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Von dem ältesten Bruder, Raphael, haben wir ausführlichere Nachrichten. Er trug als Hennebergischer Vasall bei der Bestattung des letzten Grafen von Henneberg am 9. Januar 1584 das Henneberger und Kärntensche Wappen auf der linken Seite der Leiche, kaufte bald darauf in der Nähe von Coburg das Rittergut Jüchsen und heirathete am 7. April 1589 als Gräflich Eisenburgischer Hofmeister Agathe Truchsess von Wetzhausen, eine nachgelassene Tochter von Bernhard Truchsess von Wetzhausen zu Unsleben. Die wenig originelle Traurede ist noch in unserem Besitz. Im Jahr 1599 finden wir ihn in Coburg am Hofe Johann Casimirs als Hofmeister im Frauenzimmer, also als Kammerherr der Herzogin Margaretha geb. Herzogin zu Braunschweig. An diesem Hofe erwarb er sich so die volle Zuneigung der Herrschaft, dass, als er 1607 erkrankte und sein Ende herannahte, der sonst nicht weichherzige Herzog Johann Casimir am 23. October 1607 ihm schrieb: „Wir möchten gern sehen und Dir sorglich gönnen, dass sich's mit Dir zur Besserung wendete, also dass Du neben unseren Dienstverrichtungen noch den Deinigen lange vor sein und sie auferziehen könntest. Dieweil aber dies Alles bei des lieben Gottes Willen steht, dem wir uns besamt billig untergeben, so hast Du Dich dessen nochmals zu getrösten und zu gewarten. Jedoch, wenn es zu seligen Abschied mit Dir kommen sollte, erbieten wir uns gnädiglich, dasjenige bei den Deinigen aufzutragenden Falles zu thun, zu verordnen und vorzuwenden, was diesfalls einer christlichen Obrigkeit zustehet und gebühret." Addressirt ist der Brief: ,,Unserm Frauenzimmers Hofmeister etc." Raphael starb bald darauf am 8. November 1607.

Der Herzog sorgte in generöser Weise für das Leichenbegängniss seines treuen Dieners, zu welchem 10 Personen vom Adel, 3 Geistliche, 1 Rector und Kantor, 55 Knaben und 6 Leichenträger zum 13. November entboten wurden.

Die hinterlassene Wittwe Magdalena von Witzleben geb. von Brandt, des verstorbenen Hennebergischen Raths und Amtmanns zu Schmalkalden Friedrich von Brandt Tochter, die dritte Frau Raphael's, *) hatte viel Sorgen, da die von Raphael hinterlassenen Vermögensverhältnisse nicht glänzend waren, wozu sein Bruder Heimart Daniel auf Urspringen und Geba das Seinige beigetragen hatte. Jüchsen hatte Raphael etwa um 1600 veräussert und statt dessen von der Familie Rapp von Meder das Rittergut

*) Von der zweiten Gemahlin, Katharina Edlen von der Tann, welche 1602 starb, existirten zwei Töchter, von der dritten zwei Söhne.

Rothenhof erworben, welches bei seinem Tode auf 6000 Fl. geschätzt und mit 2000 Fl. Schulden belastet war.

Von den Kindern Raphael's heirathete die älteste Tochter Anna Cordula im Jahre 1617 Caspar Siegmund Rapp von Meder. Nach den Verhandlungen über die abzuschliessende Ehe im Archiv zu Coburg) musste sich der Bräutigam, der obwaltenden unglücklichen Vermögensverhältnisse wegen, mit einer Mitgift von 750 Fl. zufrieden erklären.

Die andere Tochter, ebenfalls aus der zweiten Ehe Raphael's, Margarethe, geb. den 26. Februar 1602, hatte ihren Namen von der so unglücklich endenden Herzogin von Coburg, der Gemahlin des Herzogs Johann Casimir, welche ihre „Frau Tauffdod oder Pathe" war und sie in ihrem 13. Jahre ,,ins fürstliche Frauenzimmer" als „Hofjungfrau" aufgenommen hatte, empfangen. Frühzeitig wurde die holde Jungfrau, bei deren Beerdigung der Hofprediger Hugo sagte, dass er „ihr lieber ein Hochzeit- als Leichpredigt gethan hätte", in Folge eines Scharlachfiebers nach kaum vollendetem 17. Lebensjahre am 18. September 1619 hinweggerafft. Ihre Stiefmutter, ihre Schwester Anna Cordula von Rapp, die Herzogin mit ihrem Hofstaate wohnten der Beisetzung bei; die beiden kleinen Stiefbrüder hatten bitterlich an ihrem Sterbebette geweint. *)

