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out. 8, 4-15. . Da nun viel Volfs bei einander war, und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichniß: Es ging ein Säes mann aus zu fäen seinen Samen, und indem er fäete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten und die Vögel unter dem Hims mel fraßen es auf. Und etliches fiel auf den Fels; und da es aufging, verdorrete es, darum, daß es nicht Saft batte. Und et: liches fiel mitten unter die Dornen, und die Dornen gingen mit auf und ersticten es. Und etliches fiel auf ein gut fand, und es ging auf und trug hundertfältige Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, und sprachen, was dieses Gleichniß wäre? Er aber sprad: Euch ist es gegeben, zu wissen das Geheimniß des Reiches Gottes, den andern aber in Gleichnissen, daß fie es nicht sehen, ob sie es soon seben und nicht verstehen, ob sie es schon bören. Das aber ist das Gleichniß: der Same ist das Wort Gottes. Die aber an dem Wege sind, das sind, die es hören; darnach fommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen, auf daß sie nicht glauben und selig werden. Die aber auf dem Fels, sind die, wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an; und die haben nicht Wurzel, eine Zeit lang glauben sie und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. Das aber unter die Dornen fiel, find die, so es hören, und geben hin unter den Sor: gen, Reichthum und Wollust dieses Lebens, und erstiden, und bringen keine Frucht. Das aber auf dem guten Lande, sind die das Wort hören und behalten in einem feinen guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Einfach und natürlich erscheint uns das verlesene Evangelium. Es enthält ein Gleichniß und des Gleichnisses Deutung. Bertraut ist es uns von Jugend auf, und es beint, als bedürfte es faum der Erinnerung und der Andeutung, um durch das Gleichniß hindurch zu bauen in die volle Wahrheit. Und doc, liegt im Einfachsten und Klarsten nicht aud wieder das Schwerste und Tiefste ? Wer vor einem flaren Sprude oder einer einfachen Erzählung des Evangeliums fteht, dünft es dem nicht oft, als stände er an dem stillen Spiegel eines Sees? Wie festgebannt schaut das Auge binein, wie gezogen von einer unsichtbaren Gewalt; in die Tiefe will es dringen und erreichet doch nimmermehr den Grund.

Solches ist der Fall auch mit unserm heutigen Gleichnisse. Ja, da handelt es sich nicht blos um das Auge, mit dem wir in die Tiefe schauen, sondern noch viel inehr um das Ohr, mit welchem wir das Wort in unser Herz bereinlassen. Wahrlid, es muß an unserem heutigen Gleichnisse etwas zu hören sein. Der Heis land, der nichts vergeblich sagt, ruft nicht umsonst: „Wer Obren bat zu hören, der böre!" Es muß etwas in diesem Gleichnisse sein, was vielleicht eben seiner anscheinenden leichtigfeit und Verständlichkeit wegen an dem Dhre schnell vorübergeht und den Weg nicht findet, der von dem Dhre zum Herzen geht. Lasset uns darum auf ein Zwiefaches unsere Andadyt richten, auf den Inhalt des Gleichnisses und sodann auf die Frage, was dazu gehöre, diesen Inhalt recht zu verstehen.

Herr, mache du selbst aus unserm Herzen einen Ader, in welchen du dein Wort fäest, bewahrest und zur gesegneten Frucht bringst! Amen.

1. Der Inhalt unseres Gleichnisses läßt sich in wenige Worte zusammenfassen aber freilid was umfassen dieselben nicht? Gottes Wort und des Menschen Herz!

Der Säemann geht umher und streut den Samen aus. Der Same ist das Wort Gottes. Es ist etwas Kleines und Geringes um ein Samenförnlein – und dod etwas fo Wunderbares. Es wird in die Erde gelegt, es erstirbt in derselben, und siebe, das

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verborgene, schöpferische Leben, das in ihm wohnt, quillt hervor und wird zur reichen Frucht. If solches nicht das redendste Bild für die Natur des göttlichen Wortes? Es tritt auch so ge: ring und unscheinbar auf; hält man es neben Worte, die begeis sterte Menschen ausgesprochen, neben Worte von Dichtern und Weisen, ach, da will es manchem bedünfen, er fäbe nur fleine, faum zu achtende Samenförnlein neben Gold und Silber und föftlichem Edelgestein. Und Fiebe, dieses geringe Wort, das nicht glänzt, hat ein Leben in sich, ein göttliches Leben. Senft man es in den Grund des Herzens, so fann es aufgeben, so kann es das in ihm liegende göttliche Leben entwideln und zur sichtbaren Erscheinung gestalten.

