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Polyhistors, die noch Clemens von Alexandrien benutzte,') können, ohne dass man eine gewaltsame Annahme machen müsste, ganz gut noch Eusebios zur Verfügung gestanden haben. Anderseits ist nicht einzu

warum der sonst so aufrichtige Eusebios es hier verschwiegen haben sollte, dass er das Sammelwerk nicht selbst gelesen habe. Die Stücke aber einfach als nicht polyhistorisch anzusehen, ist unmöglich, da das wenige Polyhistorische, was sich aus Clemens und Josephus kontrollieren lässt, mit dem von Eusebios Gesagten vollständig übereinstimmt.)

Auffallen muss bei der Lektüre dieser Fragmente, dass Eusebios den Polyhistor neben Berossos den Apollodoros als Quelle nennen lässt.") Für den unbefangenen Leser wird es wohl den Anschein gewinnen,-) als ob Polyhistor neben den Excerpten Berossos' auch die Nachrichten Apollodoros' benutzt hätte.5) Von anderer Seite ist aber der Name als eine jedenfalls vor Eusebios fallende Fälschung erklärt und der Versuch gemacht worden, ,, 'Anoilodwo" als Schreibfehler in den Handschriften für „ó nohutotwo" zu erklären.“ Dem widerspricht aber, dass der Synkellos ihn auch als Gewährsmann kennt, ") „Arolódopog“ schreibt und ihn ausdrücklich an zwei Stellen neben Berossos lobend hervorhebt.") Oder sollte man an allen diesen Stellen den gleichen Schreibfehler annehmen dürfen? Über die übrigen Quellen Polyhistors herrscht auch grosse Unklarheit, selbst über das Verhältnis desselben zu Berossos stehen sich eine Reihe von Ansichten gegenüber.) Zur Beleuchtung von Eusebios' kritischer Auffassung war aber bloss vorstehende Erörterung nötig.

Aus demselben Grunde muss auch das berühmte Sibyllencitat herangezogen werden.

Am Anfange nämlich jenes Stückes aus Polyhistor, das Eusebios oder sein Übersetzer mit Alexandri Polyhistoris de turris aedificatione betitelte, 10) obwohl nur die ersten Zeilen von dem angekündigten

1) Stromata, ed. Klotz, Leipzig 1831, I c. XV $ 70, c. XIX $ 130, III c. VII S 60. 2) Freudenthal, a. a. 0. S. 12 ff.

3) I S. 7 21 und S. 13 11. Diels, Untersuchung über die Chronica des Apollodoros (Rhein. Museum Bd. XXX, N. F. 1876. S. 4) hat gezeigt, dass diese vom Falle Trojas bis zum Jahre 144 v. Chr. Geb. in vier Büchern gereicht hat. Diodor gesteht freilich (I 5), das er keine zuverlässige Tafel für die Zeitenfolge bis zum Falle Trojas kenne, von da an folge er dem Apollodor.

4) Besonders aus der ganz klaren Stelle (I S. 13 11): quemadmodum et Apollodorus in volumine (historia) enarrat.

5) So auch GutSCHMID, Euseb. Chronic. ed. SCHOENE I. appendic. S. 240.
6) Wachsmuti, Einleitung S. 370 N. 2.
7) I S. 51, P. 28, S. 71, P. 39; und noch an vielen anderen Stellen.
8) I S. 51, P. 28 und S. 71, P. 39.

9) C. Müller, FHG. III S. 209. HULLEMANN, a. a. 0. I. S. 148 ff. Chwolson und GUTSCHMID, Kl. Schriften II S. 667 ff.

10) I S. 23.

