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gegen die Hierapytnier bei Kap Laketer Luft gemacht,') im zweiten Fall hätten die Kreter dem Philipp nach seinem Unglück bei Chios Luft gemacht, indem sie durch ihren Angriff die Rhodier zum Rückzug nach Süden zwangen. Jedenfalls waren die Rhodier noch das ganze Kriegsjahr 201 auf dem Meer beschäftigt, sonst hätten sie Philipp nicht ungestört in Karien schalten lassen. Im Winter 2010 wird dann allmählich Philipps Lage in Karien unhaltbar, sein Entkommen aus der Blokade verdankt er wohl wieder den Kretern.

Nachdem jetzt Philipp vom Kriegsschauplatz verschwunden ist, wird die Offensive der Rhodier gegen die Kreter energischer. Dies ist der zweite Teil des kretischen Krieges, 200--197.") Den Krieg gegen Philipp überlassen sie im ganzen den Römern, die jetzt auf den Plan und in die Koalition eintreten. Am Seekrieg gegen Philipp im Nordwesten des aegaeischen Meeres beteiligen die Rhodier sich nur schwach, ihre Hauptaufgabe ist jetzt die Säuberung des Meeres durch besondere Expeditionen. Hierher gehören die Inschriften Sylloge 264 und 265. Der Titel des Führers einer solchen Expedition, αποσταλείς υπό του δήμου του Ροδίων άρχων επί τε των νήσων και των πλοίων των νησιωτικών, zeigt, dass sie nicht zum eigentlichen grossen Krieg gehörten.

Den Kretern scheint allmählich auch zum Teil der fröhliche Krieg entleidet worden zu sein. In Kreta selbst fingen wieder heftigere Fehden an, und die starke Hand der Rhodier legte sich auf sie. In diese Zeit passt wohl am besten der Bündnisvertrag der Rhodier und Hierapytnier MICHEL 21 = DI. III 3749. Die Rhodier schreiben die Bedingungen,

. zum Teil recht ungleicher Art, vor. Die Hierapytnier stehen im Kriege mit den Knossiern und ihren Bundesgenossen. Das entspricht etwa der beiderseitigen Lage. Die Hierapytnier sind gezüchtigt und haben zuhause Krieg. Die Rhodier können weiter nichts gegen sie ausrichten und sind ganz zufrieden, sie und ihre kretischen Bundesgenossen durch einen Separatfrieden los zu werden und gleich gegen die noch übrigen feindlichen Kreter auszuspielen. Diesen Frieden scheint der milesische Staatsmann (wohl eher als General) Aixas 'Equoqcvtov vermittelt zu haben nach dem (wohl etwas abzuschwächenden) Epigramm seiner Ehrenstatue:

Κρήτη μεν στεφάνων σε, Λίχα, και Θησέος άστη

πάτρια νησαίη τ' έστεφε δία Ρόδος,
ξυνα δε Νηλείδαισιν ομαίχμια πρώτος Ιώνων

έστησας Κρητων φυλα αναλεξάμενος,

1) Dann könnten wir in dem Seeoffizier Nixóorpatos Nizootpúrov, mit dem Diokles zusammenwirkte, den rhodischen Trierarchen Nikostratos sehen, der sich bei Chios auszeichnete und wahrscheinlich den Heldentod fand. Polyb. 16, 5, 1. Vgl. SBer. S. 4771,

2) Vgl. Niese II 591 ff., van GeldER S. 127–29 über den Gang des grossen Kriegs.

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Μίλητός τε σε πατρίς, επεί βουλήι τε και έργοις

έκρινεν πάσης ηγεμόνα πτόλιος.
πρέσβεα τ' είς βασιλείας αθώπευτον και αμέμφη,

έκτισε βουλαίου τωιδε παρα προπύλωι. 1) Zugleich hatten die Rhodier jetzt im Osten Luft, um ihr Reich in der Peraia wieder zu gewinnen, das noch von makedonischen Besatzungen gehalten wurde. Hiervon berichtet die karpathische Inschrift Sylloge 269, für die ich nach Analogie der nisyrischen Inschrift oben S. 328 andere Ergänzungen und Erklärungen als möglich vorschlage:

Νικαγόρας Παμφ[ιλίδα, καθ' υιοθεσίαν δε [Νικαγόρα, στραταγήσας επί του δείνος κατά πόλεμον, εκπλεύσας τετράκις και ταν τ[ε χώραν και τα φρούρια ά[πήμαντα] πάντα διαφυλάξας τωδάμωι] και ανακτησάμενος τα[v] Πισυήτιν χώραν και τα[v'I]δυμίαν και των Κυλλανδία[ν κ]αι τα εν αυταίς φρούρια, [1]οτειδάνι Πορθμίωι.