Von dem jüngsten dieser Brüder wissen wir nicht einmal den Namen. Der älteste derselben, den der Herzog aus der Taufe gehoben, führte dessen Namen

Johann Casimir. Er war 1605 geboren und besass ausser dem väterlichen Gute Rothenhot gemeinschaftlich mit seinem Vetter Hans Albrecht von Witzleben zu Freudenthal das Rittergut Obern-Höchstedt. Letzteres verkauften beide Besitzer vor 1641 an den Rath der Stadt Wunsiedel. Im August 1650 kam Johann Casimir bei dem Rath von Wunsiedel darum ein, ihm den Kaufschilling seines Vetters, der seit neun Jahren verschollen sei und keine Erben hinterlassen habe, auszuzahlen. **) Er könne genügende Sicherheit für alle Fälle geben, da ihm die Herzogliche Canzlei zu Coburg bescheinigt habe, dass er in Franken sesshaft sei und Rothenhof unverpfändet besitze. Johann Casimir vou Witzleben war später Landschaftsdirector

*) Wischtüchlein oder Leichenpredigt etc. von Nicolaus Hugo, F. S. Hofprediger, Coburg 1620, in der Herzogl. Bibliothek zu Gotha.

**) Hans Albrecht lebte zu dieser Zeit auf seinem Gute Neu-Bromberg in Würtemberg. Archiv zu Heilbronn.

und starb 1681 ohne männliche Erben, worauf Rothenhof an den Herzog Albrecht zu Sachsen heimfiel. *) Er hat also auch keine mitbelehnten Vettern gehabt und ist jedenfalls der Letzte der Fränkischen Linie unseres Geschlechts gewesen, wenigstens fehlen bis jetzt spätere Nachrichten über dieselbe.

4. Die Nachkommen Christoph’s von Witzleben

zu Wölfis.

1580--1632.

Christoph von Witzleben, welchen wir Il. Thl. S. 135 kennen gelernt haben, hatte, wie seine eheliche Hauswirthin Katharina von Germar uns Seite 136 mitgetheilt, viele Kinder, von denen wir jedoch nur zwei Söhne, Salomon und Jobst Heinrich kennen.

a. Salomon von Witzleben

war 1580 mit Rudolph, Edlen von der Planitz in Streit gerathen und hatte diesen in der Gegend von Planitz und Voigtsberg im Voigtländischen Kreise erschlagen. **) Da sich in der von dem Schosser zu Voigtsberg geführten Untersuchung herausstellte, dass Rudolph von der Planitz zu seiner Entleibung selbst die Veranlassung gegeben habe, so beabsichtigten die Vormünder des Erschlagenen, sich mit Christoph von Witzleben, dem Vater des Thäters, der sich seines Sohnes kräftig annahm, in einen gütlichen Vergleich einzulassen und baten hierzu um die Genehmigung des Kurfürsten von Sachsen. Dieser befahl jedoch, den Prozess zu Ende zu führen und dem Recht seinen Lauf zu lassen (1580). Inzwischen beklagte sich Salomon von Witzleben, der von den Edlen von der Planitz gefangen gehalten wurde, über schlechte Behandlung, worauf der Schösser zu Voigtsberg angewiesen ward, den Edlen von der Planitz zu gebieten, sich gegen Salomon von Witzleben in Betreff seines Gefängnisses und Unterhaltes zu verhalten, wie es gegen Adelspersonen in solchen Fällen gebräuchlich sei.

*) Gruner, Beschr. v. Coburg-Saalfeld I. p. 271 u. 272.

**) Den Thüringer Copialbüchern 1580— 1581 im Staatsarchiv zu Magdeburg ist das Folgende entnommen.

Witzleben's Freunde setzten es endlich durch, dass er wenigstens eine Stube als Gewahrsam erhielt. Salomon muss aber dennoch schlecht gehalten sein, denn im Februar des Jahres 1581 beklagte sich sein Vater Christoph von Witzleben wieder beim Kurfürsten, der in Folge dessen den Schösser zu Voigtsberg zum genauen Bericht aufforderte. Nach mancherlei Verhandlungen wurden endlich Salomon's von Witzleben Vater, Bruder, Vetter und Blutsfreundschaft benachrichtigt, dass, nachdem es sich herausgestellt habe, Salomon sei durch „Auffordern und Wegelagern” Seitens Rudolph's von der Planitz zu dessen Entleibung verleitet worden, die Lebensstrafe für ihn zu streng wäre, und da er nunmehr 1'/: Jahr „mit grossen Cnkosten und Verlierung seiner Gesundheit gefänglich gehalten worden", jener Vertrag vollzogen werden solle, den die Verwandten Salomon's und der Schwertmagen" (d. h. nächste Verwandte) Rudolph's von der Planitz geschlossen hatten. Deshalb wurde dem Schösser zu Zwickau befohlen, die von Witzleben und von der Planitz vorzufordern, sich die Gerichtskosten zahlen und beide Parteien ihren Vertrag in Güte schliessen zu lassen.

b. Jobst Heinrich von Witzleben, Vicomte d'Ipigny (Burggraf von Uppein).

