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Frau Sabina Katharina Schätzel zu Mertzhausen, bei der sie sich 14 Jahre lang in allen Gott wohlgefälligen Tugenden dermassen geübt und ihre Gottesfurcht erwiesen hat, dass sie Gott und allen ihn liebenden Christen angenehm gewesen ist. Am 6. März 1627 vermählte sie sich zu Romroth mit Georg d. Ä. Riedesel zu Eisenbach, Fürstlich Hessischen Geheimen Rath und Statthalter zu Marburg. Gott verlieh den adelichen Eheleuten mildväterlich zwei Kinder, ein Töchterlein, Hedewig, und ein Söhnlein, Georg. Feuerborn schildert die Frau Statthalterin als gottesfürchtig, demüthig, sinnreich, haushälterisch, ja als eine rechte Krone aller adlichen Tugenden. In ihrem zweiten Kindbett fährt die Leichenpredigt fort hat sie Gott mit Krankheit beladen; und obwohl sie wiederholentlich geäussert hatte, sie wollte gern noch länger bei ihrem eheliebsten Junker und ihren Kindern verbleiben, so hat sie dies doch in Gottes Willen gestellt und ibn um Geduld in der Leidenszeit und um ein seliges Ende gebeten. Gott erhörte sie und forderte sie am 6. Juli 1629 zwischen 5 u. 6 Uhr Nachmittags zu sich ab. Am 17. Juli wurde sie in der Stadtkirche zu Marburg, Christ-Adelichem Gebrauch nach, zur Erde bestattet.

Unter den Söhnen Caspar Wilhelms kennen wir nur Wolf Jobst von Witzleben. Er war am 5. Januar 1595 geboren, heirathete am 6. Mai 1627 Eva Margarethe von Diemar und starb am 26. September 1630. Das Nähere aus seinem Leben erfahren wir aus der vom Pfarrer Georg Sellius gshaltenen Leichenrede, welche sich auf der Herzoglichen Bibliothek zu Gotha befindet.

In dieser 44 gedruckte Seiten füllenden Leichenpredigt heisst es: „Unser seeliger Junker ist geboren den 5. Januar 1595 zu Nacht zwischen 11 und 12 Uhr, nunmehr vor 35 Jahren und hernach den 14. gedachten Monats zur heiligen Taufe befördert durch adelige Zeugen, von welchen er auch seine Namen bekommen, nämlich: Wolf von Erlach, Würzburgischen Obersten und Jobst Marschall, Hauptmann auf der Festung zu Coburgk. Er ist aber geboren von christlichen gottesfürchtigen Eltern, denn sein Vater ist gewesen der weiland wohledle pp. Caspar Wilhelm von Witzleben uff Rentwerthshausen und Berka, anfänglich Fürstlich Hennebergischer Diener zu Schleusingen, allda er auch an gedachten Hof seinen hochzeitlichen Ehrentag gehalten, danach ist er am Markgräflichen Hof zu Anspach Kammer-Junker, ferner auch Fürstlich Sächsich-Coburgischer Stallmeister gewesen, welcher hier auch begraben worden vor nunmehr 15 Jahren.

,,Seine Mutter war die weiland wohledle pp. Fraw Helena von Witz

leben geb. von Eringshausen im Land Hessen, welche a. 1613 seelig verstorben und allhier in dieser Kirchen beigesetzt worden.

„Der Grossvater war der auch Gestrenge pp. Jobst von Witzleben uff Berka, Fürstlich Sächsischer Hauptmann zu Coburgk, welcher auch daselbst in der Pfarrkirche im Chor begraben liegt, so geschehen a. 1589.

„Die Grossmutter war die wohledle und tugendsame Fraw Ursula von Witzleben, geborne Sützelin von Wertheim, *) nunmehr alle seeligen Andenkens.

,,Aus diesem alten vornehmen Witzlebischen Stamm und Geschlecht ist nun unser Junker seelig herkommen und haben ihn seine Eltern von Jugend und Kindesbeinen auff an der Zucht und Vermahnung zum Herrn auferzogen, ist auch hernach zu Ehlingshausen, da er sich bei seinen Freunden aufgehalten, in die Schule gangen, aber gar zu zeitlich nachgelassen, welches der liebe Junker seelig oft mit beweglichen Worten mir geklagt, wie viel er wollte drumb geben, dass er fertig könnte (sonderlich geschriebene Briefe) lesen und schreiben. Seine Lust hat er gehabt, dass er seine junge Jahre mit adelichen Tugenden excoliren und etwas an Fürstenhöfen sehen und erfahren und im Kriegswesen versuchen möge.

