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Gobryas und Belsazar bei Xenophon. Schon mehrmals habe ich darauf hingewiesen (Verh. Berl. anthrop. Ges. 1895, 585 ff. u. Anm. 1; 1899, 588; diese Beiträge, I 271, dass Xenophon

Ι in seinen Roman, die Cyropädie, historische Nachrichten in weit grösserem Umfange verflochten hat, als man anzunehmen gewohnt ist und dass diese Nachrichten grossenteils logographischen, vorherodotischen Quellen entnommen sein müssen. Dass diese Quellen, wie überhaupt die historischen Facta, z. B. hinsichtlich der Verwandtschaftsverbältnisse des Kyros,') sehr frei benutzt und gemodelt sind, ist teils klar und erweislich, teils anzunehmen. Aber benutzt sind sie.

Evident ist diese Verwertung älterer Quellen z. B. für die durchaus sachgemäs geschilderten Konflikte zwischen den eingewanderten Armeniern und den Chald(ädern als älteren in die Gebirge zurückgedrängten Bewohnern des Landes, und deren Beilegung. Weiter: die Eroberung Babylons erfolgt im Kampfe gegen einen Assyrer könig. Da es ein assyrisches Reich zu Kyros' Zeiten überhaupt nicht mehr gegeben hat, so ist dieser Auffassung und den Nachrichten, in deren Zusammenhang sie begegnet, nach der herrschenden Ansicht das Urteil gesprochen.

Dem gegenüber habe ich geltend gemacht, dass sich Xenophons Bezeichnung des von Kyros bekriegten Beherrschers von Babylon und Babylonien sehr einfach erklärt.

In der Anabasis weiss Xenophon zwischen Babylonien und Assyrien resp. „Syrien zwischen den Flüssen“ sehr wohl zu unterscheiden; denn zu seiner Zeit bildeten Assyrien (resp. Mesopotamien, wohl einschliesslich der Arbelitis) und Syrien (jenseits des [Euphrat-]Flusses“ Abarnaharâ, ebir nâri) einerseits und Babylonien andererseits getrennte Satrapieen. Diese Sachlage giebt die Anabasis, die der Schilderung der von Xenophon selbst beobachteten Zustände

1) S. dazu Ed. Meyers treffende Erklärung GA. III § 5 a. Beiläufig hier ein Wort zu den neuerdings wieder viel erörterten achämenidischen Vorgängern des Darius (vgl. Prášek, Forschungen III 1901, 24 ff., wo auch die ältere Literatur). Bei der Erklärung von Darius' Angabe (Bebistûn), bis auf ihn inkl. seien 9 Achämeniden Könige gewesen, dürfen unter keinen Umständen Persönlichkeiten in Betracht gezogen werden, von denen Darius erweislich nichts gewusst hat. Für Darius ist Achämenes der Vater des Teispes und der Grossvater des Ariarampes. Folglich können die bei Herodot VII 11 zwischen Ariaramnes und Teispes, Achaemenes' Sohne, eingeschobenen 3 Glieder (ein kyros, ein Kambyses, ein Teispes) unmöglich zu den 8 Vorgängern gehören, die Darius im Auge batte. Diese können vielmehr nur sein: 1) Achaemenes, 2) Teispes, 3) Ariaramnes und 4) Arsames (3) und 4) als persische Unterkönige unter medischer Herrschaft), 5) Kyros I., 6) Kambyses I. (5) und 6) als anzanische Unterkönige unter Medien), 7) Kyros der Grossé, 8) Kambyses s. S. (So richtig auch wieder Krčmar, Böhm. SBer. 1902, No. 4). Also ist die Übersetzung,in zwei Reihen“ von altpers. duvitätarnam neusus. samakmar richtig. – Ob Darius Vorstellungen zutreffen, ist eine andere Frage. Ich sehe keinen Grund, sie zu verneinen. Warum Achämenes durchaus ein Heros eponymos, kein Herrscher gewesen sein soll, verstehe ich nicht. In neuerer wie in alter Zeit (Lagiden, Bit 'Omri) giebt es doch Herrscherhäuser genug, die sich nach dem wirklichen Begründer ihrer Grösse nennen. Durch Legendenbildung wird die historische Realität einer Persönlichkeit bekanntlich durchaus nicht widerlegt. Achaemenes' Herrschaft (5 Gene. rationen vor Darius: um 700) fällt vor die Begründung des Mederreiches 677. Erst sein Sohn Teispes oder dessen Söhne und Nachfolger in Persien und Anšan gerieten in medische Abhängigkeit. Dass Kyros den Achämenes nicht unter seinen Vorfahren nennt, erklärt sich ganz wohl, wenn der Name „Achämeniden“ speziell dem persischen Zweige zukam, der sich reiner erhalten hatte als der anzanische (die Form Kuraš ist vielleicht anzanisch: F. C. Andreas, der darüber demnächst ausführlicher handeln wird). Jene Verlängerung um 3 Glieder kann dem Bestreben entspringen, die grossen Herrscher der anzanischen Linie durch Einfügung homonymer Vorgänger in den ungespaltenen Stammbaum der Achämeniden enger mit dem persischen Zweig zu knüpfen.