Die bisherige Ergänzung otpatayroas [ni négav bezw. besser slis tó négav scheint mir nicht näher zu liegen als die Datierung des Strategenamts nach dem rhodischen Eponymen. Dem στρατευσάμενος jener Inschrift entsprache hier dann έκπλεύσας anstatt des ratsellhaften εκ πάντων 2): Vier Expeditionen. Habe ich richtig ergänzt, dann sind die Verdienste des Nikagoras in zwei zeitlich und örtlich getrennte Abschnitte zu scheiden: 1. Verteidigung von Karpathos, wo die Weihung dargebracht ist, vor 200. 2. Eroberungen in Karien, nach 200.

Im Jahre 197 war mit dem Krieg gegen Philipp auch der gegen die Kreter beendigt; diese blieben ihren inneren Fehden überlassen und Ruhe kehrte im aegaeischen Meere ein. Das Verdienst des Friedens wurde auch im Gebiete der rhodischen Hegemonie den Römern zuerkannt. Der Demos von Kos ehrt den Titus Quinctius mit einer Statue αρετάς ένεκα [και καλοκάγαθίας τας εις αυτόν [και τος συμμάχος και τος [άλλος] "Έλληνας, PH. 128.

Das Bild des rhodisch - kretischen Krieges ist geeignet, das Urteil über die Politik der Rhodier in diesen Zeiten zu modifizieren. Es zeigt sich in ihr der vorsichtige, bedächtige Sinn der Handelsrepublik. Am nächsten liegt ihnen ihr Handel und ihr Landbesitz an Inseln und

1) ΤH. WIEG AND, SBer. d. Berl. Αλ. 1901, 905 f., Verbessert Arch. Anz. 1901, 196. Zum vollen Verständnis der Verhältnisse wäre die Kenntnis der Gruppierung der kretischen Städte in den einzelnen Zeiten notwendig. Wenn die erste Reihe der teischen Asyliegesandtschaften nach Kreta in diese Zeit gesetzt werden darf, so hat vielleicht auch (MICHEL 57, 13 ft.) 'Αγίσανδρος Ευκράτευς Ρόδιος και παρά τω βασιλέως 'Αντιόχω πρεσβευτές επί τας των πολέμω διαλύσεις αποσταλείς für diesen Frieden gewirkt.

2) Was im Facsimile, Arch.- epigr. Mitt. 16, 102f. als Ansatz des Querstrichs wiedergegeben ist, kann auch ein Sprung am Bruchrand sein. — Zu Groctarnoes {x Acvrov vgl. van Gelder S. 255, der diesen Titel umgekehrt in der nisyrischen Inschrift oben S. 328 Z. 7 einsetzen möchte. Man kann immerhin darüber streiten.

Festland, dann aber der Schutz ihrer Klienten, der Nesioten Sporaden und Kykladen, die Erfüllung der Pflichten ihrer Hegemonie, die kräftige Handhabung der Seepolizei. Den Luxus, reportátai der hellenischen Freiheit auch in der Ferne gegen Philipp in praxi zu sein, leisten sie sich vor 200 nicht, weil sie sich, in der Nähe bedrängt, ihm nicht gewachsen fühlen; von 200 an überlassen sie den Löwenanteil daran den Römern, weil sie durch ihre näheren Aufgaben noch in Anspruch genommen sind.

Der Friede des T. Quinctius brachte den Rhodiern Vorteile, aber auch den freien Griechen. Die Rhodier freuten sich darüber und betrachteten den philhellenischen Römer als berechtigten Ausführer ihrer Wünsche für das Wohl der Griechen.

Diese Politik war freilich nicht sehr feurig, aber sie rechnete mit den Thatsachen und das Ende gab ihr Recht. Die lebhaftere Politik, welche die Rhodier im Kriege der Römer gegen Perseus einschlugen, sollte ihnen sehr schlecht bekommen.