„Derwegen er denn am Fürstlich Sächsischen Hof zu Coburgk für einen edlen Knaben uffgewartet und wegen seiner Redlichkeit vom Herzog Johann Casimir an den Markgrafen zu Brandenburg ist rekommandiret, hat auch vor dessen unter dem Obersten von Lichtenstein als Leutenant in Böheim gelegen und sich in Diensten bestellen lassen, wie auch in der untern Pfalz; hätte auch Lust wiederumb ins Feld gehabt, wenn es ihm nicht treulich wäre widerrathen worden, aus Ursachen, weil nach tödtlichem Abgang seiner 3 Brüder seeligen er allein von dem Witzlebischen Stamm übrig wäre. Ist derwegen zur besseren Bestellung seiner Haushaltung in den heiligen Ehestand sich zu begeben gesinnet gewesen und zum Ehegemahl auserkohren die wohledle und vieltugendsame Jungfraw Evam Margaretham Diemarin, des weiland wohledlen Gestrengen und Vesten Alexandern Diemar uff Waldorf und der tugendreichen pp. Fraw Ursula Diemarin geb. Spesshartin pp. eheleiblichen lieben Tochter und ist solche adelige Vermählung vor 3 Jahren, weniger 3 Monat allhier im adelig Hause glücklich vollzogen worden, haben also diese zwar kurze Zeit die adelichen Eheherzen einander recht lieb gehabt, und haben wohl studiret

*) Mergentheim.

und practiziret den 133. Psalmen, derwegen diese schmerzliche Ehescheidung sehr wehe thut. Es hat auch der Kindervater diess Ehebett fruchtbar gemacht mit 2 adelichen Söhnlein, Caspar Otto und Hartmann Alexandern, welche Gott behüte.

,,Ferner sein Christenthumb belangent ist der Junker gottesfürchtig gewesen, denn er sich fleissig funden zum Gehör Göttlichen Wortes und Niessung des heiligen Abendmahls pp. Seinen Haushalt hat er richtig bestellet und wie einem sorgfältigen Hausvater gebührt, fleissig nachgegangen, denn er wohl bedacht den Haus-Reymen:

„Der Herr muss selber seyn der Knecht,

Will er im Hause schaffen recht.“ „Ich an meinem Ort muss meinem lieben seeligen Junker in Wahrheit nachsagen, dass ich allezeit, so lange ich dieses Orts unwirdiger Pfarrer gewesen, einen günstigen, wohlgeneigten Junkern an ihm gehabt und in der That gespüret. Sonderlich erinnere ich mich seine Worte in Antretung meines Amts allhier, so es ein weit mühseliges Filial: „Herr Pfarrer, sagte er – Gott bescher' Euch Glück zu Antretung ewers newen Amptes, ich will gebeten haben, Ihr wollet bei mir in meinem Losament Euer Quartier haben und mit mir verlieb nehmen, welches beneficium und hospitium ich auch jeder Zeit mit Dank angenommen. Darumb mir auch dieser unverhoffter, erbärmlicher Todesfall desto mehr zu Herzen geht, mit welchem sich's nun also verhält: Als der liebe Junker mit andern vornehmen Adelspersonen unlängsten den 22. September der General-Musterung zu Römhild beiwohnen wollen und ausgangs derselben vom edlen ehrenvesten H. Amtmann und Hauptmann uff einen Trunk erbeten worden, entsteht nach der Mahlzeit ein Missverstand zwischen unserm Junker und einem andern vom Adel, also, dass sie auch die Dägen auff einander ziehen, bis endlich unser Junker einen tödtlichen Stich bekommen, also dass er in einer Stund lebendig und todt gewesen, so geschehen hora 5 vespertina.“ „Wir wollen zuletzt ein gläubiges Vaterunser beten und in solches mit einschliessen die hochbetrübte hinterlassene Fray Wittbin, dass Gott mit ihren 2 kleinen Söhnlein, auch sich ihrer und unterm Mütterlichen Herzen verborgenen Leibesfrucht wolle väterlich erbarmen.“

Auch der Römhildische Superintendent M. Melchior Steinbrück richtete eine Trostrede an die trauernde Wittwe, und Pastor Sell widmete ihr eine zweite Trostschrift in gebundener Sprache. Nachdem er sich über die

Ungewissheit des Todes und das Hinscheiden Wolf Jobst's im seligen Glauben ergangen, fährt er fort:

„Drum hat's mit Eures Junkers Tod
In dem Fall ja gar keine Noth.
Was Euch dann, adlich Frau belangt
Und die klein Kinderlein zur Hand
Wird Gott Euch wohl verlassen nicht,
Er weiss all's, was bei Euch geschicht.
Er, er ist bei Euch alle Tag
Klagt ihm, was Euch widrig seyn mag.
Drum betet nur und befehlt es Gott
So wird's nicht haben grosse Noth.“

