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12. Mai zu schreiben, dass er den Wendelstein wegen der aufsässigen Bauern nicht verlassen könne, und am 20. Juni dieselben Leute als ganz unschuldig darzustellen, klar am Tage lag.

Aus allem geht hervor, dass in der Wendelsteiner Herrschaft keine grossen Excesse von den Witzleben'schen Unterthanen begangen worden sind, was sehr für die Herrschaft spricht. Von der Plünderung und Brandschatzung des Klosters Rossleben, welche nach Herolds Geschichte, aber auch nur nach diesem einen Werke, von einer Rotte aufrührerischer Bauern, die von Altstedt hergezogen kam, verübt wurde, scheinen sich die Bewohner Rosslebens fern gehalten zu haben, sonst würde dies von Dietrich früher erwähnt worden sein.

Für den Wendelstein hatte der Bauernkrieg die Folge, dass die Besitzer von der Wichtigkeit ihres festen Schlosses überzeugt, bedeutende Summen, gegen 8000 Fl., auf die Erhöhung seiner Haltbarkeit verwandten.

Thomas Münzer, in Frankenhausen, wo er sich nach der Schlacht in einem Bette versteckt hatte, gefangen, wurde bekanntlich nach Heldrungen und bald darauf nach Mühlhausen gebracht und hier hingerichtet. Bei seinem Verhör hatte er eingestanden, dass ihn die Bauern Friedrichs von Witzleben um Rath gefragt hätten, ob sie nicht gegen ihren Herrn, der sie strafen wollte, weil sie Münzers Predigten oft gehört, einen Bund machen dürften, wenn sie dabei ihre Frohnen leisteten und die Gefälle entrichteten. *)

*) Wilhelm, p. 6 u. 7, sagt, jenes Verhör habe zu Weimar stattgefunden. Nach den Chroniken ist aber Münzer direct von Heldrungen nach Mühlhausen gebracht worden.

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Bruder, dem Rathe des Erzbischofs Günther von Magdeburg, der Aeltere genannt, trat, wie wir bereits Seite 23 erwähnt haben, zugleich mit seinen Brüdern und Vettern 1399 in die Dienste der Markgrafen von Meissen, und wurde am 26. August 1404, ebenfalls mit jenen zusammen, mit den Schlössern Wendelstein und Allerstedt beliehen. Er erwarb sich bald das Vertrauen des Landgrafen und nachherigen Kurfürsten Friedrich des Streitbaren in hohem Grade, gehörte zu dessen vertrautesten Räthen und kommt als solcher bis zum Jahre 1430 in vielen Urkunden als Zeuge vor.

Von 1401-1408 war Kerstan Hauptmann zu Meissen, wo (nach Fabric. Chron. Mişn. p. 138) sein Wappen am Schwibbogen der Kirche zu St. Afra zu sehen war. Im Jahre 1409 wohnte er mit seinem Vetter, dem Ritter Dietrich von Witzleben, auf dem Schlosse zu Allerstedt und im folgenden Jahre erhielt er vom Landgrafen Friedrich dem Friedfertigen die frühere Kaiserliche Pfalz Wallhausen (an der Helme, 2/2 Stunde östlich

von Kelbra gelegen) zu Lehn, nachdem des Landgrafen Mutter Anna, geb. Herzogin von Sachsen, deren Leihgedinge es gewesen, gestorben var.

Auch dem Kaiser Sigismund musste Kerstan eine persona grata sein, denn dieser belieh ihn und seine Söhne Georg, Christian und Heinrich *) am 22. Juli 1420 mit dem Hofe zu ,,Tulleda da die kapelle innelieget mit ihr zugehörungen“, wie es zuvor Barthe von Tulleda und Fritz sein Bruder „am riche (Reiche) zu Lehen gehabt haben.“

Tulleda, das heutige Tilleda, am nordöstlichen Fusse des Kyfthäusers gelegen, war 972 Kaiserliche Pfalz, zu deren Schutz die Burg Kyffhausen, welche im 14. Jahrhundert die Grafen von Schwarzburg käuflich an sich brachten, erbaut wurde.

In Bezug auf diese Beleihung gehörte Christian dem reichsunmittelbaren Adel an, was wir besonders erwähnen, da es mit Ausnahme der Th. I. p. 27. erwähnten Güter der einzige bekannte Fall in unserer Familie ist.

