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Im übrigen Italien, besonders in Etrurien und Latium, fehlen die Namen so gut wie ganz, von der Transpadana und Ligurien ganz zu schweigen.

Vielleicht kann man innerhalb der zweiten Gruppe noch einen Unterschied zwischen Sabinern, Umbrern und Picentern einer- und den Oskern andererseits machen, da die Namen in jenen nördlichen Landschaften doppelt so häufig sind wie im Süden (1:38-48 zu 1:93—127).

Lucanien nimmt eine auffällige Mittelstellung ein. Hier sind die Namen häufiger wie in Samnium, seltener wie in der Sabina, Umbrien, Picenum. Es fragt sich freilich, ob die geringe Anzahl der Namen (7) hier eine statistische Wertung zulässt.

Aus der für die ganze Namengruppe angestellten Statistik liess sich feststellen, dass die Heimat derselben der von den Umbrern und Sabellern bewohnte Centralappennin sei, ein Ergebnis, welches durch die Statistik der selteneren Namen bestätigt wird. Darf man nun auf Grund der obigen Ausführung, dass jene Namen am Fucinussee häufiger als sonst gewesen seien, den Namen auf -(i)edius eine engere Heimat: die Landschaft am Fucinussee zuweisen? Dem widerstreitet, dass für die mit den Namen auf -)edius aufs engste verwandten Namen auf -idius ein solcher Unterschied nicht oder wenigstens nicht in genügender Deutlichkeit besteht. Tabelle II zeigt, dass dieselben bei den Sabinern so häufig sind wie bei den Marsern und in Umbrien und Picenum nicht viel seltener als am Fucinussee. Eine solche Annahme würde ja auch völlig der Einheit, welche für uns die unbrisch-sabellischen Stämme darstellen, widersprechen. Man wird also nicht mehr sagen dürfen als dass jene Namen in den Kantonen am Fucinus besonders häufig gewesen sind.

Dieselbe Frage ist für die oskischen Landschaften zu stellen. Die Namen sind hier allgemein so viel seltener wie im Norden, dass ein Zufall ausgeschlossen scheint eine Bestätigung des aus der ersten Statistik gewonnenen Resultats. Folgt nun daraus, dass sie bei den Oskern nicht heimatberechtigt, sondern erst in späterer Zeit aus der sabellischen Nachbarlandschaft eingedrungen sind, nicht anders wie in Latium und Etrurien? Nein, denn eben Latium und Etrurien lehren, wie selten die Namen in wirklich fremder Sphäre sind. Auch diesmal ist also nicht ein prinzipieller, sondern nur ein gradueller Unterschied zu behaupten. Die Namen auf -(i)edius sind in der oskischen Landschaft nicht fremde Eindringliche wie etruskische und griechische Namen, aber sie haben dort nicht die Verbreitung gefunden wie bei den nördlichen Stammesgenossen: den Sabellern und Umbrern. Die Erklärung dieser Thatsache ist oben (Beitr. II S. 183) gegeben.

Das Resultat der neuen Statistik bedeutet also nicht eine Beschränkung der auf Grund der ersten Statistik als Heimat der ganzen Gruppe festgestellten Zone, sondern 1) eine schärfere Abgrenzung derselben gegen Latium, Etrurien, die Aemilia und Apulien, welche beiden nur durch die häufigeren Namen auf -idius in der ersten Statistik so stark hervortraten, 2) die Feststellung eines deutlichen Unterschieds a) zwischen den Stämmen des Gebirges und denen der Ebene: zwischen Samniten, Hirpinern, Lucanern einer- und Frentanern, Campanern andererseits, eines Unterschiedes, der in der ersten Statistik nicht deutlich genug hervortrat, b) zwischen den Kantonen am Fucinus und den Sabinern, Picentern, Umbrern.

