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marische Kammer brannten am 23. Juli 1608 Schule und Kirche mit dem Erbbegräbniss ab, und nicht einmal Grabsteine erinnern an die Familie, die hier zwei Jahhrhunderte herrschte. Nur auf der Rosette eines Kreuzgewölbes im jetzigen Pfarr-Waschhause, welches früher eine Kapelle gewesen sein mag, erblickt man in einem Schildwappen die Witzlebenschen Sparren, und zwei andere kleine Witzlebensche Schildwappen sind an der äusseren Mauer nach der Strasse zu eingemauert, darunter ein Stein mit der Innschrift: Anno M.D.XIII. positus est lapis iste (dieser Stein wurde 1513 gesetzt).

Wie lange werden diese Wahrzeichen noch Kunde geben, dass einst Berka dem Witzlebenschen Geschlechte angehörte?

Jetzt ist Berka ein kleines Städtchen mit etwa 1700 Einwohnern, was durch seine schöne Lage und eine Schwefelquelle jährlich 6-700 Gäste an sich zieht. So sind zwei der ältesten Witzlebenschen Stammsitze, Berka und Elgersburg, Badeorte geworden.

Als Magnus von Witzleben aus der Oldenburger Linie in dem Jahre 1836 Thüringen und die Witzlebenschen Stammgüter bereiste, berührte er auch Berka, und tief ergriffen beim Anblick der Witzlebenschen BurgRuinen schrieb er folgende Verse, die wir zum Andenken an die Berkaer und den edlen Dichter hier wiedergeben:

In den Ruinen der Witzlebenschen Burg bei Berka.
Rauschest Du an mir vorüber, ferner Zeiten dunkler Strom,
Wehst Du, alte, fromme Vorzeit, hier durch dieses Waldes Dom?
Sprichst Du von vergangnen Tagen, von der Ahnen Stolz und Ruhm,
Mahnst Du an vergang'ne Grösse, an gesunk'nes Ritterthum?
Hier auf Euch, Ihr grauen Steine, in der Fremde und allein,
Blick ich sinnend und voll Schwermuth in das stille Thal hinein.
Dunkle Tannenwälder kränzen der Gebirge fernen Rand,
Und die Ilm durchzieht die Thäler, wie ein breites Silberband,
Und mein Ohr, das durch die Stille dieses Sommerabends lauscht,
Hört den Strom, der über Kiesel tief im Felsengrunde rauscht.
Hier in diesen Mauern haben meine Ahnen einst gethront,
Haben diese Burg errichtet, haben dieses Schloss bewohnt,
Und es scheint im Abenddunkel mich ihr Geist hier zu umweh'n,
Und auf den bemoosten Steinen scheint mir dieses Wort zu steh'n:
Sei nicht stolz auf unsre Thaten, strebe du nach eignem Ruhm!
Trümmer jetzt sind unsre Burgen, und es fiel das Ritterthum.
Kraft und Muth sind mit den Zeiten hingeschwunden und entfloh'n,

Du bist nicht mehr unsres Gleichen, Du bist andrer Zeiten Sohn!"
Dieses sehe ich geschrieben und empfinde es beschämt,

Doch nicht werde durch die Lehre meine Kraft und Muth gelähmt!
Euch, Ihr ritterlichen Ahnen, deren Burg ich endlich fand,
Bin ich zwar nicht gleich, doch fühl' ich Eurem Geiste mich verwandt.
Gebt mir denn im Streit für's Gute treulich schützend das Geleit
Und ich trete, fest und muthig, in den Kampf mit dieser Zeit.
Mich erfüllet nicht mit Stolze, nein mit Demuth Euer Ruhm,
Helft mir denn getren bewahren dieser Ehre Heiligthum!

II. Abschnitt.

Die Fränkische Linie.

Christoffel

hristoffel von Witzleben, dessen Leben wir bereits im II. Theil Seite 37 beschrieben haben, hinterliess seinen drei Söhnen Gangloff, Siegmund und Christoff wahrscheinlich keinen Grundbesitz, dennoch aber gelangten sie zu einigem Ansehen.

1. Die Söhne Christoffels von Witzleben.

1499-1556.

a. Gangloff von Witzleben

war Kämmerer des Herzogs Johann des Beständigen und später Amtmann zur Wachsenburg. Seiner guten Dienste wegen wurde er schon vor dem Jahre 1511 mit Wölfis im Amte Wachsenburg belehnt, obgleich der Lehnbrief erst im Jahre 1514 ausgestellt ward. Das Gut hatte Hans von Witzleben, welcher es seiner Frau zum Leibgut verschrieben hatte und ohne Söhne verstorben war, besessen und war nach seinem Tode als offenes Lehn dem Herzoge heimgefallen. Gangloff kaufte im Jahre 1516 noch andere Ländereien in Wölfis, so dass dann sein Besitzthum aus 11 Hufen Land, einem Backhause, 5 freien Höfen, dem Schenkhause, 70 Acker Wiese, 6 Acker Holz und einigen Zinsen bestand und zu den mittelgrossen Gütern gerechnet werden konnte. Ferner besass er, jedoch gemeinschaftlich mit seinem Vetter Curt von Witzleben, den Hof Kropfweihers, dicht bei Coburg gelegen, als Lehn des Stifts Saalfeld etwa seit dem Jahre 1505.