Gel., das Wort Gottes ist nicht wie eine Lehre, die uns vorgetragen, die uns anbewiesen oder die durch unser Nachdenken, unsre Überlegung hervorgearbeitet wird; ach nein, dieses Nachdenken, diese Überlegung, unsere ganze geistige Natur ist nur das Klima, unter welchem das Samenkorn des göttlichen Wortes aufgeht, nicht aber die schöpferische Kraft selbst, wodurch es bervorbrigt. Diese liegt in dem Worte selbst. Ift es nicht das Wort dessen, der Himmel und Erde geschaffen hat? Ist es nicht das Wort dessen, der ain legten durch den Sohn geredet? Ist dieser Sohn nicht felbft das föftliche Samenforn, das sich in die Erde gelegt, damit die Frucht vom Lebensbauine gepflückt werden fönne? Und wenn das Wort nur der Wiederbal des innern Lebens ist, kann der Sohn Gottes andere Worte reden, als göttliche? Wenn er, wie ihn der Jünger nennt, der an seiner Brust lag, wenn er selbst das ewige leben ist (1 Job. 5, 20.), fann er etwas anderes reden, als Worte, die Geist und Leben sind? Kann er es nicht ohne alle übertreibung sagen: „Himmel und Erde werden vergeben, aber meine Worte werden nicht vergeben" (Matth. 12, 35.)? D, Gel., wenn uns erzählet wird: ein Volt sei abgesona dert von allen übrigen, nicht durch sein Verdienst und seine Tugend, sondern durch die vorsehende Gnade und Barmherzigkeit Gottes, dieses Volf werbe wunderbar geführt durch Wüsten des landes und der Seele, es werde gezüchtiget, errettet und beways

ret, bis daß das edle Reis aus der Wurzel Jeffe's emporgeblüht; wenn wir den Mann erbliden, auf welchen alle diese Vorbereitung abzielt, ihn seben in seiner Arbeit, in seinen Schmerzen und Siegen,

„Wie er von Liebe nur beweget,
Sich ganz uns hingegeben hat
Und in das Grab sich hingeleget

Zum Grundstein einer Gottesstadt: o, das ist eine andere Gedichte, als es sonst Geschichten giebt, das sind nicht föstliche Perlen, die man zum Samude sich anlegt, sondern es ist ein Samenforn, das in's Herz gesenft wird, um Frucht des ewigen Lebens zu bringen. Und wenn die Friedens: boten ausziehen und legen uns den Sinn aus, der in dieser Geschichte lebt, wenn sie das Wort entgegenrufen: wasset eud verföhnen mit Gott, denn Gott war in Chrifto und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ibre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung“ (2 Cor. 5, 19. 20.); wenn verfündigt wird: „das Alte ist vergangen, siebe, es ist alles neu geworden" (2 Cor. 5, 17.); wenn die Mahnung unsere Seele trifft: „laiset uns ihn lieben; denn er bat uns zuerst geliebt“ (1 Joh. 4, 19.); wenn das evangelische Gesez aufgestellt wird: „das ist die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote balten, und seine Gebote sind nicht rower (1 Joh. 5, 3.); wenn daran, daß wir den Bruder lieben, das Zeugniß erfannt werden soll, daß wir Gott lieben (1 Joh. 4, 21,): 0, solde Worte und Mahnungen sind nicht vervallende leba ren, sondern sie graben sich in's Herz und bleiben dort als Lebensfeime, und wenn sie wieder zum Vorscheine kommen, so find sie liebliche Früchte des Geiftes geworden, wie sie der Apostel schildert: „liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlich feit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Keuso beit" (Gal. 5, 22.).

Freilich, wenn solche Früchte hervorbrechen sollen, da ist nicht allein ein Samenforn nöthig, sondern audy ein Ader, worin das

Samenforn gelegt werden muß. Dieser Acker ist unser Menschenberz. In diesem Vergleiche liegt dieselbe Bedeutsamfeit, wie in dem Vergleiche des göttlichen Wortes mit dein Samenforn. Es läßt sich aus ihm ebenso des Menschenherzens Natur erfennen, wie wir aus dem Vergleiche des göttlichen Wortes mit dem Samenforne die Natur des göttlichen Wortes erfannt haben.

Was ist ein Acer? Ein zum Tragen von Früchten bestimmter empfänglicher Boden. Er hat das Samenforn aufzunehmen, es zu bewahren, damit es aus ihm in einer erneuten und verberrlichten Gestalt hervorgebe. Nun frage dich, Menschenherz, ob du solch ein empfänglicher Boden bift und sein wilft! Prüfe dich, ob du erfennest, wie du vor allem dazu berufen bist, aufzunehmen und das Empfangene zu verarbeiten, oder ob du Schöpfer deines eigenen Lebens sein willst, ob du aus dir selbst ohne Hingebung Früchte bringen willft! Erforsche dich, ob du, obwohl du nur ein Aderwerf Gottes sein souft, dich vielmehr für das Samenforn oder gar für den Säemann selbst hältft; ob, statt daß Pflanzen der Gerechtigkeit aus dir hervorwachsen, ein üppig wud)erndes, in falschem Glanze schillerndes Unfraut über dich fidy ausbreitet, zu nichts anderem geschickt, als daß es in das Feuer geworfen wird!

Freilich mit dem Empfangen des Samenforns ist es noch nicht gethan. Es muß auch bewahrt werden, es muß auch durchbrechen, es muß als Frucht erscheinen. „Wer Ohren hat zu hör ren, der höre!" Daß Frucht gewonnen werde, darauf fommt Alles an. Und von dem Aufnehmen des Samenfornes bis zu dem Werden der Frucht -- weldh' ein langer und dwerer Weg, , darauf noch so vieles zu Grunde gehen famn! Das Samenforn ist ausgeworfen, es ist das Wort Gottes; das Aderland ist vorbanden, es ist unser Herz. Nun denn, wie ist dies Herz beidhaffen?

it's ein Weg? Ein Weg, „auf welchen das Samenkorn fiel und es ward zertreten und die Vögel unter dem Himmel fraBen es auf“? Oder ohne Gleichniß: sind wir nur Hörer des Worts, „darnach aber fommt der Teufel und nimmt das Wort

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