Thema handeln, wird eine Sibylle redend eingeführt. Dieser Umstand ist auffallend, und in der That haben diese merkwürdigen Worte Anlass zu den verschiedensten Hypothesen gegeben.") Noch GELZER hat dieses Stück als das Machwerk eines hellenistischen Juden erklärt, aber aus unzureichenden Gründen. Im Gegensatz zu den herrschenden Meinungen hat GUTSCHMID”) gerade diesen Abschnitt als berossianisch nachzuweisen versucht. Für diese Ansicht spricht, dass die bei Eusebios unmittelbar vorhergehenden Stücke auch nur mit de quo etiam Polyhistoris liber praebet notitiam") eingeleitet sind, obwohl an ihrem berossianischen Ursprung nicht gezweifelt werden kann. Mit den Gründen, durch die GUTSCHMID diese Meinung zur Gewissheit erheben will, kann man sich freilich nicht ganz einverstanden erklären. Er beruft sich zunächst auf die Schilderung des Titanenkampfes, den Moses von Chorene mit denselben Worten wie Eusebios) beschreibt, mit dem Zusatze: e dilecta mea ceterisque verociore Sibylla Berossiana.") Zweitens hätten die Hebräer nach Pausanias' Notiz“) ein orakelgebendes Weib gekannt, das die Tochter Berossos' und der Erymanthe gewesen und aus Babylon oder Ägypten gestammt haben soll. Diese Tochter hält nun GUTSCHMID für die von Berossos benutzte Sibylle, weil ihre Existenz nur auf seinem Zeugnis beruhe: ihm wird so die Vaterschaft, mit anderen Worten die Erdichtung der Sibylle imputiert.“ Hinsichtlich des ersten Grundes ist zu bemerken, dass die Autorität der auf den Namen des armenischen Historikers lautenden Schrift, der namentlich von der Vergangenheit seines Volkes mehr wissen will, als möglich ist, gerade durch GUTSCHMIDS eigene Untersuchung gewaltig erschüttert wurde, 7) beim zweiten aber dürfte sich die umschreibende Bedeutung, die allein Sinn hat, wohl nicht umgehen lassen. GUTSCHMID erklärt die Worte Moses' von Chorene „als die von Berossos citierte“ Sibylle, später aber schreibt er ihm ,,Vaterschaft und Erdichtung" derselben zu. Das ist aber doch zweierlei. So könnte hinter der Sibylle auch der Titel eines von dem chaldäischen Priester verfassten Werkes stecken, der uns zwar sonst nirgends überliefert ist, aber in Kephalions Neun Musens) sein Analogon hätte. Damit würde dann über

1) Ch. K. Bunsen (Ägyptens Stelle in der Weltgeschichte V, Hamburg und Gotha 1857, 4, S. 48) und M. C. v. Niebuhr (Assur und Babel, Berlin 1858, S. 470) meinen, dass dieser Abschnitt nicht berossianisch, sondern aus persischen Urkunden durch Vermittelung eines sibyllinischen Buches entnommen sei.

2) Beiträge zur Geschichte des Orients S. 50 ff.
3) I S. 1928 und 29.
4) I S. 28 23-30.

5) Moïse de Khorène: Trad. franç. par P. E. LE VAILLAUT de Florival, Venise 1841, I S. 31.

6) Ed. SCHUBERT (Leipzig 1875) Descript. Graeciae X 12 9.
7) GELZER, II a S. 27.
8) Eusebii Chronicon ed. SCHOENE I S. 263 36.

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einstimmen, was man sich später von der Prophetengabe des Berossos erzählt hat.') Mit den gleichen Worten wie Eusebios leitet auch Josephus?) die betreffenden Zeilen ein, während bei Abydenos diese Worte fehlen.3) So ist es klar, dass von Seite Eusebios' keine Fälschung vorliegen kann. Aber auch an der Echtheit dieser Zeilen zu zweifeln waren für Eusebios nicht genügende Gründe vorhanden, da ja selbst wir, denen so viel mehr Hilfsmittel zu Gebote stehen, uns hierin noch nicht mit Sicherheit zu entscheiden vermögen.

Zum Schlusse sei noch kurz der Standpunkt angedeutet, den Eusebios zu den Nachrichten Polyhistors einnimmt. Er pflegt die Stücke aus den einzelnen Schriftstellern nacheinander dem Leser zur Prüfung vorzulegen, ohne in jedem einzelnen Falle seine Meinung darüber zu äussern. Höchstens hebt er am Schlusse das rein Chronologische, vielleicht als Vorarbeit für den später zu entwerfenden Kanon, hervor. Der später erfolgende Vergleich desselben mit den von Polyhistor hier gebrachten Nachrichten wird am besten Eusebios' Meinung über den Wert der letzteren darlegen. Anders verhält sich der Bischof von Caesarea gegenüber jenen Nachrichten Polyhistors, die aus den berossianischen Berichten über die älteste Zeit geschöpft sind ,4) auf die er in der Folge nicht zurückkommen konnte. Gegen die hier vorgebrachten fabelhaften Zahlen wendet er sich mit Eifer in einer langen, überzeugenden Beweisführung") für die glaubwürdigeren Angaben der Bibel, die in die Betrachtung der Weltgeschichte hineinzuziehen und den Heiden vor Augen zu führen, ja von Anfang an seine Absicht war. Eusebios benutzte jede sich bietende Gelegenheit zu seinen exegetischen Zwecken; selten aber, zumal in der Chronographie, spricht er sich in einer so ausführlichen, für ihn so bezeichnenden Weise über seine Meinung aus, so dass gerade diese Beweisführung von vielen und mit Recht zu seiner Charakteristik herangezogen wurde.) Diese eifrige Widerlegung sowie das geringe Maass von Beachtung, das Eusebios für diese Dinge Polyhistor im Kanon schenkte,') beweisen, dass er nur ungern zu den Schriften desselben griff. Aber da ihm die heimischen Quellen unzugänglieh und wohl auch unverständlich waren, blieb ihm keine Wahl.