So sind denn unsere Namen ein interessanter Beitrag zu dem, was uns von den konservativen Verhältnissen der abruzzesischen Bergkantone berichtet wird, einer Gegend, die auch heute wie kaum eine andere veraltete Sitten und Bräuche bewahrt. Aber auch nach einer anderen, nach der historischen Seite hin eröffnet die Statistik der Namen auf -edius und -iedius (deutlicher als die erste Statistik) einen Ausblick. Wer dächte nicht angesichts dieser den Centralappennin in seiner ganzen Ausdehnung von Umbrien bis Lucanien begleitenden, je weiter nach Süden desto selteneren und in den südlichen Küstenebenen seltenen Namen an die den Appennin entlang nach Süden gehende Wanderung der umbrisch-sabellisch-oskischen Stämme, eines Prozesses, von dessen ersten Phasen – der Wanderung der Umbrer, Sabiner, Picenter, Samniten, Hirpiner – nur die Sage erzählt, während die letzten Phasen, die Besiedelung der campanischen Ebene, die Einwanderung der Lucaner und die Abzweigung der Bruttier im hellen Lichte der Geschichte liegt? :)

Aber noch mehr. Die Tradition, dass sich von den Sabinern, das heisst ins historische übersetzt: von dem Stamm der Einwanderer, zuerst die Picenter, Hirpiner und Samniten - je ein ver sacrum unter Führung eines der heiligen Tiere: Specht, Wolf, Stier (von dem Bovianum vetus heisst) abgezweigt hätten (Strabo p. 228 und 250), ist in vollem Einklang mit den geographischen Verhältnissen und dem Fortgang der Wanderung, die um 450 (s. d. Anm.) einen Teil der Sabeller nach Campanien und einen anderen nach Lucanien führte. Da die Frentaner zuerst in den Samniterkriegen auftreten (Livius 9, 16 zum Jahre 319 v. Chr.) und die von ihnen bewohnte Küstenebene zu dem samnitischen Bergland in demselben geographischen Verhältnis steht wie die campanische Ebene, so wird man annehmen dürfen, dass sie gleichzeitig oder gar später als die Campaner, nicht aber früher, in ihre Sitze hinabgestiegen sind.

Vergleicht man nun mit diesem Verhältnis der einzelnen dem

1) Zum Jahre 438 berichtet Diodor (12, 31) das Eindringen der Samniten in die Ebene, nach der dieser Zweig des Volkes fortan „Campaner“ heisst, um 435 waren die Lucaner bereits bis zu dem kurz vorher gegründeten Thurii vorgedrungen (Belege bei Nissen, Landeskunde 1 534 Anm. 1) und zum Jahre 356 berichtet Diodor (16, 15) die Begründung des Gemeinwesens der Bruttier, über deren Spaltung von den Lucanern noch andere Nachrichten vorliegen (Justin 23, 2, Strabo 255, der die Loslösung von den Lucanern in die Zeit, da Dion den Dionysios angriff [357], setzt.

sabellisch-oskischen Stamm angehörigen Völker ihren Anteil an den Namen auf -(i)edius, so fällt auf, dass die Namen bei den Stämmen, die am frühesten in ihre heimischen Sitze gelangt sind - Umbrer, Sabiner, Picenter doppelt so häufig sind wie bei den Samniten, einer späteren Abzweigung des sabellischen Stammes, und bei den Samniten wiederum doppelt so häufig wie bei den Campanern und Frentanern, die erst viel später, als bereits manche alte Familie ausgestorben, also mancher jener alten Namen verschwunden gewesen sein muss, zu einer definitiven Niederlassung kamen. Man wird nicht umhin können, diesen Parallelismus neben dem Gegensatz von Gebirge und Ebene, der aber nur für Campaner und Frentaner gilt und doch solch starke Unterschiede in der Verbreitung der Namen nicht genügend erklären dürfte, in Rechnung zu ziehen. Ich verkenne nicht, dass die Lucaner, bei denen mehr im Verhältnis zur Zahl der Steine) Namen als bei den Samniten erhalten sind, eine Ausnahme bilden würden, aber es kann auch wohl Zufall sein, dass sich in nur 421 Inschriften 7 statt 2–3 Namen finden. Hierfür spricht, dass in den 145 Inschriften des benachbarten Bruttierlandes kein einziger Name auf -(i)edius vorkommt, ein Missverhältnis, welches wohl nur auf Zufall beruhen kann, in diesem Falle darauf, dass sich in einer lucanischen Stadt, Grumentum, fünf jener Namen finden, während das übrige Lucanien nur zwei derselben ergeben hat.