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gewidmet ist, wieder. In der ursprünglichen, von Darius I. vorgenommenen Einteilung des persischen Reiches gehörten dagegen, wie aus Herodot ersichtlich, S. zuerst C. F. LEHMANN, Verh. Berl

. anthrop. Ges. 1895, 985 ff. ; Sitzungsber. Archäol. Ges. No. 18 (Nov. 1896), S. 25 etc.; vgl. ED. MEYER, ZA. XI (1896/7) 328; GA. III ($ 84) Assyrien und Babylonien, zu einer, offiziell als Assyrien bezeichnetes Satrapie (vgl. die Bezeichnung der, die Matiener, Saspeiren und Alarodier umfassenden 18. Satrapie nach den Matienern allein, Hec. fr. 188, wo [SIEGLIN] nur die Satrapie gemeint sein kann, da die Moscher nicht Grenznachbaren der Matiener waren). Die Änderung hat wahrscheinlich unter Xerxes nach der 2. Eroberung Babylons 479 stattgefunden (vgl. einstweilen meine Nachweise Wochenschr. f. klass. Phil. 1900, 963'). Aus diesem Grunde bezeichnen die älteren, unter Darius und über die ersten Jahre des Xerxes schreibenden ionischen Logographen und Herodot. wo er von ihnen beeinflusst wird (und das ist bezüglich der Terminologie des Zweistromlandes nur bei den lydischen Nachrichten nicht der Fall), Babylon als die bedeutendste, als Hauptstadt von Assyrien. Xenophon bedient sich, in der Cyropädie im Gegensatz zur Anabasis, dieser nur für eine ältere Zeit berechtigten Terminologie. Das erkläre sich allein, dann aber auch vollauf, so folgerte ich, aus der Benutzung von Quellen, die dieser älteren Zeit ent

Dass nicht etwa Herodot für die Terminologie in der Cyropädie verantwortlich sei, zeige die Rolle des Gobryas = Ugbaru, dessen Beteiligung an der Eroberung Babylons durch Kyros keilinschriftlich feststehe. Vielleicht haben diese meine Ausführungen ihren Anteil daran, dass jetzt für Gobryas die Verwertung älterer Schriftsteller in Betracht gezogen wird (GA. III § 5 A.), wo früher (GA. I 504 A.) nur zugegeben wurde, dass Gobryas vielleicht auf Tradition, also auf einer verwehten Kunde, die Xenophon zugeflogen wäre, beruhe.

Aber die tiefgewurzelte Überzeugung von der Alleinherrschaft Herodots führt im Übrigen zu dem Ausweg, dass man fortfährt, Xenophons Darstellung in allem Wesentlichen als auf Herodot zurückgehend zu betrachten: nur der Name des Gobryas sei es, der einer älteren Quelle entstamme; die Gestaltung dieser und anderer Persönlichkeiten sei ausschliesslich Xenophons Eigentum, Gobryas werde ja auch ,zum Assyrer gemacht“.

