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des Grafen Ernst von Mansfeld zu überbringen, in welchem derselbe über den Stand der Dinge bei Heldrungen und Artern Bericht abstattet, und sich entschuldigt, dass er Schloss Heldrungen nicht verlassen habe und mit seiner Rüstung zum Herzoge gestossen sei.*)

Der Herzog hatte inzwischen am 12. seine Armada bei Altstedt gesammelt und sich von da aus mit den Völkern des Herzogs von Braunschweig und des Landgrafen Philipp von Hessen vereinigt, um den entscheidenden Schlag gegen Münzer zu führen. Da dieser am 15. Mai bei Frankenhausen erfolgte, so konnte Friedrich von Witzleben noch zur rechten Zeit den Herzog erreichen, um am Entscheidungstage mitzukämpfen.

Wir kehren jetzt zum Wendelstein zurück.

Nachdem Friedrich die Witzleben'sche Burg verlassen, waren die daselbst versammelten Edelleute bedacht, sich wegen ihres Ausbleibens beim Herzog Georg zu rechtfertigen und verfassten deshalb am 7. Mai ein gemeinschaftliches Schreiben an denselben.

,,Als Eurer Fürstlichen Gnaden getreue Unterthanen erkennen wir uns schuldig so heisst es mit unserem Leib und Gut Eurer Gnaden Gehorsam zu leisten. Es steht aber um uns also, dass wir durch unsere Unterthanen und Andere genöthigt waren, mit unseren Weibern und Kindern unsere Häuser zu räumen und dieselben mit unseren Knechten zu bestellen. Wir liegen allhier zum Wendelstein bei einander, um nach unserem höchsten Vermögen das Haus in Verwahrung zu haben.. Eure Fürstliche Gnaden haben uns von Witzleben geschrieben und vertröstet, uns gnädiglich mit Hülfe und Beistand nicht zu verlassen, und da uns demnach nicht gebühren will, ohne Eurer Fürstlichen Gnaden Bewust (Wissen) das Haus zu räumen, so wollen Eure Fürstliche Gnaden uns entschuldigen, wenn wir auf Morgen nicht in Heldrungen einkommen. Eure Fürstliche Gnaden mögen uns mit gnädigem Beistand nicht verlassen,

*) In dem Schreiben heisst es: An Eure Fürstliche Gnaden habe ich abgefertigt die gestrengen ehrenvesten meine Obersten Hauptmann und Räthe Herrn Friedrich von Witzleben, Ritter und Simon von Greussen, etliche Werbung Inhalts einer gestellten Instruction an Eure Fürstliche Gnaden zu bringen; ist derwegen meine unterthänige Bitte, Eure Fürstliche Gnaden wollen sie gnädiglich hören und ihrem Anbringen Statt und Glauben geben etc.

Datum zu Heldrungen Freitags nach Jubilate Anno etc. etc.

Dem Grasen selbst war in seiner Stadt Artern an seinem Eigenthum in die 8000 Fl. Schaden angerichtet worden.

Act. der Gr. 2. Mansf. Schreiben etc. Bl. 40 fg. im St. Arch. 2. Dresden.

auf dass wir dies Haus Eurer Fürstlichen Gnaden zu Gute und uns selbst
mögen erhalten. Mit unterthänigster Erbietung unser Leib und Gut,
was wir davon noch haben als getreue Unterthanen darzustrecken.
Datum am Sonntag Jubilate (7. Mai) im etc. Jahr.

Hans von Werthern, Ritter,
Dietrich von Witzleben, Ritter und Doctor,
Volkmar Koller, Ritter,
Dietrich von Werthern, Doctor,
Georg von Witzleben,
Georg von Werthern,
Beringer von Bendeleben,
Wolf von Nismitz,

Kurt von Hessler*). Marschall von Gosserstädt, der ebenfalls am 5. auf dem Stein war, gehört nicht zu den Unterschriebenen. Vielleicht war er wie Friedrich aus der Burg gezogen.

