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Pythagoräer, Inder und Babylonier.

Von C. F. Lehmann.

In der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 55 (1901/2, Heft 4) S. 575, Anm. 1 weist H. BÜRK auf Übereinstimmungen zwischen dem mathematischen Wissen der Inder und dem des Pythagoras bezw. der Pythagoräer hin, die, da sie schwerlich auf selbständiger Entwicklung an beiden Stellen beruhen können, uns den Schluss nahe legen, dass Pythagoras als der zeitlich spätere von den Indern abhängig sei, so dass die Menschheit“ unter andern den sog. pythagoräischen Lehrsatz (samt vielem, was auf ihm beruht) unsern Stammverwandten am Ganges verdankt“. Wer GINZELS und meinen Ausführungen in Band I der Beiträge (vgl. bes. S. 366 Anm. 1) gefolgt ist und WEBERS Untersuchungen in der Erinnerung hat, wird eine Beeinflussung des Pythagoras und der Pythagoräer von Indien her nicht in Betracht ziehen, sondern nur die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit, dass auch hier das indische wie das griechische Wissen aus einer gemeinsamen Quelle, der babylonischen Wissenschaft, geschöpft oder befruchtet worden ist.

In B a bylonien sollen neben den, der ganzen Sachlage nach zunächst nur mässig ergiebigen Ausgrabungen auf dem ungeheuren Ruinenfeld von Babylon seitens der Deutschen Orient-Gesellschaft (s. deren Mittheilungen No. 10) nun auch Grabungen an zwei kleineren und deshalb raschere Ergebnisse versprechenden Trümmerstätten Fära und Abu Hatab vorgenommen werden. Da es sich um Südbabylonien handelt, so dürfen Funde aus alt babylonischer Zeit erwartet werden. - In Babylon selbst sind jüngst gefunden eine historisch wichtige Cylinderinschrift Nabopolassars a. a. 0. S. 13 ff.: (der Assyrer, der seit langer Zeit alle Völker beherrscht hatte ich, der Schwache ... durch die wuchtigen Streitkräfte Nabûs und Marduks, meiner Herren, hielt ich vom Lande Akkad (= Babylonien) ihren (so) Fuss zurück und veranlasste, dass ihr Joch abgeworfen wurde“), ferner etwa 400 keilinschriftliche Thontäfelchen (gegen die drohende Einbürgerung der Ausdrücke ,das Tablet", ,die Tabletten" ist nachdrücklicher Einspruch geboten).

Die bedeutsamen Funde der von DE MORGAN geleiteten französischen Ausgrabungen in Susa sollen zu einer Ausstellung zusammengefasst werden, die im Mai 1902 in Paris eröffnet werden wird. Unter ihnen befindet sich, nach Herrn A. HAUSSOULLIERS gütiger Mitteilung, als eins der wichtigsten Stücke ein Text aus Hammurabis Zeit: ,tout un code qui sera certainement la base de toute étude de droit comparé'.

Die Monumenti Antichi pubblicati per cura della Reale Accademia dei Lincei sind in rüstigem Fortschreiten begriffen. Volume IX. Puntata 3 (1901)

3 enthält G. PATRONI, Caverna naturale con avanzi preistorici in provincia di Salerno; E. Brizio, Il sepolcreto gallico di Montefortino presso Arcevia. Vol. X (1901): G. GHIRARDINI, La situla italica primitiva studiata specialmente in Este; L. MARIANI, Aufidena (Ricerche storiche ed archeologiche nel Sannio settentrionale); A. SOGLIANO, L'efebo in bronzo rinvenuto in Pompei. Vol. XI Puntata 1 (1901): GIOVANNI PINZA, Monumenti primitivi della Sardegna. Zu fast allen Abhandlungen Tafeln und zahlreiche Abbildungen im Text.

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Italische Namen und Stämme.

Von A. Schulten.

I. Die Gruppe der Namen auf -iedius, -edius, -idius. Dass sich eine Inschriftensammlung zu kursorischer Lektüre eigne, wird gewiss niemand behaupten, und doch sieht man gewisse Dinge nur, wenn man grössere Partien eines epigraphischen Corpus im Zusammenhang liest. Nur so kann man Beobachtungen statistischer Art machen, wie sie jetzt, nachdem das Corpus Inscriptionum Latinarum fast abgeschlossen ist, anzustellen sind.

