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wirt verwandelt in ain guot die wil er messe hæren tuot. Daz wart uns an aim bekant, der ze sterben was gesant unwizzende zuo ainem kalch, dâ man vesticlich enpfalch, der des kalches maister hiez, daz er in den kalch stiez, wer im köm des morgens zuo an dem selben morgen fruo. dar umb sô west er nîbt ain wort, daz er liden solt den mort. do het er ain gewonbait : wan er für ain kirchen rait, dâ er messe haben kuud, dâ belaib er ûf die slund, daz diu messe ain ende pam. also fuogt sich daz er kam underwegen in der gâch, då ain briester messe sprach. da belaib er unz ûf den segen. då mite het er daz verlegen, daz ain ander kam getrapt mit der ersten botschaft, den der maister het verbrüet. alsô belaib er ungemüet. daz kom von der messe dar. dâ bi sült ir nemen war, daz man kain gelücke nibt. mit der messe übersiht, noch versûmt sich nibt då mit. man versûmt wol übel sit, als ich e gesprochen hân. wan ich bî der messe stân

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75. kalch : kalkofen. 77. kalsz. kalks. l. 78. Beker er den in den k. £. 79. beßer des ersten zu. l. 82. daz mort. l. 89. in gech. in der gach. 4. 93. gedraft. L. 95. beßer m. da verbrůt. l. 96. wol gemůt. &. 101. Man v. kain gewin nicht. L. 102. ü. geschicht. £.

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und bân iht in mim gedanc,
daz mir ward diu wil ze lanc
und ich mich då mit versoum,
wan ich dann her wider.goum
und ez betraht biz ûf den grunt,
sô gedenk ich sâ ze stunt:
wå hin hân ich, tummer, muot!
nu ist er hie, der allez guot
baidia füegen und geben muoz.
dâ mit wirt mir sorgen buoz,
daz ich die trahtung von mir trîb
und bî ganzer messe blib,
und misselang mir nie dar an.
Zeim mâl was ich in dem wân,
daz ich tagwaid riten wolt,
und gedâht mir, ob ich solt
messe hæren in der stat,
daz mir diu wile würd ze spât,
daz ich niht möht komen dá hin.
alsô rait ich in dem sin
ân mefse nach minem shaden,
und kom ûz den rehten pfaden
und verrait in wildez gehag,
daz ich an dem andern tag
kûm biz abends dort hin kam.
daz ich mir zainer tagwaid nam,
dar ûz só wurden grôzer zwô,
und was zaller zit unfrô
unde laid grôz herzensêr.
dâ von getuon ichz nimmer mêr,
daz ich von der messe il.
ez wirt nimmer kain wil

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108. gaud.

lin w. gan: 8.

wa. l.

105. licht. licht. £. 106. wird dů messz. L. 107. da by versan.

111. wan,

112. ders. £. 113. gen u. f. £. 114. zwivelz. l. 118. Denn ze aim. L. 119. ich ain t. L. 121. an. L. 126. den fehlt. audh R. 127. v. mich in ein w. hag. L. 129. hintz abent. £. 131. w. mir. vz war mir gr. l. 132. ze al. len ziten. al di wil. l.

messz so yl. ..

136. Wann ez ist. L.

135. sy.

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in dem tag als wol volbrâht,
als der sî mit andâht
bî der messe vinden låt.
und waz er nach der messe begåt,
daz ist allez wol bebuot.
ez wirt sîn cnde selten guot,
dem diu messe ist unmær:
alsô sprach der Tichnær.

138. boker lich für sî. L. 140. der zit. l. 142. epd sust s. 8. 144. tichtpår. l. So ist der Name hier inimer entstellt.

XVI.

Goethe.

1. Ueber die drei Balladen von Goethe: der Sänger, der Fischer, und der Gott und die Bajadere. Wenn die Lieder Gathe's, zumal die aus seiner Jünglingszeit hers stammenden ziemlich allgemein für einen der werthvolleften Schåbe der deutschen Dichtkunst gehalten werden, so scheinen mir die Ballas den desselben Dichters, und zumal einige derselben einen gleichen Rang einzunehmen, und zwar eben so sehr, ja noch in hdherem Grade wegen des ihnen zum Grunde liegenden Gedantens als wes gen der Ausführung. Bei den drei obengenannten tritt dieß noch deutlicher durch die Vergleichung derselben hervor, und diesem Zwede sind die folgenden Zeilen gewidmet.

