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von den Geldstrafen thatsächlichen Gebrauch machte. Zwar haben neuere Kanonisten *) den Ursprung derselben in den Anfang des fünften Jahrhunderts verlegt und für diese Behauptung in erster Linie den hl. Augustinus als Zeugen angerufen, aber wie wir glauben mit Unrecht.

In einem (Anfangs August des I. 408 geschriebenen) Briefe erzählt Augustinus, in der numidischen Bischofsstadt Calama (zwischen Hippo regius und Cirta) haben die Heiden trok der neuesten kaiserlichen Verbote (contra recentissimas leges) an den Calenden des Junius ein religiöses Fest (sacrilega solemnitas agitata est) mit einer so übermüthigen Frechheit gefeiert, wie sie nicht einmal zu Julians Zeiten vorgefommen. Tanzend habe sich ein fanatischer Haufe der (christlichen) Kirche genähert und dieselbe, weil die Cleriker den gesekwidrigen Unfug zu hindern gesucht,

t Steinen beworfen. Nach acht Tagen sei der Scandal wiederholt und in das Gebäude

. Feuer gelegt worden. Einen Christen, der zu Hülfe geeilt, haben die Tumultuanten getödtet und die andern seien dem gleichen Schicksale nur dadurch entgangen, daß sie sich wie der mit dem Tode bedrohte Bischof (Possidius) ?) theils verbargen, theils eiligst die Flucht ergriffen. Bis tief in die Nacht habe das blutige Schauspiel gewährt und Niemand sich die Mühe genommen, einzuschreiten oder abzuwehren mit Ausnahme eines fremden Insassen, der mehrere Christen den Händen der Mörder und Plün

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1) Devoti, Instit. can. L. IV. tit. I. §. 10. n. 3 und ihm folgend Schulte, Lehrbuch des katholisden Kirchenrechts. 3. Auf: lage, S. 376.

2) Collatio Carthag. c. 139. Conc. Carthag. ann. 419. Subscript. Hard. I. p. 1092. 1250. Augustin. Ep. CV. n. 4.

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derer entriffen und nachher dargethan habe, wie leicht es bei einigem guten Willen gewesen wäre, den widrigen Vorfall entweder ganz zu verhüten oder ihm doch bald ein Ziel zu legen ?). In Anbetracht der fast wörtlichen Uebereinstimmung der gebrauchten Ausdrücke kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Augustin unter den »recentissimae leges « die Constitution des Honorius und Theodosius v. I. 407 verstanden habe, in welcher die Kaiser den Heiden aufs Strengste untersagten %), religiöse Feste zu feiern und zugleich anordneten, überall die Altäre zu zerstören, die Götterbilder aus den Tempeln zu entfernen und diese selbst zu Staatszwecken einzuziehen. Aber schon im I. 392 hatte ein staatliches Gesek die heidnischen Opfer bei einer Strafe von 25 Pfund Gold verboten und die Ortsbehörden, welche in Vollstreckung derselben säumig sein würden, mit einer Buße von 30 Pfund bedroht 3). Somit standen allen Veranstaltern jener Feierlichkeit sowie Denjenigen, die sich dabei betheiligt hatten, bedeutende Vermögensstrafen in Aussicht, falls die Gerichte ihrer Obliegenheit nachkamen. In dieser mißlichen Lage wandte sich ein patriotisch gesinnter Bürger von Calama, der Heide Nectarius , an den ihm befreundeten Bischof von Hippo mit der dringenden Bitte, beschwichtigend einzutreten: in seiner Vaterstadt sei allerdings schwer gefehlt worden und viele ihrer Bewohner verdienen die

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into 1) Augustinus, Epist. XCI. ad Nectarium, n. 8. (Ed.

che a Benedict. II. p. 297 sq.). 15

cm 2) Codex Theodos. ed. Ritter, Appendix, L. XII: »Non liceat omnino in honorem sacrilegi ritus funestioribus locis exigere convivia vel quicquam solennitatis a ditari.« 3) L. 12 Cod. a. Theodos. de paganis. 16.

3. 10.