Trifft die oben vorgetragene Kombination zu, so ist es bemerkenswert genug, dass uns das den Inschriften der Kaiserzeit entnommene Namenmaterial einen Ausblick eröffnet in eine 500 Jahre zurückliegende Zeit denn um 500 v. Chr. etwa haben sich die Samniten in den campanischen, frentanischen, lucanischen Zweig gespalten (s. oben). Weiter hinauf führen uns diese späten und nur einen bescheidenen Teil des sabellischen Volkstums darstellenden Zeugnisse nicht. Diese alten sabellischen Familiennamen sind bei Umbrern, Picentern, Sabinern annähernd gleich häufig und bei den Stämmen am Fucinus gar häufiger als im Norden, während wir nach der Wandersage bei den Sabinern die ältesten Verhältnisse, also die meisten alten Namen, bei den Picentern, die von den Sabinern ausgegangen sein sollen, eine jüngere Nomenklatur, also weniger Namen auf -(i)edius, erwarten müssten, was nicht in dem Masse zutrifft, dass die Differenz nicht auch eine zufällige sein könnte. In der durch die Namen auf -(i)edius vertretenen alten Nomenklatur bilden Umbrer, Picenter, Sabiner und die Gaue am Fucinus eine Masse, und dem entspricht auch völlig ihr geographisches Verhältnis zu den südlichen Stämmen. Jene nördlichen Stämme sind die Bewohner des Centralappennin, der Abruzzen; in ihrem Gebiet erheben sich die schneebedeckten Bergriesen Italiens: die Sibilla (bis zu 2476 m), der Gran Sasso (2921 m) und die Majella (2740 m), südlich des Fucinussees wird das Gebirge niedriger: hier beginnt das Gebiet der oskischen Stämme.

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Die geographische Einheit der nördlichen Stämme dürfte auch eine historische sein und in Wahrheit die Picenter ebenso alteingesessen sein wie die Umbrer, Sabiner und die kleinen Kantone am Fucinus. Die Geographie des Landes erklärt übrigens auch die Sage, dass von den Sabinern, als dem Urvolk, nicht allein die Osker, sondern auch die Picenter ausgegangen seien. Musste doch die Sabina, die den Späteren als der Kern, die Kraft und der Mittelpunkt (Plin. 3, 109) Italiens galt, wie eine von den beiden Ketten des Gebirgs umwallte 1) Burg erscheinen, aus deren Thoren die jungen Scharen hinausgezogen seien: die einen durchs Truentusthal, die östliche Durchbrechung des Bergwalls, in die picentische Ebene, die anderen durch die nach Süden führenden Thäler: das des Himella (Salto) und Aternus (Aterno) in die Lande am Fuciner See und weiter hinab nach Samnium.

Nach dieser Erörterung über den Zusammenhang zwischen der Verbreitung unserer Namen und den ethnologischen Verhältnissen wird man zur Erklärung der Erscheinung, dass die Namen auch ausserhalb ihrer eigentlichen Zone, nämlich bei den Frentanern, Hirpinern, Campanern, im nördlichen Apulien und in einem Teil von Latium vorkommen, nicht allein die Nachbarschaft dieser Gegenden, sondern auch die Stammesverwandtschaft, welche zwischen ihren Bewohnern und den Sabellern und Samniten besteht, berücksichtigen müssen.

Wie käme es sonst, dass die Namen in Etrurien, welches nur durch den schmalen Oberlauf des Tiber von dem Herd derselben, von Umbrien und der Sabina, getrennt ist, dass sie in Latium trotz der unmittelbaren Nachbarschaft und den uralten Beziehungen zwischen Römern und Sabinern fast ganz fehlen?