Kaum hatte sich die Kunde von der tödtlichen Verwundung Wolf Jobst's in Römhild verbreitet, als auch die dortige Geistlichkeit herbeieilte, den Sterbenden durch Gottes Wort zu trösten. Herr Caspar von Bibra wich nicht von seiner Seite und betete inständig mit ihm. Der Leichnam wurde mit Klang und Gesang, mit Begleitung des Raths und der Bürger, auch Klagen vieler frommen Christen von Römhild nach Rentwerthshausen geführt und nach löblichen adelichen Brauch in das Grabgewölbe versenket und zu seinen Vätern versammelt.*)

Wolf Jobst hinterliess 2 Söhne; Caspar Otto und Hartmann Alexander. Nach seinem Tode ward am 1. Dezember ein dritter Sohn Wolf Jobst (Just) geboren.

Die alte Angelröder Stammtafel endigt mit Caspar Otto und Hartmann Alexander, kennt also Wolf Jobst nicht. Von Caspar Otto sagt die Stammtafel, er sei unvermählt zu Rentwerthshausen gestorben und von Hartmann Alexander, dass alle weiteren Nachrichten von ihm fehlen.

Was Caspar Otto anbetrifft, so verheirathete er sich mit Anna Margarethe von Hanstein und zeugte mit ihr 12 Kinder, wie das Rentwerthshauser Kirchenbuch angiebt.

Es ist dies ein abermaliger Beweis, wie vorsichtig man bei Benutzung der bisherigen Familiennachrichten sein muss.

Von den Kindern Caspar Otto's wissen wir aber nicht mehr, als in der Stammtafel II. 3. angeführt worden ist und schliessen diesen Abschnitt mit der Bemerkung, dass Rosina Barbara von Witzleben die letzte Besitzerin von Rentwerthshausen war und mit ihr die Berkaer Linie erlosch.

*) Aus der Leichenpredigt von Georg Sell.

Nach ihrem am 9. November 1744 erfolgten Tode fiel Rentwerthshausen an Hildburghausen heim und ging später an Meiningen über.

Fünf Witzlebensche Grabdenkmäler zieren das Innere der Kirche von Rentwerthshausen und sind noch wohlerhalten. Das Kirchenbuch daselbst wurde im dreissigjährigen Kriege von Croaten vernichtet und beginnt erst wieder mit dem Friedensjahre 1648.

Ebensowenig wie man das Erlöschen der alten Wolmirstedter Linie zu einer Zeit vermuthen konnte, in welcher die letzte Generation mit acht männlichen von Witzleben abschloss, ebensowenig war bei den 10 Söhnen Caspar Otto's das Aussterben der Berkaer (Rentwerthshauser) Linie zu erwarten, und wie hier Rosina Barbara der letzte Sprosse war, so schloss wahrscheinlich auch die alte Wolmirstedter Linie mit einer Jungfrau. Sibylla Dorothea, so wie die Liebensteiner Linie 1867 mit Adolphine von Marschall geb. von Witzleben endete.

Die alte Burg der Berkaer Witzleben liegt / Stunde von der Stadt entfernt auf einem von der Ilm umflossenen, jetzt durch Parkanlagen verschönten Hügel und ist noch durch den vorhandenen Burggraben und durch die Grundmauern des Hauptgebäudes und Thurmes erkennbar. Die Annahme, dass die Burg im Bruderkriege oder ein Jahrhundert später im Bauernkriege zerstört sein sollte, muss als irrthümlich bezeichnet werden. Sie mag, wie sich aus dem 1572 neu erbauten Wohnhaus Jobst's von Witzleben II. Thl. S. 116. schliessen lässt, schon im 16. Jahrhundert baufällig gewesen sein, wurde aber doch noch von ihrem letzten Besitzer Georg Albrecht bewohnt, nachdem sein Neffe Wolf Eberhard am 29. März 1605 ,,seine Losamenter" auf dem Schlosse dem Weimarischen Amtsverwalter eingeräumt hatte.

Die Weimarische Kammer liess bald nach Besitzergreifung der Herrschaft Berka das Schloss verfallen, benutzte die Steine zu anderweitigen Bauten und wies ihrem Amtsschösser das Kloster zur Wohnung an.

Das Gut bestand als Kammergut bis 1843, in welchem Jahr die Bürger, um einem bösen Prozess ein Ende zu machen, dasselbe mit Ausschluss der Waldungen für 70,000 Thlr. kauften und parzellirten.

Nur wenig ist in Berka vorhanden, was an die früheren Besitzer erinnert. Die Burg liegt in Trümmern, die alten Klostergebäude waren im Bauernkriege zerstört, und bald nach der Besitzergreifung durch die Wei

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