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Der Diwân des Garwal b. Aus Al-Hutej'a.

Bearbeitet von

Ignaz Goldziher.

Einleitung Unter den Quellen der arabischen Culturgeschichte der Epoche, in welcher die Vertreter des Geistes der Gâhilijja ihren Nacken unter das Joch des Islam beugen mussten, nehmen die Dichter jener Uebergangszeit das hervorragendste Interesse in Anspruch. Erfüllt von den Gedanken und Idealen, durchtränkt von der Weltund Lebensanschauung des Heidenthums bequemt sich diese erste Generation muhammedanischer Araber nur sehr schwer dem ihr aufgezwungenen neuen Ideenkreis an. Vergebens muthete man ihr die frömmelnde Art zu, die zur Herrschaft gelangt war; aber ebenso vergeblich auch nur das negative Zugeständniss, von ihren Dichtungen die Momente fernzuhalten, welche den Lebensnery der heidnischen Poesie bildeten. Auch die neuen Verhältnisse spiegeln sich unter dem Gesichtspunkt alter Ideen. Die Dichter kommen dadurch zuweilen in Conflict mit den positiven und negativen Forderungen der religiösen Macht. Hassan ibn Tabit, Ka'b b. Zubejr und vielleicht noch der eine oder andere ihrer Dichtergenossen bilden immer nur Ausnahmen von dem allgemeinen Geist, der die dichterischen Hervorbringungen dieser Zeit des Ueberganges keppzeichnet.

Es wäre wünschenswerth alles, was aus der dichterischen Litteratur jener Zeit errettet ist, im Zusammenhange kennen zu lernen. Neben dem philologischen Interesse, welches die zusammenhängende Darstellung dieser litterarischen Reste böte, würden aus denselben nicht unansehnliche Documente für die Culturgeschichte erschlossen werden können. Aus diesem Gesichtspunkte wird die Veröffentlichung des nachfolgenden Diwâns sich rechtfertigen lassen. Einige Bemerkungen über die Lebensumstände und den Charakter des Dichters, über seine Stellung zu den Bewegungen seiner Zeit, sowie über die Ueberlieferung seiner Dichtungen mögen die letzteren einleiten.

Bd. XLVI.

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I. Für einen umfassenden Ueberblick des Lebenslaufes des Garwal b. Aus, genannt Al-Ħutej’a (der Kleine, Hässliche“),') stehen uns nur mangelhafte Quellen zur Verfügung. Was Ibn ķutejba (Kitab al-si'r wal-su'arâ', Wiener Hdschr. fol. 57 a ff.) bietet, sind nur wenige Episoden aus dem Leben des Dichters, solche, an welche der Litterarhistoriker seine Proben aus den Gedichten des Hut. anknüpfen konnte. Tiefer führt uns das Kitâb al-a ġ â ni in die Umstände des Familienlebens des Dichters und seine Verbindungen mit hervorragenden Personen seiner Zeit ein. Aber auch daraus gewinnen wir keinen fortlaufenden Faden für eine Biographie des Dichters. Alle diese Daten liefern uns nicht einmal immer zuverlässige Anhaltspunkte für die chronologische Schichtung der im Diwản gesammelten Gedichte. Bei dieser Sachlage müssen wir auf eine abgerundete Darstellung des Lebenslaufes Al-Hute'as verzichten und uns auf einige aus den biographischen Quellen und aus den Gedichten selbst hervortretende Momente beschränken.

Al-Hutej'a ist ein Wanderdichter, der sich in den Lagern der Stämme und in der Umgebung der Gewaltigen seiner Zeit herumtreibt, um dieselben zu klingender Besoldung seiner Ruhmesgedichte zu veranlassen, oder ihren Geiz durch beissende Spottgedichte zu bestrafen. Den vornehmen Ton eines Zuhejr, die edle Gesinnung des 'Urwa werden wir vergebens in seinen Dichtungen suchen. Zur Verächtlichkeit bestimmte ihn ja nach arabischen Begriffen schon seine Abstammung, deren Makel er weder durch das stolze Selbstbewusstsein noch durch die heroischen Thaten eines “Antara abzuwaschen verstand. Er war seiner Herkunft nach, was die ara