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Gangloff musste überhaupt ein guter Wirth sein, denn 1514 war er auch im Stande gewesen, dem Herzoge Johann 2000 Fl. zu leihen oder, wie die Urkunde sagt, ihm 100 Fl. wiederkäufliche Jahreszinsen abzukaufen.

Vom Jahre 1512 an erhielt Gangloff vom Kurfürsten Friedrich und Herzoge Johann ein jährliches Dienstgeld von 50 Fl. und wurden ihm ausserdem alle durch seinen Dienst entstehenden Ausgaben, selbst das Opfergeld (Klingelbeutelgeld) ersetzt.

Als Kämmerer hatte er vielfach die Kasse seines Herrn zu führen und so finden wir in Förstemann's neuen Mittheilungen 5. Band 4. Heft die Einkäufe verzeichnet, welche Witzleben für den Herzog von 1513-1518 gemacht hatte.

Gangloff starb im Jahre 1522, nachdem er noch im Jahre vorher im Gefolge des Kurfürsten von Sachsen auf dem Reichstage zu Worms gewesen war. Nicht allein ihm, sondern auch seiner Gemahlin Dorothea scheint der Herzog Johann sehr gewogen gewesen zu sein, denn er verlieh letzterer am 3. November 1522 wegen der treuen Dienste, welche sie der Herzogin Anna, geb. Prinzessin von Anhalt, und ihrer Tochter geleistet habe, für ihre Lebenszeit ein Jahrgeld von 20 Fl. und 3 Malter Korn aus dem Amte Wachsenburg.

Gangloff's Söhne sind Raphael und Christoph von Witzleben (s. Seite 134).

b. Siegmund von Witzleben.

Diesen haben wir schon Seite 38 dieses Bandes kennen gelernt, als sein Vater Christoffel vom Herzog Georg von Sachsen am 30. Mai 1499 aufgefordert wurde, Siegmund von der weiteren Befehdung des Herzogs von Braunschweig abzuhalten. Der Herzog Georg von Sachsen wandte sich aber auch direct an Siegmund von Witzleben und schrieb ihm: „Ich habe es nicht gern gehört, dass Du den Hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Erich von Braunschweig, etlicher vermeintlicher Forderungen halber mit Fehde vorgenommen, und will nicht gern, dass Du damit fortfährst, vielmehr sollst Du meine Ueberweisung (Vermittelung) dulden, die angefangene Fehde fallen lassen, oder eine Zeit lang in Ruhe und Geduld stellen. Zu Mittwoch nach unserer lieben Frauen Tage Visitationis Mariae

werde ich zu Erfurt einkommen und mich daselbst mit der Sache beladen und sie verhören.“*)

Hierauf antwortete Siegmund von Witzleben: „,Gnädigster Fürst und Herr, ich bitt E. F. G. gehorsamst zu wissen, dass ich dem Fürsten Erich von Braunschweig etliche Zeit gedienet habe und nachgeritten bin. Er ist mir aber etliche Pferde und andern Schaden schuldig geblieben und habe ich weder durch die Vorbitte E. F. G., noch andere Vorbitte noch auf mein eigenes Ersuchen das mir Zustehende erhalten können, sondern es ist mir zu merklichem Schaden gewaltsam vorenthalten worden. Da ich ein armer Geselle bin, und es nicht in meinem Vermögen steht, davon abzulassen, so ist es meines Bedenkens nicht unbillig, dass ich an meine Schuld zu mahne. Bei alle dem aber will ich E. F. G. Begehren und Schrift gemäss, mich viel lieber vertragen, meine vorgenommene Fehde gegen genannten Fürsten von Braunschweig und die Seinen bis auf nächsten St. Jacobstag in Ruhe stellen und auf bemeldeten Tag nach Erfurt kommen. E. F. G. sollen dann ermächtigt sein, als mein gnädiger Herr und Landesherr zwischen mir und dem Fürsten von Braunschweig Entscheidung zu treffen nach Recht und Billigkeit."**)

Wie der Spruch des Herzogs Georg ausgefallen ist, wissen wir nicht. ***) Die Fehde, welche die damalige Zeit kennzeichnet, dürfte vielleicht eine der letzten gewesen sein, welche ein armer Ritter gegen einen verhältnissmässig mächtigen Fürsten unternahm. Man würde jedoch sehr irren, wenn man bei der Befehdung des Herzogs von Braunschweig durch Siegmund von Witzleben an einen eigentlichen Krieg denken wollte, vielmehr bestand diese Fehde, nach Sitte der damaligen Zeit, sicherlich darin, dass Siegmund mit seinen Freunden in des Herzogs Lande einfiel und den Besitzungen desselben den möglichst grössten Schaden beibrachte. War nun Siegmund, wie wir voraussetzen können, ein kühner unternehmender Ritter, welcher einen bedeutenden Anhang hatte, so war die angekündigte Fehde um so gefährlicher, als er selbst kein Besitzthum hatte, also seine Person das Einzige war, dem man beikommen konnte. Auf diese Weise erklärt es

*) Der Brief des Herzogs ist aus dem nachfolgenden Schreiben Siegmunds entnommen, zu welchem er, wie damals oft gebräuchlich, die Einleitung zur Antwort bildet.

**) Nach dem Original im Dresdener Archiv: Acta die wider die Herzöge von Braunschweig und deren Unterthanen begangene Fehde betreffend, 1499, Loc. 7248. ***) Im Braunschweigischen Archive zu Wolfenbüttel waren keine Nachrichten darüber aufzufinden.

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