Hier wird der Nachweis entscheidend sein, dass Xenophon nicht bloss den Namen des Gobryas kannte, sondern über dessen thatsächliche Rolle in den Verwicklungen, die in Babylons Fall gipfelten, wohl begründete Kenntnisse hatte.

Die keilinschriftlichen Annalen des Nabûnai"d-Labynetos (HAGEN, Beitr. zur Assyr. II 205 ff.) berichten für dessen 17. Jahr 539/8: „Am 16.7." (nicht 16.4.: Tišri, nicht Tammuz, s. ED. MEYER, Forschungen II, 468) , dringen Ugbaru-Gobryas der Statthalter von Gutium und die Truppen des Kyros ohne Kampf in Babylon ein. Bis zum Ende des Monats belagern die Sehilde von Gutium" (den Haupttempel) ,Esaygil“ (dessen Komplex die letzte Zutlucht der Babylonier zu bilden pflegte (vgl. Herodot III 158]). „Am 3.8. zieht Kyros in Babylon ein; in seinem Namen setzt Gobryas Statthalter in Babylon ein, am 11.8. nachts“ (vgl. Daniel 5, 30) tödtet Gobryas den Sohn des Königs“. (So PINCHES und HAGEN, PINCHES' frühere Lesung ,die Gemahlin des Königs“ verbot sich von vornherein.)

Mit dem Sohn des Königs“ hat es folgende Bewandtnis: Bêl-šar-uşur (Belsazar), um diesen handelt es sich, war Mitregent seines Vaters Nabûna'id. Er wird in dessen Weihinschriften den Göttern in einer nur bei Mitregenten üblichen Weise mit empfohlen (KB. III ? 88/89 ; 96/97). In den Annalen der Jahre 74-11 ist offiziell nur von dem Sohne des Königs“, eben Belšaruşur, den Grossen und den Truppen“ die Rede, während Nabonid selbst in, vielleicht nicht

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freiwilliger Zurückgezogenheit (s. WINCKLER, AOF., 2 R. II, 193 ff.) in Tema verweilt und abseits steht.

So war also Belsazar der thatsächliche Herrscher, und wenn auch wahrscheinlich Nabonid schliesslich wieder das Heft in die Hände bekam anscheinend wird er selbst bei Opis geschlagen und flieht (Annalen und Berossos) und die Heerespartei, die in Belsazar ihr Haupt sah, bei Seite schob, so ist es doch ganz erklärlich und in gewissem Sinne berechtigt, dass in der Tradition Belsazar und nicht Nabonid als letzter einheimischer König Babyloniens galt, wie das im Buche Daniel zum Ausdruck kommt.

Etwas ähnliches liegt bei Xenophon vor: mit einer leichten, durchaus erklärlichen Verschiebung ist aus dem älteren, unthätigen Könige (sc. Nabonid) und seinem faktisch herrschenden Sohne (sc. Belsazar), der „frühere“ und der „jetzige“ König geworden und diesen jetzigen König" tödten (bei Xenophon, Cyr. VII 5, 29 f.) nach der Einnahme von Babylon die Truppen des Gadatas und Gobryas, also soweit letzterer in Betracht kommt, entsprechend dem keilinschriftlichen Bericht. Zwischen Gobryas und dem früheren Könige" haben gute Beziehungen bestanden, Gobryas war dessen Vasall, er sagt sich von dem

jetzigen Assyrerkönige" (d. h. von Babylonien) los, weil dieser – hier spielt ein bekanntes Motiv hinein ihm den Sohn auf der Jagd getödtet habe. Durch den Tod des „jetzigen Königs“ wird der Mord von Gobryas' Sohn gerächt.

Das sieht, oberflächlich betrachtet, wieder Alles höchst unhistorisch aus, und doch liegt auch hier wieder historische Wahrheit verborgen. Nicht bloss Bekanntes wird bestätigt, sondern wir lernen auch Neues und Wertvolles.