%, bedenklichem Ursprung zu nennen pflegen. Sein Vater Aus war vom Stamme der Banû ‘Abs, einem hochgeachteten Stamme, der zu seinem Ruhme auf grosse Helden (‘Antara, Ķejs b. Zubejr, 'Urwa u. A.) und auf gar manchen Ehrentag hinweisen konnte; dessen rechtmässige Gattin war die Tochter des Rijâh b. ‘Amr b. ‘Auf, dessen Stammbaum auf das Geschlecht derer von Duhl, vom ansehnlichen Stamm der Bekr b. Wa'il zurückgeführt ward. Aber nicht aus dieser Ehe wurde Huț. geboren. Seine Mutter war Al-Darra', eine Sclavin des Aus. Diese wollte den Aus an seine eifersüchtige Gattin nicht verrathen und gab den Afkam, einen Bruder derselben, als den Vater des Garwal aus. Nach dem Tode des Aus schenkte dessen freie Ehegattin dem Kinde ihrer Sclavin, welches nach arabischem Brauch in ihren Besitz übergegangen war,

einen Menschen von ,مغموز(لا النسب bischen Genealogen einen

1) Man gab ihm auch den Beinamen: Sakît (Ta bän).
2) So ist statt jenen Aģ. II, 44 oben zu lesen vgl. Comm. zu 42, 3

.

غمزه بشه

die Rechte eines Freien, und diese Stellung gab ihm Ansprüche, an dem Besitz der Familie mit den beiden legitimen Söhnen des Aus theilzunehmen. Diese gestanden ihm mit dem Recht, im Verbande der Familie zu verbleiben, auch den Mitbesitz des gemeinsamen untheilbaren Vermögens zu. Huț. aber forderte einen besonderen Antheil für sich; dies wollte ihm die Familie nicht zuerkennen, und dadurch soll die im Ged. 91 von Hammad allein überliefert enthaltene Verspottung der beiden freigeborenen Söhne des Aus veranlasst worden sein.

So wird die Abstammung des Huț. von Ibn al-Kalbî dargestellt, der darüber die speciellsten Angaben mittheilte. Al-Ħutej'a hatte Kenntniss von der Bedenklichkeit und Unsicherheit seiner Genealogie und scheint seine Mutter nicht selten dazu gedrängt zu haben, ihm frei herauszusagen, ob er sich nach Aus einen ‘Absiten, oder nach Afkam einen Aufiten oder Duhliten nennen könne? Die Unentschiedenheit der Mutter schildert er in einem Gedichtchen, das in den Diwân nicht aufgenommen wurde :

„Al-Darra' sagt mir: Du gehörst weder einem noch zweien an; sieh zu, wie die Gemeinsamkeit beider (nämlich des Aus und des Afkam) möglich sei!

,Du bist ein Narr, der vergeblich nach einem Vater forscht; wirst du denn nicht von deiner Thorheit erwachen ?"

(Im zweiten Vers ist er es selbst, den er anredet.)

Zunächst war es ihm ja freilich nur die materiellen Beneficien der Stammeszugehörigkeit zu thun. Da er unter den *Absiten als Sohn des Aus nicht recht zur Geltung kommen konnte

man wird ihn dort immer nur als Maulâ betrachtet haben versuchte er es, sich an die Familie des Afkam in Jamama zu halten. Er suchte dieselbe in Ķurejja auf und dichtete Ruhmesgedichte zu Ehren der Banû ‘Auf, lobte ihre Tugenden und ihre Treue und gab sich selbst als ihren Angehörigen aus.

Bald konnte er sich aber überzeugen, dass die beanspruchten Vettern auf seine Wünsche nicht recht eingeben mochten.

„Ich habe gewünscht, dass Bekr (b. Wâ’il, der Hauptstamm, von dem die B. ‘Auf durch Duhl abgeleitet sind) mein Stamm sei; aber meine Familie und Bekr sind die schlechtesten der Stämme.

„Wenn ich sage, dass ich Bekrî bin, so versaget ihr mir meine Bedürfnisse. O, gehörte ich doch zu Anderen als zu Bekr b. Wâ’il“.)