1) Josephus: Ιουδ. αρχαιολ. Χ c. 2: η μνημονεύει δέ τού των Βαβυλωνίων Βαλάδα Βηρωσσός, ών δ' ούτος ο προφήτης ομολογουμένως θείος και θαυμάσιος την αλήθειαν, πεποιθώς, το μηδέν όλως ψευδές ειπείν άπαν δ' όσα προεφήτευσεν έγγράψας βίβλοις κατ(ε)έλιπεν, εκ του τέλους γνωρισθησόμενα τοις αύθις ανθρώπους, και ούχ ούτος μόνος ο προφήτης ..."

2) Eusebii Praeparatio evangelica 1X c. 15.
3) Chronicon ed. Schoene I S. 33 26 ff.
4) In den zwei ersten Stücken aus Polyhistor enthalten.
5) I S. 17-19.
6) Zuletzt von Gelzer, II a S. 26.
7) Vgl. 8 6.

$ 2.

Abydenos. Der zweite von Eusebios für die chaldäische Geschichte benützte Schriftsteller ist Abydenos. Die von diesem in der Chronographie 1) erhaltenen Fragmente sind in zweifacher Beziehung interessant: einerseits durch die Person des Verfassers, anderseits durch ihren Inhalt selbst. Die Kenntnis des Namens ?) dieses Autors und seines Werkes verdanken wir allein dem Sammelfleisse des Bischofs von Caesarea , denn Georgios Synkellos kannte ihn nur aus diesem,") und das ganz nach dem Muster des bei Eusebios sich findenden Stückes gearbeitete desselben Schriftstellers bei Moses von Chorene“) hat sich als Fälschung erwiesen.") Ausser in der Chronographie citiert Eusebios diesen Schriftsteller noch mehrmals in der Praeparatio evangelica. C) Über die Abstammung des sicher wenig bekannten Abydenos wissen wir nichts,?) über die Zeit, der er angehörte, nichts Bestimmtes. Die in dieser Frage vorgebrachten Meinungen") gehen sehr weit auseinander, und die gegebenen Anhaltspunkte sind so wenig

1) ed. SCHOENE I 31–43.

2) Der Name wird verschieden geschrieben. Eusebios selbst schreibt , Abydenus“ oder „Abidenus“. Der Synkellos „ABvdivós“ und ABvdivos.“ In der armenischen Litteratur kommt der Name in zwei Formen vor, nämlich Urlinkunu (A pidenos) und Urbagbolinu (Abinodenos). Dieser Abydenos ist nicht zu verwechseln mit dem Palaephatos, einem Schüler des Aristoteles, der nach seiner Geburtsstadt Abydos auch Abydenos heisst (Suidas: „xcì 'Aßvdnvòs ó årò Apódov.“ ed. Bekker, S. 9).

3) Wahrscheinlich durch Panodoros (Gelzer, I S. 208).

4) Moïse de Khorène, trad. franç. par P. E. Vaillaut De Florival, Venise, I S. 27.

5) Gutschmid, Kl. Schriften III S. 312.
6) ed. Dindorf (opera Euseb. Caes. Bibl. Teubn.) IX c. 12, c. 14, c. 41.

7) B. G. Niebuhr (Kl. Schriften I S. 188 N.) meint, dass hier vielleicht ein semitischer Name versteckt sei, der mit Abd oder Ebd anfängt. Als griechischer sei der Name unerhört zu nennen. Dagegen C. MÜLLER (FHG. IV S. 279). Gelzer (II a S. 30, N. 1) zieht aus Eusebios' Einteilung (I 33 16 und 43 2 ff.) in chaldäische und griechische Quellen den Schluss, dass er mit den Chaldäern Abydenos meine. Anderseits ist es zu weit gegangen, ibn wegen der Benutzung des Ktesias allein zum Griechen zu machen.