Frei erfunden ist natürlich der Tod des „früheren“ Königs, für den, da er als nicht mehr herrschend galt, ein Abgang gefunden werden musste. Er fällt in Kämpfen mit den Medern, die der Eroberung Babylons erheblich vorausgehen. Und diese Kämpfe selbst können wir ebenfalls als im Wesentlichen erfunden betrachten, wenn wir auch wissen, dass mindestens von 553—50 zwischen Assyrien und Medien ein, wenn auch eventuell nur latenter, Kriegszustand bestanden hat.

Aber, wenn Gobryas (ebenso wie Gadatas) mit dem „früheren Könige in gutem Einvernehmen gestanden haben, dagegen sich über die Übergriffe des νεάνισκος, ός νυν εις την βασιλείαν κατέστηκεν (V 2, 27) beklagen, s0 spiegeln sich darin möglicherweise die Parteiverhältnisse in Babylonien, der Gegensatz zwischen Nabonid und Belsazar, wieder.

Aber Gobryas, der Statthalter von Gutium, als assyrischer", d. h. also babylonischer Vasall ?

Gutium ist der Teil von Westmedien, als dessen Kern das obere Stromgebiet des Adaim und Dijâlâ anzunehmen ist (STRECK, ZA, XV 272). Eine Provinz Gutium würde also das Gebiet dieser Ströme bis zum Tigris in sich begreifen können. Wie nach Ninivehs Fall die Besitzverhältnisse in Mesopotamien und Assyrien zwischen Babyloniern und Medern geregelt wurden, ist uns nicht genauer bekannt. Nur dass Harrân-Carrhae von den Medern besetzt war, wissen wir. Ob das eigentliche Assyrien links des Tigris, die Arbelitis und die südlich daran anstossenden Landschaften, zu Medien gezogen wurden, musste dahin gestellt bleiben (vgl. GA. I § 484). Xenophons Darstellung lässt erkennen, dass ein Teil unter babylonischer Oberhoheit stand: dass diese Provinz Gutium sich mehr im Sinne eines halbselbständigen ,Pufferstaates“ entwickelte, ist natürlich. Zwischen medischen und babylonischem Gebiet in der Niederung links des Tigris hätte dann einer der Tigrisnebenflüsse die Grenze gebildet, am Wahrscheinlichsten, der untere , vielleicht auch der obere Zàb. In letzterem Fall hätte Arbela mit zu Babylonien gehört und könnte unter der bedeutenden Festung verstanden werden, die Gobryas (Cyr. V 2, 6) dem Kyros übergab. Beiträge z. alten Geschichte II 2.

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Wer letzteres vertreten wollte,') müsste annehmen, dass Kyros schon 8 Jahre früher, im 9. Jahre Nabonids, babylonisches Gebiet durchzogen habe. Denn für dieses Jahr, 547 v. Chr., verzeichnen die „Annalen“, dass Kyros im Nisan, zu Beginn des Frühjahrs, unterhalb Arbelas den Tigris überschritten habe, um gegen ein Land zu ziehen, das als auf dem Original unleserlich bezeichnet wurde. Da diese Annalen nur wichtige Dinge berühren, die Babylonien direkt angehen oder es doch im Zusammenhang der grossen Politik berühren, so war, wie ich zeigte, der übliche Schluss auf Kämpfe in den medischen Gebieten in Mesopotamien oder westlich vom Euphrat falsch. Es konnte nur Lydien gemeint sein und eine daraufhin vorgenommene Untersuchung des Originals bestätigte das: es steht da ana mât Lu-u[d-di] „gegen Lydien“ (Verh. Berl. Archäol. Ges. 1898, April

Arch. Anz. 122 f.). Wenn Babylonien, als Mitglied der Koalition gegen Kyros, doch dessen Durchmarsch gestattete oder nicht hindern konnte, so ergäbe das eine grelle Beleuchtung der Sachlage. Bis auf Weiteres wird man aber wohl besser thun, Kyros als zum Durchmarsch berechtigt zu betrachten, so dass die babylonische Provinz Gutium sich nur bis zum unteren Zab erstreckte.

