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in Afrika, noch mehrfach begegnen werden, bezeichnet einen grösseren Verwaltungsdistrikt, zu dem mehrere darin befindliche kaiserliche Domänen (saltus), die wiederum unter eigenen Intendanten standen, vorübergehend oder dauernd zusammengelegt waren;') so stand auch der tractus Campaniae unter einem eigenen Prokurator. Auch die zu Verbannungsorten vornehmer Persönlichkeiten, insbesondere der Mitglieder des Kaiserhauses dienenden insulae Pontiae und Pandateria an der campanischen Küste werden wohl zum kaiserlichen Besitz gehört haben, da letztere unter einem kaiserlichen Freigelassenen stand, der dort die Rechtsprechung auszuüben hatte;') auch in Pontia gehören unter den wenigen dort zum Vorschein gekommenen Inschriften zwei kaiserlichen Freigelassenen an; über Capreae und Nisita s. oben S. 61 fg. – In Samnium hatte nach der Alimentartafel der Ligures Baebiani, in der der Kaiser siebenmal als Grenznachbar erscheint,“) das Kaiserhaus bedeutende Besitzungen; ob diese mit Campanien gemeinsam verwaltet worden sind ,5) ist nicht überliefert.

Auch in Mittelitalien sind grössere Domänendistrikte nachweisbar: in einer africanischen Inschrift aus dem Ende des dritten Jahrhunderts") findet sich ein proc(urator) priv(atae) per Salarium, Tiburtinam, Valerium, Tusciam, der vorher proc(urator) per Flaminiam, Umbriam, Picenum gewesen war. Der erstere Sprengel wird demnach Etrurien,') das nördliche

1) Mommsen im Hermes 15 S. 400; Schulten, Grundherrschaften S. 62.

2) CIL. X 6081 (Formiae): Acasto Aug. lib. procuratori provinciae Mauretaniae et tractu(8) Campan(iae). Die Inschrift scheint echt zu sein, obschon ihre Beglaubigung nicht über allen Zweifel erhaben ist. In Campanien lag ein Teil der Güter des von Caligula beerbten Sextus Pompeius: Ovid. ex Ponto IV 15, 17. Zu Abella bemerkt der Liber coloniarum p. 230: coloni vel familia imperatoris Vespasiani iussu eius acceperunt, zu Nola p. 236: intercisivis mensuris colonis et familiae est adiudicatus.

Eine possessio ad Centum territurio Capuano schenkt Constantin der Kirche: Lib. pont. 70, 17.

3) CIL. X 6785.
4) CIL. IX 1455.

5) Mommsen in der Festschrift für Kiepert S. 107: regio Campaniae ist der geographische Ausdruck der urbica dioecesis wenn Samnium in der italischen Administration fehlt, so wird dies darauf zurückgehen, dass es zur urbica dioecesis gehört hat; allerdings handelt es sich dort nicht um die Domänenverwaltung. Zu dem Campanischen Sprengel wird auch das Gebiet von Suessa Aurunca gehört haben, wo kaiserliche Besitzungen lagen: Lib. pont. p. 54, 12 und 15; 69, 2; 70, 16 und 18: territurio Suessano. Auch Ardea (Lib. pont. 54, 18; 68, 13) und Cora (p. 48, 14; 56, 1 und 11; 70, 1, cf. 70, 2; 71, 24 und 25) werden in die Domänenverwaltung der regio Campaniae einbezogen gewesen sein, vielleicht auch das Gabinense territorium: p. 55, 23 und 24.

6) CIL. VIII 822.

7) In Nepet ist die Grabschrift eines M. Ulpius Aug. lib. Thallus proc(urator) gefunden: CIL. XI 3206; ob derselbe hier stationiert oder ansässig war, ist zweifelhaft. Wasserrohre im Castrum Novum trugen die Aufschrift ex liber(alitate) imp. Antonini: CIL. XV 7772. Einen fundus Surorum via Claudia territurio Veientano

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Latium, die Aequi ,') Marsi,2) Paeligni, Marrucini, Vestini und Sabini") umfasst haben, der zweite das nordöstlich von ihm gelegene Picenum,“) Umbria 5) mit Einschluss des Senonengebiets bis Ariminum; jedoch ist für die in dieser Gegend wohl bedeutenden kaiserlichen Besitzungen ein eigener proc(urator) privatae regionis) Ariminensium bezeugt.“) Eine andere Kombination zeigt die dem Anfang des dritten Jahrhunderts angehörige Inschrift eines proc(urator) statsionis) privat(ae) per Tusciam et Picenum. Die westliche Ergänzung zu jenem Bezirke lehrt eine