8) Früher war die Meinung verbreitet, dass Abydenos ein Schüler des Berossos gewesen sei. (Vgl. Pauly, Real-Encyclopädie I S. 1102, wo auch die hier bezüglichen Stellen der älteren Litteratur zusammengestellt sind). Bauer in Ersch und GRURERS Encyclopädie I S. 230 hält ihn für einen der ältesten Geschichtschreiber der Griechen und einen Schüler des Berossos. Nach MARQUARDT (Philologus, Sppltbd. VI S. 567 ff.) ist er älter als Kastor, nach HULLEMANN (Misc. I S. 141 N. 2) jünger als Polyhistor. Gutscumid versetzt ihn, ohne die Gründe hierfür anzuführen, in die Zeit des Antiochus Epiphanes (Kl. Schriften II S. 287), später (Kl. Schriften IV S. 527) hält er ihn wieder für junger als Polyhistor. Niebuur scheint er nicht alt zu sein (Kl. Schriften I S. 288), C. Müller stellt ihn bestimmt in das 2. oder 3. Jahrhundert (FHG. IV S. 279), Gelzer, Il a S. 28) in. die Zeit der julischen Kaiser, welche Meinung auch WACUSMUTH (Ein

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zahlreich und so unsicher,') dass eine endgültige Bestimmung wohl schwer möglich sein wird. Die meiste Wahrscheinlichkeit scheint die Hypothese derer zu haben, die, sich auf Abydenos' jonische Schreibweise,) und den Inhalt seiner Fragmente berufend, ihm kein allzuhohes Alter zuschreiben.

Abydenos schrieb chaldäische und assyrische Geschichten. Eusebios spricht bald von einer περί 'Ασσυρίων γραφή3) dieses Schriftstellers, bald lobt er seine Chaldaeorum historia.) Es ist sicher die letztere, welche sein Hauptinteresse erregt.5) Lange Zeit war man über den Wert der Aufzeichnugen des Abydenos nicht einig,“) und noch jetzt machen sich einige Stimmen geltend, die ihn einen kritiklosen Kompilator nennen"). Nachdem inschriftlich die Wahrheit mancher seiner unglaublich scheinenden Nachrichten bezeugt worde ist, ist man ihm, und so auch der kritischen Auffassung des Eusebios, gerechter geworden.

Was Abydenos' Quellen betrifft, so nennt dieser selbst bei Eusebios den Megasthenes, ') den er auch in der Schreibweise nachgeahmt zu haben scheint.") Dass Abydenos Berossos kannte und benutzte, ist unzweifelhaft. Es ist dies zwar durch keine Äusserung des Eusebios oder Abydenos selbst bezeugt, lässt sich aber aus Angaben des ersteren schliessen: unser

leitung S. 374 ff.) zu hegen scheint. TRIEBER (Hermes XXVII S. 329) verlegt ihn in das 2. Jahrhundert n. Chr. ScHWARTZ (Pauly-Wissowa, Realencyclopädie I S. 129) in die Zeit der Antonine.

1) Aus der Aufeinanderfolge der Stücke bei Eusebios Schlüsse zu ziehen, dürfte doch wohl gewagt sein.

2) Gelzer, II a S. 28 und S. 28 N. 1.
3) Praep. evangel. IX c. 41 1.

4) Chronic. ed. SCHOENE I S. 33 22, I S. 263 32 ff. heisst es gar: ex Abydeno, qui de Assyricis ac Medis libros conscripsit. Ähnlich Praep. evangel. IX c. 121 ływ de gol τα Μηδικά και Ασσύρια διελθών εκ της 'Αβυδήνου γραφής.

5) Schrader hat in seiner Schrift zur Chronologie des A. Polyhistor und des Abydenos (Berichte der kgl. sächs. Academie der Wissenschaften, 1880, S. 18) nachgewiesen, dass Abydenos zwar assyrische Geschichte geben wollte, diese aber unzweifelhaft vom Standpunkte des Babyloniers schrieb, die assyrische also nur soweit zur Darstellung brachte, als sie für Babylon von Interesse war.

6) Scaliger: veterum Graecorum fragmenta selecta (Anhang zu de emendatione temporum. Lugduni Batavorum 1598) S. XX: certe mirum est hoc fragmentum; XXII:

hoc fragmento nobilissimo Abydeni. Vgl. Schrader in der eben genannten Schrift S. 32.

7) WACHSMUTH, Einleitung S. 375.

8) Chron. ed. Schoene I S. 411. Scaliger (veterum Graecorum fragmenta selecta S. XIV): Abydenus ex Megasthene. S. XV: ut recte Megasthenes apud Abydenum. Endlich S. XX und ähnlich S. XXVII.

9) Wenigstens in dem bei Eusebios (Praep. evang. IX c. 41) erhaltenen Stücke scheint er die jonische Schreibweise affectiert zu haben (Müller, FHG. IV S. 280).

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