Die Annalen berichten nach den Worten: im Monat Iyyar gegen Lydien zog er (Kuras)" über Lydien weiter: „seinen König besiegte er und nahm ihm seine Habe, seine Garnison legte er hinein. Nachher blieben dort seine Garnison und der König.“ Also Kroisos wird besiegt, muss seine Schätze abgeben, verliert seine Militärhoheit, bleibt aber zunächst Vasallenkönig in Sardes. Erst später vor dem oder infolge des Aufstandes unter Paktyes -- hat Kyros dem Lyderkönig, von dem er sich fortan auf seinen Kriegszügen begleiten liess, die Landschaft Barene (Ktesias) angewiesen.

Ganz dieselben Thatsachen berichtet und verwertet ohne jede Erwähnung des, bei Herodot als Unthat des Kyros dargestellten, doch wohl historischen Versuchs zur Selbstverbrennung) – Xenophon in der Cyropädie. Und da nur

? er mit den Annalen Nabonids darin übereinstimmt, dass Kroisos zunächst im nominellen Besitz der Herrschaft verbleibt (Cyr. VII 2, 26), aber die Kriegshoheit verliert (μάχας δέ σοι και πολέμους αφαιρώ), wovon weder Herodot noch Ktesias etwas wissen, so ist es schon darum ausgeschlossen, dass die ganze Kroisos-Geschichte aus Herodot stamme“ (GA. III § 5 A., vgl. I § 503 A.).

Und so hat offenbar Xenophon die Scheiterhaufen-Episode nicht künstlich aus Herodots Bericht ausgeschieden, sondern sie stand so wenig in Xenophons Quelle wie im keilinschriftlichen Bericht. So tritt bei der Kroisosgeschichte die Verwertung anderer Quellen noch deutlicher hervor als bei Gobryas. gerade der Zug, der in Herodots Bericht über die Einnahme von Babylon speziell legendenhaft anmutet, die Ableitung des Euphrat, findet sich anch bei Xenophon. Auch sie kann freilich historisch sein. Bei Nebukadnezars fortifikatorischen Anlagen spielten die Wasserläufe und das Becken von Sippar eine grosse Rolle. Die Ableitung des Gyndes von Herodot anekdotenhaft begründet hat

1) Für die von mir (VBAG. 1899, S. 585) zeitweilig geteilte Ansicht, der Berg Nisir sei in den, mir aus eigener Anschauung bekannten, Bergketten im Nordosten Arbelas zu suchen, fehlt es an zureichender Begründung. Eine südlichere Lage ist einstweilen wahrscheinlicher (s. STRECK, ZA. XV 272/5)

2) Den Feuertod haben angesichts der Gefahr in Feindesband zu fallen_resp. nach einem entscheidenden Misserfolg u. A. gewählt: Šamaššumukîn von Baby. lonien; Sinšariškun (Sarakos) von Assyrien; Hamilkar nach der Himera-Schlacht; der persische Kommandant v. Eion (476); die Bewohner von Isaura in Pisidien und von Larnaka in den Diadochenkämpfen. Dass Kroisos' Besteigung des Scheiterhaufens nur als ein weiteres Beispiel für diesen weitverbreiteten orientalischen Brauch zu be. trachten sei, war mir klar, lange ehe sich bei Bakehylides disertis verbis das ausgesprochen fand, was schon die bekannte Vasendarstellung nahe legte (s. Šamaššumukin Th. II S. 105; u. bes. Verh. Berl. archäol. Ges. 1898 a 8. o.).

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ihre belagerungstechnische Erklärung gefunden (BILLERBECK, Mitth. d. Vorderas. Ges. 1898, No. 2). Nabonids Annalen betonen ausdrücklich, dass Babylon ohne Schlacht genommen wurde: eine Überrumpelung kann wenigstens vorliegen, und da sich der Kern der Stadt verteidigt, so wird das , kann“ in ein muss“ zu verwandeln sein.

