste zur Erprobung ihrer Sittenreinheit Ochsenblut trinken, das im Altertum als tötendes Gift galt: Die Unkeusche trank sich den Tod (PAUSANIAS VII, 25, 8; Becker, Charikles, Bd. 2, S. 284). 5) Zeitschrift, Bd. 11, S. 465 ff. Ellis, Tshi-speaking peoples, S. 196 ff

. 6) Zeitschrift, Bd. 14, S. 472. 7) Zeitschrift, Bd. 15, S. 77 ff.

tötet 1). Auch dies Ordal hat auf Madagaskar bis in die neuere Zeit in ganz besonders erschreckender Form Anwendung gefunden. Man benutzt hierzu eines der schärfsten Pflanzengifte, das des Tanghinbaums, das Vinson in seinem Werk über Madagaskar?) ►le roi des poisons de la Flore malgaches nennt. Es wurde als einseitiges Ordal angewandt und galt als beliebtes Mittel, um den Verdächtigen auf die Beschuldigung der Zauberei oder des Verrats zu erproben; so kam es, dass ganze Ortschaften sich durch dieses fürchterliche Ordal recht. fertigen mussten und dadurch entvölkert wurden 3).

Als zweiseitiges Ordal finden wir die Giftprobe in eigen. tümlicher Anwendung bei den Ganguellas (landeinwärts von Benguela); der nächste Verwandte des Verstorbenen und der Mann, der diesen durch Zauberei um das Leben gebracht haben soll, müssen hier einen sinnverwirrenden Trank nehmen,

1) BEECHAM, Ashantee and the Gold Coast, London 1841, S. 219. Ähnlich wird es

an der Goldküste mit der Abkochung einer Kinde gehalten, die auf manche Konstitution als Brechmittel wirkt; übt sie diese Wirkung aus, so gilt der Bezichtigte als unschuldig, andernfalls als überführt (CRUJCKSHANK, 18 years on the Gold Coast of Africa, London 1853, Bd. I, S. 287). Die leidenschaftlichen Volksscenen, zu welchen es in Westafrika beim Ordal des Gifttrunks kommt, schildert Du CHAILLU ((Journey to Ashango-Land, S. 175, 176): »Die armen Burschen wurden mitten in einen Kreis erregter Zuschauer gebracht, und es war schrecklich, die Wildheit, die sich in den Gesichtern der Leute ausdrückte, zu sehen: ihre Naturschien sich gänzlich verändert zu haben. Messer, Äxte und Speere hielt man bereit, um damit den Leib der Opfer zu bearbeiten, wenn sie beim Ordal unterliegen sollten; falls der Beschuldigte unter dem Einfluss des Gifttranks straucheln sollte, würde die jetzt ruhige Menge plötzlich wie wahnsinnig werden und sich nicht zügeln lassen. Alles schien eifrig zu erwarten, dass ihrer abergläubischen Furcht Opfer fielen«.

2) Voyage à Madagascar, S. 292 ff.
3) VINSON a. a. O.; SiBree, Madagascar, S. 281 ff.

und wer am meisten darunter leidet, gilt als überführt und wird getötet).

Dies führt zu dem Ordal des geweihten Trunkes oder Bissens hinüber, das weniger mörderisch als das Giftordal, doch innerlich mit ihm verwandt ist. Es wird uns bereits im 4. Buch Mosis) gepau beschrieben, wo der eifersüchtige Mann verlangen kann, dass seine Ehefrau sich von dem Verdacht des Ehebruchs durch den Genuss »bitteren verfluchten Wassers« reinigt, das ihr der Priester vor dem Altar nach feierlichem Opfer zu trinken gibt.

Bei den alten Indern kam dies Ordal in der Form des Reisessens vor3). Wir finden es bei den Germanen als Gottesurteil des geweihten Bissens und unter christlichem Einfluss als Abendmahlsprobe (judicium offae), wobei die Hostie dem Schuldigen im Halse stecken blieb“).

Die Kost, die der Beschuldigte zu sich nehmen muss, kann ihm auch Qualen verursachen, die er zu überstehen hat, um sich schuldlos zu erweisen. So gab man der wegen Untreue verdächtigten Ehefrau bei den Chibihas im jetzigen Neu-Granada (Südamerika) wütenden Durst erregenden Piment-Pfeffer zu essen; konnte sie sich einige Stunden bezwingen, ohne zu trinken, so war ihre Unschuld dargetan).

Oder die Kost wird in erschreckender und in feierliche Stimmung versetzender Weise eingenommen, wie das bittere Wasser der Hebräer oder die Hostie der Abendmahlsprobe; so wird bei den afrikanischen Wakamba aus einem Menschen.

1) Serpa Pinto's Wanderung quer durch Afrika (übersetzt von WoBESER), Bd. 1, S. 121.

2) 5, 18 ff.
3) GRIMM, Rechtsaltertümer, S. 935, 936.

4) Grimm ebenda, S. 931; Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte, Bd. 2, S. 412, Dawn, Bausteine, Bd. 2, S. 46, 47, 125; Kägi, Alter und Herkunft des germanischen Gottesurteils in der Festschrift zur Begrüssung 'der 39. Versammlung deutscher Philologen in Zürich, 1887, S. 54 ff.

5) ANDREE im Globus, Bd. 29, S. 40.

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schädel getrunken 1). Oder in den Trank werden unheilkündende Dinge gemischt?), wie Rost, der von Schwertern geschabt ist, zum Zeichen des dem Schuldigen nahen Todes durch das Schwert3).

Es gibt aber auch Gottesurteile, welche den Schuldigen aus seiner inneren Erregung überführen wollen und die man Ordale der festen Nerven nennen könnte. So muss bei den Kunamas und Bareas in Ostafrika der des Mordes Bezichtigte sich mit seinen Dorfgenossen vier Tage hintereinander in das Dorf des Erschlagenen begeben und dort einen Augenblick verweilen. Bleibt er beim Anblick der Verwandten des Ge. töteten ruhig sitzen und verrät er keine Furcht, so ist er unschuldig; Aieht er, so gilt er als schuldbewusst“). – Ja man geht davon aus, dass der, auf dem eine Missetat lastet, in bestän. diger Unruhe und Verwirrung lebt, und auch das Unverfängliche ihm Angst verursacht. So besteht ein Ordal auf dem an den verschiedensten Formen des Gottesurteils reichen Madagaskar darin, dass neben dem Beschuldigten dreimal ein Strick auf die Erde geschlagen, ihm dreimal Haare abgeschnitten und unter Gebeten in die Luft geworfen werden; zittert und erbricht er sich, so ist er schuldig).

Dem Lose gleich und ganz in das Wirken der Gottheit gestellt ist das indirekte Ordal, bei dem der Beschuldigte überhaupt gar nicht tätig ist, sondern von einem Zufall, dem Verhalten von Tieren oder gar leblosen Gegenständen die Entscheidung abhängig gemacht wird. Es ist dies das gerade Gegenstück zu dem eben besprochenen Gottesurteil, bei den

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1) HILDEBRANDT in Zeitschrift f. Ethnologie 1878, S. 388, 389, vergl. auch HARTMANN, Abyssinien, S. 233.

2) KOHLER in Zeitschrift, Bd. 5, S. 462.
3) KOHLER ebenda, Bd. 6, S. 349.
4) MUNZINGER, Ostafrikanische Studien, S. 499 ff.
5) SIBREE, Madagaskar, S. 284.

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