Jobst Heinrich von Witzleben, eines der „vielen kleinen unerzogenen Kinder” Christoph's von Witzleben und seiner Gemahlin Katharina geb. von Germar, ward zwischen 1550 und 1559 geboren. Sein Vater batte, wie II. Thl. S. 135 erwähnt worden ist, 1551 als niedersächsischer Kreisoffizier unter dem Grafen Vollrath von Mansfeld gedient, und dies scheint die Veranlassung geworden zu sein, dass auch Jobst Heinrich zu den Grafen von Mansfeld in nähere Beziehung trat und Page bei dem Grafen Hans Albrecht von Mansfeld wurde.

Als im Frühjahr 1570 die Eina im Amte Arnstein stark angeschwollen war, fiel zwischen dem Schlosse und dem Brauhofe zu Arnstein ein Mägdlein von dem Steg und riss seine hochschwangere Mutter mit in das Wasser. Beide wurden von dem Strome fortgetrieben. Der Graf Hans Albrecht von Mansfeld, welcher in der Nähe des Brauhofes ein Pferd zureiten liess, sprang, als er das Hülfegeschrei hörte, hinzu. Das Weib hatte einen Halt gefunden, wollte aber dem weiter treibenden Mägdlein nach. Dies ver

hinderte jedoch der Graf, während sein Knecht und sein Junge (Page) Witzleben sich ins Wasser stürzten, das halbtodte Kind retteten und dann auch dessen Mutter heraushalfen. „Also hat vnser HERR GOTT SO wunderbarlicher Weise verhütet – schliesst Spangenberg die ausführlich erzählte Geschichte *) das der Sathan sein fürnemen nicht verbringen können, welcher one zweiffel im sinne gehabt (wenn es bey ime, vnd in seiner Macht gestanden hette) diesen Tag fünff, oder mehr Mörde zustifften.“

Später diente Jobst Heinrich von Witzleben unter dem berühmten Grafen (seit 1594 Fürsten) Peter Ernst von Mansfeld, Kaiserlichen Gouverneur von Luxemburg und Namur, auch General - Obersten und Feldhauptmann in den Niederlanden, **) und kämpfte unter ihm 1579 bei der Eroberung von Mastricht, Quesnay, Comines, und 1580 und 1581 bei der Belagerung von Bucheim, Nivelle, Oudenarde, Tournay. Er erreichte in diesem Dienste den Grad eines Obersten und befehligte als solcher ein deutsches Regiment im Dienste Brabants.

Um das Jahr 1593 verliess Jobst Heinrich die Niederlande und wandte sich nach Halberstadt, wo er in die Dienste des Herzogs Julius von Braunschweig, postulirten Bischofs von Halberstadt trat, „,welcher ihm allen Vorschub und Beförderung zukommen liess". ***)

Bevor Witzleben jedoch Brabant verlassen hatte, verlobte er sich mit Margarethe von Tserclaes, nachdem seine erste Frau Anne de Vaux mit Hinterlassung zweier Töchter (Anna und Ernestine) und eines Sohnes (Julius) gestorben war. †)

Margarethe von Tserclaes war die Schwester des berühmten bairischen Generalissimus Johann Tserclaes Grafen von Tilly und die Tochter des Martin von Tserclaes, Herrn von Tilly, Ballastre und Montigny, Erbseneschalls und Pannetier des Landes und der Grafschaft Namur, und der Dorothea von Schierstedt, tt) Ehrendame der Königin Maria von Ungarn, Regentin der Niederlande.

*) Mansfelder Chronik S. 494. **) Gauhen, Adelslex. II. p. 677.

***) Brief des Bischofs 'an den Landgrafen von Hessen vom 27. April 1594 im Staats-Archiv zu Cassel.

†) Wir kennen nur diese drei Kinder.

++) Deren Mutter war Dorothea von Gersdorff, eine natürliche Tochter Kaiser Maximilians. Cf. Gr. Villermont. Tilly, p. 1. Hübner Gen. Tab. Tab. Tilly. Buddei Allg. Hist. Lex. IV. p. 552.

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