Vererbt hat Kerstan Tilleda schwerlich auf seine Söhne; mindestens fehlt im Wiener. Archive, wo sich der Lehnbrief von 1420 befindet, jede fernere Beleihung eines Witzleben mit Tilleda. **)

Nachdem Kerstan mit seinem Bruder Kerstan d. J. und seinem Sohne Georg dem Erzbischof Günther von Magdeburg am 10. August 1419 die bedeutende Summe von 2000 Gulden vorgestreckt hatte, wofür ihnen dieser die Schlösser und Städte Alsleben und Cönnern verpfändete, war er bereits nach 3 Jahren schon wieder im Stande, sich durch Kauf einen grossen Grundbesitz zu erwerben. Er trat aus der Gemeinschaft mit seinen Brüdern und Vettern in Bezug auf Wendelstein und Allerstedt, löste seine Verbindlichkeiten gegen das Kloster Pforte, und kaufte sich im Jahre 1422 von dem Grafen Friedrich von Beichlingen, Schloss und Dorf Berka (2 Stunden südlich von Weimar an der Ilm gelegen) mit dem Jungfrauenkloster daselbst und der dazu gehörigen Herrschaft.

Die Herrschaft Berka gehörte im 12. Jahrhundert dem thüringischen Grafen Wichmann, dann kam sie in den Besitz der, mit den Landgrafen von Thüringen verschwägerten Grafen, der Dietriche von Berka, welche Ende des 13. Jahrhunderts ausstarben. Von 1300 bis 1376 besassen die Grafen

*) Sein Sohn Rinnewart muss, da er hier nicht genannt wird, noch nicht geboren gewesen sein.

**) Es findet sich daselbst überhaupt über Tilleda nur dieser eine Lehnbrief vor, so dass es als Reichslehn eingegangen sein muss.

von Orlamünde-Weimar Berka, ihnen folgten die Herren von Blankenhain und nach deren Aussterben erwarb es im Jahre 1416 der Graf Friedrich von Beichlingen, welcher es, wie uns bekannt, an Kerstan von Witzleben verkaufte, sich jedoch die Lehnsherrlichkeit vorbehielt. Diese ging aber bereits im Jahre 1485 an die unterdess wahrscheinlich seit 1416 in Blankenhain eingeheiratheten Grafen von Gleichen-Blankenhain über. *) Die Oberlehnsherrlichkeit stand jedoch den Landgrafen von Thüringen zu.

Das Kloster zu Berka gehörte dem Cistercienser Orden an, dessen Nonnen weisse Kleidung mit schwarzem Scapulier trugen. Es war vom Grafen Dietrich von Berka in dessen Todesjahr 1251 dotirt, bestand aber schon früher und soll nach Limmer's Geschichte des Osterlandes, 1834, S. 477 von dem nahen Dorfe München 1240 nach Berka übergesiedelt sein.

Kerstan hatte wahrscheinlich die Pfalz Wallhausen und Tilleda verkauft, ausserdem Gelder aus der Erbschaft seines Bruders Heinrich, welchem Otterwisch gehört hatte, und aus seinem, den Brüdern überlassenen Antheil

Wendelstein gezogen und damit den Kaufschilling für Berka aufgebracht.

Am 20. August 1423 wurde Kerstan nebst seinen Söhnen Georg und Christian von dem Grafen von Beichlingen mit Berka beliehen.

Als Besitzer dieser bedeutenden Herrschaft nannte er sich Kerstan „Herr zu Berka“ und wurde der Stammvater einer besonderen Linie unseres Geschlechts, welche drei Jahrhunderte blühte.

Nach dem Jahre 1446 finden wir Kerstan nicht mehr erwähnt.

Etwa um das Jahr 1404 hatte er sich mit Margarethe von Kranichborn, einer Tochter des 1411 bereits verstorbenen Albrecht von Kranichborn, vermählt, durch welche er nach dem Tode ihres Bruders Eckhard, des Letzten des Geschlechts, in den Besitz ziemlich bedeutender Güter und · Zinsen zu Wundersleben, Weissensee und Ottenhausen gelangte. Diese Güter trat er zum Theil, wahrscheinlich zur Zeit, als er Berka kaufte, seinem Bruder Kerstan d. J. ab, durch dessen Enkel sie an Querfurt, und von diesem Geschlecht Ende des 15. Jahrhunderts durch Tausch wieder an die Berkaer Linie kamen.

*) Aus brieflichen Mittheilungen des um die alte Geschichte Thüringens sehr verdienten Pfarrers zu Berka, Dr. Constantin Elle, dem wir auch noch weitere Nachrichten verdanken.

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