Ohne hierauf Antwort zu geben, erliess der Herzog Georg am 12. Mai an die versammelten Edelleute die Aufforderung, sich am Sonnabend den 13. Abends, gerüstet mit Pferd und Harnisch nach Altstedt zu verfügen, „da er es für nicht nöthig achte, den Stein mit viel Leuten besetzt zu lassen, weshalb sie ihn in ziemlicher Weise bestellen und sich gleichwohl mit ihren Knechten nach Altstedt begeben möchten.“

Die Lage hatte sich seit der ersten Aufforderung, in Heldrungen einzukommen, nicht geändert und deshalb blieben die Edelleute auch jetzt bei ihrem Entschlusse, vorläufig den Stein nicht zu verlassen, und schrieben in diesem Sinne am 12. Mai dem Herzog:

„Wiewohl wir uns hoch befleissigt haben, Leute zur Erhaltung des Wendelstein aufzubringen, haben wir Niemanden um Geld bekommen mögen, dadurch wir mit grosser Beschwer ihn durch uns selbst und unsere Knechte haben bewachen und die Wehr mit unserem Vermögen bestellen müssen. Sollten wir nun mit unseren Knechten davon reiten und den Stein mit unsern ungehorsamen Bauern, denen nicht zu trauen, bestellen, so wäre dies unserem Bedünken nach übel versehen, und es fiele uns schwer davon zu ziehen, nachdem wir unser Leib und Gut darauf haben.

“) Act. Der Grafen von Mansfeld Schreiben der aufruhr vnd entporunge halben, auch Graf Ernsten von Mansfeldts schreiben, der Besatzunge Heldrungen. 1525. Bl. 28. Im St. Archiv zu Dresden.

Unseres Bedünkens sollte Eure Fürstliche Gnaden selbst an der Erhaltung gelegen sein, denn es würde Eure Fürstliche Gnaden nicht bequem sein, sollte das Haus (der Wendelstein), nachdem es mit Geschoss und Proviant zugerichtet, weil es so bloss stände, eingenommen werden. Es erscheint uns daher nothdürftiger, den Stein zu erhalten und nicht in ungewisse Hände zu stellen, als dass wir mit unserer Rüstung Eurer Fürstlichen Gnaden nützlich sein könnten. Eure Fürstliche Gnaden wollt dasselbe selbst gnädiglichst bedenken und uns das Haus verwahren und Eurer Fürstlichen Gnaden und uns allen zu Gute dabei lassen, denn wir können bei uns nicht finden, dass in diesen schweren Läuften der Wendelstein, will man ihn nicht in Gefahr bringen, leichter bestellt werden kann, und befehlen uns Eurer Fürstlichen Gnaden in aller Unterthänigkeit. Datum: Freitag nach Jubilate im etc. Jahre (12. Mai 1525).

Eure Fürstliche Gnaden
Räthe und die vom Adel jetzund auf dem Wendelstein.“ *)

Die Räthe und Edelleute mochten erwarten, dass ihnen der Herzog umgehends eine bestimmende Antwort zukommen lassen würde, als aber dies nicht geschah, wurden sie unruhig und sandten ihm am 14. Mai ein abermaliges Schreiben zu. In demselben heisst es:

„Auf unser unterthäniges Schreiben ist uns von Eurer Fürstlichen Gnaden keine Antwort geworden, aus der wir entnehmen könnten, ob wir den Wendelstein halten oder denselben mit unzuverlässigen Bauern bestellen und uns mit unserer Rüstung, die klein ist, zu Eurer Fürstlichen Gnaden verfügen sollen. Eure Fürstliche Gnaden mögen uns das zu erkennen geben und danach wollen wir uns unterthänigst halten.“**)

Die Ereignisse drängten aber so, dass kein erneuter Befehl erfolgte, denn wahrscheinlich früher als das letzte erwähnte Schreiben an seine Adresse gelangte, war am 15. Mai die Entscheidung bei Frankenhausen erfolgt.

Die Wichtigkeit des Schlosses Wendelstein ist bereits hinreichend hervorgehoben worden; bier konnten, wenn Münzer bei Frankenhausen siegte, die geschlagenen Fürsten für ihre Person Sicherheit finden. Dies mochte den auf dem Stein versammelten Edelleuten vorgeschwebt haben,

*) Act. der Gr. v. Mansf. Schreiben 1525 Bl. 47 im St. Arch. zu Dresden.

**) Act. Strafgelder und andere Händel, so vom Aufruhr herrühren. 1525–77, Vol. XXVII. Vermischtes, Bl. 1. im St. Arch. z. Dresden.

doch lag es wohl für sie näher zu erwägen, dass, wenn sie den Wendelstein verliessen, und so ihrem Fürsten den schuldigen Ritterdienst leisteten, Weib, Kinder und Gut dem Verderben Preis gegeben waren.

Der Herzog Georg mochte wohl, als er am 12. Mai das erste Schreiben erhielt, auch zweifelhaft sein, ob er den Rittern einen entschiedenen Befehl zusenden sollte oder nicht, und unterliess es daher.

Nachdem aber die Bauernunruhen gedämpft worden waren, begann die Untersuchung über die vorgefallenen Excesse.