Die Hauptverhältnisse des Menschen sind es, welche sich in ihs nen darstellen, aber in jedem derselben ein besonderes. In dem Sånger tritt der Mensch dem Menschen selbst gegenüber, in dem Fischer die Natur oder die Außenwelt, in der Bajadere die Gott: heit. Die zweite Ballade unterscheidet sich aber noch dadurch von den andern beiden, daß fie finnbildlich ist. Der Fischer ist der Vers treter des Menschen überhaupt, während der Sånger und die Ba: jadere dieß zwar auch sind), aber zunächst in ihrer Besonderheit gelten. In dem Sånger leuchtet uns die Gewalt der Kunst, in dem Gott und der Bajadere die fittliche Kraft unverkennbar ents gegen; in dem Fischer verbirgt sich der tiefere Sinn, aber wie wir in der Person des Fischers selbst einen Zustand, so werden wir in

dem Wasser und in der Nire auch eine Gewalt, die der Natur oder der Außenwelt überhaupt auf diesen Zustand, zu erkennen has ben. Darum ist der Sånger handelnd, der Fischer leidend, duldend, die Bajadere beides zugleich; der Sånger ist der Glückliche durch die ihm inwohnende Madt auf Undere zu wirken, und so beglückt er durch seine Kunst zugleich seine Zuhdrer, obgleich er auch ihrer Aufmertsamkeit, ihrer Hingabe an seinen Zauber bedarf, ja wohl auf den Lohn nicht ganz Berzicht leistet; der Fischer ist der Stille, Sinnige, Ruhige und doch Unruhige, denn die Ruhe des Innern ist oft nur ein Schein, und verhüllt ein Verlangen, eine Sehnsucht nach einem unbekannten, vielleicht falschen Glücke, und der in der Brust schlafende Gedanke erwacht tråumerisch und tritt wie ein Trugbild vor ihn hin; die Bajadere ist die Sinnlich Glückliche, aber sinnlicher Genuß befriedigt nicht, entwürdigt den Menschen, erweckt das tiefe Gefühl der Reue in ihm, und nur durch die Hülfe der Gottheit ermannt fich, wer gefündigt hat, und besiegelt seine Besse: rung durch die freudige Aufopferung selbst des Lebens, um in einem neuen Dasein seine höhere Wiedergeburt zu feiern.

So bieten denn diese drei Gedichte eben so viel Unáhnlichkeit als Aehnlichkeit dar; sie breiten das ganze menschliche Leben in Teis nen drei wichtigsten Verhältnissen aus, in der reinsten Freude, in der tiefsten franthaften Sehnsucht, und endlich in seiner Schwachs heit und Kraft, in seiner Erniedrigung und Erhebung. Die reinste irdische Freude bereitet die Kunst an sich sowohl wie durch ihre Wirkungen; an sich durch die Begeisterung, in welcher der Künstler lebt und welche ihn, soweit es möglich ist, von den irdischen Schran. ten tøft und befreit; der Begeisterte ist, wie es das Wort sagt, in höherem Sinne Geist, er, d. h. sein Geist ist begeistet, Apollo bes wohnt ihn, er gehört in diesem Zwischenzustand zu den Göttern, er fißt als Halbgott an den Eischen der Unsterblichen und genießt mit ihnen Ambrosia und Nettar. Ich sage die reinste Freude wird dem Künstler zu Theil, tiefere, glühendere Gefühle fidßt die Liebe ein, und etwas anders ist vollends das höchste, edelste Glück, das, wie auch G8the sagt, unsre Mängel verbessert und unsre Fehler ausgleicht; und so müssen wir die Sittlichkeit der Begeisterung als ein höheres Glück vorziehen, und die Frömmigkeit, die den Willen Gottes zu dem ihrigen macht, als das höchste Glück bezeichnen; aber so rein wie das künstlerische, ro ohne Beimischung ist das sitts

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