Zum mindesten lässt sich ein solcher ethnologischer Zusammenhang behaupten bei Apulien, wo die Namen so häufig sind wie bei Frentanern und Campanern. Es ist zu erwägen, dass Nordapulien stark unter oskischem Einfluss steht. Mehrere nordapulische Städte (Aquilonia, Teanum, Ausculum) prägen Münzen mit oskischer Schrift (FRIEDLÄNDER, Osk. Münzen 47 f.). In Latium adiectum haben folgende Städte Namen auf -(i)edius: Aquinum (4) und Casinum (3) im Gebiet der Volsker, Formiae (2), Fundi (3), Minturnae (1) in dem der Ausoner. Die Ausoner (Aurunker) sind ein oskischer Stamm (NISSEN, Landeskunde I 531), die Volsker scheinen zur umbrisch-sabellischen Gruppe zu gehören (ib. 518). Ausgeschlossen ist es jedenfalls nicht, dass auch in Latium adiectum das Vorkommen der sabellischen Namen auf Stammesverwandtschaft beruht und wir es mit alteingesessenen Familien zu thun haben. Andererseits sind aber der Namen hier so wenige, dass ihre Träger ebensogut später eingewandert sein können. Es ist möglich, dass auch die in der Umbrien

1) Plinius N. H. 3, 104: Appennini iugis Sabinos utrimque vallantibus.

benachbarten Aemilia vorkommenden sabellischen Namen in diese Betrachtung gehören, denn es wird überliefert, dass die Umbrer ehedem auch in der Aemilia gesessen hätten (s. Beitr. II S. 187), was durchaus glaublich ist, da sie von Norden eingewandert erst durch die Etrusker und Kelten nach Süden, in ihre historischen Sitze, gedrängt sein dürften.

Es wird zum Schlusse nicht uninteressant sein, zu sehen, in welchem Maasse diese alten, umbrisch - sabellisch(-oskischen) Namen sich in den Provinzen verbreitet haben. Wir gewinnen dadurch vielleicht einen Einblick in die Beteiligung der abruzzesischen Landschaften an der römischen Kolonisation.')

Zu beginnen ist mit den bereits behandelten Landschaften jenseits der alten Grenze Italiens, nördlich vom Arno und Aesis: mit dem ligurischen, gallischen, venetischen Gebiet, welche drei Bezirke ja ebenfalls Kolonialland darstellen. Es wurde bereits hervorgehoben, dass im ager Gallicus, dem ehemaligen Gebiete des Senonengaus, die im angrenzenden Umbrien so häufigen Namen fast ganz fehlen (S. 37). In der den gallischen Boiern abgenommenen und nach der die Okkupation befestigenden Chaussee benannten Aemilia fanden wir die Namen etwas häufiger wie in den ganz fremden Bezirken (Latium, Etrurien), aber im ganzen handelt es sich doch nur um 5 Namen, je einen auf eine der Städte Ariminum, Claternae, Forum Popilii, Bononia, Faventia. Diese Städte liegen sämtlich an der Via Aemilia und zwar auf ihrer südlichen Strecke; die Namen könnten also durch den Verkehr aus Umbrien -- vielleicht schon durch die Kolonien an der Aemilia hierher gelangt sein, falls es sich nicht um umbrische in den ursprünglichen Sitzen des umbrischen Stammes verbliebene Familien handelt, was jedenfalls nicht ganz ausgeschlossen ist (s. oben). Da aber 4 jener Städte teils Kolonien (Ariminum, Bononia), teils (Forum Popilii, Faventia), wie die Namen zeigen, römische Gründungen mindern Rechts sind, so liegt es nahe, das Vorkommen der mittelitalischen Familien auf die Kolonisation der Aemilia zurückzuführen. Einer der fünf Namen: Calvedius kommt in Umbrien (Carsulae) mehrfach vor, Truttedius ausser in Mittelitalien mehrfach in Venetien, der Nachbarlandschaft; die drei Namen Pasacdius, Scoedius, Ciccedius sind Unica. Haben wir es hier vielleicht mit alten durch die römischen Kolonien hierher geführten Namen zu thun, die später in der Heimat ausstarben?

In der 10. Region, dem ehemaligen Gebiete der Veneter, Carner

1) Man wird aus ihrem Namenbestand mancherlei für die Geschichte der Provinzen entnehmen können. So lässt sich der Umfang der Verleihung der Civität an der Menge der nach dem Verleiher benannten Personen verfolgen (die Julii in Gallien, Sempronii und Porcii in Spanien etc.). Aber auch die anderen Namen verdienen Beachtung. So kommt z. B. in Afrika der Name Volusenus (mit Volusius, Volusienus) auffallend oft vor (C. VIII p. 1019).

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