7 griechische, wohl dem Anfang des dritten Jahrhunderts angehörige Inschrift") eines procurator privatae per Flaminiam, Aemiliam, 9) Liguriam19) kennen. Eine eigentümliche, vielleicht nur vorübergehende Kombination erweist ein dispensator) region(is) Padan(ae), Vercellensium,1") Ravennatium; in der Gegend von Ravenna scheinen bedeutende Güter der von Nero getöteten Domitia gelegen zu haben.12) Die Transpadana hat anscheinend einen eigenen Domanialprokurator gehabt;13) in Histria, wo die Kaiser

und einen fundus Tauri territurio tano schenkt Constantin der Kirche (Lib. pontif. 69, 1 und 71, 26), ferner (67, 15) die insula Matidiae, quod est montem Argentarium (heute Monte Argentaro am Golf von Telamon).

1) Vgl. die massa Laninas territurio Cartiolano: Lib. pont. p. 56, 7 und dazu Duchesne I p. 193 not. 52.

2) Zwei kaiserliche Freigelassene mit dem Titel procurator am lacus Fucinus sind inschriftlich bezeugt (CIL. IX 3886. 3887), aber wohl nicht auf dort gelegenen kaiserlichen Grundbesitz, sondern auf den Bau des Claudius zu beziehen.

3) Das territorium Tribulanum im Lib. pont. 71, 23 bezieht Duchesne I p. 200 not. 122 auf Trebula Mutuesca.

4) Der Flavischen Zeit gehört ein tabularius) reg(ionis) Picen(i) an: CIL. VI 8580.

5) Ein Wasserrohr mit dem Namen Trajans und seines Freigelassenen Fortunatus mit dem Titel (proc(urator) ist in Ameria gefunden: CIL. XI 4415; vielleicht war dort kaiserlicher Besitz.

6) CIL. XI 6337 (Pisaurum, aus Severischer Zeit); Mommsen in der Festschrift für Kiepert, S. 100 Anm. 1 hält sie für gleichbedeutend mit der „uns als cispadanisch geläufigen Landschaft“; mir ist es fraglich, ob sie sich so weit erstreckt bat.

7) CIL, III 1464.
8) Kaibel, inscr. gr. Ital. n. 2433.

9) In der Alimentarinschrift von Veleia (CIL. XI 1146 wird der Kaiser viermal als Besitzer genannt.

10) In Genua ein Lupercus disp. rationis privatae: CIL. V 7752.

11) CIL. V 2385 (Ferrara); 2386 ein dispe(n)sator Lentianus des Claudius; vgl. MOMMSFN a. a. 0.: „er will, wie es scheint, sein Domanialgebiet bezeichnen als reichend von Vercellae westlich bis östlich Ravenna“. Immerhin ist die Einbeziehung des so weit nordwestlich gelegenen Vercellae sehr auffallend.

12) Dio epit. 61, 17: Nero habe die Domitia getötet dià rà xthuata auris įv ταϊς Βαΐαις και εν τη Ραβέννίδι όντα, εν οίς και ήβητήρια ευθύς μεγαλοπρεπή κατεσκεύασεν, α και δεύρο ανθεί.

13) CIL. X 1127: (proc.?] Transpadan(ae), denn so wird mit Mommsen wohl zu ergänzen sein. Vielleicht gehörten zu seinem Sprengel auch die agri plerique et saltus in den Thälern bei Tridentum, die Claudius in seinem Edikt betreffs der Anauni (V 5050) als kaiserlich (mei iuris) bezeichnet.

bedeutenden Grundbesitz gehabt haben müssen, hatte der Prokurator mit einem Teil seines Personals in Pola seinen Sitz.')