Und nun wendet er sich wieder zu den 'Absiten zurück. ist bezeichnend, dass sich sein Zorn gegen seine Mutter, als die Urheberin dieser seiner Ungewissheit kehrt. Sie hatte mittlerweile einen Absiten geheirathet, welcher dem Clan der Banû Gaḥś vom 'absitischen Zweigstamm Banû Bigad angehörte.2) (Ged. 21.)

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Es

1) Aģ. ibidem; diese Verse fehlen im Diwân.

2) Nach dein Berichte des Abû-l-Jakzân soll Darrâ' einen Mann von sehr anrüchiger Abstammung geheirathet haben: einen gewissen Kalb b. Kunejs b.

Es ist möglich, dass dies die Ursache des harten Higa' ist, mit welchem ķut. die Bani Bigad und speciell die Gaḥś (19, 17) verfolgt (19. 21. 44. 66). Feigheit im Kriege wie in der Vertheidigung ihrer Familie, Schlaffheit in der Beschützung ihrer Schutzbefohlenen, Engherzigkeit u. a. wird ibnen zur Last gelegt. Hinsichtlich der besonderen Beziehung (Ermordung des Chalid, welche die 'Absiten gegen den Willen der B. Biģâd rächten) können auch wir über das „non liquet“ des Scholiasten nicht hinauskommen.

II. Sehr viel Schwierigkeiten begegnen wir, wenn wir für die Anfänge der dichterischen Laufbahn Huț.'s einen chronologischen Ausgangspunkt zu gewinnen suchen, sowie es ja im Allgemeinen kaum möglich ist, für die frühe Jugend des Dichters eine sichere Zeitbestimmung zu wagen. Zu sehr unwahrscheinlichen Resultaten würden wir gelangen, wenn wir uns den chronologischen Angaben der arabischen Philologen arglos überlassen wollten. So viel ist sicher, dass Huț. bereits einige Zeit in der Ġa hilijja als Dichter bekannt war, und dass seine Blüthezeit in die Regierungsepochen des Abû Bekr, 'Omar und 'Otmân fällt. Wie weit zurück er noch in die heidnische Zeit reicht, und wie weit herab seine Lebensdauer währt, können wir mit Sicherheit nicht angeben. Mit den arabischen Philologen und Historikern müssten wir ihn ein Alter von mindestens 130 Jahren erreichen lassen.

In Anbetracht der langen, nach einigen bis an Muhammeds Zeit reichenden Lebensdauer des Zuhejr würde uns die Nachricht, dass Ņuț. der Rawi des Zubejr war, auch dann nicht zu einer genauen Bestimmung der Anfänge unseres Dichters helfen, wenn diese Nachricht über allen Zweifel gesichert wäre. Hinsichtlich der Râwi-Beziehungen des Hut. lauten die Angaben in einigen für die dichterischen Verhältnisse der alten Zeit jedenfalls sehr interessanten Berichten verschieden. Während nach einigen Hut. der Råwi des Zuhejr und seines Sohnes Ka'b war (Aġ. VII, 78, 8 mily; angly: ibid. II, 46 ult., 47, 1; XV, 147, 16 ff. Jone; ängly), wird bei anderen dies Verhältniss in anderer Weise dargestellt: isió)

( ,

زفير

کان

بن خشرم) يروى للحطيئة والحطيئة يروي لكعب بن زهير وكعب

لأبيه زهير وكان جميل راوية هدبة وتثير راوية جميل

بروی

Gåbir aus dem dârimitischen Stamme der Nahšal. Seine Mutter war eine Sclavin des Zurâra, Vaters des Lakîț. Zurâra nun betrachtete das Kind seiner Sclavin als ihm zugehörendes Eigenthum, und auch sein Sohn (1. dil st. ) Lakit wollte den Kalb sowie auch seinen gleichfalls von der Sclavin geborenen Bruder Jarbû“ nicht aus seinem Besitz entlassen. Jener Kalb soll nun die Darrà' geheirathet ben, Es ist zu bemerken, dass diese Erzählı nur eine Weiterbildung von Aj X, 26 oben ist, wo sie mit der Parra' noch in koinen Zusammenhang gebracht ist.

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