Beim Durchsehen des 9. Bandes von CIL. fiel mir auf, dass in den Inschriften der Kantone am Fucinersee (Marser, Paeligner, Vestiner, Aequer) eine bestimmte Art Namen in auffallender Häufigkeit vorkommt: die Namen auf -idius, -edius und -iedius. Auf einigen Seiten des CIL. IX findet man fast in jeder Inschrift einen solchen Namen und zwar Namen, deren Seltenheit und Altertümlichkeit sofort ins Auge fällt. Im pagus Fificulanus, einer Dorfschaft des Kantons der Vestiner, kommen 13 Namen auf -idius und -()edius in den 33 Inschriften dieser kleinen Landgemeinde vor. Im pagus Fificulanus sind wir auf dem platten Lande: in einsamem

. Bergthal, wo, zumal in dieser Gegend, die als der Herd altitalischen Bauernlebens galt, die Bevölkerung ganz besonders sesshaft gewesen sein muss. Bewahrt doch noch heute dieser Teil Italiens, die Abruzzen, in Sitte und Brauch uraltes Volkstum, wie man es in diesem Maasse nur noch in den calabrischen Bergen und auf Sardinien findet.') Schon auf den Märkten von Solmona und Aquila wird der Liebhaber italischen Volkstums über die Mannigfaltigkeit der Trachten, deren hier noch jedes Dorf seine eigene bewahrt, staunen; noch stärker wird der Eindruck, wenn er in die weltabgeschiedenen Gebirgsthäler, etwa in das von dräuenden Bergwänden eingeengte Thal von Scanno, hinaufsteigt.

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1) Ich verweise auf die von dem verdienten Lokalforscher der Gegend: De Niro in Solmona veröffentlichte Sammlung: Usi e costumi abbruzzesi. Sechs Bände. Florenz 1879-97. Beiträge z. alten Geschichte II 2.

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Den Nebenpfad, auf den mich der Zufall geführt, habe ich weiter verfolgt und es ergab sich, dass es kein Holzweg war: er eröffnete eine Aussicht in ein Stück altitalischer Kultur, die wohl geeignet ist, das, was wir sonst von marsischem und sabinischem Bauernleben, von seiner Abgeschlossenheit und Altertümlichkeit, wissen, zu ergänzen.

Die folgenden Blätter enthalten das Resultat einer Sammlung aller in Italien auf Inschriften vorkommenden Namen der bezeichneten Art. Der erste Eindruck hat sich vollkommen bestätigt. Die seltenen Namen: auf -edius und -iedius sind auf die Abruzzen beschränkt) und die häufigeren: auf -idius ebenfalls nur in einer engeren und ziemlich scharf begrenzten Zone verbreitet, welche über die Heimat dieser Namen, die Abruzzen, nicht weit hinausreicht. Die Untersuchung durfte sich nicht auf die selteneren Namen, die auf -edius und -iedius, beschränken, da die Namen auf -idius den beiden anderen Gruppen eng verwandt sind. Zudem ist es bei statistischen Fragen besser, mit grossem Material zu arbeiten und lieber das Zuviel – die weniger charakteristischen Namen auf -idius später abzustreifen, als etwas von vorn herein als überflüssig beiseite zu lassen; ausserdem finden sich manche alte, ganz seltene Namen nur in der sonst häufigeren Form auf -idius.

Das aus jener Beobachtung sich ergebende Problem war, festzustellen, ob in der That, wie es den Anschein hatte, die Heimat jener Namen das Bergland der Abruzzen sei, ob wir es also mit unrömischen, andern Italikern gehörenden Namen zu thun haben. Die Untersuchung hatte, da jene Namen natürlich italisch sind, nur mit dem italischen Inschriftenmaterial zu operieren, nicht mit dem der Provinzen. Auszuschliessen war ferner die Hauptstadt Rom, deren Inschriften - ausser den älteren im CIL. I stehenden nur für statistische Untersuchungen universalen, nicht für solche lokalen Inhalts zu brauchen sind. Und in der That verschwinden in der Masse des hauptstädtischen Namenschatzes die Namen der bezeichneten Art vollständig, sodass die Urbs nicht als Heimat derselben in Frage kommt. Das Material der Untersuchung findet sich also im V., IX., X., XI. und XIV. Band des Corpus. Die Güte Herrn Professor BORMANNS ermöglichte mir die Benutzung der Druckbogen des zweiten Teils von CIL. XI (Umbrien), der erst nach Abschluss dieser Untersuchung erschienen ist.

„Italische" Namen habe ich die Gruppe der den Umbrern, Sabellern (Sabiner und Kantone am Fucinussee), Oskern (Samniten, Campaner, Frentaner, Lucaner, Bruttier) gemeinsamen und eigentümlichen Namen genannt in dem Sinne, wie diese Stämme sich selbst zusammenfassend bezeichneten (die Aufschrift Italia der Münzen des bellum Marsicum).

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1) Dass die Namen auf -iedius und -edrus zu den Eigentümlichkeiten der marsischen und abbruzzesischen Distrikte gehören“, bemerkte schon MommsEN (Unteritalische Dialekte S. 347).

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