Die angeführten Beispiele italischer Domanialbeamter bestätigen die Angabe der Gromatiker, dass das Verzeichnis der von dem Kaiser an die Gemeinden verschenkten Domanialländereien, der sogenannte liber beneficiorum nach Regionen geführt worden sei,?) die für die Verwaltung zu grösseren Sprengeln zusammengelegt worden sind.) Es zeigt sich dabei, im Gegensatz zu anderen kaiserlichen Verwaltungen, wie z. B. der der Erbschaftssteuer,“) eine Übereinstimmung mit den nachweisbaren, allerdings nicht festen Distrikten der italischen Juridici,5) die zu der Annahme berechtigen dürfte, dass sie im Anschluss an diese gebildet worden sind, wie auch die Inschriften dieser Domanialbeamten grösstenteils der Zeit nach Einsetzung der Juridici angehören. Eine Gegenüberstellung der dort wie hier bezeugten Distrikte wird das erweisen; die Zahlen der Regionen sind in Klammern beigefügt"): Domänendistrikte:

Distrikte der Juridici: I. Apulia et Calabria (II). Apulia et Calabria. s(altus) A(puli).

Apulia. regio Calabrica.

sener aus

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1) Chrysomallus Aug. lib. procur. in Pola: CIL. V 37; ebenda n. 41: Euphemi Aug. lib. tabulari(t) und Januario Aug. lib. (ta]bulario a patrimonio. In Abrega nördlich von Parenzo finden sich kaiserliche Sklaven als adiutores tabularii und dispensatores: CIL. V 368—372 und dazu Mommsen: 'apparet in his partibus Caesares praedia habuisse'; vgl. die in Val del Dente gefundene Inschrift zweier kaiserlicher Freigelassen der Zeit der Philippi, eines s(ub)proc(urator) und eines adiut(or) tab(ularii) oder tab(ulariorum): VAGLIERI, Atti della Soc. Istr. 1888, p. 449 (vgl. Rostowzew bei Ruggiero, Diz. epigr. 3 p. 98). Ein kaiserlicher Sklave mit dem Titel com[me]ntarsiensis) in Umago: V 475.

2) RUDORFF, Gromatische Institutionen, S. 406; Mommsen in der Festschrift für Kiepert, S. 104 Anm. 2: „dass das Verzeichnis der italischen Domänen, der liber beneficiorum, nach Regionen geführt ward, bezeugen die Gromatiker (Nipsus p. 295: quaeris, si in libro beneficiorum regionis illius beneficium alicui Augustus dederit; vgl. Hyginus 202, 2. 203, 1)*.

3) Ein proc(urator) privat(ae) ration is) per Italiam findet sich in einer afrikanischen Inschrift (VIII 11163, wohl aus dem Anfang des 3. Jahrhunderts), doch ist dies sicher nur ein ungenauer Ausdruck für einen Distrikt Italiens, um so mehr, da der Betreffende von diesem Ainte zu der Stellung eines proc(urator) tract(us) Karthag(iniensis) befördert wird.

4) Campania ist allerdings auch hier als eigener Bezirk nachweisbar: CIL. VI 1633; dagegen bieten die anderen Kombinationen: Aemilia Liguria Transpadana

Umbria Tuscia, allein oder verbunden mit Picenum und der regio Campaniae Campania Apulia Calabria keine Analogie zu der Domänenverwaltung.

5) Vgl. die Zusammenstellung derselben bei MARQUARDT 12 S. 226 fg. mit den Nachträgen Mommsens in der Festschrift für Kiepert S. 106 Anm. 4.

6) Vgl. dazu Schulten, Grundherrschaften S. 65.

Domänendistrikte:

Distrikte der Juridici: II. tractus Apuliae Calabriae Lu- 1. Calabria Lucania Brittii. caniae Bruttiorum (II. III). 2. Calabria Lucania (Apulia findet

sich nicht in dieser Kom

bination) Lucania

III. tractus Campaniae (I).

fehlt, da zur urbica dioecesis ge

hörig.)