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Strafe des Gefeßes, aber für einen Bischof zieme sich, Verzeihung zu erwirken und zu verhüten, daß mit den Schuldigen auch Unschuldige leiden; sie seien bereit, den angerichteten Schaden zu erseßen, flehen aber demüthig um Abwendung der Strafen "). Augustins Antwort lautete ablehnend. Im vorliegenden Falle seien die Schuldigen, die weniger Schuldigen und die Unschuldigen leicht zu ermitteln: die erstern dürfen nicht ungestraft bleiben, die verübten Frevel feien zu groß, um sie ungeahndet hingehen zu lassen, zumal da die verwirkten Geldbußen keine Verarmung, welche sie so sehr fürchten, im Gefolge haben werden; Rachegedanken liegen den Christen ferne, aber der Wiederholung von Gewaltthaten, wie sie fürzlich vorgekommen, müsse vorgebeugt, durch Bestrafung derselben für Andere ein Erempel statuirt und die Thäter zur Einsicht und Besserung geführt werden. Dann sei Leben und Eigenthum der Christen gesichert und Hoffnung vorhanden, die bisherigen Feinde werden sich der wahren Religion zuwenden und Alle durch das Band eines Glaubens geeinigt sein ?). Es ist leicht ersichtlich, daß in der ganzen Angelegenheit, die zwischen Augustin und Nectarius verhandelt wurde, mit feiner Sylbe von Geldbußen, welche etwa die Kirche gegen Untergebene verhängt hätte, sondern von Vermögensstrafen die Rede ist, welche von den faiserlichen Gefeßen den Ñeiden, falls sie Cultacte ihrer staatlich verpönten Religion ausüben würden, angedroht und von den politischen Behörden zu vollstrecken waren. Augustinus lehnte es einfach ab, für die Bürger der Nachbarstadt, welche die dortigen Christen mißhandelt

1) Inter epist. Augustini Ep. XC. und CIII.
2) Augustinus, Epist. XCII. und CIV.

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hatten, zu intercediren, fordernd, die geltenden Gesetze sollen vollzogen werden. Darum kann er nicht im Entfernteften als Zeuge gelten für die Behauptung, zu seiner Zeit seien tirchliche Geldstrafen bereits in Uebung gewesen. 17

Leßteres ließe sich noch eher aus einer andern Neußerung des großen Bischofs folgern. In seiner Schrift De unitate ecclesiae 1) fagt er den Donatiften: »Si vos contra ecclesiam Christi altare erexisse et à christiana unitate, quae toto orbe diffunditur, sacrilego schismate separatos esse.. sancta et canonica scriptura convincit, vos impii atque sacrilegi: illi autem, qui vos pro tanto scelere tam leniter damnorum admonitionibus, vel locorum vel honorum vel pecuniae privatione deterrendos coërcendosque decernunt, ut cogitantes, quare ista patiamini, sacrilegium vestrum cognitum fugiatis et ab aeterna damnatione liberemini, et rectores diligentissimi et consultores piissimi deputantur. Gratian hat die Stelle in's Decret aufgenommen %) und die nachfolgenden Canonisteu beriefen sich auf dieselbe zum Erweis, daß die Kirche Geldstrafen zu verhängen berechtigt sei. Aber zu Augustins Zeiten lagen die Verhältnisse ganz anders und sein Ausspruch hat den Sinn nicht, der ihm beigelegt wurde. Daß Priester oder Diacone von ihrem Bischofe sich lostrennten, einen eigenen Altar errichteten und abgesonderte Versammlungen hielten, war schon früher häufig vorgekommen ;).

1) C. XVII.
2) c. 35. C. XXIII. q. 5. Nii viginti
3) Drey, Neue Untersuchungen über die Constitutionen und

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Kanones der Apostel, S. 256 f.

Für einen solchen Schismatiker bestand die kirchliche Strafe in der Amtsentseßung ), in der »locorum vel honorum privatio,« wie Augustin oben sich ausdrückte. Aber der angeführte Canon von Antiochi e n fügt, nachdem er die Deposition ausgesprochen, die weitere Bes merkung bei: Wenn er aber fortfährt, die Kirche zu verwirren und aufzureizen, fo fold ihm von der weltlichen Gewalt als einem Aufrührer Einhalt gethan merben – δια της έξωθεν εξουσίας ως στασιώδη αυτον επιστρέφεσθαι." Sie Ginobe perimeist αίθο αuf die gegen Störer der kirchlichen Einheit erlassenen Staatsgeseße und verlangt Vollstreckung derselben durch die weltliche Gewalt. Die bestehenden Staatsgeseße aber schritten gegen Häretiker und Schismatiker mit Geldbußen ein und die bürgerlichen Behörden hatten sie (von jedem Einzelnen zehen Pfund Gold) einzuziehen ?). Hierin bestand Augustins » pecuniae privatio« und darum kann seine an die Donatisten gerichtete Apostrophe nicht für den Saß angeführt werden, daß schon damals von der Airche Geldstrafen verhängt worden seien. Mißbilligt zwar hat sie diese Strafform nicht, aber von sich aus nie von ihr Gebrauch gemacht, sondern überall, wo gegen Widerspenstige die eigenen Zuchtmittel nicht ausreichten, an die bürgerlichen Behörden das Ansuchen

1) Conc. Antiochen. ann. 341. c. 5. Hard. I. p. 595. Ca n. a post. c. 32.

2) L. 21. Cod. Theod. de haeret. 16. 5. Dieses Gesek Theodosius' d. G. v. I. 392 bezog sich zunächst auf die Häretiker, aber die Schismatiker werden ihnen regelmäßig gleichgestellt und beide als »catholicae legis inimicia mit denselben Strafen bedroht

L. 62. 63. 64. Cod. Theod. h. t. 16. 5.

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