Somit mag auch dieses Strategem in Xenophons vorherodotischer Quelle berichtet gewesen sein. Aber das bleibe dahingestellt. Mir kommt es nur darauf an nachzuweisen, dass Xenophon ausser Herodot einer älteren Quelle vorgelegen hat, die er mit Bewusstsein und Bedacht in seinen Roman verwertet hat. Eine Quelle: denn den Plural können wir, denke ich, fallen lassen. Die betreffenden Nachrichten über Kyros' Vorgehen gegen Babylon und Sardes tragen ein einheitliches Gepräge. Und auch die Kunde über Kampf und Verträge zwischen Chaldern und Armeniern hat Xenophon nicht während des gefahrvollen und eiligen Marsches durch Armenien ermitteln können. Nur dass die Verträge noch heute gelten, weiss er aus eigner Anschauung (Cyrop. III 2, 24). Diese Gleichartigkeit der Nachrichten weist auf Einheitlichkeit des Ursprungs, ihre Reinheit und Schmucklosigkeit empfiehlt in möglichst alte Zeit zurückzugehen, auf einen die persischen Dinge mit Sachkunde und Unbefangenheit beurteilenden, dem Hekataios nach Zeit und Wesen nahestehenden Autor an Wahrscheinlichsten auf Dionysios von Milet und seine Περσικά.

C. F. L.

Pausanias', des Spartaners, Todesjahr.") Das Jahr, in welchem Pausanias seiner Schuld überführt wurde und starb, ist unbestimmt. Die untere Grenze ergiebt die Anklage gegen Themistokles wegen Hochverrats und seine Flucht aus Argos, wo er seit seinem Ostrakismos verweilte 471/70 (Diodor, cf. Euseb.; Cicero, Lael.). Ein längerer Zwischenraum zwischen beiden Ereignissen ist nicht anzunehmen. Die Ephoren werden nicht gezögert haben, die bei Pausanias gefundenen, Themistokles kompromittierenden Papiere zur Kenntnis der Athener zu bringen. Man würde für Pausanias' Ende auf dasselbe Jahr schliessen, höchstens das vorhergehende 472/1 in Betracht ziehen.

Ich glaube, uns ist ein in seiner Entstellung doch noch verwertbares direktes Zeugnis für die Richtigkeit der ersteren Datierung erhalten.

Bei Justin IX 1, 3 lesen wir bekanntlich: Haec namque urbs (sc. Byzantium) condita primo a Pausania rege Spartanorum et per septem annos possessa fuit. Die Angabe ist verschiedentlich für zutreffend gehalten worden, so von DUNCKER, der condita in capta änderte, was der Prolog zum 9. Trogus Buche verbietet: im Zusammenhang mit der Belagerung durch Philipp von Makedonien waren in diesem Buche Byzantii origines behandelt worden.

Wer mit einem siebenjährigen Aufenthalt des Pausanias in Byzanz rechnet, muss das für die Flucht des Themistokles bezeugte Datum als auf seinen Ostrakismos bezüglich betrachten. So neuerdings Ev. MEYER, der Pausanias' Katastrophe 469 oder 468, Themistokles' Flucht 468 oder 467 setzt. Diese Änderung betrachte auch ich als ausgeschlossen und sehe auch in der Aufführung der „Perser 472 keinen Gegengrund gegen die Annahme eines vorausgegangen Ostrakismos des Themistokles. Auch und gerade wenn der Mann, dem der Sieg von Salamsis zu danken war, aus innerpolitischen Gründen der Heimat fern bleiben musste, konnte der Dichter seinen Mitbürgern dessen unvergängliche Verdienste vor Augen führen.

Aber ,widersinnig“ wie Justins Angabe ist, sie muss doch aus etwas Verständlichem entstellt sein. Und es gab einen guten Sinn, wenn Trogus

Ep. Meyer,

1) Vgl. WIL Amowitz, Arist. I 142 ff.; Berl. Sitzungsber. 1901, 1273'. GA. III S 286, 288.

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