IV. Tuscia et Picenum (VII. V). Tuscia et Picenum.

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Eine nicht geringe Zahl kaiserlicher Güter, die in Italien gelegen waren, sind nicht mit Sicherheit zu lokalisieren. Bedeutend müssen die praedia Galliana gewesen sein, da für sie nach einer Inschrift aus der Zeit des Severus Alexander ein eigener Prokurator bestellt war;) ob sie, wie man vermutet hat, mit den saltus Galliani qui cognominantur Aquinates in der 8. Region bei Plinius n. h. III, 116 zu identificieren sind, bleibt bei dem grossen Zeitabstand fraglich.“) In derselben Inschrift wird ein procurator saltus Domitiani genannt, doch ist die Lage dieser

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1) Vgl. Mommsen a. a. 0. S. 106.
2) Vgl. Digg. 32, 41, 2: regionem Umbriae Tusciae Piceno.
3) CIL. III 536

4) Auch wenn diese Identifikation zutreffen sollte, so sehe ich doch keine Veranlassung, den procurator at praedia Galliana in der citierten Inschrift mit dem proc(urator) vectigalior(um) populi) Romani) quae sunt citra Padum (CIL. III 249) zu gleichen.

Domäne') ebenso zweifelhaft, als die der praedia Galbana,?) Luciliana, ") Maeciana,“) Peduceana“) und Romaniana.6) Auch die Güter des Plautianus, für die nach seiner Ermordung ein eigener Prokurator vorübergehend fungierte,") waren zum Teil, wie die Ziegelstempel mit seinem Namen erweisen (oben S. 287 Anm. 3), in Italien gelegen.

Ungleich bedeutender als in Italien ist der kaiserliche Grundbesitz in den Provinzen gewesen.) Zunächst ist hier Aegypten zu nennen, das Augustus als Rechtsnachfolger der ägyptischen Könige übernommen hatte; damit sind die sicherlich sehr umfangreichen königlichen Domänen selbstverständlich in die Verwaltung des Kaisers übergegangen und werden als Baoillexń im Gegensatz zu der grossenteils erst später in den kaiserlichen Privatbesitz gekommenen y ouolaxń bezeichnet. 9) Jene sind anscheinend direkt von dem Praefectus Aegypti und seinen Prokuratoren, dagegen die letzteren von dem Idiologus und seinen zahlreichen Unterbeamten,'') in erster Linie den procuratores usiaci verwaltet worden.11) Unsere Überlieferung gestattet nicht, auch nur annähernd den Umfang des von den Königen auf die Kaiser übergegangenen Domänenbesitzes zu schätzen; dagegen haben die neu erschlossenen Quellen, insbesondere die Papyrusfunde der letzten Jahre, wenigstens einige der aus Privatbesitz

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1) An die von Nero konfiszierten Güter seiner Tante Domitia (s. oben S. 58) ist dabei gewiss ebenso wenig zu denken, als an den Kaiser Domitian, eher an die grossen Besitzungen der Domitiae Lucillae (s. oben S. 287).

2) CIL. VI 30983; sie mögen von dem Kaiser Galba ihren Namen haben.

3) CIL. VI 8683; dass sie, wie MARQUARDT: Privatleben der Römer S. 667 als sicher annimmt, von den Domitiae Lucillae ihren Namen führen, ist keineswegs ausgemacht.

4) CIL. VI 745 aus dem J. 177; daher sind es wohl die konfiszierten Güter des an der Verschwörung des Avidius Cassius (im J. 175) beteiligt gewesenen Juristen Volusius Maecianus.

5) CIL. VI 276 aus Vespasians Zeit; über die horti Peduceani s. oben S. 59.
6) CIL. VI 721.
7) CIL. III 1464.

8) Frontinus de controv. agr. p. 53: (Caesar) qui in provincia non exiguum possidet

9) Paul Merer im Philologus 56, 1897 S. 195, vgl. Wilcken, Ostraka I, S. 644 Anm. 2: ,war vielleicht die prolixi rī die alte Domäne, die der Kaiser von den Ptolemäern übernommen hatte, dagegen die ovotaxn yi diejenige, die aus den ovsícı der früheren Privatbesitzer im Laufe der Zeit an ihn gefallen war?"

Ich meine, dass diese Frage unbedingt bejaht werden muss.

10) Vgl. Wilcken: Ostraka I S. 643 und Rostowzew: Die kaiserliche Patrimonialverwaltung in Aegypten: Philologus 57 S. 564 ff., besonders S. 571 ff.

11) Dass Strabo (XVII 1, 12 p. 797) diesen Beamten nicht nennt, ist allerdings kein Beweis gegen seine Existenz im Beginn der Kaiserzeit, doch dürfte er erst einer späteren Zeit seine Entstehung verdanken; vgl. die Citate bei Rostowzew im Diz. epigr. 3 S. 100.

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