Der Herzog erliess an die von Witzleben auf dem Stein, da er vermuthete, dass sich auch ihre Leute bei dem Aufruhr betheiligt hätten, im Juni die Aufforderung, dass ein jeder ihrer Flecken oder ihrer Dorfschaften zwei oder drei Bevollmächtigte auf: Montag oder Dienstag nach Trinitatis nach Leipzig absenden solle, um sich dort über ihr Verhalten auszuweisen.

Dietrich von Witzleben vertrat in Folge dessen seine und seines Vetters Georg Unterthanen auf das Nachdrücklichste, indem er unter dem 20. Juni dem Herzoge schrieb: es seien nur zwei oder drei seiner Unterthanen nach Frankenhausen gegangen und dort todt geblieben, die Cebrigen hätten nicht am Aufruhr Theil genommen und auch ihre Frohne nach wie vor gethan. „Ich bitt Eure Fürstliche Gnaden schliesst

in aller Unterthänigkeit mit Fleiss dienstlich, Eure Fürstliche Gnaden wolle die Unschuld meiner Unterthanen gnädiglich beherzigen und mit Gnaden einsehen, damit den armen Leuten keine beschwerliche Auflage geschehen oder widerfahren möge."*)

Indessen blieb es bei der Vorladung und alle Ortschaften bis auf. Willerstedt, welches sich nichts Gutes bewusst war, erschienen auf dem Termin.

In Willerstedt hatte man sich nämlich des herrschaftlichen Teiches, des Backofens und der Schenke angemasst, und dieselben für die Gemeinde behalten wollen, auch sonst etliche Beschwerungen der Frohnen abgethan haben wollen. **) Die Bevollmächtigten der übrigen Ortschaften erklärten, dass sie sich ganz still und ruhig verhalten, nur Rossleben gestand ein, dass vier Mann bei der Plünderung des Klosters zu Donndorf zugegen gewesen und dann nach Frankenhausen gelaufen seien. Die Namen dieser

er

*) Datum Dienstag nach Corporis Christi Anno Domini etc. etc. 1. c. Bl. 28 **) 1. c. Bl. 27.

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Leute waren: Günther Grumme, Bartel Lampach (ist erschlagen), Grorius Breitenhain und ein Hackescher Untersasse Namens Mathes Fischer. Die Anderen, sagten sie aus, haben still gesessen und zum Stein wachen müssen.

Der Herzog beruhigte sich bei dieser Aussage „der armen Leute" nicht, sondern liess die Sache durch den Amtmann am Eckardtsberge, Georg von Bendorf, näher untersuchen.

Durchschnitlich wurde jeder Hof zu 10 Fl. Strafe verurtheilt und danach kam nach der Anzahl der Höfe auf: Wolmirstedt

300 Fl. Kahlwinkel .

130 Allerstedt

140 Rossleben

550 Bottendorf

410 Saubach.

.240 Mechtilrode (jetzt Ziegelrode) 240 Strafe, welche in zwei Terminen bezahlt werden sollte.

Ueber die gegen Willerstedt verhängte Strafe war in den Acten ebenso wenig zu finden, als darüber, ob in Folge des Briefes Witzlebens vom 20. Juni die erwähnten Strafen gemildert oder erlassen wurden.

Die letzte für uns interessante Nachricht, welche wir über den Bauernkrieg im Dresdener Archive aufgefunden haben, ist in einem Briefe Herzogs Georg vom 9. August 1525 an den Ritter und Doctor Dietrich von Witzleben enthalten.

,,Hochgelahrter, lieber Rath und Getreuer! schreibt der Herzog Ihr wisst, wie die Bauernschaften an vielen Orten sich muthwillig empört haben. Deshalb haben wir Euch und unsere Ritterschaft aufgefordert, uns mit ihrer Rüstung zuzuziehen, um den muthwilligen Bauern in unserem Lande Widerstand zu leisten. Ihr seid aber aussen geblieben und habt Euch mit Euren Leuten entschuldigt, weshalb wir sie haben in Strafe nehmen wollen, während Ihr dieselben aber jetzt als unschuldig verantwortet.

Weil Ihr aber auf unser Erfordern unseren Ritterdienst nicht geleistet habt, so mögt Ihr die Ursache Eures Ausbleibens angeben oder Euch dieserhalb mit uns vertragen."

Wie dies geschehen, ist nicht zu erfahren, jedenfalls blieb Dietrich nach wie vor bei dem Herzoge in grossen Gnaden, obgleich der Widerspruch, in welchen sich der kluge Doctor Dietrich gefangen hatte, am

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