Der Boden von Kos hat uns erwünschten Aufschluss über ein wichtiges Kapitel der rhodischen Geschichte gegeben. Der schon weit gediehene Plan dänischer Forscher, auf der Burg von Lindos zu graben, scheint leider im letzten Augenblick gescheitert zu sein. Indessen schicke ich mich zur Ausreise an, um auf Kos die Hacke arbeiten zu lassen. Möge von dort noch mehr Licht kommen!

Tübingen, im Juni 1902.

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Mitteilungen und Nachrichten.

Zur Geschichte und Überlieferung des ionischen Aufstandes.

Von C. F. Lehmann,

In der entscheidenden Schlacht, in der die am ionischen Aufstand teilnehmenden Griechen auf Cypern unter Onasilos' Führung von den Persern besiegt wurden, fielen (nach Her. V 113): Ovngulos .... xai ó Eollov Basilevs 'Apl

και ο Σολίων βασιλεύς Αριστόκυπρος και Φιλοκύπρου, Φιλοκύπρου δε τούτου τον Σόλων ο Αθηναίος επικόμενος ές Κύπρον έν έπεσε αίνεσε τυράννων μάλιστα.

Den chronologischen Schwierigkeiten, die hier vorliegen, darf man nicht etwa dadurch auszuweichen suchen, dass man annimmt, Solons Zeitgenosse und Freund habe nicht Philokypros, sondern vielmehr Kypranor geheissen und Philokypros, der Vater des Aristokypros, sei ein auf diesen folgender Herrscher. Denn wie WILAMOWITZ (Aristoteles und Athen I 1623) mit Recht betont, muss in dem Gedichte Solons, von dem das Fragment (Plut. Solon. 26; Vita Arati (Westerm.) p. 53 Bergk fr. 19) uns erhalten ist, der Fürst von Soloi genannt gewesen sein. Und wenn Herodot und Plutarch angeben, dass er Philokypros heisse, so kann dagegen die Vita Arati mit ihrem Kypranor nicht aufkommen. Auch lässt sich, glaube ich, dieser Fehler mit einiger Leichtigkeit erklären; es muss in dem Gedichte auch ein Kypranor, vielleicht als Vater oder Vorfahr des Philokypros genannt gewesen sein, und infolge einer Flüchtigkeit ist dieser von dem Verfasser der Vita Arati resp. seiner Quelle als der Angeredete aufgefasst worden.)

Vorhanden aber ist die chronologische Schwierigkeit. Allerdings ist die Elegie an Philokypros mit Recht in die späteren Reisen Solons verlegt worden. Solon kann zwar natürlich auch während der Reisen, die er in jungen Jahren gemacht hat und auf die zum Verständnis seiner Persönlichkeit nicht oft und nachdrücklich genug hingewiesen werden kann, Cypern berührt haben. Aber als der Berater des Fürsten bei der Umsiedelung und der Einrichtung der neuen Stadt hat natürlich nur der weise Gesetzgeber und gereifte Mann, der Ordner des athenischen Staates, Geltung gehabt. Und so ,haben Plutarchs Gewährsmänner“ für die chronologische Zuweisung des Besuchs bei Philokypros ,ohne Zweifel die richtigen Schlüsse gezogen“.

1) Möglich auch, wenngleich weniger wahrscheinlich, dass die Elegie oder Citate daraus einmal fiir einen späteren Dynasten von Soloi zugeschnitten worden ist. Solons Gedicht bat in Soloi gewiss oft genug bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten berhalten müssen. Als Parallelen in gewissem Sinne können die bei I. HeineMANN, Studia Solonea (Diss. Ber. 1898) $ 2 beleuchteten Fälle gelten.

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Ebenso hat Solon Athen sicher nicht gleich nach seinem Archontat 594/3 und der Rechnungslegung nach dessen Ablauf (593) verlassen. Das zeigen die Gedichte, die WILAMOWITZ mit Recht der Zwischenzeit zuweist;-) das ergiebt sich aus Solons Teilnahme an den Beratungen, die dem heiligen Kriege vorausgingen. Die historische Thatsächlichkeit unserer Nachrichten darüber hat m. E. WILAMOWITZ Arist. I 10 ff. (1893) überzeugend dargethan, während sie bekanntlich von ED. MEYER im gleichzeitig erschienenen II. Bande seiner Geschichte des Alterthums [GA] $ 415 geleugnet wird. Ich sehe somit auch keinen Grund, die zehnjährige Dauer des Krieges zu bezweifeln. Ohnehin will mir nicht einleuchten, warum ein Historiker wie Kallisthenes, in einer dem ,heiligen Kriege“ gewidmeten Spezialschrift, dessen Dauer etwa nach dem Vorbild des troischen Krieges erfunden haben sollte.

Je nachdem wir den Krieg ein oder zwei Jahre vor der ersten regulären Pythienfeier (582) zu Ende sein lassen, erhalten wir für seine Dauer die Jahre 593/84, so WILAMOWITZ, oder 592/83.

In den Listen der Athenischen Pylagoren ist der auf Solons Antrag gefasste amphiktionische Exekutionsbeschluss für das Jahr 593/(92) oder 592/1 verzeichnet gewesen. Ihnen entstammt die Kunde, die uns durch Aeschines' (c. K tes. 107 f.) und durch Aristoteles' Pythioniken (bei Plutarch, Solon 11) überliefert ist.

Später als (zu einem frühen Termin d. J.) 592 wird aber Solon Athen nicht verlassen haben und wenn er sein Programm einer 10 jährigen Abwesenheit ungefähr einhielt, so wird er 583 nach Athen zurückgekehrt sein, gerade rechtzeitig, um die Gefahr einer Tyrannis des Damasias (Arch. 583/582, 582/581 und weitere 2 Monate) zu erkennen und vor ihr zu warnen. Ob die Warnungen vor der Tyrannis, die uns in fr. 9. 11 erhalten sind, gerade die Damasias-Gefahr im Auge haben, ist natürlich nicht bestimmt zu entscheiden (Ar. I 16; II 311 f.).

Der Kampf auf Cypern, in dem Onasilos und Aristokypros, Sohn des Philokypros, ihr Leben liessen, fällt wahrscheinlich ins Jahr 498 (BUSOLT II 546 f.), jedenfalls erheblich vor die ca. Herbst 495 anzusetzende, Schlacht bei Lade.

Solon erbittet vom König von Soloi ein Schiff zur Heimkehr. Erfolgte diese im Jahre 583, so ward auch die Elegie an Philokypros 583 verfasst, d. h. es liegen zwischen dem Abschied aus Soloi, da der „Vater" lebte und der Schlacht, in der der „Sohn“ gefallen sein soll, volle 85 Jahre! Der Zeitraum wird noch vergrössert, wenn man mit WILAMOWITZ a. a. 0. annimmt, Solons Bitte sei nicht von direkter Heimkehr zu verstehen. Dann könnte der Abschied von Philokypros noch ev. mehrere Jahre vor der eigentlichen Heimkehr anzusetzen sein. Doch möchte ich mich dieser Auffassung von Solons Worten nicht anschliessen.

Eine Verringerung des Zeitraums würde man nur erreichen, wenn

man

1) Das trochäische Gedicht an Phokos, der grosse Tambos, das weitere iambrische Gedicht (Ath. pol. 12) und die bei Arist. Ath. pol. 11 und Plut. Sol. 25 paraphrasierte Abschiedselegie, in welcher Solon seine Absicht auf 10 Jahre zu verreisen kundgiebt und der auch das forucov ļv uzycioış etc. entnommen ist. Zu dieser beiläufig: Wilamowitz betrachtet es mit Recht als höchst wahrscheinlich, dass die Ath. pol. 12 zitierten Distichen: dnum uèv yèo i doxe der Abschiedselegie angehören. Die zwei weiteren Distichen ebenda wäre man, sagt Wilamowitz, versucht“, derselben Elegie zuzuschreiben, aber ihrem ziemlich allgemein gehaltenen Inhalte nach könnten sie natürlich auch aus der Zeit vor der Gesetzgebung stammen. Ich glaube, es ist bei Aristoteles selbst ein Anzeichen vorhanden, dass man sie derselben Elegie zurechnen darf. Dass die in Kapitel 12 danach zitierten trochäischen erse nichts mit dem Vorhergehenden zu thun haben, ist, eben des Versmasses wegen, selbstverständlich. Wenn gleichwohl Aristoteles diese mit den Worten xai achy d'¿répo$i einleitet, so wird das unbewusst deshalb geschehen sein, weil sich Aristoteles jetzt erst von der Elegie, die ihn verhältnismässig lange beschäftigt und ihm den Stoff zu dem ganzen Abschnitt c. 11 u. 12 Anf. gegeben hatte, abwendet.

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